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Das Kaliningrader Restaurant- und Retailgeschäft

So, 05 Jan 2014 Wirtschaft & Finanzen


Das Kaliningrader Restaurant- und Retailgeschäft

Restaurants in Kaliningrad überleben nur, wenn sie sich den Erwartungen der jungen Generation anpassen und flexibel auf internationale Trends reagieren. Der Einzelhandel sollte sich auf niedrige Margen konzentrieren um ein abwandern der Kunden nach Polen und Litauen zu verhindern.

Das zumindest ist die Meinung von Anna Sacharowa, der Marketingchefin vom Handelshaus „Europa“ und des „Restauranthauses“.

Trotzdem sich Anna Sacharowa zu den „Informationsoptimisten“ zählt, schätzt sie ein, dass sich das Restaurantbusiness nicht entwickelt hat. Und sie gibt die Prognose, dass sich daran auch im Jahre 2014 nicht viel ändern wird. Wenn die Restaurantbetreiber eventuell einen Gewinnzuwachs zu verzeichnen hatten, dann nur deshalb, weil sie die Arbeit effektiver organisiert haben.

Im Jahre 2014 werden auch keine neuen Wettbewerber auf den Kaliningrader Markt kommen. Der „Eintritt“ in den Kaliningrader Markt ist relativ teuer und da Kaliningrad als Verbrauchermarkt relativ überschaubar ist, werden sich die Gewinn- und Amortisierungserwartungen, wie man sie sonst aus Russland gewohnt sind, hier nicht erfüllen.

Was das Wachstum im vorhandenen Restaurantbusiness anbelangt, so hängen hier die Zuwachsraten direkt ab vom Zuwachs an Einkommen bei der Bevölkerung. Anna Sacharowna führt ein Gehaltszuwachs im Jahre 2014 von rund 3 Prozent für die Bevölkerung an. Das entspricht dem, was die Kaliningrader Regierung prognostiziert hat. Und genau um diese drei Prozent könnte sich auch der Umsatz der Bevölkerung im Retail erhöhen und das Restaurantgeschäft erhält davon auch einen kleinen Anteil.

Anna Sacharowna schätzt auch ein, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Kaliningrad schneller wachsen als die Löhne und Gehälter. Die Schere zwischen Einkommen und dem damit zu erwerbenden Warenkorb wird somit immer größer – zu Ungunsten der Bevölkerung. Deshalb die Bevölkerung auch dazu über, immer mehr Geld als Rücklage für harte Zeiten zu bilden und nicht in den Retailumsatz zu bringen. 

Es lohnt sich auch nicht in Richtung Eurozone zu blicken und zu hoffen, wenn es dort eine positive Entwicklung gibt, dass sich diese in Kaliningrad fortsetzt. Kaliningrad ist ein Bestandteil der Russischen Föderation und somit eingepasst in die allgemeine Entwicklung der russischen Wirtschaft mit all seinem Plus und all seinem Minus. Leider ist es so, dass es keine ernsthaften Investoren in Russland gibt, welche in die Entwicklung, Erweiterung, Modernisierung der Produktionsbasis oder neuer Technologien Gelder investieren. Wir treiben im wesentlichen nur Handel.

Im Restaurantbusiness werden die überleben, die es schaffen sich ein Potential an Stammgästen zu schaffen. Wichtig ist hierfür die Gruppe der 23 – 35jährigen. Das sind in Kaliningrad ungefähr 74.000 Menschen. Um diese Gruppe wird im Restaurantgeschäft gekämpft werden. Gäste aus den anderen Altersgruppen gehen nur von Fall zu Fall ins Restaurant. Und hier kommt es darauf an besser zu sein als die Konkurrenz. Besser sein heißt aber nicht unbedingt auch billiger zu sein.

In der Gruppe der jungen Leute gibt es eine Tendenz, die sich schon ziemlich lange hält. Man legt sich für einen Abend nicht auf ein Restaurant fest, sondern macht die „Kneipentour“ – wie man in Deutschland sagen würde. In jedem Restaurant wird irgendetwas getrunken und eine Kleinigkeit gegessen und dann geht’s weiter in das nächste Etablissement. Und wer im Restaurantgeschäft bestehen will, muss sich etwas einfallen lassen um die Gäste möglichst lange bei sich zu halten.

Im Einzelhandel für Bekleidung und Schuhwerk sieht die Situation ein wenig besser aus. Der durchschnittliche Kaliningrader gibt ungefähr 11 Prozent seines Einkommens für Bekleidung aus, aber nur 6,5 – 8 Prozent für die Erholung. Der Markt ist hier also noch sehr entwicklungsfähig und es gibt noch eine  ganze Reihe von Dingen die man hier für die Bevölkerung organisieren kann.

Eine weitere Tendenz ist leider, dass ein Teil, eben wegen der Kaliningrader Preispolitik lieber nach Polen und Litauen fährt. In diesen Ländern ist man interessiert über die Menge der Kunden sein Geld zu verdienen, d.h. man kalkuliert eine möglichst kleine Marge, hält damit den Endverbraucherpreis klein und erhält dadurch mehr Kunden. Anna Sacharowna rechnet auch nicht mit großen Umsatzzuwächsen im Einzelhandel. Die würden nur kommen, wenn tausende von Übersiedlern oder zeitweiligen Arbeitsmigranten zu uns kämen, die auch ein entsprechendes Gehalt bekommen, welches sie wieder in Kaliningrad ausgeben könnten. Aber die Migrantenquoten die Kaliningrad für das laufende Jahr erhalten hat beziehen sich genau auf die Gruppe, die ein kleines Einkommen bezieht und somit keinen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Verbrauchermarktes in Kaliningrad nimmt.

Der Konkurrenzkampf findet in Kaliningrad nun schon nicht mehr nur zwischen einzelnen Brands statt. Er findet in erster Linie zwischen den zahlreich vorhandenen Einkaufs- und Handelszentren statt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Markt der Einkaufszentren ausgeglichen. Wer aber Spitzenpositionen besetzen will ist gezwungen, sich neuen Methoden zuzuwenden. Und hier beobachten wir, dass die Handelszentren sich von ihrem „Kunter-Bunt-Laden“ langsam trennen und eine Optimierung ihrer Angebote vornehmen. Allerdings, so Anna Sacharowna, haben einige ihr Angebot so optimiert, dass sie „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben.“


Quelle: http://klops.ru/interview/intervyu/84085-v-restorannom-biznese-vyzhivut-zavedeniya-dlya-hipsterov

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Finanzen, Handel, Kaliningrad, Restaurant

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