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„Friedensangebot“ der Steuerinspektion wenig genutzt

Sa, 26 Okt 2013 Wirtschaft & Finanzen


„Friedensangebot“ der Steuerinspektion wenig genutzt

Das russische Steuersystem scheint loyaler und übersichtlicher zu sein als das deutsche Steuersystem. Zumindest trifft dies für Einzelunternehmer, Klein- und Mittelständler zu.

Trotzdem die zu zahlenden Steuern in Russland wesentlich geringer sind als in Deutschland, versuchen die Russen, auch diese wenigen „Ausgaben“ zu optimieren. Viele verstehen diese „Ausgabenart“ nicht, bzw. sie wollen sie nicht verstehen. Man geht davon aus, dass der Staat mit den Geldern nicht verantwortungsbewusst umgeht (… welcher Staat tut dies schon) und ist im hinterziehen von Steuern äußerst kreativ.

Dazu kommt, dass selbst die allerehrlichsten Steuerzahler einen abgrundtiefen Abscheu gegen die mit der Abrechnung und Zahlung verbundenen Steuern haben. Man muss Vordrucke ausfüllen, deren Sinn man eigentlich nicht versteht. Und füllt man diese an irgendeiner Stelle nicht richtig aus, löst man damit eventuell Verwaltungs- und Bestrafungsprozesse aus, die einen wochen- und monatelang beschäftigen und vom eigentlichen Geldverdienen abhalten.

Das hat auch der russische Staat erkannt und bereits vor vielen Jahren das System „Einzelunternehmer“ eingeführt. Derjenige, der sich für diese Rechtsform seines Unternehmens entscheidet, hat ein Minimum an verwaltungstechnischem Aufwand. Und wenn er sich dann auch noch für die Besteuerung nach dem vereinfachten Steuerverfahren entscheidet, so bezahlt er sechs Prozent Steuern von seinen Einnahmen und füllt eine sehr übersichtliche dreiseitige Steuererklärung einmal im Jahr aus. Es werden keinerlei Quittungen und Belege benötigt. Einfacher geht es eigentlich nicht mehr.

Einzelunternehmer können sich nun für das „Patentsystem“ entscheiden. Dafür sind nur sehr wenige Bedingungen zu erfüllen, z.B. nicht mehr als 15 Mitarbeiter, Gesamteinkommen im Jahr darf die Summe von 60 Mio. Rubel (1,4 Mio. Euro) nicht übersteigen.

Gemeinsam mit der Steuerinspektion wird dann eine Berechnung des zu erwartenden Umsatzes vereinbart und der Steuerpflichtige zahlt in zwei Raten die Steuern von sechs Prozent. Das System zeigt seine volle Schwäche dann, wenn die erwarteten Umsätze nicht eintreffen, aber die Steuer in einer konkreten Summe fixiert sind. Dann können aus den anfänglich berechneten sechs Prozent auch mal schnell 100 Prozent werden – nämlich dann, wenn das Geschäft überhaupt nicht läuft. Um Umkehrschluss gilt dies natürlich auch. Wenn das Geschäft besser läuft als anfänglich berechnet, können die vereinbarten sechs Prozent, bezogen auf den erwarteten Umsatz, auch schnell zu 0,5 Prozent vom wirklich erreichten Einkommen werden.

Das scheinen auch die Kaliningrader Steuerpflichtigen erkannt und verstanden zu haben. Da der Russe aber prinzipiell ein zukunfts-misstrauischer Mensch ist, glaubt er natürlich nicht daran, dass seine Geschäfte besser laufen als anfänglich berechnet und befürchtet eben das Gegenteil. Deshalb haben sich auch seit Inkrafttreten des Patentsystems im Kaliningrader Gebiet, Anfang 2013 bisher nur 1,3 Prozent, also 230 Einzelunternehmer für einen Wechsel zu diesem neuen System entschlossen.

Am populärsten für die Anwendung des Patentsystems sind die Tätigkeiten „Vermietung von Wohnraum“, Friseurdienstleistungen“ und „Handel“.

Uwe Niemeier

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Finanzen, Gesetz, Steuerverwaltung

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