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Interview mit dem Leiter der Organisation „BARS“ in Kaliningrad

Mo, 07 Nov 2016 Politik & Gesellschaft


Interview mit dem Leiter der Organisation „BARS“ in Kaliningrad
Unsere Informationsagentur führt ein Interview mit dem Gründer und Leiter der in Kaliningrad ansässigen nationalmonarchistischen Organisation „Baltischer Vortrupp des russischen Widerstandes“ Alexander Wladimirowitsch Orschuljewitsch
 
 
(1)Uwe Niemeier (UN): Aus Ihrer Biographie geht hervor, dass Sie am Amur geboren sind. Wann und warum sind Sie nach Kaliningrad gekommen?
 
Alexander Orschuljewitsch (AWO): Ich wurde im Fernen Osten in der Familie eines Offiziers der sowjetischen Armee geboren. Im Jahre 1989 wurde er auf Befehl nach Königsberg versetzt, um seinen Militärdienst hier zu versehen. Somit traf ich auch hier ein und lebe eigentlich vom Moment meiner Geburt hier in dieser Stadt.
 
(2)UN: Was machen Sie beruflich?
 
AWO: Im Zusammenhang mit meiner politischen Tätigkeit fällt es mir schwer, eine vernünftige Arbeit zu finden. Ausgebildet bin ich als Lehrer für Philosophie, kann aber in diesem Beruf nicht arbeiten, weil ich durch eine falsche Anklage wegen Extremismus verurteilt wurde. Bis vor kurzem hatte ich Einschränkungen in meinen Rechten, durfte die Region nicht verlassen und durfte auch kein Bankkonto bei irgendeiner Bank besitzen. Gegenwärtig arbeite ich im Bausektor, stelle Fassadendekor und Stuck für Häuser her, die unsere Stadt verschönern sollen.
 
(3)UN: Ihre Organisation nennt sich „Baltischer Vortrupp des russischen Widerstandes“. Bitte erklären Sie unseren Lesern, gegen wen oder was sich der Widerstand richtet.
 
AWO: Unsere Organisation rechnet sich deshalb zum Russischen Widerstand, weil wir uns als die Erben der Weißen Bewegung betrachten und unsere Aufgabe darin sehen, aktiven zivilen Widerstand gegen den Versuch der Wiedererrichtung der UdSSR zu leisten. Wir treten gegen die Regierung auf, die vom KGB-Oberst Putin geleitet wird.
 
Foto: Gesprächsteilnehmer der Organisation BARS und Leiter der Informationsagentur Uwe Niemeier
 
(4)UN: Warum nennt sich Ihre Organisation „Baltisch“? Fühlen Sie sich auch verantwortlich für Litauen, Lettland, Estland oder auch für Polen?
 
AWO: In der russischen politischen Kultur bezeichnet man als Baltischen Krai ausdrücklich das Kaliningrader Gebiet der Russischen Föderation. Litauen, Lettland und Estland nennen sich „Pri-Baltikum“. Deshalb gibt es für russische Bürger keinerlei Widerspruch in der Bezeichnung unserer Organisation.
 
(5)UN: Ein Teil unserer deutschen Leser wird Ihr äußeres Erscheinungsbild in der Kleidung und Symbolik assoziieren mit der deutschen Vergangenheit des Zeitraums 1933-1945, auch wenn die Symbolik eine andere ist. Bitte erklären Sie unseren Lesern den Sinn Ihres Organisationssymbols.
 
Foto: Alexander Wladimirowitsch Orschuljewitsch vor der Stadtverwaltung Bagrationowsk
 
AWO: Wir nutzen für unsere politischen Ziele nachempfundene preußische Symbole, um damit unsere Wertschätzung in der vielhundertjährigen Geschichte dieses Gebietes zu unterstreichen. Uns ist die sowjetische Gemeinheit der Beamten fremd, die parasitierend auf den „Heldentaten der Sieger“ basiert, welche zielgerichtet einzigartige Artefakte vernichtet und das nur deshalb, weil sie nicht russischer Herkunft sind. Die Symbolik hat überhaupt nichts Gemeinsames mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands.
 
