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Ein Kaliningrader nahm den Hut in Moskau …

Mo, 20 Jan 2014 Politik & Gesellschaft


Ein Kaliningrader nahm den Hut in Moskau …
… aber wo wird er ihn wieder hinlegen? Andrej Krainii, ein Kaliningrader und jahrelang in zentralen Funktionen tätig, wurde entlassen.
 
RIANOVOSTI meldet es nun hochoffiziell und bezieht sich dabei auf eine Mitteilung von Arkadi Dvorkowitsch, Vizepremier der russischen Regierung, dass Andrej Krainii von seiner Funktion als Leiter der russischen Fischereiwirtschaft entlassen wurde. Dieser Personalie wurde in den Kaliningrader Massenmedien erhebliche Aufmerksamkeit gewidmet und mir persönlich war diese erhöhte Aufmerksamkeit nicht erklärlich.
 
Andrej Krainii ist kein gebürtiger Kaliningrader. Jahrgang 1958, beendete er eine Militärjournalistenschule und arbeitete in verschiedenen Organisationen, sowohl militärischen wie auch anderen staatlichen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion nutzte er Möglichkeiten für weitere hohe Qualifizierungen. Er war dann in verschiedenen Unternehmen und Vereinigungen tätig und der Weg „nach oben“ ist eindeutig in seinem Lebenslauf sichtbar. Irgendwann kam er nach Kaliningrad und arbeitete hier als Generaldirektor eines Kombinates für die Produktion von Verpackungsmaterial und wurde im Jahre 2004 Chef des Fischereihafens in Kaliningrad – einer nicht ganz einfachen Struktur. Die Funktion behielt er bis 2007 und wurde im Ergebnis der Arbeit des föderalen Rechnungshofes von dieser Funktion abgelöst.
 
Verwunderlich war danach, dass es zu keinem Karriereknick kam, sondern er Leiter der föderalen russischen Fischereiwirtschaft wurde. Die Funktion wurde seit 2007 mehrmals reformiert, umbenannt und in der Bedeutung angehoben. Er persönlich fühlte sich wohl mehr als Minister in dieser Funktion, ungeachtet dessen, dass sich sein Verantwortungsbereich in der Struktur des Landwirtschaftsministeriums befindet.
 
Wie wir den verschiedensten Informationsquellen entnehmen konnten, ist gerade diese Funktion eine Art „Schleudersitz“. Niemand, auch nicht zu sowjetischen Zeiten, hat auf diesem Stuhl lange durchgehalten. Er war derjenige, der am längsten in dieser Verantwortung gearbeitet hat. Und es wird gerätselt, warum er nun entlassen wurde. Gründe wurden nicht genannt, er wurde nicht verhaftet, es gibt keinerlei Korruptionsvorwürfe. Es gibt aber Gerüchte über seine Tätigkeit in der Vergangenheit als Militärjounalist, die sich wohl nicht nur auf das Schreiben von interessanten Anmerkungen zum Militär beschränkt haben soll. Und es laufen Gerüchte, dass er gute Bekanntschaften mit hochgestellten Persönlichkeiten pflegt. Und schon beginnen in Kaliningrad wieder die Informationsmühlen zu mahlen. Was ist, wenn die Ablösung gar keine richtige Ablösung war? Was ist, wenn der, an sich hochverdiente, Andrej Krainii sich nur auf eine neue Aufgabe vorbereiten soll? Immerhin gab es einen Leonid Gorbenko, der von 1986 bis 1996 Chef des Kaliningrader Fischereihafens war und von 1996 bis zum Jahre 2001 Gouverneur des Kaliningrader Gebietes. Nachdem Gorbenko keine zweite Amtszeit erhielt, kehrte er 2001 als Chef des Fischereihafens zurück und wurde dort im Januar 2004 von Andrej Krainii abgelöst. Und nun denkt die politisch interessierte Kaliningrader Gesellschaft darüber nach, ob er den Hut, den er in Moskau nehmen musste, nun vielleicht wieder in Kaliningrad ablegen wird.
 
Die Liste der Kandidaten für den Posten des Kaliningrader Gouverneurs füllt sich also langsam. Interessant ist, dass schon gar nicht mehr darüber diskutiert wird, ob es denn vorgezogene Wahlen gibt oder nicht. Das scheint wohl für alle schon klar zu sein. Unklar ist eben nur, wer letztendlich auf der Wählerliste stehen wird. Nun haben wir einen Namen mehr zum nachdenken.
 
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Föderales, Persönlichkeiten

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