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Existenzminimum hilft schlank zu werden

Do, 01 Nov 2018 Politik & Gesellschaft


Existenzminimum hilft schlank zu werden
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Sicherlich erinnern Sie sich an meinen Beitrag über das Gebiet Saratow, wo die dortige Ministerin für Arbeit und Soziales die Ansicht vertrat, dass man gut mit einer Summe von 3.500 Rubel für den Einkauf von Lebensmitteln im Monat auskommen könne. Man müsse nur die Sonderangebote der Supermärkte genau kennen und sich gesundheitsbewusst ernähren. Wenige Stunden später war sie als Ministerin entlassen.

Meine anfängliche Vermutung, dass sie nun mit der ihr zustehenden Arbeitslosenunterstützung von 4.900 Rubel auskommen müsse, erwies sich als falsch, da sie selber über ein horrendes Einkommen als Ministerin verfügte und sicherlich ein paar Rubel für Notzeiten zurückgelegt hatte.

Nun hat ein Abgeordneter der dortigen Gebietsduma über seine ersten Erfahrungen informiert, wie man mit 3.500 Rubel im Monat leben kann, denn er hatte sich zur Aufgabe gestellt zu prüfen, ob die Behauptungen der entlassenen Ministerin vielleicht doch richtig waren.

Bereits nach einer Woche konnte er erfreut melden, dass er zwei Kilo abgenommen habe. Und er kommentierte, dass er schon bessere Zeiten im Leben gehabt habe, als die letzten sieben Tage.

Schon nach fünf Tagen war das von ihm gekaufte billige Gemüse und die traditionell in Russland billigen Hühner aufgebraucht und ihm standen nur noch Graupen für die letzten beiden Tage der Woche zur Verfügung.

Das Problem für ihn war, dass die realen Preise in den Supermärkten wesentlich höher waren, also die staatliche Statistik informiert. Und so musste er die letzten beiden Tage der Woche einfach nur hungern – ein schreckliches Erlebnis.

Der Hunger war ständig präsent, da er, um einfach mit der wöchentlichen Summe auszukommen, die Essensportionen rationieren musste. Dazu kam ein psychologischer Faktor, denn in seinem Einkaufskorb fehlten natürlich die Lebensmittel, die er sonst immer einkaufte: Wurst, Käse, Früchte und sogenanntes „Grünfutter“.

Insgesamt, so der Abgeordnete der Kommunisten, fühle er sich nicht kurz vor dem Zusammenbruch. Sein jetziges Leben ist einfach unangenehm. In einer Woche habe er zwei Kilogramm abgenommen. Über viele Jahre habe er ein sehr stabiles Gewicht gehabt und somit sind diese zwei Kilo ein außergewöhnliches Ergebnis.

Er könnte sich nur schwer vorstellen, wie ein Mensch, der sich so ernähre, wirklich vollständig arbeitsfähig sein sollte – egal welche Arbeit er verrichte.

 

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Alltägliches, Gesellschaft

   Kommentare ( 3 )

Frank Werner Veröffentlicht: 3. November 2018 10:58:29

Das ist doch mal ein schönder Test. Wobei 2 Kilo in einer Woche halte ich nicht für sehr glaubhaft, weil das physilogisch nur schwer machbar ist und wenn ja, durchaus ernste gesundheitliche Konsequencen haben kann. Nichtsdestotrotz sind die Folgerungen richtig. Aber in D'land ist es ja ähnlich, wenn auch auf anderem Niveau. Auch wenn der Hartz IV Satz manchen Russen wie ein Lottogewinn vorkommen mag, ist auch er für eine normale Ernährung auf Dauer viel zu niedrig. Für eine Überbrückung ok, aber länger kann man damit auf keinen Fall gesund leben.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 3. November 2018 11:34:49

... Sozialleistungen eines Staates können nie so hoch sein, dass sich der Empfänger damit wohl fühlt. Der Staat will ja verhindern, dass sich der Empfänger glücklich zurücklehnt ... Deshalb ist Sozialleistung zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel - egal in welchem Land.

Das wissen natürlich alle. Aber die Ex-Ministerin für Arbeit und Soziales hat in ihrer Überheblichkeit, Dinge ausgesprochen, die man als öffentliche Person eben nicht ausspricht oder zumindest anders formuliert.

Frank Werner Veröffentlicht: 3. November 2018 12:14:43

@UEN
Nana, Herr Niemeier. Das ist aber neoliberales Gedankengut :-)
Es ist eben nicht in jedem Land so und war auch in D'land bis zur Abschaffung der Arbeitslosenhilfe nicht so. In Dänemark bekommen sogar Studenten (jeder, auch Ausländer) pauschal 700 Euro im Monat während des Studiums. Und diejenigen, welche nicht arbeiten wollen, werden es auch so nicht. Und wollen wir ehrlich sein, wer will so jemanden in seinem Unternehmen haben? Und alle Erhebungen zeigen, dass es sich dabei nur um eine Minderheit handelt. Die Mehrheit will arbeiten (aber vernüftig, nicht als halber Sklave). Für die Zukunft wird es schwieriger. Nicht umsonst wird ernsthaft über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert (vermute Mal, das diese Diskussion in Russland nicht wahrgenommen wird). Die ersten (sehr erfolgreichen) Versuche dazu gab es schon in den 70igern in Kanada.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 3. November 2018 13:06:19

... also zumindest habe ich bisher noch keinerlei Informationen über das "bedingungslose Grundeinkommen" in Russland gefunden.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 3. November 2018 20:30:45

@Wenige Stunden später war sie als Ministerin entlassen.
Sowas würde ich mir auch mal für hier wünschen. Respekt für das "Hunger Experiment" des Abgeordneten, er scheint das ja sportlich richtig durchgezogen zu haben. Das erfordert sehr viel Disziplin, wenn mann eigentlcih genug Reserven hat.

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