Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Umfrage

Umfrage Dezember 2017
  • Welches Internet-Informationsformat bevorzugen Sie?

Alle Umfragen

Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 4

So, 24 Apr 2016 Kultur & Sport


Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 4

Kaliningrad ist eine moderne Stadt. Im Rahmen der Entwicklung des Tourismus wird durch die Kaliningrader Regierung immer mehr Wert auf die historische Vergangenheit der Stadt und des Gebietes gelegt. Zur historischen Vergangenheit gehören auch altdeutsche Denkmäler und Skulpturen, die den Krieg und die Nachkriegswirren überdauert haben und heute noch im Stadtbild präsent sind.  In einer neuen siebenteiligen Serie zeigt ein historisch interessierter Deutscher Königsberger Denkmäler und ihr Schicksal im heutigen Kaliningrad.

Aufgrund der exponierten Lage von Ostpreussen und seiner ungesicherten Grenzen, war es immer oberstes Gebot für die Bewohner ihre Dörfer und Städte, insbesonders Königsberg  vor Angriffen zu schützen. Bereits der Deutsche Ritterorden überzog das Land mit einem Netz von Wehrtürmen und Burgen. Unsere Stadt sah die ersten mittelalterlichen Mauerringe Mitte des 14. Jahrhunderts, jedoch für jede der drei Städte Altstadt, Löbenicht und Kneiphof gab es einen eigenen. Nachdem der schwedische König Gustav Adolf im Krieg gegen Polen 1626 von Pillau (heute Baltijsk) aus auch die Stadt Königsberg bedrohte, wurde damit begonnen einen Befestigungsgürtel um die gesamte Stadt herum zu bauen. Der Verlauf dieser, 1634 fertiggestellten barocken Verteidigungslinie mit 32 Rondells und Ravelins ausgestattet und unterbrochen nur von zwei Toren südlich des Pregels und sieben nördlich davon, war bis Ende des Zweiten Weltkriegs fast unverändert. Mit Ausnahme des Gumbinnischen Tores (dem späteren Königstor) behielten auch alle ihre Namen bis 1945 und selbst heute sprechen die Russen von Brandenburgskij Vorota  oder Sackheimskij Vorota (Tor).

Mitte des 19. Jahrhunderts war Königsberg wohl Soldatenstadt aber längst keine Festung mehr. Die alten Wälle waren ohne militärischen Wert und wurden meist als Spazierwege benutzt. Eine Verschlechterung der politischen Lage lies es den Stadtoberen geraten erscheinen, die Stadt aufs neue zu befestigen (1840) . Drei Jahre später wurde damit begonnen, dem alten Wall folgend, eine neue Befestigungslinie zu erbauen. In dem folgenden Jahrzehnt entstand ein gewaltiges Werk nach dem neuesten Stand der Festungsbaukunst. Es wurde jedoch nicht nur Wert auf die militärische Notwendigkeit gelegt, sondern es wurde auch ein ästhetisch befriedigendes Bild, durch Wälle und Gräben, Kasematten und vor allem durch die Tore geschaffen. Die künstlerisch bemerkenswerten Bauten in der damals beliebten Backstein Neugotik,  waren keine bloßen Durchlässe mehr und bei der Gestaltung hatten neben den Militärs auch die Künstler ein Wort mitzusprechen. Sie wurden mit Denkmälern und Medaillons geschmückt die fast alle von dem Berliner Bildhauer Wilhelm Stürmer gefertigt wurden.

Eines der beiden südlich des Pregels liegenden Stadttore (das andere ist das Friedländer Tor) ist das Brandenburger Tor. Brandenburg deshalb, weil die Straße in das am Frischen Haff gelegene, gleichnamige Dorf führt (heute Uschakova). Es ist das einzige der alten Tore durch die heute noch der Verkehr durchführt. 1960 zum Bau- und Kulturdenkmal ernannt, erfuhr es von 2012 bis 2014 eine umfangreiche Restaurierung.  Auf der Stadtseite sind in den Giebeln noch zwei eingelassene Hochreliefs erhalten (Generalfeldmarschall Hermann von Boyen und E.L. von Aster, dem Schöpfer der ganzen Befestigungsanlage).

