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Interview mit Generaldirektor des Kaliningrader Airports „Chrabrowo“

Sa, 21 Nov 2015 Wirtschaft & Finanzen


Interview mit Generaldirektor des Kaliningrader Airports „Chrabrowo“

Unser Medienpartner „rugrad.eu“ hat in der vergangenen Woche ein Interview mit dem Generaldirektor des Kaliningrader Airports „Chrabrowo“ Alexander Korytnin geführt. Wir übernehmen dieses Interview und veröffentlichen die wichtigsten Informationen.

Rugrad: Wann wurden Ihnen von Ihren Vorgesetzten welche Aufgaben gestellt und wie sieht es gegenwärtig am Airport aus?

Alexander Korytnin (AK): Mir wurden zwei Aufgaben gestellt: Den Bau des Airports durchzuführen und diesen termingerecht in Nutzung zu überführen. Hierzu habe ich einen neuen Businessplan erarbeitet, er wurde bestätigt und wir liegen nun genau im Plan – entsprechend der neuen Zeitvorgaben. Ich gehe davon aus, dass die Rekonstruktion des linken Teils des Airport bis Juni 2016 abgeschlossen sein wird. Bis Juni 2017 wird der gesamte Airport fertiggestellt sein.

Die zweite Aufgabe ist die kommerzielle Entwicklung des Airports. Der Airport ist eine private Struktur und diese muss Geld erwirtschaften um die Rekonstruktion zu finanzieren. Ein anderer Teil wird von den Investoren zur Verfügung gestellt.

Eine weitere, eigentlich die wichtigste Aufgabe ist die Planung. Unser Businessplan für 2016 ist erarbeitet. Wir hoffen auf eine Erhöhung des Passagieraufkommens und somit auch auf eine bessere Rentabilität des Airports. Der neue Airport muss ausgelastet werden und dies nicht nur zur Fußball-Weltmeisterschaft, die ja nur sehr kurz ist.

Rugrad: Sie haben eine Konzeption für die Entwicklung des Airports vorgelegt. Ist dieses Konzept eine Fortsetzung der vorherigen Konzepte?

AK: Ich kenne die alten Konzepte nicht. Ich habe meine eigene Vorstellung wie sich der Airport entwickeln sollte. Ich arbeite schon lange auf diesem Airport und habe die Interessen einer ganzen Reihe von Fluggesellschaften vertreten und kenne diese somit und weiß auch, was ich berücksichtigen muss. Und ich weiß auch mit wem ich sprechen muss, damit wir neue Flugverbindungen erhalten. Wichtig sind kurze Standzeiten und eine gute Ground-Service zu organisieren.

Rugrad: Wenn über den Kaliningrader Airport gesprochen wird, dann an sich immer nur im Zusammenhang mit irgendwelchen Problemen. Glauben Sie, dass es ein Problem-Airport ist?

AK: Nein, die Dynamik des Airports ist ausreichend. Bis Anfang Dezember werden wir die Kuppel auf den Airport setzen und die Fassadenarbeiten beenden. Danach beginnen sofort die Innenarbeiten. Die Probleme des Airports bestehen nur in seinem äußeren Erscheinungsbild, wo immer noch alles aussieht wie ein unvollendeter Bau. Wir haben aber wirklich schon viel erreicht und wenn erst die Fassade beendet ist, wird der Eindruck ein ganz anderer sein.

Rugrad: In welchem Umfang nimmt die Regionalregierung an der Finanzierung der Arbeiten zur Rekonstruktion des Airports teil?

AK: Überhaupt nicht. Hier fließen nur Gelder der Eigentümer des Airports. Föderale oder regionale Finanzmittel gibt es nicht.

Rugrad: Dann steht die Frage, warum sich die Regionalregierung immer wieder unzufrieden über den Fortgang der Arbeiten äußert und droht, sich in die Angelegenheiten des Airports und seiner Besitzer einzumischen.

AK: Ja, die Regierung mischt sich ein und ich glaube, dass dies auch gut so ist. Und es gibt noch andere staatliche Strukturen, denen die Arbeiten am Airport nicht egal sind. Niemand gibt Geld, aber alle kontrollieren den Fortgang der Arbeiten, denn das Objekt selber hat eine strategische Bedeutung, ungeachtet dessen, dass sich das Objekt in Privatbesitz befindet.

Rugrad: Wie steht es um die Rekonstruktion der Start- und Landebahn. Auch hier gibt es Zeitverzug?

AK: Die Arbeiten haben fristgerecht begonnen, aber wir liegen schon nicht mehr im Zeitplan. Wir hinken der Zeitplanung bis zu neun Monaten hinterher. Ich selber habe hierauf keinen Einfluss, da es sich um föderale Aufgaben handelt und hier andere Strukturen die Aufgaben erfüllen.

