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Drei Stunden Romantik, drei Stunden Emotionen. Tschernjachowsk

So, 10 Mär 2019 Video-Info


Drei Stunden Romantik, drei Stunden Emotionen. Tschernjachowsk
Begleittext zur Videoinformation

Begleittext zur Videoinformation

Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Tschernjachowsk, das ehemalige deutsche Insterburg. Drei Stunden sind viel zu wenig für diese Stadt die Besucher mit Romantik und Emotionen förmlich überfällt.

Bekannte besuchten ihre Babuschka, also ihre Oma, in Tschernjachowsk. Und ich nutzte die Chance und einen freien Platz im Auto, um nach fast zwei Jahren mal wieder in der Stadt vorbeizuschauen, die erstmals im Jahre 1336 urkundlich erwähnt wurde. Stadtrecht erhielt sie aber erst 247 Jahre später, also im Jahre 1583.

Es hat sich viel getan in dieser Stadt und ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen, denn viele Häuser, nicht nur direkt im Stadtkern, waren renoviert.

Die Stadt beeindruckte mich mit einer Vielzahl von Cafés und Restaurants, die ich vor zwei Jahren noch vermisst hatte.

Drei Stunden hatte ich Zeit, mir die Stadt anzuschauen. Viel zu wenig, um alles zu sehen. Mitgebracht habe ich zwei Stunden Filmmaterial und versuche dies nun auf acht Minuten zu komprimieren.

Tschernjachowsk, bis Mitte 1946 Insterburg, ist die Stadt der Kontraste:

  • viel Modernes für das tägliche Leben,
  • Neues, mit historischem Eindruck,
  • Historisches, restauriert,
  • Historisches, so, wie es wohl 1946 von den damaligen Bewohnern verlassen worden war.

Ich erlebte drei Stunden Romantik pur, Emotionen in selten erlebtem Umfang.

Viel Romantisches, anregend für die Phantasie und eigentlich viel zu schade für eine Renovierung – der Charme der Geschichte würde verloren gehen.

Enge Straßen hinterlassen den Eindruck einer mittelalterlichen Stadt. Sie strahlen Gemütlichkeit aus, obwohl die Wohnqualität selber wohl mit modernen heutigen Wohnungen nicht vergleichbar ist.

Trotzdem sich die Stadt entwickelt, sich schön macht, unterliegt die Einwohnerzahl merkwürdigen Schwankungen. Das Jahr 1939 wird mit fast 44.000 Einwohnern genannt. Im Jahre 2001 wurde diese Zahl wieder erreicht, um dann kontinuierlich abzunehmen, auf die heutige Einwohnerzahl von 36.000.

Dabei gibt es ausreichend Arbeit, es gibt Schulen, es gibt Kultur.

Ich dachte, ich hätte das schmalste Haus von Tschernjachowsk gefunden, aber es stellte sich heraus, dass es noch mehrere dieser Handtuchhäuser in der Stadt gibt.

Und plötzlich steht man in einer Nebenstraße, etwas außerhalb vom Stadtkern, genau gegenüber dem Hotel „Zum Bären“, vor diesem Industriegebäude, heute als Garage und PKW-Werkstatt genutzt. Nett, finde ich. Wer erwartet so etwas an dieser Stelle!

Und wenige Schritte weiter, historische Romantik über ausgetretene Steinstufen. Und wer ausreichend Zeit mitbringt und Eisenbahnfan ist, genießt auch von Zeit zu Zeit das Pfeifen und Quietschen der Rangierbahnen.

Torbögen, Hinterhöfe, Schuppen, viel historisches Straßenpflaster – alles ist pure Romantik, pure Historie. Baulücken geben plötzlich in der Tiefe den Blick frei auf weitere historische Bausubstanz.

Mit Ehrfurcht bin ich über diese ausgetretenen Holzstufen in die dritte Etage gelaufen. Wie viele Menschen mögen wohl diese Stufen betreten und mit ihren Füßen geschliffen haben. Wie viele Hände mögen das Originalgeländer wohl gestreichelt haben?

Tscherjachowsk ist Transitstadt für viele Schwertransporte Richtung Litauen bzw. dem russischen Mutterland. Fast möchte man sagen, Tschernjachowsk ist der Nabel … naja, nicht der Welt, aber zumindest des Gebietes, denn hier gabeln sich die Wege Richtung Norden und Osten.

Vieles von dem, was ich bisher gezeigt habe, ist in den letzten zwei Jahren entstanden. Und die Phantasie fordert jetzt heraus: Wie wird sich wohl die Stadt in den kommenden zwei Jahren entwickeln?

