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In kleinen Schritten zur Blockade Kaliningrads?

Di, 25 Sep 2018 Wirtschaft & Finanzen


In kleinen Schritten zur Blockade Kaliningrads?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Seit Jahren nehmen verantwortliche Politiker aus Litauen und Polen das Wort „Blockade“ in den Mund und schauen dabei Richtung Kaliningrad.

Kaliningrad ist der Nagel im NATO-Fleisch und soll für alles büßen, was Russland der Welt so Böses antut. Da Kaliningrad eine russische Insel im europäischen Demokratieparadies ist, ist es auch relativ einfach, Dinge zu organisieren, die der Region und dessen Bevölkerung wehtun.

Und so spricht man von einer Lebensmittelblockade, von einer Energieblockade und von einer Transportblockade.

Besonders aktuell ist das Thema der Transportblockade. Erst vor wenigen Tagen wurde das Verhalten Polens diskutiert und damit die Notwendigkeit begründet, möglichst schnell eine Fährverbindung zwischen Kaliningrad und Deutschland einzurichten.

Jetzt steht wieder Polen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es geht um eine ständige Zugverbindung zwischen Kaliningrad und Gdansk. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld, dass die Gespräche eigentlich zum Erliegen gekommen sind.

Nun hat plötzlich der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow über dieses Thema gesprochen. Allerdings in einem Ton, der ein wenig Verwunderung auslöst.

Er meinte, wenn man eine intensive Zugverbindung zwischen Kaliningrad und Gdansk organisiert, wäre dies äußerst problematisch für den Kaliningrader Airport.

Sollte es dazu kommen, dass alle zwei Stunden ein schneller Zug Richtung Gdansk, sprich Richtung Airport Gdansk fährt, so würden wohl viele Kaliningrader und Kaliningrad-Besucher die wesentlich besseren Flugmöglichkeiten dort nutzen und nicht das Angebot des Kaliningrader Airports.

Und? Was will der Gouverneur uns damit sagen? Will er die Zugverbindung verhindern, damit der Kaliningrader Airport sich nicht mehr anstrengen muss, um endlich wieder das Flugniveau des Jahres 2008 zu erreichen?

Ein Experte hatte die Meinung vertreten, dass, wenn es eine derartige Zugverbindung geben würde, die Kaliningrader Richtung Westen fahren würden, um sich dort zu erholen und die Westler würden nach Kaliningrad kommen, um mal russische Luft zu schnuppern.

Ich finde, diese Überlegungen haben eine gewisse Logik.

Auch Anton Alichanow meinte, dass dieser Zug endlich Einfluss auf die unendlichen Warteschlangen der PKW an der Grenze nehmen könnte, denn der Zug muss den Fahrplan einhalten und subjektive Handlungen der Grenzer, zur Verlangsamung der Grenzabfertigung, hätten Folgen.

Aber er fürchtet viel mehr die Folgen für den Kaliningrader Airport, der dann natürlich Passagiere verlieren würde – Passagiere, die bisher ihre Anreise über Moskau und St. Petersburg organisieren, weil es keine internationalen Flüge aus Westeuropa nach Kaliningrad gibt.

Steht die Frage, warum es zehn Jahre nach dem bewusst organisierten Bankrott der Fluggesellschaft KD-Avia noch immer keine neuen Flüge gibt? Vielleicht sollte man die damalige Mannschaft kurz zu Beratungszwecken wieder aktivieren, um zu erfahren, wie man so etwas organisiert. Damals war man in der Lage, heute nicht? Sehr merkwürdig.

Aber das ist noch nicht alles zum Thema der Transportisolierung oder besser – der Schaffung von Unbequemlichkeiten für die Kaliningrader.

So gibt es seit vielen Jahren eine Zugverbindung zwischen Kaliningrad und dem russischen Mutterland nach Moskau und nach St. Petersburg. Die Züge müssen über litauisches Territorium im Transit, durch Weißrussland und dann weiter zum Endziel.

Kontrolliert wird zuerst durch die russischen Organe an der Grenze Kaliningrad/Litauen. Dann, zehn Meter weiter, durch die Litauer bei der Einreise. Danach fährt der Zug im Transit durch Litauen und wird durch Litauen bei der Ausreise nochmals kontrolliert. Zehn Meter weiter wird der Zug durch die Weißrussen kontrolliert und dann kann endlich die Fahrt ohne weitere Kontrollen fortgesetzt werden.

Kein Wunder, dass die Fahrt bis Moskau fast einen Tag dauert.

Andere Züge, die von Moskau und St. Petersburg Richtung Westen verkehren, werden während der Fahrt kontrolliert – beiderseits und so gibt es faktisch keinen Aufenthalt an der Grenze. Genannt sei nur die Zugverbindungen St. Petersburg – Helsinki. 

