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Kaliningrad und seine Invaliden

Mo, 18 Nov 2013 Politik & Gesellschaft


Kaliningrad und seine Invaliden

Kaliningrad hat viele Probleme zu lösen. Die Liste der ungelösten Probleme wird mit zunehmendem gesellschaftlichem Bewusstsein der Bürger immer länger. Aber die Bürger sind auch selber gegen die Lösung von Problemen – wenn es sie denn nicht selber betrifft.

Vermutlich ist es ein ganz normaler Verdrängungsprozess bei jedem – mögliche Invalidität. Aber eine Invalidität ist nicht planbar. Es trifft den Menschen hart und immer unvorbereitet – manchmal von einer Sekunde auf die andere. Umso mehr sollte man Verständnis für diejenigen zeigen, die schon von Invalidität betroffen sind.

In Kaliningrad gibt es 430 Wohnhäuser in denen Invaliden mit verschiedensten Einschränkungen wohnen. Und keines dieser Häuser ist bautechnisch den Erfordernissen der invaliden Bewohner angepasst. Und über 90 Prozent aller öffentlichen Gebäude sind für Invaliden nur schwer zu betreten.

Nun wollte die Stadt im Jahre 2014 die „wahnsinnige“ Summe von 450.000 Rubel (10.200 Euro) für die Umrüstung von Gebäuden zur Verfügung stellen. Doch die in den Häusern wohnenden, nicht eingeschränkten Bürger, haben gegen den Umbau der Häuser gestimmt.

Die Stadt hatte für den Umbau 28 Häuser ausgewählt. Neben den Geldern, die die Stadt zur Verfügung stellt, sollen auch Gelder aus dem Fond für Hauptinstandsetzungen von Wohngebäuden genutzt werden. Dies ist ein neuer Fond, der zum jetzigen Zeitpunkt heiße Diskussionen unter den Besitzern der privatisierten Wohnungen auslöst. Die Bewohner fühlen sich nur verantwortlich für die Wohnungen, die sie vom Staat im Rahmen der Privatisierung geschenkt bekommen haben, haben aber kein Verständnis, dass sie für Gemeinschaftseigentum wie Treppenaufgang, Kellerräume, Dach, Fassade usw. nun auch monatlich in einen Fond einzahlen müssen. Sie sind der Meinung, dass nach wie vor der Staat, d.h. irgendwelche Steuerzahler, für die Instandsetzung von Gemeinschaftseigentum in ihren Häusern zu bezahlen hat.

Und sie wehren sich gegen Verwendung von Geldern für die Verbesserung der Lebensbedürfnisse ihrer invaliden Mitbewohner – immer natürlich davon ausgehend, dass sie persönlich niemals von Invalidität betroffen sein werden.

 

Des Weiteren bildet die Stadt einen Fond im Umfang von 22 Mio. Rubel (0,5 Mio. Euro) um Probleme im Zusammenhang mit Mobilitätseinschränkungen ihrer Bürger zu lösen. Allerdings sind dies Gelder, die durch die privaten Transportunternehmer aufzubringen sind. Entsprechend einer Vereinbarung zwischen Stadt und  privaten Transportunternehmern aus dem Jahre 2011 sind diese verpflichtet, jedes Jahr 10 Prozent des Fahrzeugbestandes auszuwechseln und dabei neue Transportmittel mit niedrigem Einstieg für behinderte Passagiere zu beschaffen. Diese Vereinbarung wird aber nicht erfüllt. Sergej Donskich, Mitglied des Kaliningrader Stadtrats und verantwortlich für die Verkehrskommission und gleichzeitig auch Besitzer der Mehrzahl der privaten Transportunternehmen in Kaliningrad, ergriff auch gleich das Wort, als er diese neuen „Investitionszahlen“ hörte: „Ach, und sollen wir vielleicht auch noch ein Bankett für die Stadt organisieren.“

Merkwürdige Einstellungen von Verantwortlichen Bürgern, von der sogenannten „Elite“ der Stadt Kaliningrad – insbesondere in Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, wo noch nicht bekannt ist, wie viel mobilitätseingeschränkte Bürger aus anderen Orten der Welt nach Kaliningrad anreisen werden. Und, Gerüchte besagen, dass auch Invaliden gerne touristisch unterwegs sind. Aber die fahren dahin, wo sie gerne gesehen sind und wo Bedingungen für weniger Mobilitätseinschränkungen gegeben sind.

Uwe Niemeier unter Verwendung von Material - Quelle: http://www.newkaliningrad.ru/news/community/2823171-zhiteli-kaliningrada-vystupayut-protiv-peredelki-podezdov-pod-nuzhdy-invalidov.html

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