Es liegt am Ende der Straße Alter Garten (die ul. Bagrationa führt hindurch und geht dann in die ul. Suworowa über). An der Südseite sind ebenfalls in den Giebeln noch Medaillons mit dem preussischen Adler erhalten.

Wenn man von Beginn der Frunsestraße (Königstraße) genau einen Kilometer Richtung Osten wandert stösst man direkt auf das vornehmste Tor der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt: dem Königstor (Korolevskij Vorota).  Wie bei den meisten anderen Toren auch, stammt  auch hier der Entwurf des Tores von Friedrich August Stüler, der von Friedrich Wilhelm IV. zum „Architekten des Königs“ ernannt wurde.  Seiner Feder entsprangen nicht nur die wichtigsten Hof- und Staatsbauten Preußens, sondern auch u.a. das Nationalmuseum in Stockholm oder die Akademie in Budapest. Er lies das Vorgängertor aus dem 17. Jahrhundert komplett neu errichten wie die anderen Tore auch. Das alte, Gumbinner Tor genannt, war, wie die anderen, kein Turmgebäude sondern ein einfacher Durchlass im Wall, mit Zugbrücken und Torhäusern für die Wachen. Der neue Bau, ein funktionales und gleichzeitig architektonisch bedeutendes Bauwerk, gedieh von 1843 bis um 1850 nach der neuesten Technik der Befestigungskunst und Architektur. Direkt neben dem Tor befand sich der Kleinbahnhof Königstor von wo aus der Personenverkehr in Richtung Tapiau (Gwardeisk) nach Osten und Schaaksvitte am Frischen Haff ( heute Kaschirskoje) begann.

Vom König  wurde der Bildhauer Stürmer beauftragt drei Herrscherfiguren auszuhauen. Nach den Entwürfen von Stüler und König Wilhelm sollten dies sein: links, der Böhmenkönig Ottokar II., den Königsberg stets als Namenspatron verehrt hat, obwohl er von Vaterseite her Tscheche war (laut Gause dürfte dies das einzige Denkmal dieses Königs auf deutschem Boden gewesen sein). In der Mitte finden wir König Friedrich I. der sich 1701 in der Schloßkirche zum ersten König in Preußen krönte und rechts steht , man kann ihn mit Fug und Recht so behaupten, der erste Preuße, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, dem Gründer der Universität und des Herzogtums Preußen.

Sie wurden, auf einer Konsole stehend, aus Sandstein gemeisselt in neun Meter Höhe an der Westseite angebracht. Die Wappen der altprussischen Landschaften Samland und Natangen (deren Grenze der Pregel bildet) über den Statuen und, die den Herrschern entsprechenden Wappen unterhalb (Böhmen, Preußen und Brandenburg) wurden von dem Berliner Architekturmaler Heinrich ASMUS gestaltet.

Durch Artilleriebeschuss und Granaten wurde das Königstor während den Kriegshandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch nach dem Kriege wurden den Herrschern die Köpfe abgeschlagen. In diesem trostlosen Zustand verharrte das Tor bis in das 21. Jahrhundert hinein.

Zur 750 Jahrfeier der Stadt im Jahre 2005 jedoch wurde das Tor restauriert, als es von der Stadt als Symbol für die Feierlichkeiten auserwählt wurde. Dies erwies sich jedoch als sehr schwierig, da die originalen und seinerzeit kopierten Entwurfszeichnungen von Stüler nicht mehr auffindbar waren. Zur Wiederherstellung der drei Figuren musste man deshalb auf alte Fotografien und Postkarten zurückgreifen. Dennoch haben die Restauratoren aus St. Petersburg ihre Arbeit zu aller Zufriedenheit vollendet und das Korolevskij Vorota ist wie zu alter Zeit wieder ein Augenfang für alle Betrachter.