(6)UN: Ich habe einige Fotos von Ihnen im Internet gefunden. Bitte kommentieren Sie, warum Sie diese Uniformen tragen und was Sie damit dem Betrachter vermitteln wollen.
 
Foto: Alexander Wladimirowitsch Orschuljewitsch in Uniform der deutschen SS-Truppen und der angepassten Uniform der Angehörigen der Wlassow-Einheiten(*)
 
(*) Wlassow – sowjetischer General. Während des Großen Vaterländischen Krieges geriet er 1942 in Gefangenschaft und organisierte aus sowjetischen Gefangenen und Emigranten die sogenannte Russische Befreiungsarmee und kämpfte gemeinsam mit den deutschen Truppen gegen die Rote Armee. Geriet 1945 in sowjetische Gefangenschaft und wurde hingerichtet.
 
AWO: Im Kreis meiner Freunde gibt es viele Mitglieder und Leiter von geschichtlichen darstellenden Klubs. Sie beschäftigen sich mit dieser spannenden Arbeit und tragen dafür auch die Kosten, ohne Unterstützung durch den Staat. Ich unterstütze diese Bewegung, die unsere Kultur bereichert auch, denn sie gibt unserem grauen Kaliningrad zusätzliche Anziehungskraft für Touristen. Sie beziehen sich auf meine persönlichen Fotos, die aber nicht in dem Maße als  Aussage über die Ideologie von BARS genommen werden können. Es handelt sich hier  einfach nur um die Widergabe eines einzigartigen Geschichtserbes, welches sich lohnt zu studieren, zu analysieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
 
(7)UN: Ihre Organisation „BARS“ wurde im Jahre 2008 gegründet. Verstehe ich es richtig, dass es sich um eine offizielle Organisation handelt und welche Rechtsform hat diese Organisation? Bitte erklären Sie die Organisationstruktur und Aufgabenteilung. Wie finanzieren Sie ihre Tätigkeit und können Sie Angaben zur Mitgliederzahl machen? Wie erfolgt die Werbung und Aufnahme neuer Mitglieder?
 
AWO: BARS ist durch die föderalen Organe nicht registriert. Wir handeln auf der Grundlage der Konstitution der Russischen Föderation und in Übereinstimmung mit der föderalen Gesetzgebung als gesellschaftliche Vereinigung ohne Gründung einer juristischen Person. BARS nimmt nicht an Wahlen teil, wir erhalten keine Finanzierung von keinem Staat und auch nicht aus nichtkommerziellen Fonds und deshalb gibt es keinerlei Notwendigkeit einer Registrierung. Die Organisationsstruktur ähnelt der eines Ordens. Der gewählte Leiter der Organisation und die Mitgliederversammlung sind stimmberechtigt – es gibt keinerlei Bürokratie. Die Anzahl der echten Mitglieder von BARS ist nicht sehr groß – weniger als zehn Personen. Die Anzahl derjenigen, die kein Stimmrecht in der Organisation haben ist aber wesentlich größer – bis zu 50 Aktivisten im Kaliningrader Gebiet und noch wesentlich mehr im übrigen Teil Russlands. Unsere Aktionen werden durch Mitgliedsbeiträge finanziert und durch Sponsorengelder. Neue Gleichgesinnte finden wir während öffentlicher Veranstaltungen, aber auch durch Agitation im Internet. Grundlage für die Personalarbeit von BARS sind strenge Auswahlkriterien.
 
 
(8)UN: Sie erklären, dass Ihr Ziel darin besteht, die legitime Staatsmacht in Russland wieder herzustellen. Verstehe ich richtig, dass Sie das jetzige politische System in Russland als nicht legitim ansehen, trotzdem es sich nach dem Jahre 1991 im Ergebnis von Wahlen und Reformen gebildet hat?
 