Den Stadtpark mit seinen Treppen, Brücken und Sitznischen musste ich leider aus dem Filmmaterial kürzen, dafür jetzt der Blick über den Stadtteich, mit einem restaurierten altdeutschen Haus und einem romantischen Blick über das Wasser zu anderen restaurierten Bauten.

Das Insterburger Schloss darf natürlich nicht fehlen, wenn man die Stadt besucht. Sich hier nur fünf Minuten aufzuhalten, ist eigentlich Kulturschande, aber mehr Zeit hatte ich nicht, denn ich wollte unbedingt noch zur Brandes-Villa, die heute als Kindergarten genutzt wird.

Besuchen Sie Tschernjachowsk und planen mindestens einen Tag ein – obwohl, auch der reicht nicht, um alles Sehenswerte zu sehen.

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Tourismus, Tshernjachowsk

   Kommentare ( 6 )

Steffen Görlich Veröffentlicht: 10. März 2019 13:51:32

Vielen Dank fūr den super Bericht über Tschernjachovsk. Ich habe neulich alleine eine nächtliche Tour durch die Stadt gemacht und war ebenso begeistert. Wie schon angesprochen, gibt es viele weitere interessante Stellen wie die Bunte Reihe von Scharoun oder in der Umgebung den Bismarkturm, der leider momentan zerfällt. Ich finde für den Geschichtsinteressierten die Stadt spannender und authentischer als Kaliningrad. Also: In ein paar Monaten das elektronische Visa nutzen und ab nach Insterburg. Übernachten kann man auch bei der gezeigten Kirche in einem Gasthaus oder (mit langer Voranmeldung) romantisch an der Angerapp (in Richtung Gussev und dann links). Und als Nachtlektüre das Buch von Hans Lehndorff über seine Insterburger Jahre.

Udo Petz Veröffentlicht: 10. März 2019 14:53:53

Auch von mir vielen Dank für diesen romantischen Streifzug durch die Geburtsstadt meiner Oma. Ich war schon drei oder vier mal in Tschernjachowsk, und ich finde auch immer wieder etwas Bemerkenswertes.

Hauke Veröffentlicht: 11. März 2019 13:27:44

Na bitte geht doch.
Der Anfang ist gemacht aber es gibt noch viel zu tun.

Georg Veröffentlicht: 11. März 2019 14:48:14

meine Frau war zuletzt vor 5 Jahren in dieser Stadt und zeigte sich von dem Fortgang überrascht.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 11. März 2019 15:15:40

... vor fünf Jahren war aber kaum was zu sehen. Meine ersten "Oho"-Eindrücke sammelte ich vor rund 1,5-2 Jahren. Aber das, was ich am Samstag gesehen hatte - also das war schon eine kleine Sensation. Die Stadt selber hat einen ganz anderen Charme als Kaliningrad. In Kaliningrad finde ich nicht mehr diese engen Gassen, verwinkelten Hinterhöfe ... das hatte schon was. Und für mich spielt immer eine sehr große Rolle, ob ich denn ausreichend kleine Cafés finde, wo ich mir meine Füße kühlen kann. Vor zwei Jahren habe ich mit Ach und Krach ein Restaurant gefunden, heute jede Menge kleiner Cafés, wo man sich wohlfühlen kann.

boromeus Veröffentlicht: 11. März 2019 18:50:25

Schade dass Sie nicht den Bereich um den ehemaligen Insterburger Wasserturm gezeigt haben,denn dort steht die Bauhistorie,die ,ebenfalls ein Kleinod war,oder wieder werden könnte,sofern man es für nötig erachtet sie instantzusetzen.Die dortigen Fassaden zeugen heute noch von hoher Baukunst ,um die Jahrhundertwende,und früher.Mit ihren aufwendigen und einst wunderschönen Stuckarbeiten und Fensterverzierungen.Mit über 100 Jahre alten Eingangstüren,die Geschichten erzählen können und kleinen schmiedeeisernen Balkonen,oder das,was der Zahn der Zeit heute noch davon übriggelassen hat.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 11. März 2019 20:01:30

... ich hatte nur drei Stunden und der Wasserturm, die Hafenanlagen usw. liegen etwas außerhalb. Ich habe es nur bis zur Brandes-Villa geschafft und bin im Laufschritt zurück. Ich plane aber noch mindestens 20 Jahre zu leben und verspreche eine Fortsetzung ...

boromeus Veröffentlicht: 11. März 2019 20:18:08

Ich nehme Sie beim Wort ..

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