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Der Oligarch schlägt zurück

Fr, 01 Jun 2018 Politik & Gesellschaft


Der Oligarch schlägt zurück

Eigentlich gibt es keine Oligarchen mehr. So meinte es zumindest Dmitri Medwedjew, der russische Premierminister, vor einigen Wochen. Aber die westlichen Demokratien wollen auf diesen Begriff nicht verzichten.

Und so bezeichnen wir in der Überschrift Roman Abramowitsch eben als Oligarch, obwohl er eigentlich nur ein ganz normaler russischer Unternehmer ist. Der einzige Unterschied zu anderen russischen Menschen besteht darin, dass er über ein paar Milliarden Dollar mehr an Geldern verfügt, als der Durchschnittsrusse.

Und ein Teil dieses Geldes hatte er im Ausland angelegt – natürlich aus patriotischen Erwägungen, denn wenn sich ein Russe im Ausland engagiert, hebt dies das Ansehen des russischen Vaterlandes.

Abramowitsch hat ein paar Schiffe gekauft und auch ein paar Häuser. Völlig logische Entscheidungen, denn bei den ewigen Staus auf den britischen Straßen braucht man Alternativen und da es auch nicht immer ausreichend Hotelzimmer in London gibt, legt man für sich und seine Bekannten und Freunde eben ein paar Dollar in Immobilien an, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen.

Und so nebenbei engagiert man sich im Sport und kauft einen Fußballclub – also einen englischen Fußballclub. Wann dies genau geschah, kann ich mich nicht erinnern. Vermutlich aber zu einer Zeit, als Fußballclubs in Russland noch Defizit waren – ansonsten hätte Abramowitsch sicher einen russischen Club gekauft und diesen gefördert, damit Russland irgendwann mal eine Chance erhält, das Halbfinale bei einer Weltmeisterschaft zu erreichen.

Und weil Abramowitsch so viel in die britische Insel investiert hat, hat sich Großbritannien auch nicht lumpen lassen und ihm ein Investorenvisum gegeben und auch regelmäßig verlängert. Fragen, woher das ganze Geld kommt, was er so großzügig in Großbritannien ausgibt, stellte man nie.

Jetzt aber stellt man die Fragen und bevor sie nicht vernünftig beantwortet sind, gibt es kein Visum mehr für diese Oligarchen. Und Abramowitsch ist der Erste, der davon betroffen ist.

Nun ist er leicht sauer und holt zum Gegenschlag aus. Er hatte nämlich geplant, dass anscheinend marode Stadion seines Fußballclubs zu sanieren. Jetzt will er erstmal warten, wie es denn weiter geht mit seinem Visum. Zu dieser Entscheidung gibt es eine offizielle Erklärung. Es gibt kein Geld für eine Investition in das Stadion, weil es gegenwärtig ungünstige Investitionsbedingungen gäbe – so in der Erklärung. Sollte sich die Situation ändern, könne man jederzeit wieder über die Instandsetzung des Stadions reden.

Jetzt hat der Oligarch also zurückgeschlagen und es den Briten so richtig gezeigt.

Es gibt aber auch noch andere Meldungen. Dort wird verkündet, dass sich viele Russen, die in Großbritannien leben oder doch zumindest über dortiges Immobilieneigentum verfügen, sich Gedanken machen über einen Rückzug aus diesem Land. Die Überlegungen sind denkbar einfach. Wenn die Briten mit Abramowitsch, der ja nicht irgendwer ist, so verfahren, wie wird man dann mit den kleineren und ganz kleinen russischen Oligarchen verfahren? Also lieber jetzt die Koffer packen, ehe es zu spät ist.

Ach so, ehe ich es vergesse. Für die Rekonstruktion des Stadions, also, eigentlich ist es ein Neubau, hat Abramowitsch eine Milliarde Pfund auf die hohe Kante gelegt. Wollen wir hoffen, dass die Briten weiterhin so schön russophob bleiben. Dann hat Abramowitsch die Chance, diese Gelder für Schulen und Kindergärten in seinem Vaterland auszugeben. Gut, das sind dann weniger spektakuläre Investitionen, aber dafür patriotische, die alle verstehen. 

Und dann gab es noch eine Meldung, bereits nach Redaktionsschluss für diesen Artikel. Am Freitagfrüh meldeten russische Medien, dass Roman Abramowitsch seinen Visaantrag für Großbritannien zurückgezogen habe. Er hat die israelische Staatsbürgerschaft erhalten und deshalb benötige er ein derartiges Visum nicht mehr. Mit seinem israelischen Pass kann er sich insgesamt sechs Monate im Jahr in Großbritannien aufhalten.

Uwe Niemeier

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Außenpolitik, Großbritannien, Sanktionen, Visa

   Kommentare ( 1 )

Hauke Veröffentlicht: 1. Juni 2018 13:00:28

Tja,
wenn man zum auserwählen Volk, wie Frau Merkel gehört, dann steht einen die ganze Welt offen.

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