AWO: Der Staat Russische Föderation ist der offizielle Nachfolger der Sowjetunion und erfüllt alle Verpflichtungen der sowjetischen Regierung. Somit trägt sie auch die moralische und rechtliche Verantwortlich für die Verbrechen der UdSSR, für den roten Terror, für die Kollektivierung, für die Schaffung des Systems der Konzentrationslager, der GULAG´s, für die Repressionen gegen die Völker Russlands. Die Bolschewisten haben die Macht im Ergebnis eines Staatsstreiches erlangt und haben diese Macht durch Gewalt und Waffen bewahrt. Und auch ihre Nachfolger, die sogenannten „neuen Russen“ haben sich nicht zurückgehalten die politische Macht im Lande zu usurpieren und setzen die Missachtung der Bürgerrechte und Freiheiten fort. Die Reformen in den 1990er Jahren waren nur unvollständig, oberflächlich und führten nicht zu einer offiziellen Verurteilung des Kommunismus in der UdSSR, es wurden keine Lustrationsverfahren (Entlastungsverfahren) durchgeführt und in den Machtorganen sitzen nach wie vor Mitglieder der KPdSU und des Komsomol. Mit anderen Worten – den Kommunisten wurde einfach gestattet das zu legalisieren, was sie in den wilden Jahren des Kapitalismus während der Privatisierung gestohlen hatten und an der genau die Leute teilnahmen, die auch ehemals die UdSSR geführt hatten. Keinerlei Änderungen, keinerlei Reue fanden statt. Wir erkennen die Wahlen der letzten Jahre nicht als legitim an, da sich an der Spitze der Russischen Föderation Kader des KGB befinden.
 
(9)UN: Sie erklären, Ihr Ziel sei es, die Macht zu übernehmen. Wo möchten Sie die Macht übernehmen – in Kaliningrad oder in ganz Russland?
 
AWO: Nein, unser Ziel ist es nicht die Macht zu übernehmen, wir wollen sie nicht usurpieren. Wir wollen mit gesetzlichen, legitimen Methoden an die Macht kommen, so, wie es als Beispiel in der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, angenommen durch die UNO im Jahre 1948, geschrieben steht.
 
 
(10)UN: Wie stellen Sie sich die Machtübernahme vor, mit welchen Mitteln und Methoden wollen Sie dies erreichen und in welchem Zeitraum?
 
AWO: Wir müssen die Unterstützung der Bevölkerung unseres Gebietes gewinnen, müssen uns das Vertrauen der Bürger erwerben, die sich die Dinge, die im Lande und in der Region vor sich gehen, sehr zu Herzen nehmen. Wir müssen ehrlich sein, folgerichtig in der Politik, uns selbst aufopfern im Namen Russlands, müssen es verstehen schwierige Fragen für den einfachen Bürger in Politik und Wirtschaft zu erklären und dabei kluge Vorschläge unterbreiten, die auf den Grundlagen der nationalen Geschichte und ausgehend vom nationalen russischen Geist beruhen und einen Ausweg aus der schwierigen sozial-politischen Krise finden. Wir stellen uns keine Fristen und lassen uns vom Prinzip leiten „Tu, was du musst und sei wer du bist“.
 
(11)UN: Wenn Sie das jetzige politische System, die jetzigen politischen Entscheidungsträger als nicht legitim betrachten, wie wollen Sie dann erreichen, dass man Sie als legitim anerkennt, wenn es Ihnen gelingt, die Macht zu übernehmen?
 
AWO: Unsere Legitimität wird auf dem Erbe des historischen russischen Staates – dem Russischen Imperium basieren und nicht von einer revolutionären Regierung der Bolschewiken, getrennt von Russland, vom russischen Namen, von einer vielhundertjährigen Geschichte des russischen Volkes: mit dem rechtgläubigen Glauben, mit seinen ruhmreichen Siegen, mit seinen einzigartigen Gebräuchen.
 
(12)UN: Aus den Materialien Ihrer Organisation geht hervor, dass Sie den russischen Zaren als einzig legitime Macht in Russland anerkennen und Sie  für die Wiederherstellung der Monarchie sind. Gibt es Kontakte zum Zarenhaus?
 
AWO: Ja, wir haben Kontakte zum Russischen Zarenhaus. Aber leider entsprechen die Romanows im gegenwärtigen Moment als Kandidaten für die Thronfolge nicht allen Anforderungen des Grundgesetzes des Russischen Imperiums aus dem Jahre 1906.
 
