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Unauffälliger Besuch aus Thüringen

Di, 08 Apr 2014 Politik & Gesellschaft


Unauffälliger Besuch aus Thüringen

Irgendwann fand in der vergangenen Woche der Besuch einer Delegation aus dem Freistaat Thüringen in Kaliningrad statt. Ein Besuch, der kaum Fragen beantwortete und anscheinend niemandem die Gelegenheit gab, Fragen zu stellen.

Durch Zufall fand unsere Informationsagentur auf der Internetseite der Kaliningrader Gebietsregierung eine Information, dass in der vergangenen Woche eine Delegation des Thüringer Landtages in Kaliningrad weilte.

Quelle: http://www.gov39.ru/news/101/71045/

Die Internetseite der Kaliningrader Duma bringt noch zusätzlich eine Fotoserie:

Quelle: http://duma39.ru/press-center/publications/12294/

Die Texte waren langatmig und irgendwie „unkonkret“.

Auf der Internetseite des Thüringer Landtages fanden wir eine qualitativ gleichwertige Information in deutscher Sprache:

Quelle: http://www.thueringer-landtag.de/landtag/aktuelles/pressemitteilungen/78160/index.aspx

Die Internetseite des deutschen Generalkonsulats schweigt über den Besuch – zumindest bis zum Redaktionsschluss für diesen Artikel. Wenn wir nicht zufällig den deutschen Generalkonsul Dr. Dr. Krause auf einem Foto entdeckt hätten, hätte man meinen können, dass der Besuch am Generalkonsulat vorbeigelaufen wäre.

Foto: Unterzeichnung des Memorandums. Ganz rechts Generalkonsul Dr. Dr. Krause

In Kaliningrad weilte also eine 10-köpfige Delegation des Thüringer Landtages. Sie wurde geleitet von Frau Diezel, der Landtagspräsidentin. Über den Zeitraum sind sich die Medien uneinig. Während auf der Internetseite des Thüringer Landtages von zwei Tagen gesprochen wird, schreibt „regnum.ru“ von vier Tagen.

Quelle: http://www.regnum.ru/news/fd-abroad/ukraina/1787075.html

Etwas verwirrend, meinen wir. Wie es überhaupt zum Nachdenken anregt, dass führende Massenmedien in Kaliningrad den Besuch überhaupt nicht erwähnen.

Im Bestand der Delegation befanden sich auch Vertreter des im vergangenen Jahr gegründeten Freundeskreises „Thüringen-Kaliningrad“. Wir erfuhren, dass die Delegation eine Schule besucht hat, auf der Kurischen Nehrung weilte und einem Konzert lauschte. Auch ein Memorandum wurde unterschrieben. Thüringen möchte zukünftig Kaliningrad bei der Entwicklung der Zivilgesellschaft helfen.

Foto: Frau Diezel und Frau Orgejewa unterschreiben das Memorandum

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit „Jemandem“ aus der Kaliningrader Gebietsduma zum Thema „Zusammenarbeit Thüringen-Kaliningrad“. In den Jahren 2012/2013 gab es drei offizielle Besuche aus Thüringen in Kaliningrad und es gab wohl auch mindestens einen Gegenbesuch. Auf meine Frage, welche praktischen Resultate diese gegenseitigen Besuche bisher gezeigt haben, konnte mir mein Gesprächspartner keine Antwort geben. Und keine Antwort ist natürlich auch eine Antwort. Gerne hätte ich auch der deutschen Seite die gleiche Frage gestellt.

Es bleibt also zu hoffen, dass wir nun trotz der etwas unnormalen politischen Situation bald praktische Auswirkungen der gegenseitigen Besuche sehen und nicht zu der Vermutung kommen müssen, dass es sich bei diesen ganzen Besuchen der letzten Jahre um Polit-Tourismus handelt, um mal ein Konzert in Kaliningrad zu hören oder Kurskaja Kosa zu besuchen.  

Uwe Niemeier

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Deutsches, Gebietsduma, Generalkonsulat, Kaliningrad, Politik

   Kommentare ( 1 )

Jenenser Veröffentlicht: 8. April 2014 12:45:05

Als Jenenser und Thüringer habe ich auf Deine speziellen Fragen auch keine Antwort. Obwohl ich die Thüringer Medien aufmerksam verfolge. Es wurde auch bei uns nichts darüber berichtet. Den erwähnten Freundeskreis kenne ich auch noch! nicht!

Stelle Dir vor, in diesem Jahr ist in Thüringen Landtagswahl. In Vorbereitung der Europawahl wird vermutlich Russland, Ukraine, Krimkrise garantiert schon ein Wahlkampfthema. Doch Europa bzw. Brüssel ist weit weg. In der Regel gehen zu dieser Wahl sowieso nur sehr wenige Leute. Was ist, wenn nun zur Landtagswahl das Thema Russland ebenfalls einen negativen Anstrich erhält? Warnungen (Drohungen) zu möglichen Sanktionen. Da will sich keiner den Schuh anziehen, um stolz zu verkünden, dass man da gerade dort war, um ein Memorandum zu unterschreiben. Das nennt man heute Politik. Das schließt übrigens nicht aus, dass hinter den Kulissen, die wir vielleicht gar nicht kennen, ganz anders gehandelt wird.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. April 2014 12:49:34

... gut, einverstanden mit Deinen Schlussfolgerungen.
Wenn es also der Thüringer Regierung "peinlich" ist, über den Besuch in Kaliningrad zu informieren, warum hat man dann den Besuch einfach nicht durchgeführt? Ein Besuch mehr oder weniger ... und man könnte dies auch ganz gut mit der "politischen Situation" begründen. Der Thüringer Steuerzahler wäre sicher auch glücklich gewesen, wenn die Regierung Geld gespart hätte. Alleine die Flüge haben doch mindestens 1.500 Euro gekostet (für 10 Personen, ausgehend vom billigsten Ticket ...) Von den Hotelkosten und Tagesspesen mal ganz zu schweigen ...

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