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Europa will über Dritte an Russland liefern

Di, 19 Aug 2014 Wirtschaft & Finanzen


Europa will über Dritte an Russland liefern

Europäische Produzenten von Milch, Fleischerzeugnissen, Obst und Gemüse haben sich offiziell an die Schweiz mit der Bitte um Transitwarenlieferungen über die Schweiz nach Russland gewandt.

Die Schweiz unterliegt gegenwärtig nicht dem verhängten Importverbot für die genannten Produktgruppen.

Um über die Schweiz liefern zu können, müssen sich die Lieferanten in einem langwierigen und nicht einfachen Prozess in der Schweiz registrieren. Die Kontrolle der Warenlieferungen aus der Schweiz werden natürlich trotzdem durch russische Zollorgane realisiert und diesen wird ein ungewöhnlich starkes Ansteigen von Warenlieferungen aus der Schweiz innerhalb weniger Stunden auffallen.

Sollen die Herkunftszertifikate für die Warenlieferungen dann auch noch „korrigiert“ sein, so ist mit einer entsprechenden Reaktion Russlands, auch gegen die Schweiz zu rechnen. Ob dies die Schweiz riskieren will – scheint fraglich zu sein.

Die europäischen Erzeuger haben eine andere Logik. Niemand kann ihnen verbieten, ihre Ware in die Schweiz zu verkaufen und niemand kann der Schweiz verbieten aus der Europäischen Union Ware zu kaufen. Was die Schweiz dann anschließend mit der Ware macht, darauf hat der Erzeuger keinen Einfluss. So zumindest denken spanische, polnische und deutsche Erzeuger. Schweizer Business-Organisationen sprechen davon, dass russische Abnehmer mit einem entsprechenden Vorschlag an die Schweiz herangetreten sein sollen.

Den Wunsch, Ware nach Russland zu liefern, haben nun auch Albanien, Makedonien, Serbien, Bosnien geäußert, die nicht Mitglied in der Europäischen Union sind und die auch nicht den Sanktionen gegen Russland beigetreten sind.

Russische Experten betonen, dass sämtliche Ware, die nach Russland importiert wird, durch den russischen Zoll lizensiert werden muss. Eine wesentliche Grundlage für den Erhalt der Importlizenz ist das Ursprungszertifikat, welches durch den Exporteur vorgelegt werden muss. Eine Fälschung dieses Ursprungszertifikats verstößt gegen Gesetze.

Ein Ausweg aus der Situation ist für die europäischen Erzeuger eine Verarbeitung (Wertschöpfungsprozess) in der Schweiz. Je nach dem, in welchem Umfang die Verarbeitung erfolgt, könnte die Ware dann als Ursprungsland die Schweiz haben.

Für die Registrierung von neuer Ware und deren Zertifizierung kann bis zu sechs Monaten ins Land gehen – darüber informierte der russische Zoll.

Egal jedoch, welchen Ausweg man findet – alles ist mit zusätzlichen Kosten verbunden und wird die Gewinnmarge der europäischen Erzeuger und Lieferanten zur Bedeutungslosigkeit schmelzen lassen.

Quelle: http://lenta.ru/news/2014/08/18/transit/

Anmerkung UN: Die offizielle Berichterstattung aus Ländern der Europäischen Union zeigt, dass das von Russland verhängte Importverbot doch eigentlich nicht so schlimm ist und die Europäische Union weniger trifft als Russland selber. Dann steht aber trotzdem die Frage, warum viele Staaten jetzt Schadenersatz von der Europäischen Union fordern und einige Staaten sogar von einer dramatischen Situation sprechen – woher kommen diese sich gegenseitig widersprechenden Stellungnahmen. Und dieses Importverbot ist nur der Anfang, denn wenn die Europäische Union einen 3-Stufen-Plan für Sanktionen gegen Russland hat, so wird vermutlich auch Russland einen Mehrstufenplan haben.

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Europäische Union, Sanktionen

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