(13)UN: In Ihren Materialien steht, dass Sie den Zaren als Selbstherrscher in Russland sehen möchten und Sie das Parteiensystem in Russland abschaffen wollen. Wie soll dann die demokratische Kontrolle der Tätigkeit des Zaren erfolgen. In meinem Verständnis ist die Bezeichnung  Selbstherrscher nur eine andere Bezeichnung für Diktator.
 
AWO: Selbstherrscher ist das russische Synonym für die nationale Souveränität und keine Diktatur. Bis zum Jahre 1917 gab es in Russland eine Vielzahl von Parteien,  existierten demokratische Grundgesetze und schrittweise bildete sich eine vollwerte Zivilgesellschaft. Wären nicht die tragischen revolutionären Ereignisse gewesen, die zum sowjetischen Totalitarismus führten, wäre Russland heute schon ein entwickeltes Land mit real existierenden und handelnden gesellschaftlichen demokratischen Institutionen.
 
(14)UN: Über welche personellen Ressourcen verfügen Sie, um, wenn Sie an die Macht kommen, diese auch ausüben zu können – ich meine hier personelle Möglichkeiten für die Bildung einer Regierung und der sonstigen Machtorgane.
 
AWO: BARS verfügt unter seinen Befürwortern über nicht wenige Spezialisten der verschiedensten Richtungen, so auch in der Staatsführung. Außerdem, ein starker politischer Wille der Regierung, welche unter Teilnahme unserer Organisation gebildet wird, wird es gestatten, innerhalb kürzester Zeit einen effektiven Apparat zu organisieren, der in der Lage ist, die allerschwierigsten Fragen – ohne Korruption und ideologischem Stempel, mit persönlichem Engagement und qualitative Ergebnisse zu lösen.
 
Foto: Im Gespräch mit Mitgliedern der Organisation BARS in Kaliningrad
 
(15)UN: Wenn es Ihnen gelingt, die Macht in Kaliningrad oder Russland zu übernehmen, was wären Ihre wichtigsten, sofort zu lösenden Aufgaben/Probleme?
 
AWO: Für das Kaliningrader Gebiet wären die wichtigsten Aufgaben die Beseitigung überflüssiger bürokratischer Einschränkungen für das private Unternehmertun, die Schaffung der allerbesten Bedingungen für ausländische Investitionen in die regionale Wirtschaft, die Schaffung eines anziehenden Gesichtes für das Gebiet durch Rekonstruktion von historischen Einrichtungen und anderer zielgerichteter Maßnahmen kulturellen Charakters, um Touristen zu werben und natürlich die Öffnung der Grenzen zwischen dem Gebiet und den benachbarten Staaten Europas. Im gesamtrussischen Maßstab ist die Lösung von wirtschaftlichen Problemen nicht möglich ohne tiefgreifende politische Reformen, einhergehend mit einer Ent-Sowjetisierung des Staates und nationaler Reue der fatalen Fehler unserer Vergangenheit. Wenn die Verbrechen der UdSSR den Russen peinlich werden, dann können wir von einer Wiedergeburt des nationalen Russlands sprechen.
 
(16)UN: In vielen Äußerungen Ihrerseits spürt man die Nähe zur Kirche und zum kirchlichen Glauben. Welche Beziehungen gibt es zur russisch-orthodoxen Kirche, aber auch zu kirchlichen Organisationen im Ausland?
 
AWO: Der Seelsorger für BARS ist der Klerus der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA), Vater Nikolai Mamajew. Die Bischofs-Synode der RPZS befindet sich schon einige Jahrzehnte auf dem Territorium der USA. Die „weißgardistische“ Kirche hat niemals die UdSSR als russischen Staat anerkannt und immer die russischen Leute gesegnet, die im Kampf mit den Sowjets standen. Die Grundlage unserer Weltanschauung ist das wahre rechtgläubige Christentum, frei von Kriecherei vor den Starken der Welt und von sowjetischen Dogmen. Wir erkennen die RPZ Moskauer Patriarchat kanonische russische Kirche nicht an. Dies ist eine Lügenkirche, geschaffen für Propagandaziele durch Stalin im Jahre 1943, die bis heute die Rolle eines Willfährigen für die postsowjetische Regierung erfüllt. 
 
