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Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 7

So, 15 Mai 2016 Kultur & Sport


Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 7

Kaliningrad ist eine moderne Stadt. Im Rahmen der Entwicklung des Tourismus wird durch die Kaliningrader Regierung immer mehr Wert auf die historische Vergangenheit der Stadt und des Gebietes gelegt. Zur historischen Vergangenheit gehören auch altdeutsche Denkmäler und Skulpturen, die den Krieg und die Nachkriegswirren überdauert haben und heute noch im Stadtbild präsent sind.  In einer neuen siebenteiligen Serie zeigt ein historisch interessierter Deutscher Königsberger Denkmäler und ihr Schicksal im heutigen Kaliningrad.

 

Mit diesen Worten beschrieben die Westermanns Monatshefte 1923 eine kauernde Frauengestalt, die, von Stanislaus Cauer aus italienischem Marmor gehauen, in Königsberg/Pr. an der Mauer der Kunstakademie aufgestellt war. Wenn wir in einer früheren Folge unserer Publikation den Puttenbrunnen als „Wandernden“ bezeichnet haben, so trifft dies zweifelsfrei auch für die „Badende“, wie sie auch genannt wird, zu.

Cauer, Jahrgang 1867 kam schon im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie nach Rom, wo er im Atelier seines Vaters die Bildhauerei erlernte. Schon sehr früh befasste er sich mit der Bearbeitung von Marmor. Genau aus so einem Block begann er in der italienischen Hauptstadt im Sommer 1904 seine Skulptur zu formen, die er kaum zwei Jahre später, zurück in Berlin, beendete. Nachdem Cauer ein Jahr später an die hiesige Kunstakademie berufen wurde, fand auch die zentnerschwere Plastik ihren Weg in die Pregelstadt. Nach dem Ankauf der „Badenden“ durch die Stadt im Jahre 1922 zog sie in den Jahren danach vor das Schauspielhaus um.

Während des Krieges wurde die Skulptur etwas beschädigt und in den 50er Jahren auf einem Postament im ehemaligen Albrechtsstift/heute ein Haus für die Künstler (Maler) unweit der Luisenkirche aufgestellt. Doch ähnlich dem Puttenbrunnen forderte auch hier die Zeit unter offenem Himmel und für jedermann zugänglich ihren Tribut. In den 90er Jahren wurde die Reißleine gezogen. Mit Geld von der Kaliningrader Gebietsregierung im Rahmen eines Förderprogramms durch den Verein Gedenkstätten Königsberg e.V. wurde die Plastik für 400.000 Rubel restauriert. Spezialisten aus St. Petersburg reinigten verschmutzte Stellen, füllten Risse mit einer besonderen Mastix aus und die fehlende Nasenspitze und Fingerkuppe wurden mit Hilfe eines in der Farbe angepassten Materials wieder hergestellt. So aufgearbeitet kam sie 2003 in die Kunstgalerie am Moskauer Prospekt wo sie bis heute im Eingangsbereich ihren Platz gefunden hat.

Zahllose Kunstwerke der Architektur, Malerei, Bildhauerei und auch der Kleinkunst versanken in der Nemesis des Krieges. Plastik von künstlerisch unschätzbarem Wert wurde unter Schutt begraben, mittelalterliche Holzschnitzerei verbrannt. Umso erquicklicher ist es, wenn man dann doch noch unbeschädigte Kunst an Gebäuden entdecken kann. In herausragender Weise kann man so einen Schatz noch an einem Bauwerk im Westen der Stadt (Ratslinden/heute Baseijnaja Str.) entdecken. Heute ein Schulgebäude, war es vor dem Krieg die Königsberger Kunstakademie, die nach Plänen des Stararchitekten Friedrich Lahrs im Jahre 1916 entstand. Kein Geringer als der Leiter der Bildhauerklasse Professor Cauer selbst, erschuf dieses Werk über dem Portal „seiner“ Akademie. Es sind dies zwei, 1916 kreierte geflügelte weibliche Relieffiguren, Genien mit Kranz und Füllhorn aus Muschelkalk. Wie eh und je zieren sie den Giebel der Bildungsstätte.

