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Haus der Räte erfordert drei Milliarden Rubel Investition

Fr, 01 Jun 2018 Wirtschaft & Finanzen


Haus der Räte erfordert drei Milliarden Rubel Investition

Das Haus der Räte im Stadtzentrum Kaliningrads benötigt drei Milliarden Rubel an Investitionen, um aus ihm ein kleines kulturelles Schnuckelchen zu machen.

Und wieder mal gibt es eine Firma, die zwar nicht bereit ist, Geld zu investieren, aber die Großimmobilie verwalten will. Es handelt sich hierbei um das „Ausstellungszentrum Verwaltungsfirma Artplay“. Diese Firma beschäftigt sich mit der Entwicklung von Art-Cluster in Moskau und St. Petersburg.

Aber noch gibt es (zumindest offiziell), keinen Investor für dieses Gebäude. Im vergangenen Jahr hatte der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow zweimal voreilig über Investoren gesprochen und beide Male hat das Business nicht stattgefunden. Nun wird man wohl vorsichtiger geworden sein und Erfolge im Zusammenhang mit dem Haus der Räte auch erst dann verkünden, wenn sie stattgefunden haben.

Geplaudert hat aber der Generaldirektor von Artplay, der erklärte, dass es einen chinesischen Investor gegeben habe, der sich für das Haus interessiere. Dieser sei aber wieder abgesprungen, da ihm der Rubelkurs zu schwankend erschien. Daraufhin erklärte die Kaliningrader Gebietsregierung, dass es weitere Investoren gäbe (Mehrzahl!). Einzelheiten wurden aber (Gott sei Dank) nicht genannt.

Experten der Zeitung „Kommersant“ hatten berechnet, dass die Umwandlung des Hauses in eine Art-Galerie einen Investitionsaufwand von drei Milliarden Rubel erfordert. Diese Summe würde sich in 10-15 Jahren amortisieren. Allerdings meinen diese Experten auch, dass es besser wäre, das Haus multifunktional zu nutzen: die oberen Etagen sollen Officeeinrichtungen werden, die unteren Etagen werden als Artplay genutzt.

Während des St. Petersburger Wirtschaftsforums wurde zwischen der „Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebiets“ und der Verwaltungsfirma Artplay eine Vereinbarung über die Schaffung eines Kaliningrader Clusters für kreative Industrie unterzeichnet.

Übrigens, wir haben wieder eine Umfrage geschaltet. Da geht es u.a. auch um das Haus der Räte. Wir wollen nämlich wissen, welches das populärste (also nicht das beliebteste) Gebäude in Kaliningrad ist. Wie immer haben wir einige Antwortvarianten vorgegeben. Vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit jetzt gleich und nehmen an der Meinungsumfrage teil. Sie ist kostenlos und tut überhaupt nicht weh.

Uwe Niemeier

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Immobilien, Investitionen, Stadtentwicklung

   Kommentare ( 6 )

Frank Werner Veröffentlicht: 1. Juni 2018 09:17:26

Vielleicht kann man eine Schießübung mit Iskander-Raketen ja sinnvoll nutzen ...

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 1. Juni 2018 09:21:26

... leider nicht möglich Techniker, denn Iskander-Raketen brauchen eine Mindestentfernung von 50 Kilometer.

Frank Werner Veröffentlicht: 1. Juni 2018 16:27:36

@UEN
Auf Grund des Bauzeitpunktes hatte ich schon immer vermutet, dass im HdR Asbest verbaut ist. Lt. dem Architekten Юрий Забуга (https://rugrad.eu/afisha/news/korolevskiy-zamok-na-fone-plazy-budet-karikaturoy-arkhitektor-yuriy-zabuga-o-nemetskom-nasledii-popu/) scheint es sich um enorme Mengen zu handeln. Offizell scheint Asbest dem russischen Bürger ja nichts anzuhaben (zumindest wenn man das Regierungshandeln betrachtet), aber einem privaten Investor wird es schon interessieren, Ich halte es daher nicht für sanierbar. Betriebswirtschaftlich sinnvoll kann es daher auch nicht sein. Und ein Abriss ist auch hochproblematisch. Bleibt nur ein unkalkulierbarer Abriss auf Staatskosten (auch bei einer Sprengung müsste der Asbest vorher entfernt werden, wenn überhaupt möglich). Also wird auf weithin absehbare Zeit dort nichts passieren. Die bisherigen "Investoren" werden nur auf das auf 8 Mill.$ geschätzte Grundstück spekuliert haben. Alleine der Abriss dürfte ein mehrfaches kosten.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 1. Juni 2018 16:44:05

... der Architekt ist der erste, der über ein Asbestproblem berichtet. Ich höre (lese) das zum ersten Mal. Aber es gibt ja so viele Gerüchte über das Gebäude - eins mehr oder weniger - was soll´s. Schaun wir mal Ende 2019 wie es dann aussieht - ob Ihr Pessimismus gerechtfertigt war. Ich glaube nicht. Denn der Endausbau des Gebäudes ist eigentlich ein politisches Signal: Der Stillstand der vergangenen Jahre ist vorbei ..." Und wenn sich kein Privatinvestor findet, dann findet sich der Staat, denn wenn man Geld für ein Stadion hat (rund 18 Mrd. Rbl.), wird man wohl zukünftig auch die genannten drei, von mir aus auch vier Milliarden Rbl. für das HdR haben.