(17)UN: Wie beurteilen Sie das Datum 22. Juni 1941, den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges, den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion?
 
AWO: Für Millionen russischer Leute war die deutsche Armee die Befreierin Russlands von der sowjetischen Okkupation. Es wurden Kirchen geöffnet, geschändete heilige Stätten wurden restauriert, russischen Bürgern wurde Gewissensfreiheit gewährt, die Freiheit des Wortes, Freiheit der nationalen Kreativität. Das können wir nicht vergessen. Der Staat UdSSR ist nicht unsere Heimat, sondern eine böse Stiefmutter, die sich ihrer Kinder entledigen wollte.
 
(18)UN: Kaliningrad und das Kaliningrader Gebiet sind das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges und somit unveränderlicher Bestandteil der Russischen Föderation. Sehen Sie das auch so?
 
AWO: Ja, unsere Region ist Bestandteil Russlands. So ist es nun mal. Das ist ein Fakt der schon von niemanden mehr bestritten wird. Deshalb sollten wir uns nicht auf das Zerpflücken dummer Behauptungen über „Separatismus“ und der Gefahr einer deutschen Annexion konzentrieren sondern auf konkrete wirtschaftliche und geistige Probleme unseres russischen Volkes.
 
(19)UN: Unlängst haben Sie eine Internetumfrage initiiert mit dem Ziel der Umbenennung der Stadt in Königsberg. Verstehe ich richtig, dass eine mögliche derartige Umbenennung der Stadt erst der Auftakt dazu wäre, weitere Umbenennungen der im Gebiet befindlichen Städte, Dörfer und Siedlungen, vielleicht auch der Straßen und Plätze vorzunehmen? Streben Sie auch eine Umbenennung des Gebietes selber an und wie soll das Gebiet heißen?
 
AWO: Ziel unserer Aktion war Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zu erregen für die Problematik der sowjetischen Namensgebung. Wir treten dafür ein, dass allen Ortschaften, die den Namen von kommunistischen Verbrechern tragen, die alten historischen Bezeichnungen oder neue Bezeichnungen gegeben werden – unter Beachtung der Geschichte und der modernen Bedeutung. Wir schlagen als eine mögliche Variante für die Bezeichnung des Gebietes „Königsberger Gebiet“ vor. Genau mit dieser Bezeichnung wurde das Gebiet im Jahre 1946 in den Bestand der UdSSR aufgenommen.
 
 
(20)UN: Sie erklären öffentlich, dass Sie eine enge Bindung an Deutschland suchen, als natürlichem Verbündeten Russlands. Aber genau dieses enge Verhältnis wollen, nach meinem Eindruck, die USA verhindern. Welches Verhältnis haben Sie zur USA und sehen Sie hier einen möglichen Konflikt zwischen Ihren Absichten und den Interessen der USA?
 
AWO: Warum sollen wir auf die USA blicken? Ich sehe darin keinerlei Notwendigkeit. Deutschland und Russland sind große Mächte, die in der Lage sind ihre Beziehungen frei zu gestalten ohne die Einmischung anderer Staaten.
 
Screenshot: Auftritt von Alexander Orschuljewitsch in Dresden am 26.01.2016 auf einer Veranstaltung der PEGIDA
 
(21)UN: Welche Verbündete sehen Sie in Deutschland für sich? Ist es „Pegida“, ist es die „AfD“, sind es andere Parteien oder Organisationen?
 
AWO: Wir werden mit Deutschland handeln, das eine Regierung hat, die an einer Zusammenarbeit interessiert ist, an einer friedlichen Entwicklung und die die traditionellen Werte in der Innenpolitik achtet. Natürlich, großteils fühlen wir mit rechten Parteien, die im modernen Deutschland breit vertreten sind.
 
(22)UN: Wie oft waren Sie bisher in Deutschland? Gab es jemals Probleme bei der Organisation dieser Reisen? Gibt es Ihrerseits Gedankenaustausche mit Vertretern des deutschen Staates?
 
AWO: Ich war in Deutschland und habe ein Schengen-Visum, welches ich im Konsulat eines anderen Staates erhalten habe. Ich habe noch niemals mit einem offiziellen Vertreter deutscher Strukturen gesprochen. 
 

