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Es war einmal … leider kein Märchen, sondern russische Realität

Do, 20 Sep 2018 Politik & Gesellschaft


Es war einmal … leider kein Märchen, sondern russische Realität
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Niemals in meinem bisherigen russischen oder sowjetischen Leben hatte ich von einer Region Kabardino-Balkari gehört. Sie ist allerdings vom Rechtsstatus her eine Republik der Russischen Föderation.

Also schauen wir zuerst auf die Karte, um zu verstehen, wohin wir uns begeben.

Wir begeben uns in den tiefen Süden Russlands, direkt an die Grenze zu Georgien. Wladikawkas und Grosny sind, nach russischen Maßstäben, in unmittelbarer Nähe.

Die Republik hat eine Größe von 12.500 Quadratkilometern und 866.000 Einwohner – ist also sowohl Flächen- wie Einwohnermäßig kleiner als Kaliningrad.

Und in dieser Republik gibt es ein Dorf, welches gegenwärtig in sämtlichen russischen Medien präsent ist. Dieses Dorf heißt „Kendelen“. In diesem Dorf gibt es zwei Bevölkerungsgruppen: die Kabardiner und die Balkiren. In Deutschland würde man vielleicht sagen: die Bayern und die Preußen.

Irgendwann, vor vielen, vielen Jahren, im 18. Jahrhundert, fand eine Schlacht in dieser Region statt. Teilnehmer an der Schlacht waren die Kabariner auf der einen Seite und Krim- und osmanische Truppen auf der anderen Seite. Die Kabariner siegten und seit diesem Zeitpunkt ist dieser „Tag des Sieges“ ein wichtiges Datum in der nationalen Geschichte.

Die zweite Bevölkerungsgruppe, die Balkiren meinen, dass diese Schlacht überhaupt nicht stattgefunden hat.

Dann gibt es noch einen Streitpunkt aus dem Jahre 1944, im Rahmen von Deportationen, die die heutigen Bewohner noch nicht vergessen haben und wo man sich gegenseitig irgendwelcher Dinge beschuldigt. Insbesondere befürchtet die Bevölkerungsgruppe der Balkiren, dass ihnen Grund und Boden weggenommen werden soll.

Es ist insgesamt ein sehr schwer zu verstehendes Thema. Und hier handelt es sich nur um ein winziges Dorf in der riesigen Russischen Föderation. Dieses Beispiel macht aber deutlich, wie schwer es ist, ein solches Land zu leiten und zu entwickeln.

Nachdem es viele Jahre keinerlei Probleme mehr gegeben hatte, begannen die ersten Konflikte vor zehn Jahren aufzutauchen. Vor zehn Jahren … das war im Jahre 2008. Mir kommt dabei in Erinnerung, dass gerade in diesem Jahr die Konflikte zwischen Georgien und Russland begannen und in einem kurzen Krieg gipfelten. Mag sein, dass es ein Zufall ist – obwohl mir russische Bekannte immer sagen, dass es keine Zufälle gibt – zumindest keine politischen Zufälle.

Vor zehn Jahren wurde das 300jährige Jubiläum der Schlacht gefeiert. Durch das Dorf wollten damals Berittene einen Marsch durchführen und die Dorfbewohner verweigerten dies. Die Reiter mussten einen anderen, ziemlich gefährlichen Weg nehmen.

In diesem Jahr empfahl die Polizei, keinerlei Veranstaltungen durchzuführen. Ein Großteil der Bevölkerung des Dorfes folgte dieser Empfehlung. Aber ungefähr 30, besonders aktive Bewohner, stiegen auf ihre Pferde und begannen am 17. September ihren Reitermarsch.

 

Zu den ersten Zusammenstößen kam es am 18. September.

Die Reiter waren der Ansicht, dass sie russische Staatsbürger sind und sich somit frei im Lande bewegen dürfen. Niemand hat das Recht, Straßen zu sperren oder ihren Ritt zu behindern.

Die Streitigkeiten begannen schnell auszuufern und schon am 19. September sollen sich im Dorf Kendelen und anliegenden Ortschaften Tausende von Bewohnern eingefunden haben.

Die örtlichen Verantwortlichen versuchten die Versammelten zu beruhigen und die Lage zu entspannen. Es wurden Busse herbeigeschafft, um die dort Versammelten nach Hause zu fahren. Dies gelang nicht.

Es kam zu Meetings, Wegesperren wurden gebaut, Massenschlägereien und Pogrome mit Anwendung von Schusswaffen fanden statt. Es gab Verletzte.

Daraufhin wurden Sondereinsatzkräfte der OMON-Truppen und der RosGarde, mit gepanzerter Technik, in das Dorf verlegt.

Die Einsatzkräfte wurden durch die örtlichen Aktivisten angegriffen – wenn auch nur mit Rauchtöpfen.

Dann begann sich der Konflikt wesentlich auszudehnen. Aktivisten mit nationalen Symbolen wurden in der Stadt Nalschik gesehen. Sie demonstrierten vor dem Gebäude der Regierung.

Ab Mittwoch begann sich die Situation wieder zu beruhigen.

Nicht beruhigen tun sich allerdings die russischen Untersuchungsorgane, die ihre Arbeit aufgenommen haben um festzustellen, an welcher Quelle die Unruhen begannen und wer der eigentliche Initiator war und welche Motive dieser oder diese hatten.

Am Donnerstag meldete sich dann der russische Föderationsrat, die Oberkammer der Staatsduma zu Wort. Einer der Senatoren, der sich für dieses Gebiet verantwortlich fühlt, kommentiert, dass es doch jedem klar sein müsste, dass diese Unruhen nicht entstanden sind wegen eines verweigerten Reitermarsches. Irgendjemand hat ein Interesse daran, zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen Zwietracht zu säen und einen nationalen Konflikt zu entfachen. Er bedauerte es, dass die dortige Jugend sich so schnell durch andere beeinflussen lässt.

Der Senator meinte auch, dass man diesen Jahrestag auch weiterhin feiern sollte. Er sollte aber vernünftig organisiert werden.

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Föderales, Gesellschaft

   Kommentare ( 2 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 21. September 2018 01:44:30

"Nicht beruhigen tun sich allerdings die russischen Untersuchungsorgane, die ihre Arbeit aufgenommen haben um festzustellen, an welcher Quelle die Unruhen begannen und wer der eigentliche Initiator war und welche Motive dieser oder diese hatten."

Was soll ich dazu noch sagen? Ich finde diese Entscheidun g der russischen Untersuchungsorgane für sehr sehr richtig und wichtig, seit ich das "Revolutionshandbuch" von Gene Sharp gelesen habe.

Frank Werner Veröffentlicht: 21. September 2018 16:33:09

ich gucke mal in die Glaskugel oder in den Kaffeesatz: sicher "ausländische Agenten". Wahrscheinlich hirnen irgendwo in der Welt Mitarbeiter einer speziellen Abteilung (wahrscheinlich umfangreicher als die Einwohnerschaft des Dorfes) und überlegen 24/7, wie man da Unruhe stiften könnte ... - falls es kener bemerkt hat - man muß heute vorsichtig sein - das war Satire.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 21. September 2018 16:51:03

... uff, gut das Sie das noch hinzugefügt haben. Ich hätte sonst geglaubt, dass Sie nicht glauben, dass da auch noch andere Werke am Kräfteln waren.

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