Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Wohin geht Kaliningrad – Kaliningrad und die föderale Aufmerksamkeit Teil III

Sa, 07 Dez 2013 Politik & Gesellschaft


Wohin geht Kaliningrad – Kaliningrad und die föderale Aufmerksamkeit Teil III

Fortsetzung der Publikation vom 06. Dezember 2013 Lesen Sie den Teil I hier und den Teil II hier

Am 27.11.2013 berichtete das Portal „Новостей.com“ (Neuigkeiten.com) über eine ehemalige Mitarbeiterin des Litauischen Geheimdienstes und wie diese als Prostituierte Politiker bespitzelte (Quelle: http://novostey.com/politic/news561780.html).

Das Süffisante daran ist nicht unbedingt, dass es sich bei der „Dame“ um eine Kaliningraderin handelt, die in den 90er Jahren nach Litauen ausgewandert und jetzt, über eine Heirat und einen Umweg über Norwegen, wieder nach Kaliningrad zurückgekehrt ist. Nein, das Süffisante ist, das der litauische Geheimdienst nicht russische Politiker bespitzeln ließ, sondern seine eigenen Politiker und seine eigenen Geschäftsleute. Die Dame „Irina“ erzählte nun während einer TV-Sendung von „NTV“ „Agent auf Bestellung“ (Quelle: http://www.ntv.ru/peredacha/proisschestvie/m4001/o202096/comments/), dass sie sich vier Jahre lang auf Weisung des litauischen Geheimdienstes mit hochgestellten litauischen Persönlichkeiten prostituiert habe. Spionageziel waren solche Persönlichkeiten wie der ehemalige litauische Präsident Algirdas Brasauskas, Premierminister Kasimir Prunsken, Mitglieder des litauischen Parlaments, Diplomaten, Geschäftsleute. Zu ihren „Liebhabern“ zählten auch der Fahrer der Gattin des litauischen Präsidenten und des Ex-Premiers.

Peinliche Enthüllungen – nicht wahr? Immerhin handelt es sich um ein Land welches für sich die Begriffe „Demokratie“, „Moral“, „Souverän“ in Anspruch nimmt – insbesondere im Umgang mit seinem Nachbarn Russland. Nun kann man sagen, dass das alles in den 90er Jahren passiert und dies „kalter Kaffee von gestern“ ist. Leider stimmt das nicht ganz, denn die Sendung von «NTV» zeigt auf, dass die damaligen Verantwortlichen auch heute noch hohe Posten im litauischen Geheimdienst bekleiden. Und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – so ein Sprichwort. Und man ist eifrig bemüht, diese, gelinde gesagt „Peinlichkeiten“ unter den Tisch zu kehren. Offizielle Litauer reagierten nämlich prompt.

Schon im Oktober, während des „Milchkrieges“ wurden Zensuren über russische TV-Sender verhängt, die in Litauen, Lettland und Estland empfangen werden. (Anm. UN: Es gibt eine große Anzahl von Russen die in Litauen, Lettland, Estland leben und russischsprachige TV-Sender empfangen wollen). Und nun will man wiederum den Empfang russischer Sender weiter einschränken – tja, unangenehme Nachrichten sind eben unangenehm und da fällt dann das Mitgliedsland der Europäischen Union, Mitglied der NATO mal schnell in undemokratische Verhaltensweisen zurück – Zensur der Massenmedien durch staatliche Organe. Man macht also selber genau das, weswegen man den Nachbarn Russland immer wieder kritisiert. (Quelle: http://altaypost.ru/26537-litva-prosledit-za-rossiyskimi-telekanalami.html).

Und wie reagierten die Partner von Litauen in der Europäischen Union, oder einfach nur die westlichen Massenmedien, die doch eigentlich immer auf der Jagd nach Sensationen und Kompromittierendem sind? Keine Ahnung, ich habe nichts gelesen und gehört – Schweigen im Blätterwald. Ich versuche mir nur gerade vorzustellen, wenn man dem russischen FSB nachweist, dass er den Präsidenten Putin und den Premierminister Medwedjew bespitzelt …

Foto: Der legendäre sowjetische Aufklärer Stirlitz aus dem Film „17 Augenblicke des Frühlings“

 

Aber wir sprachen ja vom „Tummelplatz für angebliche und wirkliche Spione“. Wer ist denn nun der angebliche Spion? Natürlich wieder ein Kaliningrader.

