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Taufstein pendelt zwischen Kirchruinen und Hotel

So, 26 Mai 2013 Kultur & Sport


Taufstein pendelt zwischen Kirchruinen und Hotel

 

Diese im Kreis Neman gut bekannte Geschichte wurde uns von Rafael Franguljan, dem Vorsitzenden der "Freundschaftsgesellschaft Neman-Ploen", erzählt.

Bebildert mit vielen Fotos hat er sie vor längerer Zeit auf der Webseite seines Hotels „Haus der Begegnung“ veröffentlicht und zog damit große Presseaufmerksamkeit auf sich.

Auch uns in der Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“ gefiel diese Geschichte sehr und wir beschlossen, diese nun auf unserem Portal zu veröffentlichen. Die Geschichte um den Taufstein in Lesnoe/Großlenkenau zeugt wie keine andere von der Schlagfertigkeit des russischen und der Zahlungsbereitschaft des deutschen Volkes. Außerdem macht sie auf die Inflationssteigerung in Russland aufmerksam. Lesen und genießen Sie:

Foto: Rafael Franguljan, Vorsitzender der "Freundschaftsgesellschaft Neman-Ploen"

 

1992 wurde neben den Kirchruinen in der Siedlung Lesnoe/Großlenkenau ein großer, fünf Tonnen wiegender Stein gefunden. Zu dieser Zeit befand sich im Hotel „Haus der Begegnung“ eine deutsche Touristengruppe. Als sie über den Fund informiert wurde, beschloss sie unverzüglich dorthin zu fahren, um den Fund zu besichtigen. Die Fahrt hat sich für die Gruppenteilnehmer wirklich gelohnt. Ihre Gefühle gerieten in Wallung, als sich herausstellte, dass es ein Taufstein war, in dem sie vor mehr als 50 Jahren getauft wurden. Sie haben darum gebeten, den Taufstein ins Hotel in Neman/Ragnit zu bringen, um ihn dort zu reinigen. Für die Durchführung dieser Aktion haben die Touristen 75 DM an die russischen Arbeiter bezahlt.

Einige Jahre stand der Taufstein an seinem neuen Platz bis Jutta Wehrmann, Vorsitzende der Gesellschaft Tilsit-Ragnit, nach Neman/Ragnit kam. Jutta hat die Inhaber des „Hauses der Begegnung“ gebeten, den Taufstein zurück nach Lesnoe/Großlenkenau zu bringen. Für die Durchführung dieser Aktion bezahlte sie den russischen Arbeitern 100 DM. In Lesnoe wurde der Taufstein auf ein Postament gestellt und eingezäunt. Der Platz dafür wurde zwischen dem Denkmal für die Soldaten des 1. Weltkrieges und dem Gebäude des Kindergartens ausgewählt. Das alles wurde von der „Freundschaftsgesellschaft Neman-Ploen“ ausgeführt.

Mit der Zeit wurde der Taufstein populär bei den Touristen. Informationen und Beiträge darüber erschienen in der deutschen Presse. Ende der 90er Jahre kam eine deutsche Touristengruppe aus Kaliningrad speziell nach Lesnoe, um diesen Taufstein zu besichtigen. Doch es erwartete sie eine Enttäuschung. Vor der Siedlung stand ein Informationsschild mit der Warnung, dass hier ein Grenzgebiet anfängt und eine weitere Reise ohne speziellen Passierschein nicht gestattet ist. Die Passierscheine werden innerhalb von 14 Tagen in der Kommandantur der Stadt Sowjetsk/Tilsit angefertigt. Die verstimmten Touristen sind nach Neman gefahren und erzählten dort im „Haus der Begegnung“ von ihrem Leid. Daraufhin wurden Sie mit einem östlichen Sprichwort aufgemuntert: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten“. In nur einer Stunde brachten die Arbeiter den Taufstein wieder ins Hotel. Dafür haben die fröhlichen Touristen 120 DM an sie bezahlt.

Bereits nach wenigen Monaten kam Jutta Wehrmann wieder nach Neman und machte einen großen Skandal wegen des fehlenden Steines in Lesnoe. Es wurde ihr erklärt, dass es eine Bitte von Touristen war, aber sie wollte unbedingt den Stein wieder dorthin zurück bringen. Für die Durchführung der gleichen Aktion wie schon einmal hat sie den Arbeitern 150 DM bezahlt.

Mehrmals wurde seitdem der Bürgermeister des Kreises Neman Walerij Klinewskij von den Vertretern der deutschen Gemeinschaften aufgesucht. So wurde er von der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit darum gebeten, den Taufstein an die frisch renovierte Kirche in der Siedlung Timofejewo/Wedereitischken zu geben. Die Russlanddeutschen von Slawsk/Heinrichswalde haben das auch so gewollt. Die evangelische Gemeinde von Gusew/Gumbinnen bat ihn für ihre Kirche. Die hiesigen Abgeordneten aber haben auf alle Anfragen erwidert, dass der Taufstein ein historisches Relikt des Kreises Neman sei.  

Quelle: http://hotelragnit.wmsite.ru/Taufstein

Übersetzt von Ekaterina Kudryavtseva

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Deutsches, Gastbeitrag, Kultur, Tourismus

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