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Entwarnung zur Datschen-Wirtschaft – gerade noch mal gut gegangen

Di, 10 Jul 2018 Wirtschaft & Finanzen


Entwarnung zur Datschen-Wirtschaft – gerade noch mal gut gegangen

Anscheinend haben russische Medien Informationen verbreitet, die nicht korrekt waren. Von Fake-News zu sprechen wäre verkehrt, denn anscheinend handelt es sich nur um ein Missverständnis. Aber dies hätte zu fatalen Folgen führen können, wenn die Aufsichtsbehörde für Landwirtschaft nicht sofort korrigiert und kommentiert hätte.

Es gibt einige Heiligtümer in Russland. Am Status Quo zu rütteln, würde äußerst negative Folgen haben. Hierzu gehört nicht die Anhebung des Preises für Wodka. Aber Veränderungen am Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau gehören dazu und alles rings um die Datscha und die „Prikuchennoje Chosjaistwa“, also den Eigenanbau von Obst und Gemüse.

Um die ununterbrochene Arbeit auf dem Datschengrundstück zu gewährleisten, wurden in Russland sogar die Zeiten der Öffnung und Schließung von Wahllokalen verändert – es handelt sich also bei diesem Thema um eine wirklich „heilige Sache“.

Ein Großteil der russischen Bevölkerung verfügt über ein Gartengrundstück und pflegt dieses mit viel Liebe. Der Garten ist oftmals nicht so gestylt wie in Deutschland, dafür ist er aber häufig so ergiebig, dass die Ernte von Kartoffeln, Möhren, Erdbeeren, Tomaten und Gurken nicht nur für den Eigenbedarf ausreicht, sondern die Überschüsse sogar noch im Straßenverkauf anderen Bürgern angeboten werden, die nicht über ein Datschengrundstück verfügen und gerne naturbelassenes (in Deutschland auch als Bio bezeichnet) Obst und Gemüse verzehren wollen.

Und nun tauchten in den russischen Medien Informationen auf, dass man den Anbau all dessen verbieten und bestrafen will. Eine bekannte Zeitung hatte verbreitet, dass die Zucht von Obst und Gemüse aus eigenem Saatgut mit Strafen von 500-1000 Rubel belegt wird, wenn die landwirtschaftliche Aufsichtsbehörde davon Kenntnis erhält.

Mal davon abgesehen, dass jeder Russe der eine Datsche hat, sich damit beschäftigt und es für die Aufsichtsbehörde überhaupt kein Problem gewesen wäre, Verstöße festzustellen, hätte die personelle Ausstattung der Behörde wohl nicht ausgereicht, um die ganzen Strafzettel auszufüllen.

Aber man dementierte sofort und ausführlich, denn niemand hat die Absicht irgendetwas zu verbieten. Es geht darum, dass derjenige mit einer Strafe zu rechnen hat, der Saatgut aus unklaren Quellen und unter Verletzung der gesetzlich festgelegten Qualitätsmerkmale nutzt, um seine Ernte zu organisieren. Gemeint sind Gartenbesitzer, die bei Händlern ihr Saatgut beziehen, die dieses Saatgut ohne Qualitätszertifikate verkaufen. Es geht also überhaupt nicht um Privat-Datschen-Besitzer, die ihre eigenen Kartoffeln anpflanzen und ernten wollen.

Anmerkung UN: Uffff, das ist ja gerade nochmal gut gegangen. Nicht auszudenken, woher ich zukünftig meine naturbelassenen Tomaten, Gurken, Kartoffeln bekommen hätte, wenn Deduschka und Babuschka nicht mehr hätten anbauen dürfen.

Uwe Niemeier

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Landwirtschaft

   Kommentare ( 1 )

ru-moto Veröffentlicht: 10. Juli 2018 14:33:45

Ein Datschengrundstück stellt in RUS einen unantastbaren Bereich dar. Wer jemals den stolzen Gesichtsausdruck der Datschenbesitzer über die eigene Ernte gesehen hat, wird dies verstehen. Glashäuser mit eigenen Tomaten, Gurken... täglich frisch auf den Tisch. Wachteleier und, und...

Selbstversorgung wo es nur geht. Leider ist dies im Westen nicht mehr üblich. Sogar die Landwirte kaufen im Supermarkt (Weintrauben aus Südafrika, Äpfel aus Neuseeland, Erdbeeren aus England, Wein aus Kalifornien und Australien, Bier aus Japan, China und den US - weil es das zuhause ja nicht gibt und weil es angeblich "in" ist alles und zu jeder Zeit zu konsumieren - verrückt!

Eigene Tiere, wie Ziegen, Hühner etc. zu haben und einen Garten zu bewirtschaften ist zum Luxus geworden. Bei den hohen Wasser/Kanal-Kosten und Grundsteuern für Privatpersonen auch kein Wunder. Sollte jedoch einmal der Strom länger weg sein, ist Schluß mit Lustig & Versorgung aus dem Supermarkt, dann bleiben die Kühlschränke leer...

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