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In Kaliningrad Panik, in Russland Ruhe

Fr, 13 Dez 2013 Wirtschaft & Finanzen


In Kaliningrad Panik, in Russland Ruhe

Während in Kaliningrad Kunden der Investbank versuchen, ihre Einlagen zu retten, ist es in allen anderen Städten Russland, wo die Investbank Filialen hat, ruhig.

Auch am Freitag früh setzte sich der Ansturm auf die Filialen der Investbank in Kaliningrad fort. Am Donnerstag arbeiteten die Filialen bereits verlängert und zahlten pro Kunde 50.000 Rubel (1.100 Euro) aus. In jeder Filiale blieben durch Kunden ausgefertigte Wartelisten für den nächsten Tag zurück. Eine Reihe von Kunden übernachtete vor den Filialen. In gegenseitig „aufmunternden“ Gesprächen vor den Filialen heizten die Kunden mit Gerüchten und Halbwahrheiten die Situation weiter an.

Am Donnerstag sprach der Kaliningrader Gouverneur mit der „Führung“ der russischen Nationalbank. Sein Auskunftspartner wurde namentlich nicht genannt. Dieser versicherte aber, dass es keinerlei Grund zur Beunruhigung gebe. Die Zentralbank plant nicht, der „Investbank“ die Lizenz zu entziehen.

Der Gouverneur versicherte in einem Radiointerview, dass das Gebiet die älteste Privatbank nicht fallen lassen wird. Gemeinsam mit der russischen Zentralbank werden Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu beruhigen.

Auch die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Bankmitarbeiter erfüllten ihre Dienstpflichten – sie beruhigten die Bevölkerung. Die Beschlagnahme von Dokumenten im Zentraloffice in Moskau habe nichts mit der eigentlichen Tätigkeit der Bank zu tun – es betrifft Dritte.

Am Nachmittag des gestrigen Tages stellte dann die „Investbank“ ihre operative Tätigkeit ein. Es wurde der Beschluss gefasst, bis zu fünf Tagen keinerlei Geldauszahlungen zu tätigen, damit sich die Situation beruhigt. Der Direktor der Kaliningrader Filiale trat hierzu in einem TV-Interview auf. Die Filialen selber arbeiten weiter, nehmen jedoch nur Beratungen vor und Tätigkeiten, die keinen realen Geldfluss erfordern. Überweisungen innerhalb der Bank sind jedoch möglich.

Unruhe löste am 01. Dezember die Veröffentlichung einer inoffiziellen Liste aus, auf der 136 russische Banken aufgeführt sind, denen nach Meinung des Autors der Internetveröffentlichung in absehbarer Zeit der Lizenzentzug droht. Die Leiterin der Zentralbank, Elvira Nabiullina dementierte sofort diese Meldung mit der Bemerkung, dass es keine schwarzen Listen gebe. Elvira Nabiullina, im früheren Leben Wirtschaftsministerin im föderalen Zentrum und Chefin von Stanislaw Woskresenski (Vertreter des russischen Präsidenten in Kaliningrad), hat die Funktion als Leiterin der Zentralbank erst vor wenigen Monaten übernommen. Seit ihrem Amtsantritt haben insgesamt 14 russische Banken ihre Lizenz verloren. Das scheint von einer härteren Gangart der neuen Chefin der Zentralbank zu zeugen und von einer Säuberung des sehr großen russischen Bankensektors (rund 960 Banken).

Der Autor der im Internet veröffentlichten „schwarzen Liste“ äußerte den Gedanken, dass die Liste speziell aus der Zentralbank über eine andere große Bank an die Öffentlichkeit lanciert wurde um in der Öffentlichkeit Panik auszulösen, massenhafte Geldentnahmen zu provozieren und somit den Bankrott unsolider Banken zu beschleunigen – und dies, ohne das der Staat dabei in Erscheinung tritt. Allerdings vergisst der Autor dieser Überlegungen den Fakt, dass es bei so einer moralisch bedenklichen Vorgehensweise der Zentralbank, es insgesamt zu einem Bankenkrach in Russland kommen könnte – ähnlich dem Dominoeffekt. Und das dürfte wohl am allerwenigsten im Interesse der Zentralbank liegen.

Die Zentralbank selber hat eine Liste von „systemrelevanten“ Banken erstellt. Hier kann man sicherlich davon ausgehen, dass der Staat alles tun wird, um einen Bankrott oder ein Lizenzentzug zu verhindern. Hierzu gehören:

  • Sberbank
  • WTB
  • GasPromBank
  • WTB24
  • Landwirtschaftsbank РСХБ
  • Bank Moskau
  • Alpha-Bank
  • Raiffeisenbank
  • PromZwjasBank
  • NOMOS-Bank
  • JuniKreditBank
  • Russki Standard
  • Uralsib

In dieser Liste sind auch zwei Banken vertreten (WTB24 und Bank Moskau), wo gestern erst in unserer Informationsagentur die Information eintraf, dass hier der Lizenzentzug unmittelbar bevorsteht.

Wie immer sollte man mit kühlem Kopf den Gang der Ereignisse verfolgen und Ruhe bewahren. Die Signale stehen aber trotzdem auf "Sturm". Wir werden Sie über den weiteren Fortgang der Ereignisse im Laufe des Tages informieren.

Uwe Niemeier

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Banken, Finanzen

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