Screenshot: Alexander Orschuljewitsch informierte, dass der Beitrag der ARD wesentlich umfangreicher war, der jetzige Beitrag nur eine Kurzfassung ist. 

(23)UN: Deutsche Medien berichten regelmäßig über undemokratische Verhaltensweisen des heutigen politischen Systems in Russland, über Einschränkungen der Pressefreiheit, über politisch motivierte Verhaftungen und Verurteilungen. Wie erklären Sie sich, dass Sie mit Ihrer Organisation anscheinend fast alle Möglichkeiten haben, sich der russischen und internationalen Öffentlichkeit mitzuteilen. Es sind zwar einige Ihrer Ressourcen von der russischen Aufsichtsbehörde für Massenmedien blockiert, aber viele andere Informationsquellen sind frei zugänglich. Sie erhalten sogar die Möglichkeit, in föderalen Medien Ihre Meinung darzulegen. Und auch Sie selber – so scheint es mir – können sich frei bewegen und äußern. Steht dies nicht im Widerspruch zu den Behauptungen in den deutschen Medien?
 
Screenshot: Alexander Orschuljewitsch legt im zentralen russischen Fernsehen seine Ideologie dar
 
AWO: Die Russische Föderation ist kein demokratischer Staat. Als Erbe der UdSSR hat sie alle Merkmale bewahrt, die ein totalitärer politischer Staatsbau beinhaltet. Obwohl, bisher hat sie noch nicht alle Bestrafungsmöglichkeiten gegen Unbequeme genutzt. BARS unterliegt deshalb keinen besonderen politischen Repressionen, weil sich die Angehörigen der Organisation streng an die russischen Gesetze halten. Aber in der Geschichte unserer Organisation gab es bereits mehrmals Fälle der ungesetzlichen Festsetzung und Gewaltanwendung gegen unsere Angehörigen und Sympathisanten von Seiten der Rechtspflegeorgane. Klagen im Gericht gegen die Handlungen der Polizei und des FSB sind außerordentlich schwierig, ja eigentlich nicht möglich. Föderale und regionale Massenmedien zeigen nur einen Teil der Aktivitäten von BARS, welche man den Zuschauern unter einem anderen Licht präsentiert. Noch unlängst, als wegen Extremismus Verurteilter, hatte ich nicht das Recht, das Kaliningrader Gebiet zu verlassen und habe auch jetzt noch Probleme bei der Eröffnung eines Bankkontos oder bei dem Abschluss einer Versicherung. Viele große Firmen wollen mich nicht als Kunden haben, weil mein Name in einer Liste „unzuverlässiger“ Bürger steht. Die Epoche von blutigen Repressionen ist lange vorbei, in Russland wurde die freidenkende Intelligenz vernichtet und der FSB braucht deshalb nicht ständig Gewalt anzuwenden. Die verarmte und verunsicherte Bevölkerung des Landes wagt es nicht, sich gegen seine Herren aufzulehnen. Das Schlimmste aber, was die Kommunisten taten – die Vernichtung des nationalen Selbstbewusstseins. Christus hat uns gelehrt: „Habt keine Angst vor denen, die Eure Körper töten. Der Geist kann nicht getötet werden.“ Die sowjetische Macht hat den Geist des russischen Volkes getötet.
 
Screenshot: Artikel im „Preussen-Kurier“, klicken Sie auf den Screenshot, um zum Artikel zu gelangen.
 
(24)UN: In einem Artikel des Journals „Preussen Kurier“, Ausgabe 2/2016 „Unter falscher Flagge gegen Königsberg“ (Autor Thomas W. Wyrwoll), nachzulesen unter: http://www.low-bayern.de/wordpress1/wp-content/uploads/2016/08/PK-02-16.pdf, wird die Vermutung geäußert, dass Sie Unterstützung von westlichen Nachrichtendiensten erhalten und Ihr Auftreten eigentlich dazu dient, antideutsche Stimmungen zu erzeugen. Was können Sie darauf erwidern?
 
