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Mütter und Väter sind Russlands Kapital. Aber was ist Mütter- und Väterkapital?

Mo, 03 Jun 2019 Politik & Gesellschaft


Mütter und Väter sind Russlands Kapital. Aber was ist Mütter- und Väterkapital?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Bei meinen Gesprächen mit Deutschen über Russland stelle ich immer wieder fest, wie wenig man in Deutschland über das russische Sozialsystem weiß. Staunend nimmt man zur Kenntnis, dass Russland weit besser ist als sein Ruf und noch besser ist, als Deutschland.

  • Kaum einer weiß, dass Russland so gut wie keine Probleme hat mit Kindergartenplätzen.
  • Kaum einer weiß, dass Kinderkrippe und Kindergarten fast kostenlos sind.
  • Niemand weiß, dass jeder Kindergarten einen Feldscher und eine Krankenschwester hat.
  • Fast jeder Kindergarten über ein Schwimmbad und umfangreiche andere Kindereinrichtungen verfügt.
  • Und vom Schulsystem, den Schulneubauten – die jetzt wie Pilze aus dem Boden schießen, mal ganz zu schweigen.

Und natürlich weiß niemand, dass es in Russland das sogenannte Mütterkapital gibt.

Bei dem Mütterkapital handelt es sich um eine finanzielle Prämie für die Geburt eines zweiten und jedes weiteren Kindes. Dieses Kapital können auch diejenigen erhalten, die ein zweites oder mehr Kinder adoptieren.

Um das Kapital nicht inflationär zu entwerten, erfolgt in regelmäßigen Abständen eine sogenannte Indexierung, also eine Anhebung.

        Grafik Tabelle der Entwicklung des Mutterkapitals einfügen

Für das Jahr 2019 beträgt somit das Mütterkapital 453.026 Rubel, also rund 6.300 Euro. Im Jahre 2020 wird diese Summe angehoben auf 470.241 Rubel, also 6.500 Euro.

Das Geld ist zweckbestimmt – darf also nicht für Kaffee und Kuchen und schon gar nicht für Champagner ausgegeben werden, der bei der Geburt eines Kindes manchmal reichlich fließt.

Man darf das Geld verwenden für

  • den Bau oder Erwerb einer Wohnung, einschließlich der Bezahlung von Hypotheken und Zinsen
  • für die Ausbildung der Kinder im Vorschulalter und während der Schulausbildung,
  • für die Betreuung der Kinder,
  • für die Gestaltung des sozialen Umfeldes für Kinder mit gesundheitlichen Einschränkungen,
  • für die private Rentenvorsorge.

Nun hat man in Russland den Gedanken, neben dem Mütterkapital auch ein Väterkapital einzuführen. Das Mütterkapital ist eindeutig gebunden an das Kind, egal, ob die Mutter einen Ehepartner hat, man verheiratet ist oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebt.

Das Väterkapital soll nun Einfluss auf die Familie nehmen – so die Vorstellungen der russischen Gesellschaftskammer, die diesen Gedanken veröffentlicht hat.

Das Väterkapital soll ab dem dritten Kind, zusätzlich zum Mütterkapital ausbezahlt werden. Bedingung soll sein, dass alle Kinder, also auch das erste und zweite Kind, bereits in dieser Familie geboren worden sind – also alle den gleichen Vater und die gleiche Mutter haben und beide miteinander von Anfang an verheiratet sind. Diese Bedingungen sind also ein eindeutiges Signal, die russische Familie zu fördern.

Die Summe des Väterkapitals soll mit der Summe des Mütterkapitals völlig identisch sein – man strebt also Gleichberechtigung an. Empfänger dieser Gelder ist der Mann und dieser darf das Geld für seine private Rentenvorsorge verwenden, für die Ausbildung seiner Kinder oder aber auch für die Verbesserung der Wohnbedingungen.

Natürlich liegen keinerlei Erfahrungen vor – es besteht nur die Idee – und deshalb schlagen die Initiatoren vor, im Fernen Osten, in Kaliningrad, in Sewastopol und der Krim mit einem Experiment zu beginnen.

 

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   Kommentare ( 1 )

ru-moto Veröffentlicht: 6. Juni 2019 21:15:54

Bin schon neugierig, was es darüber wieder zu meckern gibt.

Auch ich stelle ich immer wieder fest, wie wenig man in Deutschland grundsätzlich über Russland weiß.
Selbst gebildete Leute haben meist nur eine eher negative und sehr oft falsche Vorstellung davon.

Das ist auch nicht verwunderlich, wurden wir im Westen doch alle von Kindheit an stets nur im negativen Sinne über Russland informiert. Daran hat sich heute nichts geändert, denn gezielte Propaganda (Fehlinformation) soll ja wirken und in unseren Köpfen hängen bleiben.

Nur wer Deutschland heute kennt, in Russland lebt oder sich häufig in Russland aufhält, wird auch ein realistisches Bild von beiden Seiten haben. Viele Russen sehen noch immer "den Rasen im Westen grüner wachsen" und sind rasch enttäuscht sobald sie auf den Boden der Realität zurückkehren.

Umgekehrt haben die meisten Deutschen vom russischen Sozialsystem null Ahnung.
Dafür "weiß" jede(r) gebildete Deutsche, dass es überall und immer in Russland sehr kalt ist...

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 7. Juni 2019 00:55:02

... der Kommentar ging mir runter wie Öl - war wie Balsam für meine Seele. Danke.

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