Wadim Smirnoff war ein bekannter Kaliningrader Journalist und Politikanalytiker der Zeitung „Kaliningradskaja Prawda“ bevor er seine Laufbahn als angeblicher Spion begann. Und er war der ehemalige Pressesekretär des Kaliningrader Gouverneurs N. Zukanov. Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der KANT-Universität in Kaliningrad und leitete dort das „Institut für baltische Forschungen“. In den letzten drei Jahren beschäftigte er sich mit politischen Vorgängen in Litauen im Rahmen seiner Kandidaten-Dissertation (Thema: Strukturelle Veränderungen in der politischen Elite des postsowjetischen Litauens).  Zum jetzigen Zeitpunkt arbeitet Wadim Smirnoff in der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation im Departement für die Analyse gesellschaftlicher Führungsprozesse.

Foto: Wadim Smirnoff (rugrad.eu)

Und nun erklärt der litauische Geheimdienst Herrn Smirnoff zur „Unerwünschten Person“. Interessant, nicht wahr?

Was hat Wadim Smirnoff nun den Litauern Böses angetan? Schauen wir mal, was unser Medienpartner „rugrad.eu“ darüber schreibt: (Quelle: http://rugrad.eu/news/637721/)

Der litauische Geheimdienst unterstellt Wadim Smirnoff, dass er unter dem Vorwand seine Dissertation schreiben zu wollen, drei Jahre lang Kontakte zu Politikern, Journalisten und Politologen gesucht haben soll. Unter dem Versprechen, Antworten und Informationen seiner Gesprächspartner nicht zu veröffentlichen, haben diese Vertrauen zu ihm gefasst und ihn mit „lockerer Zunge“ mit kompromittierenden Informationen versorgt. In erster Linie soll es um Material gegen die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaité gehen.

Foto (Wikipedia): Litauische Präsidentin Dalia Grybauskaité

Nach seiner Arbeitsaufnahme in der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation soll er, gemeinsam mit seinem Chef, eine Informationsattacke gegen den litauischen Präsidenten vorbereitet haben.

Aus diesen, dem litauischen Geheimdienst „angeblich“ vorliegenden Informationen, leitet man ab, das Wadim Smirnoff russischer Agent ist.  „Angeblich“ deshalb, weil der litauische Geheimdienst in der Vergangenheit regelmäßig vor „Attacken“ Russlands medialer Art die Litauer warnt. Man formulierte dies in der Vergangenheit immer sehr allgemein (wichtig war die Verbreitung negativer Stimmungen gegen Russland). Jetzt hat man mal einen Namen, der ins Feld geführt werden kann.

Soweit zu einem Teil der Geschichte. Es gab aber noch einen anderen, vorangegangenen Teil, der die eigentliche Empörung in Litauen hervorruft.

Der litauische Geheimdienst informierte betroffene Personen über den Fakt eines möglichen „medialen russischen Angriffs“ gegen die litauische Präsidentin.

Zu den Empfängern dieser Information gehörten die litauische Präsidentin, der Premierminister, der Vorsitzende des Parlaments und noch eine Reihe von hohen Beamten Litauens. Und diese Information gelangte nun „irgendwie“ an die Öffentlichkeit – in die Hände der litauischen Nachrichtenagentur „BNS“ und diese veröffentlichte die Skandalinformation auszugsweise.

Foto: Grafik des Nachrichtenportals

Und nun begann das, was man allgemein hin als Einschränkung der Pressefreiheit, Zensur, staatliche Erpressung oder so ähnlich bezeichnen kann – und dies in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union, welches sich als demokratisch bezeichnet.