AWO: Das sind völlig grundlose Anschuldigungen, welche der Realität widersprechen. Niemand hat soviel Hass gegen Deutsche und Deutschland entfacht wie die sowjetische Regierung. Das Gleiche trifft zu für die Gefühle zu den Deutschen im Rahmen der sowjetischen Okkupationspolitik und der Vernichtung des preußischen Erbes im Kaliningrader Gebiet. Die Tätigkeit von BARS ruft bei einem Teil der Bevölkerung Ablehnung hervor – aber aus einem anderen Grund – wegen unserer Unnachgiebigkeit zur sowjetischen Vergangenheit des russischen Volkes.
 
Screenshot: Alexander Orschuljewitsch spricht zu seinen deutschen Kameraden (auf deutsch)
 
(25)UN: Bekannt geworden sind Sie der deutschen Öffentlichkeit erstmals durch eine Aktion aus dem Jahre 2014. Sie befestigten eine deutsche Fahne auf einem FSB-Gebäude in Kaliningrad. Wollten Sie mit dieser Aktion zeigen, dass es Ihr Wunsch ist, dass die deutsche Fahne wieder über Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg weht?
 
AWO: Ihre Informationen über diesen Vorfall sind nicht richtig. BARS steht mit diesem Vorfall in keinerlei Zusammenhang. Diese Aktion wurde durch eine Gruppe örtlicher Liberaler durchgeführt, die damit ihren Protest gegen die Annexion der Krim zum Ausdruck bringen wollte. Die Handlungen der Russischen Föderation auf der Krim stellen eine Verletzung der schon lange festgelegten europäischen Grenzen dar und könnten als Präzedenzfall dienen für weitere rechtsverletzende Handlungen anderer Staaten. Das war, wenn ich richtig informiert bin, die Idee der Aktion mit der deutschen Fahne.
 
(26)UN: Was ist nach dieser Aktion mit den Beteiligten geschehen? Ich habe gehört, dass es Gerichtsverfahren gab. Ein Mitglied Ihrer Gruppe (Rustam Vasiliew) soll in die USA geflüchtet sein und jetzt dort offiziell leben. Stimmt das?
 
AWO: Drei Teilnehmer dieser Aktion wurden zu einem Jahr Freiheitsentzug verurteilt und verbrachten diese Zeit unter schrecklichen Bedingungen – in einer Zelle im Untersuchungsgefängnis. Rustam Vasiliew hatte keinen Anteil an dieser Aktion und wanderte in die USA kurz vor dem Jahre 2014 aus. Und außerdem war Rustam niemals Mitglied von BARS.
 
 
Alexander, ich bedanke mich für das Gespräch und die Möglichkeit, Ihre Ansichten meinen deutschsprachigen Lesern mitteilen zu dürfen. Ich denke, so wie sich die Ereignisse entwickeln, wird es nicht das letzte Gespräch sein, welches wir gemeinsam führen.

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   Kommentare ( 3 )

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 7. November 2016 10:15:54

Alle Achtung Herr Niemeier: ein sehr gut gemachtes Interview!
Am Gang erkennt man Schweinchen und am Gesang Vögel. Dieser hier singt in einer Weise, die nahelegt, das der aufmerksame Schreiber vom Preussenkurier in seiner Einschätzung richtig liegt. Der Herr AWO hat zwar ordentlich Kreide gefressen, aber Melodie, Text und Tonart gleicht auffällig dem Gesang gewisser, "von einem westlichen Geheimdienst geschulter" Vögel in Litauen und der Ukraine.

griepswoolder Veröffentlicht: 8. November 2016 00:16:11

Nun ja, teilweise - also geschichtlich gesehen sind seine Ansichten gar nicht mal so falsch. Nur bezüglich der Gegenwart (Russland zu schlecht, USA gut) sind seine Ansichten - vermutlich wegen Unwissenheit - etwas verwirrt. Im Bezug auf die Deutschen hat er natürlich recht, das die als Befreier vom Kommunismus gesehen wurden. Nicht nur Gefangene kämpften für die Deutschen, sondern auch viele Freiwillige, darunter auch Komsomolzen meldeten sich freiwillig zur Deutschen Armee. Auch sorgten die Deutschen da wieder für zivile Verhältnisse. Viele Schauergeschichten über die damaligen Deutschen waren nur stalinistische Propaganda.