Foto: Die Akademie im heutigen Kaliningrad – Figuren mit Füllhorn und Kranz


Einen guten Steinwurf davon entfernt, an der Schleuse die den Hammerteich/heute Kuznetschnij Teich entwässert, befindet sich unterhalb der Straße Hammerweg/Mira Prospekt neben dem Restaurant „Herkules“ noch eine erhaltene Figur des großen Meisters.

Ob bei diesem Werk, dessen Bezeichnung „Herkules“ bei näherer Betrachtung einleuchtet, der berühmte Königsberger Friedrich Wilhelm Müller Pate gestanden hat bleibt im Dunkeln.

Müller, 1867 in Königsberg geboren, war einer der ersten der Kraftsport und Bodybuilding populär machte. Unter seinem Künstlernamen Eugen Sandow tourte er später durch Europa und die USA, wo er überall große Erfolge feiern konnte. Er veranstaltete den ersten Bodybuilding Wettbewerb (1901 in London), verfasste die ersten Bücher über den Körperkult und nach ihm wurde ein Boxverein in Königsberg  (Sportclub Sandow), ein Berg in der Antarktis (Mount Sandow) sowie eine Kleinstadt in Texas benannt.

Das Schloss Klein Beynuhnen (heute Uljanowskoje), einst ein berühmter musealer Prachtbau mit 150 Hektar großem Park wurde bei der Eroberung 1945 durch die Rote Armee gesprengt. Seit 1884 ein öffentliches Museum, beherbergte es zahlreiche Plastiken, Repliken und Gemälde über deren Verbleib so gut wie nichts mehr bekannt ist. Sie verschwanden als Trophäen in private Haushalte oder Gärten oder wurden zerstört. In der Gebietshauptstadt findet man jedoch in der Kunstgalerie am Moskauer Prospekt noch eine Marmorstatue des Bildhauers Joseph von Kopf. Diese 1857 angefertigte Skulptur, ursprünglich angefertigt als „Allegorie des Sommers“ wird im Beynuhner Sammlungsverzeichnis als „Ceres“, die römische Göttin der Fruchtbarkeit und des Erntesegens bezeichnet. Das marmorne Werk ist 1,50 Meter hoch und in höchst filigraner Art erschaffen.

Anläßlich einer Gewerbeausstellung in Königsberg 1895 faßte der Zahntechniker Hermann Claaß den Plan, auf dem Gelände, nach Beendigung der Schau, einen Tiergarten einzurichten. Schon Jahre zuvor wurde mit dem Gedanken der Errichtung eines Zoologischen Gartens gespielt, man scheiterte jedoch an den Kosten. Nach der Gründung eines Tiergartenvereins, in dem sich interessierte betuchte Bürger zusammenfanden, ging man sofort an die Arbeit. Kaum ein Jahr später, im Jahr 1896, öffnete der Zoo seine Pforten. Er wurden Tiere von anderen Städten (u.a. zwei sibirische Tiger aus Moskau) erworben und bereits mit der Eröffnung verfügte man über einen beachtlichen Tierbestand. Die gesamte Atmosphäre mit großen alten Bäumen, der tiefen Freigrabenschlucht mit kleinen Brückchen, Cafes und Gesellschaftshäusern machte es nicht nur für Tierfreunde attraktiv sondern es war eine Erholungsstätte des geselligen Lebens. 1912 wurde das erste Freilichtmuseum Deutschlands mit einer Windmühle, einer Dorfkirche und 20 Landhäuser und Scheunen der in Ostpreussen vorkommenden Typen eingerichtet.

Den Krieg überstand der Tiergarten einigermaßen, jedoch hatten nur vier Tiere das Inferno überlebt: ein Dachs, ein Damhirsch, ein Esel und „Rosa“, ein schwerverletztes Nilpferd. Das dem Tode nahe Tier wurde nach intensiver Pflege wieder aufgepäppelt und war dann mit neuem Namen (Hans) das erste Großtier im 1947 wieder eröffneten Kaliningrader Zoo. Die Menagerie ist heute, bei einem beachtlichen Tierbestand von über 2.000 Tieren, wie schon zu deutscher Zeit, eine beliebte Stätte der Erholung und die Zustände haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.  Ein Gedenkstein für den ersten Zoodirektor Claaß (von einer, von Walter Rosenberg geschaffenen, bronzenen Tiergruppe gekrönt) steht wie einst an der Hauptpromenade auf dem originalen Sockelfundament.

