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Was nichts kostet, ist nichts wert? Das russische Bildungswesen

Mo, 24 Jun 2019 Politik & Gesellschaft


Was nichts kostet, ist nichts wert? Das russische Bildungswesen
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Bildung muss für alle zugänglich und darf kein Privileg irgendeiner finanziellen Elite sein. Russland zeigt sich traditionell sozial bewusst im Bereich des Bildungswesens. Aber die Zeiten, wo sehr großzügig Stipendien bezahlt worden sind, gehen wohl dem Ende zu – ungeachtet dessen, dass Russland eigentlich keine finanziellen Probleme bei der Finanzierung des Bildungswesens hat.

Es gibt verschiedene sogenannte „Nationale Programme“ des russischen Präsidenten, die in seiner jetzigen Amtszeit bis zum Jahre 2024 umgesetzt werden sollen. Eines dieser Programme betrifft das Bildungswesen und alle sozialen Elemente drumherum, sprich Bau von Kinderkrippen, Kindergärten, Bau und Modernisierung von Schulen und natürlich auch die Modernisierung von Hochschulen und Universitäten.

Junge Menschen, die nach der normalen Schulausbildung den Wunsch haben, zu studieren, gibt es ausreichend. Ob diese immer die notwendigen Voraussetzungen für ein Studium mitbringen, war in der Vergangenheit zweifelhaft, denn wenn jemand mit einem hervorragenden Zeugnis die Schule beendete, war dies nicht immer ein Beweis, dass er auch wirklich überdurchschnittlich begabt war. Betrug bei den Prüfungen war an der Tagesordnung, der Kauf von Abschlüssen leider Normalität. Damit sackte natürlich das Bildungsniveau, die Qualität der Kader ab – eine Art Zeitbombe für die Entwicklung Russlands, der russischen Wirtschaft, der russischen Wissenschaft und Kultur – kurz: der russischen Gesellschaft.

Russland hat das Problem erkannt und mit der Einführung des sogenannten Einheitlichen Staatsexamens wurde Betrug bei den Prüfungen defacto komplett ausgeschlossen. Somit kann man davon ausgehen, dass die Prüfungsergebnisse auch wirklich dem Wissens- und Qualifikationsstand des Prüflings entsprechen.

In der Vergangenheit hat Russland dann in großem Umfang Schulabgänger auf Kosten des Staates studieren lassen – man nennt diese Studenten „Büdjetniks“, eine bequeme, wenn auch nicht üppige Art, sein Studium zu überleben, ohne mit anstrengenden Nebenerwerbstätigkeiten Studium und tägliches Leben zu finanzieren.

Gegenwärtig erhalten 518.400 Studenten ein staatliches Stipendium. Das soll sich bis 2024 schrittweise ändern und im Jahre 2024 sollen nur noch 432.400 Personen ein Staatsstipendium erhalten, also 17 Prozent weniger.

Diese Kürzung wird aber defacto noch größer wenn man weiß, dass die Anzahl der Abiturienten sich in dem Zeitraum bis 2024 um 15 Prozent erhöht.

Das bedeutet mit anderen Worten, dass der Wettbewerb um einen Studienplatz stärker wird. Im Jahre 2019 werden 713.800 Personen ein Studium aufnehmen und im Jahre 2024 werden es 823.800 Personen sein. Somit wird es im Jahre 2019 1,4 Bewerber auf einen Studienplatz geben und im Jahre 2024 bereits 1,9 Bewerber.

Warum der Staat seine Unterstützung für Studierende kürzt, wird offiziell nicht kommentiert. Vermutlich geht es aber darum, dass der Staat aus der Anzahl der guten Bewerber die sehr guten herausfiltern will, denen er staatliche Unterstützung zukommen lässt. Experten meinen auch, dass die Kürzung der Gelder im wesentlichen Hochschulen betrifft, die regional verwaltet werden – wo also der subjektive Faktor bei der Vergabe von Stipendien doch noch größer ist, als bei föderalen Hochschuleinrichtungen und Universitäten.

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   Kommentare ( 1 )

Marko Bruhn Bruhn Veröffentlicht: 24. Juni 2019 17:15:07

das ist schade, Russland bringt gut Wissenschafter hervor aus allen Bereichen

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