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Pressesprecherin des Außenministeriums Maria Wladimirowna Sacharowa

Mi, 20 Jan 2016 Persönlichkeiten


Pressesprecherin des Außenministeriums Maria Wladimirowna Sacharowa

Russland steht täglich im internationalen Zentrum der Aufmerksamkeit. Oftmals werden in den Nachrichten Namen russischer Politiker, Beamter, Kulturschaffender oder einfach nur gesellschaftlich Tätiger genannt, die man zwar gehört hat, aber man kennt die Person nicht wirklich. Wir stellen Ihnen interessante russische Persönlichkeiten mit ihren Lebensläufen vor.

Eine schlichte, einfache, kurze Mitteilung auf der Internetseite des russischen Außenministeriums läutete am 10. August 2015 anscheinend eine neue Ära in der Öffentlichkeitsarbeit des russischen Außenministeriums ein. Mit einem Schlag trat eine junge attraktive Frau auf die Bühne der russischen Außenpolitik, deren bisherige diplomatische Laufbahn nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand und die sofort für Einschaltquoten in allen nationalen und internationalen TV-Sendungen und für hohe Aufmerksamkeit sorgt, kaum dass sie die Bühne betritt.

 

Diplomatische Einrichtungen, egal welchen Staates, sind weltweit bekannt als konservative Einrichtungen mit einem Mitteilungsbedürfnis und der Kommunikationsfähigkeit eines Fernsehapparates mit defekter Bildröhre und abgeschaltetem Ton. Immerhin sind sie das Sprachrohr der Staatsführung und ständig gezwungen, auf die reichhaltig bereitgestellten Fettnäpfchen zu achten. Es gehört schon ein wenig „Mut zu Neuem“ dazu, an diesem Zustand etwas zu ändern. Wie es ausschaut, hat Maria Wladimirowna diesen Mut und dies ruft im russischen Außenministerium nicht ungeteilte Begeisterung hervor. Da aber die Berufung der Pressesprecherin sicher eine persönliche Entscheidung des Außenministers ist, können wir getrost davon ausgehen, dass der Stil von Maria Wladimirowna dem russischen Außenminister Sergej Lawrow gefallen hat.

 

 

Maria wurde am 24. Dezember 1975 als Kind einer sowjetischen Diplomatenfamilie geboren und verbrachte ihre Kindheit im wesentlichen in der chinesischen Hauptstadt Peking. Daraus resultieren ihre perfekten chinesischen Sprachkenntnisse. Als Schülerin wurde ihr nachgesagt, dass sie sehr fleißig gewesen ist und bereits als Kind davon träumte, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Bereits in der Schule interessierte sie sich für Diplomatie und Außenpolitik.

 

 

Somit ist klar, dass der Berufsweg schon in Kindheitsjahren vorgezeichnet war und sie sich keiner großen Qualen bei der Auswahl der zukünftigen Berufstätigkeit aussetzte. Sie wurde Studentin am Moskauer staatlichen Institut für internationale Beziehungen – die Kaderschmiede der sowjetischen und russischen Diplomaten. Ihr Studium absolvierte sie an der Fakultät für Internationale Journalistik, Spezialrichtung Orientalismus und Journalismus.

Im Rahmen des Studiums hatte sie ein Praktikum zu absolvieren – klar, dass sie dies an der russischen Botschaft in Peking durchführte. Nach dem Studium verblieb sie im russischen Außenministerium und nahm dort eine Tätigkeit auf.

1998 Mitarbeiterin des Journals „Diplomatisches Bulletin“, der hauseigenen Zeitung des russischen Außenministeriums. Danach Einsatz im Departement für Information und Presse des Außenministeriums

2003 Verteidigung der Kandidatendissertation

Ihre Kandidatendissertation verteidigte sie an der Universität für Völkerfreundschaft. Thema der Kandidatendissertation: „Transformation des traditionellen Verständnisses der Symbolik der Neujahrsfeierlichkeiten im modernen China. Das letzte Viertel des XX Jahrhunderts.“ Im Ergebnis der erfolgreichen Verteidigung erhielt sie den Titel „Kandidat der Geschichtswissenschaften“.

2003-2005 Abteilungsleiterin im Department für Information und Presse des Außenministeriums

Hier erfüllte sie unter anderem die Pflichten für operatives Monitoring der Massenmedien

2005-2008 Pressesekretärin des ständigen Vertreters der Russischen Föderation bei der Organisation der Vereinten Nationen in New York

Diese Periode ist sicher damit zu bewerten, dass Maria Wladimirowna weitere praktische Erfahrungen, nicht nur in der Diplomatie, sondern auch im westlichen Lebensstil und der westlichen Lebensweise sammeln wollte – eine Grundvoraussetzung, um mit ihren zukünftigen Kollegen aus anderen Ländern besser kommunizieren zu können.

2008-2011 Abteilungsleiterin im Department für Information und Presse des Außenministeriums

2011-2015 Stellvertretende Direktorin des Departments für Information und Presse des Außenministeriums

In dieser Funktion wurde sie erstmals im größeren Rahmen der Öffentlichkeit bekannt, da es zu ihren Pflichten gehörte, eng mit den Massenmedien zusammenzuarbeiten. Sie organisierte Briefings und begleitete den russischen Außenminister Lawrow auf Auslandsreisen. Weiterhin popularisierte sie die Arbeit des Außenministeriums in den Sozialmedien. Hier legte sie die Grundlagen für ihr weiteres aktives, sowohl offizielles, wie auch privates Engagement in den Sozialmedien.