Ob nun eine Zarenherrschaft sinnvoll wäre, kann man bezweifeln. Nach fast 100 Jahren ohne Zar kann man nicht einfach wieder einen einsetzen. Allerdings gäbe es da auch einen Kompromiß: Zur Not könnte man Putin als Zar ehrenhalber ernennen, oder er läßt sich von den Romanows adoptieren...
Was nun das heutige Russland betrifft, so ist man da zwar teilweise noch kommunistisch, was die Legenden über die Vergangenheit betrifft, aber doch liberaler als in Deutschland. In einem einige Jahre alten Bericht, über die russische Jugend las ich, das es schon reicht, wenn man an Demos zum 8. Mai teilnimmt, um als antifaschistisch zu gelten, damit man vor den Behörden Ruhe hat... Andererseits besteht doch ein gewisses Risiko, das man in dieser Vorkriegszeit wieder stalinistische Verhältnisse einführt. In einem Artikel vor Kurzem bei Sputnik las ich zu den Nürnberger Prozessen das Stalin angeblich »rechtlich tadellosen« Verfahren wollte... Ich dachte ich sehe nicht richtig ! Man könnte diese durchgeführten eher mit den Verfahren unter seiner Regierung vergleichen. Also eher politische Schauprozesse, als rechtsstaatliche Verfahren !
Auch der bekannte Regisseur Konstantin Raikin warnte vor paar Tagen vor einer Rückkehr der Zensur.

Diktatur muß nicht unbedingt schlecht sei, ebenso wie Demokratie nicht unbedingt gut für das Volk sein muß. Sieht man ja an der Geschichte von Deutschland. Erst mit der Herrschaft von A.H. verbesserte sich das Leben des Volkes und nicht nur einer gewissen Elite. Das war auch der Hauptkriegsgrund gegen Deutschland, das es sich dem westlich-jüdisch geprägten Finanzsystem (Gold- und Zinswirtschaft) entzog. Alles andere ist nur Propaganda, westliche aber leider auch östliche.
Auch Russland konnte sich nur mit Hilfe des »Diktators« Putin befreien, auch wenn diese Befreiung noch andauert. Man kann natürlich über seine »Diktatur« geteilter Meinung sein, aber ein anderes liberaleres Regierungssystem wäre derzeit wohl schädlich für Russland. Diesbezüglich unteliegt er der US-Propaganda.

Irgendwie merkwürdig, vor Deutschlands ╗Rechte«, wie Agnes Miegel-Freunden will man sich unbedingt schützen, obwohl viele der sogenannten «Rechten« (eigentlich eine Bezeichnung für Richtige) sogar viel Symphatie für Putin und Russland haben, soweit ich bisher las. Genauso wie Russland sieht mann das westliche System als Feind. Nur Russlands »Rechte« sind da anderer Ansicht. Vielleicht sollte Russlands Regierung mal genauer hinsehen, wer seine wahren Freunde sind. Allerdings sollte man gegenüber seinen Freunden auch ehrlich sein, im Bezug auf die Schuld der früheren Regierungen, für die das derzeitige Russland nichts kann. Damit würde man auch Teilen der eigenen Bevölkerung entgegenkommen und auch auf Deutschland und Europa könnte das positive Einflüsse haben. Das könnte dann auch wieder positiv zu Russland zurückstrahlen.

PS: Ich glaube, ich sollte mich vielleicht mal als Präsidenten-Berater von Putin bewerben - oder als Geheimrat...

.g Radeberger Veröffentlicht: 8. November 2016 04:01:29

Gute journalistische Arbeit. Jetzt wissen wir und andere Interessierte, woran man mit diesen Leuten ist. Ich meine nur, daß ich mit meinen Einschätzungen ziemlich richtig lag und nicht alles wiederholen muß.
Ganz offensichtlich unter dem Vorwand eines Interviews mit der ARD waren auch bestimmte deutsche Stellen daran interessiert zu erfahren, wer dieser junge Mann und seine "Mitstreiter" sind. Da gibt es doch Leute in Westeueropa und in Übersee, die liebend gern eine fünfte Kolonne in Klein- und Großrußland und gewiß nicht nur mit Geld unterstützen.

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