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GULAG-Museum vermutet Dokumentenvernichtung durch Geheimanweisung

Fr, 08 Jun 2018 Politik & Gesellschaft


GULAG-Museum vermutet Dokumentenvernichtung durch Geheimanweisung

Seit 2014 sollen in Russland, auf der Grundlage einer Geheimanweisung, Dokumente vernichtet worden sein, die die Existenz der GULAG-Einrichtungen in der Sowjetunion betreffen.  

Über den angeblichen Befehl und dessen Umsetzung berichtet der Direktor des Museums für die Geschichte der GULAG´s Roman Romanow. Er habe über diese Vorgänge den Berater des russischen Präsidenten Michael Fedotow informiert und gebeten, die Dinge aufzuklären.

Es geht um die Vernichtung sogenannter „Datenkarten“. Die Vernichtung dieser Karten bedeute, dass es keinerlei Informationen mehr über die Personen gibt, die in diesen Lagern waren. Angeblich habe das russische Innenministerium im Rahmen einer Anfrage durch das Museum die Vernichtung bestätigt.

Wenn ein GULAG-Insasse im Lager verstorben war, wurde seine „Personalakte“ in das zuständige staatliche Archiv übergeben. Dort hatte sie „auf ewig“ zu lagern.

Wenn ein Insasse jedoch entlassen wurden ist, so wurde seine Personalakte vernichtet. Anstelle der Personalakte wurde eine Datenkarte angelegt. In dieser Datenkarte wurde der Name erfasst, Geburtsdatum und Geburtsort und die Verlegung des Insassen zwischen den einzelnen Lagern sowie das Datum seiner Entlassung.

Und eben um diese Karten geht es. Informationen über die Vernichtung der Karten erfuhr ein Partner des Museums durch Zufall. Bei einer Anfrage in der Innenverwaltung des Gebietes Magadan erhielt er die Information, dass es eine behördenübergreifende Weisung mit der Einstufung „Nur für den Dienstgebrauch“ vom 12.02.2014 gebe. Das Dokument ist unterzeichnet durch Vertreter des Innenministeriums, Justizministerium, Zivilschutzministeriums, FSB, Strafvollzug, Generalstaatsanwaltschaft, Föderaler Feldscherdienst, Zolldienst und weiterer Behörden.

Die Anzahl der zu Sowjetzeiten Verurteilten ist unbekannt. Bekannt ist die Zahl aus den Jahren 1937-1938. Es handelt sich um mehr als 1,7 Mio. Personen, die aus politischen Gründen in Haft saßen. Die internationale Organisation „Memorial“ hat berechnet, dass man von 12 Mio. Repressierten ausgehen kann.

Uwe Niemeier

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   Kommentare ( 1 )

Frank Werner Veröffentlicht: 9. Juni 2018 07:47:58

Wen wundert das wirklich? Bald wird es die Ersten geben, welche behaupten, dass es das nie gegeben hat. Aber nein - die gibt es ja schon! Die Geschichte Russlands seit 1917 ist eben nie in Russland selbst wirklich gesellschaftlich aufgearbeitet worden. Sonst gäbe es heute keine öffentlichen Bilder / Denkmäler mehr von dem verhinderten georgischen Priesteranwärter.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 9. Juni 2018 08:30:53

... die Geschichte ist schon bewertet und aufgearbeitet worden. Nur Sie wissen darüber eben nur das, was die westlichen Medien berichten. Und Russland bereitet seine Geschichte auf, wie es Russland für richtig hält und nicht so, wie westliche Demokratien meinen, das Russland es machen muss. Wenn Sie die russischen Medien quer durch die politischen Lager zu diesem Thema lesen würden, kämen Sie vielleicht zu einer anderen Meinung.

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