Das Kaliningrader Informationsportal „NewsBalt“ schreibt: (Quelle: http://www.newsbalt.ru/detail/?ID=16222):

„Obwohl, der Skandal in Litauen entwickelte sich nicht wegen dieser Einzelheiten (Anm. UN: Einzelheiten = Smirnoff). Die Aufmerksamkeit der Massenmedien richtete sich auf den Druck den die litauischen Geheimdienste auf die Journalisten ausübten, denn nach der Veröffentlichung des Textes der Geheiminformation durch Journalisten von „BNS“ begannen massenhafte Durchsuchungen und mehrstündige Verhöre.“

Und „NewsBalt“ zitiert die litauischen Nachrichten „15min.lt“ mit den Worten:

„Woher die Information kam ist nicht bekannt, aber die litauischen Massenmedien und Politiker verdächtigen die Präsidialverwaltung Litauens, denn gerade Dalia Grybauskaité hätte die meisten Vorteile aus der Behauptung über eine Bedrohung ihrer Person aus Russland.“

Foto: Grafik des Nachrichtenportals

Und weiter schreiben die litauischen Nachrichten „15min.lt“, dass nicht bekannt ist, mit wem denn nun Wadim Smirnoff in Kontakt stand. Man durchsuchte „Facebook“ und fand im Account von Smirnoff den Namen des Ex-Premiers von Litauen und jetzigen Leiters des Parlamentskomitees für Europaangelegenheiten G. Kirkilas – der kann sich allerdings auf Nachfrage an nichts erinnern. Dann gibt es noch andere Namen, aber letztendlich nichts Konkretes.

Interessant ist aber, dass der litauische Geheimdienst über den „Spion“ Smirnoff schon drei Jahre informiert war – also an sich vom ersten Tag seiner angeblichen Spionagetätigkeit. Das bestätigen, nicht genannt sein wollende, litauische Politiker, die Kontakte zum litauischen Geheimdienst haben. Der Name „Smirnoff“ soll schon lange in Geheimmeldungen des Dienstes figurieren. Und somit steht die Frage, warum man erst jetzt W. Smirnoff zur unerwünschten Person erklärt hat – cui bono?

Der ehemalige litauische Verteidigungsminister, eine der bekanntesten konservativen Persönlichkeiten des Landes forderte, dass alle, die mit Smirnoff Kontakt hatten, sich jetzt freiwillig melden und deren Namen auch veröffentlicht werden sollten.

Und dann scheint der litauische Geheimdienst zum „Rund-Um-Schlag“ auszuholen und sieht – wie „15min.lt“ weiter schreibt, noch weitere russische Spione, ja sogar ganze Organisationen.

So wird die „Wähleraktion der Polen in Litauen“ und die Partei „Verband der Russen in Litauen“ beschuldigt mit russischen Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Der letzte Informationsstand ist nun der, dass man weiß, dass man nichts weiß, d.h. man kennt die Freunde und Gesprächspartner von Wadim Smirnoff nicht - trotzdem man den Mann drei Jahre lang beobachtet hat - interessant, nicht wahr?

Und so ist Kaliningrad im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit – auch wenn man es sich eigentlich zu anderen Thematiken mehr wünschen würde.

Aber ist es denn wirklich so? In keiner deutschen Nachrichtensendung, in keinem deutschen Informationsportal habe ich bisher Informationen zu den Vorfällen im demokratischen Euroland Litauen gefunden – habe ich nur nicht aufmerksam genug gesucht oder verschweigen hier die deutschen und andere Euro-Demokratien einfach nur Unangenehmes über ihren demokratischen Jung-Partner Litauen? Aber die westliche Presse soll doch eigentlich unabhängig von irgendwelchen staatlichen Bedenkenträgern arbeiten – sagt man. Warum hört und liest man denn nichts? Da scheint es vielleicht mit der Pressefreiheit in Deutschland doch nicht ganz so frei zu sein, wie sonst immer behauptet wird – oder?

Uwe Niemeier

Hinweis: In der kommenden Woche veröffentlichen wir weitere Beiträge zu militärischen Themen im Gebiet Kaliningrad:

Dienstag: Teil I - Die Entwicklung der Militärpräsenz in Kaliningrad
Mittwoch: Teil II - Baltisches Seekriegsinstitut F.F. Uschakow
Reklame

Deutsches, Europäische Union, Föderales, Gebiet, Kaliningrad, Litauen, Politik

   Kommentare ( 0 )

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an