10. August 2015 Direktor des Departments für Information und Presse

In dieser Funktion löste sie Alexander Lukaschewitsch ab. Dieser wurde zum Leiter der Vertretung Russlands bei der OSZE ernannt. Sie ist damit die erste Frau in der Geschichte des Ministeriums, die diese Funktion bekleidet.

Maria Sacharowa spricht Russisch, Englisch und Chinesisch.

 

 

Ihr Familienleben hält sie aus den Medien fern. Ungeachtet ihrer sehr aktiven Arbeit in den Sozialnetzwerken, tauchten dort niemals irgendwelche Informationen aus ihrem privaten Leben auf. Durch ihre jetzige, sehr öffentliche Stellung, werden sich sicherlich einige Veröffentlichungen aus ihrem privaten Leben nicht vermeiden lassen. Bekannt wurde, dass sie verheiratet und Mutter einer Tochter ist.

Aus den bisherigen Fakten ist ersichtlich, dass Maria Wladimirowna, wie viele andere Verantwortungsträger in der russischen Regierung, eine hochqualifizierte und erfahrene Persönlichkeit ist, die ihr Handwerk versteht. Sie tritt damit in die Fußstapfen des Mannes, dessen Handlungen sie täglich zu kommentieren hat – des russischen Außenministers Lawrow, der sein Handwerk auch von der Pike auf gelernt hat. Es ist also nicht verwunderlich, wenn bereits erste Meldungen auftauchen, die über Möglichkeiten einer Frau an der Spitze des Außenministeriums spekulieren.

 

Aber sie ist auch nicht unumstritten. Im russischen Außenministerium gibt es eine Reihe von „Altgedienten, Konservativen“, die der Meinung sind, dass die Außenpolitik und deren Vertreter klassischen Vorstellungen zu entsprechen haben – streng, emotionslos, standardisiert. Sie kritisieren ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.

Der Radiosender „Freiheit“ (Swoboda) bezeichnete ihr publizistisches Wirken als „aggressiv“. Einem amerikanischen Politologen dagegen erscheint sie nicht aggressiv genug gegen Äußerungen westlicher Politiker vorzugehen. Einzelne Fakten in der internationalen Politik kommentiert sie mit „spitzer, scharfer Zunge“, insbesondere in den Sozialnetzwerken. Andere wiederum loben ihre „lebendige Sprache“, die sehr schnell das Verständnis für Vorgefallenes bringt, ohne lange hinter diplomatischen Verschnörkelungen nach Tiefgründigem suchen zu müssen.

Eben durch ihre lebendige, lebensnahe und unkomplizierte Diplomatensprache gehört sie gegenwärtig zu den meistzitiertesten Politikern in Russland. Sie ist DAS MEDIENGESICHT des Außenministeriums.

Fotogalerie der Facebook-Seite von Maria Sacharowa (klicken Sie auf das Foto um zur Facebook-Seite zu gelangen)

 

Wie locker Maria Sacharowa in den sozialen Netzwerken auftritt, zeigen zwei private Fotos, wo sie ihren Fans zeigt, wie sie eine Ente zum Neujahrsfest für die Familie zubereitet hat. Sie erntete dafür Kritik, weil die Ente (linkes Foto) doch zu allerlei Interpretationen verleitet. Sie korrigierte dann den Braten – siehe Foto rechts und entschuldigte sich bei ihren Fans.

 

Die Sprecherin des russischen Außenministers erklärte gegenüber Journalisten, dass sie und das russische Außenministerium einfach nur mit der Zeit gehen wollen. Bei der persönlichen Selbstdarstellung und der Darstellung der russischen Politik werden einfach nur internationale Erfahrungen berücksichtigt.

In den sozialen Medien gibt es mehr, mehr freiere Formulierungsmöglichkeiten als in den öffentlichen Verlautbarungen des Außenministeriums. Deshalb kann man auch die Informationen bei Facebook oder Vkom durchaus als ernstzunehmende Zusatzinformation, wenn man so will – zwischen den Zeilen – verstehen.

Uwe Niemeier

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Außenpolitik, Föderalpolitiker, Föderalregierung, Persönlichkeiten

   Kommentare ( 1 )

.g Radeberger Veröffentlicht: 20. Januar 2016 01:56:19

Es ist schon war, eine sehr hübsche aber auch sehr schlagfertige Maria, die die Ansichten Ihres Chefs vertritt. Es hatten ja schon manche Journalisten versucht, ihr die Butter vom Brot nehmen.
Wenn ich so an ihre zwei Kolleginnen denke, die den US-Außenminister Kerry so vertraten oder noch vertreten. Auweia. Selbst diese Überlegung ist schon eine Beleidigung für diese Frau.
Ist das bekannt, daß sie mindestens 2000 chinesische Schriftzeichen beherrschen muß (also schreiben lesen, sprechen und verstehen), um zur Sprachprüfung am МГИМО zugelassen zu werden? Wobei eine ganze Reihe von Schriftzeichen mehrere Bedeutungen haben können. Und manche Zeichen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Wäre nichts für mich. Habe schon meine liebe Mühe mit russische nach soooo vielen Jahren.

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