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Das nicht leichte Leben der Kaliningrader SchaffnerInnen

Sa, 02 Mär 2019 Video-Info


Das nicht leichte Leben der Kaliningrader SchaffnerInnen
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Waren Sie schon mal in Kaliningrad? Sind Sie schon mal mit dem Kaliningrader Nahverkehr gefahren? Kaliningrad hat nicht nur nostalgische Busse aus sozialistischen Zeiten, sondern auch noch Schaffner oder Schaffnerinnen. Neben der Pflicht zur Pflege von Sozialkontakten, haben diese auch noch andere, schwergewichtige Pflichten.

Die schwergewichtigen Pflichten liegen im Verkauf von Fahrscheinen. Gegenwärtig kostet ein Fahrschein 24 Rubel. Und die Masse der Fahrgäste bezahlt mit Münzgeld. Kreditkarten oder irgendwelche anderen elektronischen, gewichtserleichternder Zahlungsmittel sind ein Fremdwort. Und so hat das Personal einige Kilo Gewicht am Hals, denn das Geld wird in irgendwelchen alten Einkaufstaschen oder –beuteln um den Hals getragen oder aber auch als Gürteltasche. Die SchaffnerInnen wissen am Abend, was sie getan bzw. getragen haben.

Nun gibt es ein neues föderales Gesetz mit der romantischen Bezeichnung „Gesetz Nr. F24“. Dieses verpflichtet die SchaffnerInnen zukünftig, neben den Fahrscheinen, den Passagieren auch noch einen Kassenscheck über den verkauften Fahrschein auszustellen. Dieser Kassenscheck wird von einem Kassenapparat gedruckt, der direkt mit der Steuerinspektion verbunden ist – so wie alle anderen Kassenapparate in Russland auch, die in irgendwelchen Geschäften, Supermärkten oder Dienstleistungseinrichtungen stehen.

Wir sehen also, das Leben wird für die SchaffnerInnen, im wortwörtlichen Sinne, nicht leichter, denn der Kassenapparat hat auch sein Gewicht.

Etwas unklar ist noch, wie dieser Kassenapparat gehalten und bedient wird, denn an sich sind die Hände der SchaffnerInnen schon vollständig ausgelastet. Aber noch ist ein wenig Zeit bis zum 1. Juli, dem Datum, wo diese gesetzlichen Bestimmungen umzusetzen sind und man sich etwas einfallen lassen kann.

Bei der Gelegenheit wurde durch mich, als Vielnutzer des öffentlichen Kaliningrader Nahverkehrs festgestellt, dass wohl die Zeiten der „Glücksfahrscheine“ sich auch dem Ende nähern. Ein Glücksfahrschein ist ein Fahrschein, dessen sechsstellige Nummer die gleiche Summe ergibt, wenn man die ersten drei Zahlen addiert und die letzten drei Zahlen. Ein derartiger Fahrschein bringt keinerlei Vorteile. Er macht Sie einfach nur glücklich – wie ich aus eigener Erfahrung vielfach bestätigen kann. Aber die Entwicklung schreitet fort und so kommen immer mehr Fahrscheine mit einer siebenstelligen Nummer in Umlauf. Somit beraubt der Kaliningrader Nahverkehr seine Passagiere eines bis dato festetablierten Glücksgefühls. Schade – finde ich. Vielleicht gibt es ja aber auch Aktivisten, die über eine Petition die Wiedereinführung eines sechsstelligen Tickets im Nahverkehr fordern?

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Alltägliches, Stadtverkehr

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