Von Rosenberg existiert noch am obersten Stockwerk der alten Hindenburgschule am Wallring (heute Baranowa Straße) eine Figurengruppe aus Muschelkalk (1914); eine Allegorie der fünf Naturwissenschaften.

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg war die Gründung von Vereinen eine typische Erscheinungsform. Es gab kaum eine Gruppe oder Interessenverbündete, die nicht in irgendeiner Form organisiert gewesen wären. Wir wollen hier jedoch nicht auf Kanarienzüchter, Aquariumfreunde, Briefmarkensammler oder Hundefreunde eingehen, sondern uns eher den Sportvereinen zuwenden.

Am Anfang der Sportbewegung stand das Turnen, welches Ende des 19. Jahrhunderts speziell in den Schulen gefördert wurde. Der Wettkampfcharakter stand nicht im Vordergrund sondern es diente mehr der Leibeserziehung auch in Hinsicht auf eine militärische Karriere. Aus diesen Turnerbünden spalteten sich als erstes die Schwimmer und die Ruderer (auf dem Pregel) ab.  Älter waren nur das Segeln, Schlittschuhlaufen sowie der Pferdesport (diese nannten sich jedoch alle Klub und erhoben nicht den Anspruch ein Sportverein zu sein) der auf seiner Bahn im Carolinenhof vor dem Roßgärter Tor (nicht mehr existent) regelmäßig Rennen veranstaltete. Um die Jahrhundertwende fand eine Sportart Einzug in Königsberg die schon bald die meisten Zuschauer anzog: der Fußball.

Den Anfang machte ein Fußballklub, der FC 1900 Königsberg, der acht Jahre später in (VfB) Verein für Bewegungsspiele umbenannt wurde. Es folgten der „Sportclub Ostpreußen“ (SCO) 1902, aus diesem Sportklub ausscheidende Mitglieder gründeten dem Fussballclub „Prussia“ 1904 und einen Sportzirkel „Samland“ 1905.  Im selben Jahr wurde der ASC, der Akademische Sportclub ins Leben gerufen. Durch Fusion von Prussia und Samland zum „Sportverein Prussia Samland“ entstand neben dem VfB noch ein konkurrenzfähiger Verein. Nach anfänglichen Erfolgen mussten sie jedoch nach und nach das Feld für die nun dominierende Mannschaft, den VfB räumen. Dieser errang in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Titel in Ostpreußen und im Baltikum, war mehrfacher Meister in der später gegründete Gauliga Ostpreußen und vertrat den Nord-Osten Deutschlands insgesamt 16 Mal bei der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Bekannte Spieler waren Herbert Burdenski, der später in Schalke und Bremen Karriere machte, Torhüter Paul Gehlhaar (später Hertha BSC) und auch ein Udo Lattek spielte in der Jugendmannschaft des VfB Königsberg.

Die Heimstätte des VfB war das Stadion im Maraunenhof (heute Nordberg) neben der Stadtgärtnerei, heute Botanischer Garten, wo schon Mannschaften wie der Hamburger SV antraten.

Am Ostende des Sportplatzes ist noch ein Gedenkstein für die im Ersten WK gefallenen Mitspieler zu finden. An dem verwitterten Denkmal kann man bei genauem Hinsehen noch die Inschrift VfB Königsberg erkennen  (auch an dem nicht mehr existenten Sportplatz Prussia Samland in der Steffeck Straße/ Katina Str. und in der Radziwill Strasse/Maloj Jaroslavskaja Pionierkaserne stehen noch Gedenksteine für die Gefallenen des 1. WK.)

Für Spiele mit grossem Zuschauerandrang wich man auf das Stadion am Friedländer Tor aus, das ein Fassungsvermögen von 22.000 Zuschauern hatte. Interessant ist zu wissen, daß in diesem Stadion die Deutsche Fussballnationalmannschaft zwei Länderspiele ausgetragen hat: 1935 gegen Lettland 3:0 und 1937 vor vollem Haus ein WM Qualifikationsspiel unter Trainer Sepp Herberger 4:1 gegen Estland; und wer weiß, sollte Deutschland für die WM 2018 in Russland nach Kaliningrad gelost werden, blieben dies nicht die zwei einzigen Auftritte der Deutschen Elf in der Stadt am Pregel.

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