Somit ist es logisch, wenn man auch mit Litauen darüber spricht. Aber Litauen will keine derartigen Gespräche und lehnt eine Kontrolle der Passagiere während der Fahrt ob. Sollen doch die Russen im Zug schmoren …

Die Ablehnung der Kontrolle während der Fahrt hat keinerlei Logik. Litauen selber hat nicht nur einmal erklärt, dass dieser Transitzug für sie eine Gefahr bedeute, denn man wisse nie, wer sich in diesem Zug befindet. Vielleicht sind es getarnte russische Militärs, die es verstehen, Panzer und Raketen im Zug so zu verstecken, dass die litauischen Grenzer und Zöllner diese nicht bemerken.

Somit wäre es doch logisch, dass man alles unternimmt, damit der Zug so schnell wie möglich das litauische Territorium passiert, damit er sich nicht zu einem neuen russischen Panzerzug entwickelt.

Aber wie so häufig in den letzten Jahren – kann man auf vernünftige menschliche Logik nicht hoffen, wenn es um Litauen und Russland geht.

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Blockade, Transport

   Kommentare ( 4 )

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 25. September 2018 14:12:33

Zumindestens die Polen haben bereits reichhaltige Erfahrung im Abriegeln des ehemalichen Ostpreußens gesammelt. Bereits in den den 30er Jahren drohte Polen alle Verkehrswege nach Ostpreussen abzuschneiden.

ru-moto Veröffentlicht: 25. September 2018 14:19:31

Wo ein Wille, da ein Werk, sagt man! Wer jedoch russophobisch verhasst, ständig wertewestliche Politprostitution praktiziert und huldigt, wird statt guten Willen nur Gegenteiliges umsetzen. Manche leben in einem angeblichen vereinigtem Europa, strotzen selbst aber mit entfremdender, Menschen trennender Einstellung.
Traurig und unvertsändlich für davon Betroffene, echte Europäer.

Dabei sind und waren aus diesen Ländern die eigenen jungen Leute massenweise auf der (wirtschaftlichen) Flucht nach England, Irland...

Tagtäglich belagern Bewohner aus den Grenzregionen dieser Länder die nahen Tankstellen auf russischer Seite. In RUS betanken sie mittels eigens dafür mitgebrachten hölzenen Auffahrtsrampen ihre so einseitig hochgestellten Schrottkisten, um ja ihren Tank und die Schmuggelkanister bis auf den wirklich letzten Tropfen mit russischem Treibstoff volltanken zu können... Dazu ist RUS noch immer gut genug!

Direkte, zeitgemäße Verbindungen werden verhindert. Hass so weit man sieht...

boromeus Veröffentlicht: 25. September 2018 18:34:59

Wer weiß,was sich die Herren noch einfallen lassen.Wir erleben gerade das Zeitalter Großpolens Entsprechend agieren Sie auch.Ich halte nichts von Abhängigkeiten eines Zuges nach Gdansk.Auch wenn der in 20 Min.in Danzig sein könnte,Kontrollen dann die Zeitersparnis wieder auffressen!Was passiert,wenn man es sich DRÜBEN anders überlegt,von heute auf morgen die Verbindung kappt?(siehe kleiner Grenzverkehr).Meiner Ansicht nach ist es wichtig,so autag wie möglich zu bleiben.
Das heißt,die Erreichbarkeit so weit wie möglich streut.Fällt dann eine Fähr-Zug-oder Flugverbindung aus, dann ist es eine von vielen und nicht DIE EINE von der alles abhängt,die dann möglicherweise zu einer Blockade führen kann.Es wäre wünschenswert,wenn diese absolute Notwendigkeit in KGD erkannt würde.Und es wird sicherlich,sofern es ernsthaft gewünscht wird, sicher das eine oder andere Bonbon für Anbieter geben können,die noch nicht überzeugt sind,mit ihren Möglichkeiten die Erreichbarkeit der Stadt zu unterstützen

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 26. September 2018 01:10:20

Ich weiß, manchmal bin ich ein unverbesserlicher Optimist.Da habe ich doch vor einiger Zeit einen Bericht über die Neue Seidenstraße gelesen. Dabei soll Kaliningrad bei der nördlichen Route einen wesentlichen Hub beim Hafen Pionersk spielen. Vom Hub Kaliningrad sollen dann einmal über die Ostsee und auch über Land die Waren nach Nordeuropa, Weißrussland, Baltikum und Polen erfolgen. Hier geht es also um ganz großes Geld. Unter diesen Vorzeichen und dem Tempo, welches die Chinesen unter den derzeitigen Handelssanktionen durch die USA vorlegen, werden die von Uwe geschilderten Probleme wohl so "am Rande" mit erledigt werden. Die notwendigen Fähren werden wohl dann nicht mehr in vielen Jahren sondern kurzfristig gebaut und in Dienst gestellt werden - über alle anderen Hemmnisse, derzeitigen Haßbekundungen und Voreingenommenheiten hinweg. Da wird es wohl auch einen Ausbau des Schienennetzes geben, dem sich die Polen wohl kaum entziehen werden.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 26. September 2018 01:22:10

hm, ich möchte auch gern Optimist bleiben. Es fällt gegenwärtig nicht leicht.

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