Rugrad: Wie kann man einen Airport bauen, das Streckennetz erweitern und dann nicht die Start- und Landebahn rekonstruieren?

AK: Der neue Auftragnehmer ist sehr erfahren. Er hat bereits die Airports in Rostow und in Machatschkala gebaut. Seit dem Zeitpunkt, wo der jetzige Auftragnehmer die Arbeiten ausführt, haben wir schon sehr viel Zeit wieder aufgeholt. Vielleicht schaffen wir es, bis Jahresende drei Monate aufzuholen. Seit Oktober haben wir auch andere Möglichkeiten, denn zwischen 22:00-08:00 Uhr fliegen keine Flugzeuge mehr und wir können dieses technische Fenster nutzen für den weiteren Ausbau der Start- und Landebahn.

Natürlich ist diese Arbeitsweise für unsere kommerziellen Interessen nicht vorteilhaft. Aber ein nicht rechtzeitig fertiggestellter Airport ist in allererster Linie für die Kaliningrader Bürger nicht vorteilhaft. Wir sind bemüht, den Sommerflugplan im vollen Umfang zu erhalten

Rugrad: Bleibt es bei einer Start- und Landebahn?

AK: Ja, eine zweite Bahn wird nicht gebaut, wir brauchen sie nicht, denn wir sind nicht Frankfurt/M.

Rugrad: Haben wir keinen alternativen Airport, der für zivile Zwecke während der Rekonstruktion genutzt werden könnte?

AK: Nein, wir haben keinen alternativen Airport für Zivilflugzeuge. Schkalowsk und Tschernjachowsk sind Militärflughäfen im diensthabenden System und diese können wir auf keinen Fall nutzen. Entsprechend der Planung wird sich die Rekonstruktion der Start und Landebahn bis November 2016 hinziehen. Das wird Unbequemlichkeiten mit sich bringen. Aber im Ergebnis der Verlängerung und qualitativen Verbesserung der Start- und Landebahn sind wir in der Lage, jeden Flugzeugtyp der auf der Welt existiert, bei uns landen und starten zu lassen.

Rugrad: Wenn all diese Arbeiten jetzt nicht ausgeführt würden, gäbe es dann ein Sicherheitsproblem?

AK: Nein, es gibt kein Sicherheitsproblem. Wir führen diese Modernisierungsarbeiten durch, weil es sich um Forderungen der FIFA handelt. Es wird nicht nur die Landebahn verlängert, es wird auch neue Standplätze gäben, neue Zubringerbahnen zur Startbahn, wir verändern die gesamte Beleuchtung – der ganze Airport wird nach Abschluss der Arbeiten einen anderen Status bekommen.

Rugrad: Wie sehen die wirtschaftlichen Parameter für den Airport aktuell aus?

AK: Im vergangenen Jahr haben wir 1.460.000 Passagiere befördert. In diesem Jahr hatten wir eine ganze Reihe von Problemen, wie z.B. die Pleite von „Transaero“, generelle Probleme der russischen Zivilluftfahrt, Einstellung der Flüge in die Ukraine, Rückgang der internationalen Flüge um bis zu 40 Prozent, Zusammenbruch der Charterflüge um bis zu 50 Prozent, die Flüge zu Kurorten sind weniger geworden und auch die Flüge in die Eurozone. Trotzdem werden wir bis Jahresende ein Passagieraufkommen von 1.550.000 Passagieren haben. Und die Tendenz zeigt, dass die Zahl weiter zunimmt. Kaliningrad gehört wohl nun schon fest zu den TOP-5 der russischen Städte für den innerrussischen Tourismus.

Wir warten im November auch auf Transportunternehmer, die eventuell bereit sind, einige Flugzeuge mit einer Passagieranzahl von bis zu 50 Plätzen auf unserem Airport zu basieren. Diese sollen dann sowohl innerrussische Strecken fliegen, wie auch internationale Richtungen bedienen. Wir führen auch Gespräche mit ausländischen Fluggesellschaften, in erster Linie mit tschechischen Airlines.

Auch die lettische AirBaltic denkt darüber nach, nach Kaliningrad zurückzukehren. Ich habe mich erst kürzlich mit der dortigen Führung getroffen und man denkt über eine Fluglinie ab Frühjahr 2016 nach.

Wir führen auch Gespräche mit Estland. Dort ist man an einer Flugstrecke nach Kiew über Kaliningrad interessiert. Da Kaliningrad den Status „Offener Himmel“ hat, ist dies für ausländische Fluggesellschaften eine ideale Variante.