Frank Werner Veröffentlicht: 1. Juni 2018 19:23:50

@UEN
Es wäre verwunderlich, wenn kein Asbest verbaut worden wäre. War damals (weltweit) der "Wunderbaustoff" - und in Russland gibt es ja sogar eine Stadt Namens "Asbest" ... und natürlich kann man das Problem ignorieren - aber es wird einen einholen. Soweit mir bekannt bleibt bei massiven Verbau von Asbest (z.B. in/um die tragenden Elemente etc.) nur der Abriss ... es sei denn Kosten spielen keine Rolle.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 1. Juni 2018 19:46:22

... ich habe nochmal im russischsprachigen Internet zum Thema Asbest im Haus der Räte nachgeschaut. Resultat: Null Informationen. Die russischen Medien in Kaliningrad sind sehr kritisch veranlagt und wenn das Haus der Räte Asbest belastet wäre, dann wäre dies schon längst Thema geworden.

Frank Werner Veröffentlicht: 1. Juni 2018 21:20:39

@UEN
Dazu muß man das Thema im Blick haben. Meiner Kenntnis nach ist Asbest in Russland (noch immer) nicht verboten und sogar KiTas sollen noch damit gebaut werden (aus meiner Sicht grenzt das an Körperverletzung). Von daher verstößt das Asbest im HdR gegen kein Gesetz. Private Investoren werden dahingehend aber wohl ein Blick in die Zukunft wagen und das Thema schon als Risiko wahrnehmen.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 1. Juni 2018 21:44:50

... ohne groß in die Tiefe gehen zu wollen. Im vergangenen Jahr hat eine internationale Asbestkonferenz in Rotterdam stattgefunden - 157 Teilnehmerländer. Ein Teil der Länder hat sich, wie schon die vielen Jahre davor, gegen ein Verbot von Asbest ausgesprochen, da es nach wie vor wissenschaftlich nicht erwiesen ist, das Asbest gesundheitsschädlich ist. Dazu gehört auch Russland. Und somit haben wir nur einen weiteren Punkt, wo die Staaten der Welt nicht einer Meinung sind. Und Kaliningrad wird dann wohl damit leben müssen, dass ein deutscher Investor das Haus nicht kaufen wird.

ru-moto Veröffentlicht: 2. Juni 2018 02:03:19

Aufgrund seiner großen Festigkeit, seiner Hitze-und Feuerfestigkeit sowie seiner isolierenden Eigenschaften und seiner chemischen Stabilität wurde Asbest im Zeitraum von 1960 bis 1990 für eine Vielzahl an Verwendungszwecken eingesetzt.

Der Einsatz von Asbest ist aufgrund der Gesundheitsgefahren, die von diesem Material ausgehen in der gesamten europäischen Union untersagt, denn die feinen Fasern aus denen Asbest besteht können bei mechanischer Einwirkung (z.B. bei unsachgemäßen Behandlung von Asbestprodukten) freigesetzt werden. Werden diese Fasern dann über einen längeren Zeitraum über die Atemluft aufgenommen, kann Asbest eine Staublunge, Brustkrebs oder Bauch- und Rippenfellkrebs verursachen.

Aber auch wenn die in Verkehr Setzung asbesthaltiger Produkte heute untersagt ist befindet sich noch immer eine Vielzahl an asbesthaltigen Produkten in Verwendung, die nach dem Ende ihrer Nutzungsdauer einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt werden müssen...

Frank Werner Veröffentlicht: 2. Juni 2018 09:37:25

Asbest ist verantwortlich für mehr als die Hälfte aller berufsbedingten Krebserkrankungen. Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) sterben jährlich weltweit über 100.000 Menschen an asbestbedingten Krankheiten und die Spitze der Neuerkrankungen ist noch nicht erreicht. Die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher, da es in vielen Ländern, die Asbest nutzen oder produzieren keine staatlichen Register zu asbestbedingten Erkrankungen bzw. Krebsregister gibt. Unter vorgeschobenen Gründen bzgl. Kosten und Sicherung von Arbeitsplätzen gibt es keine oder nur dürftige gesetzliche Regulierungen und keine neutralen Informationen zu Asbest.

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