Die Börsen hatten in Königsberg eine lange Tradition.  Seit 1619 nachweisbar, wurde die erste bereits 1623 erbaut. 1699 und 1801 entstanden die zweite und dritte; sie dienten hauptsächlich der Abwicklung von Geschäften mit einheimischen und internationalen Futtermittel. Neben Saatgut und Getreide wurden auch sämtliche damit verbundenen Geschäftszweige wie Fracht-, Spedition-, Lagerhaltung und Versicherungsgeschäfte hier abgewickelt. Die vierte und letzte Kneiphöfische Börse ist bis heute erhalten. Der Bremer Architekt Heinrich Müller wurde von der Kaufmannschaft mit dem Bau beauftragt, die in dem neuen Gebäude ihren wachsenden Wohlstand zum Ausdruck bringen wollte.

Foto: Gebäude der Königsberger Börse im Jahre 2015
 
Auf schwierig zu bebauendem, moorigen Boden wurden über 2000, zwischen 12 und 18 m lange Pfähle in die Erde getrieben. Das Baumaterial, Sandstein, kam von der Porta Westfalica. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde das wuchtige Gebäude, erbaut im prachtvoll-schweren Stil der Florentiner Renaissance, 1875 eröffnet. Der in Königsberg geborene Richard Hundrieser, einer der bedeutendsten Bildhauer der wilhelminischen Epoche,  schmückte den Bau auf dem Dach mit vier allegorischen, die Erdteile darstellenden Figuren. Die Freitreppe, das ehemalige Hauptportal, heute zu einem Seiteneingang degradiert, schmücken die „Gebrüder Löwenstein“. So wurden im Volksmund die beiden links und rechts am Aufgang wachenden Löwen genannt.
 
Während die Figurengruppe am Dach das Weltkriegsinferno nicht überlebte, stehen die beiden Portalwächter wie eh und je an den Stufen des Aufganges.
 

Das zu sowjetischer Zeit „Kulturpalast der Seeleute“ genannte Gebäude wurde 1960 zu einem Kulturdenkmal erklärt und sieben Jahre später war die Börse originalgetreu wiederhergestellt, wenn auch die Farbe hellblau, der Funktion als Herberge für die Seeleute angepasst wurde. Im Jahre 2000 bezog das Gebietszentrum für Jugendkultur (Oblastnoj Zentr Kultury Molodeschy) das Gebäude. Heute dient die ehemalige Börse hauptsächlich als Veranstaltungszentrum und hat mittlerweile auch seine ursprüngliche Ockerfarbe wieder erhalten.

Der freischaffende Bildhauer Erich Schmidt-Kestner war ab dem Jahre 1926 Leiter der Bildhauerklasse an der Kunst- und Gewerkschule in Königsberg.  Seine im Jahre 1930 geschaffene Tierplastik „ Zwei spielende Windhunde“  galt lange Zeit als verschollen, doch wie etliche andere plastische Werke ist auch dieses wieder der Öffentlichkeit zugängig. Die aus Bronze gefertigte, über einem Meter hohe Tiergruppe stand früher an der Hauptpromenade des Tiergartens und war ein Geschenk des Künstlers. Von den insgesamt sieben Arbeiten die für Königsberg von Schmidt-Kestner aufgelistet sind, ist bis dato dies das Einzige welches wieder aufgetaucht ist. Diese eindrucksvolle Schöpfung stand viele Jahre im Garten eines Generals und um so mehr darf man sich jetzt über das Aufstellen der Plastik in der Kunstgallerie am Moskovkij Prospekt freuen. Sie ist in einem bemerkenswert guten Zustand und auch die Signatur von Schmidt-Kestner wie auch die Gießerei ist deutlich lesbar.

In der ehemaligen Hindenburgstraße (heutige ul. Leonowa) kommt nach kurzem Weg, von den Hufen (Mira Prospekt) aus nach Norden wandernd rechter Hand das ehemalige Oberlyzeum, heute eine Art Handelsschule. An der nördlichen Außenwand, wenige Meter von der Hauptstraße sind zwei bemerkenswerte Mädchenköpfe von Stanislaus Cauer mit noch sichtbarer Signatur zu bestaunen. Sie haben die schwierigsten Zeiten unbeschadet überstanden und haben ihren ursprünglichen Platz nie verlassen.

Fotomontage: Mädchenköpfe von Stanislaus Cauer in der ul. Leonowa
 
 
Reklame

Denkmalschutz, Tourismus

   Kommentare ( 0 )

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an