Rugrad: Im Interview mit dem deutschen Informationsportal „Kaliningrad-Domizil“ sagten Sie, dass Sie auch AirBerlin einen solchen Vorschlag unterbreitet hatten.

AK: Ja, aber AirBerlin hat sofort abgelehnt, weil sie überhaupt nicht in die Ukraine fliegen.

Rugrad: Wie sieht jetzt die endgültige Entscheidung von AirBerlin aus?

AK: Der letzte Flug findet am 10. Januar statt.

Rugrad: Der Moskauer Airport Domodedowo hat bereits informiert, dass „Germanwings“ bereit ist, den Ausfall von „AirBerlin“ zu kompensieren. Hat sich bei Ihnen noch niemand gemeldet?

AK: Nein und mit Domodedowo haben sie auch noch nicht gesprochen. Sie werden vermutlich diese Flüge nicht durchführen und auch Kaliningrad nicht anfliegen. „AirBerlin“ und auch „Germanwings“ führen eine Verkürzung der Reisen nach Russland durch. „Lufthansa“ tut dies auch. Vielleicht ist dies aber auch nur im Zusammenhang mit dem Winterflugplan so.

Rugrad: Vielen Ihren Vorgängern ist es nicht gelungen, eine russische Fluggesellschaft dafür zu interessieren, den Kaliningrader Airport als Basierungsstandort auszuwählen. Wie sieht die Sache jetzt aus?

AK: Wir haben keine eigene Fluggesellschaft und werden auch zukünftig keine haben. Wir führen Gespräche mit zwei Fluggesellschaften: „Komi Avia Trans“ und „RusLain“. Diese verfügen über Flugzeuge für 40-45 Passagiere und können Flüge innerhalb Russlands ausführen und könnten auch Flugzeuge in Kaliningrad parken. Daran sind wir in Kaliningrad interessiert um dann auch neue Flugstrecken zu eröffnen.

Wir hoffen in diesem Zusammenhang auch von Seiten des Staates auf eine gewisse Subventionierung. Der Flugverkehr durchlebt schwierige Zeiten und durch Subventionen und Risikominimierung für Investoren könnte man hier Fluggesellschaften für Kaliningrad interessieren.

Für uns ist es jetzt auch wichtig die Flugverbindung zwischen den Städten zu organisieren, die Ausrichterstädte für die Fußball-Weltmeisterschaft sind, damit die Fans schnell und unkompliziert die Sportstätten erreichen können. Es ist zwar noch ein wenig Zeit bis dahin, aber die Arbeiten müssen jetzt schon anlaufen.

Rugrad: Trotzdem hört man immer wieder die Meinung, dass ein Airport ohne eigene Fluggesellschaft nichts darstellt. Viele erinnern sich noch an die Zeit von „KD-Avia“.

AK: Ich bin nicht dieser Meinung. Natürlich wäre es gut eine eigene Airlines zu haben. Aber auch zu Zeiten von KD-Avia waren nicht alle Strecken rentabel. Ich habe damals nicht in der Firma gearbeitet, sondern hatte andere Arbeit auf dem Airport. Es wurden Strecken eingerichtet und dann auch gleich wieder aufgegeben, die Intensität der Flüge war sehr schwankend. Aber es gab natürlich auch gute Flugstrecken. Und diese Erfahrungen müssen wir nutzen.

Rugrad: Befinden sich noch Mitarbeiter von KD-Avia in Ihrer Mannschaft?

AK: Ich bin ohne eigenes Personal gekommen – das unterscheidet mich von meinen Vorgängern. Das Kollektiv hier ist recht ordentlich und ich gehe davon aus, dass wir keine neuen benötigen. Mit der jetzigen Mannschaft kann ich die anstehenden Aufgaben lösen. Und es sind auch noch viele ehemalige Mitarbeiter von KD-Avia mit dabei.

Rugrad: Es gibt jetzt einen neuen staatlichen Billigflieger „Pobeda“. Übt der Staat irgendeinen Einfluss aus, damit diese Fluggesellschaft besonders behandelt, bevorteilt wird?

AK: Wir sind ein privater Airport und wir fällen alle Entscheidungen, auch zu Preisnachlässen selber. Natürlich kann man versuchen auf uns Einfluss zu nehmen und man hat es in diesem Fall auch versucht. Nur wenn „Pobeda“ in eine für uns interessante Richtung, z.B. Jekaterinburg fliegen würde, so könnte man über vieles reden. Aber sie fliegt nach Moskau und wir haben hier keinen zusätzlichen Bedarf. Natürlich wird „Pobeda“ auch bei uns fliegen, aber andere Richtungen wären interessanter. Für die Richtung Moskau gibt es keine Preisnachlässe. Wir würden damit auch gegen Gesetze verstoßen und das Antimonopolkomitee würde sich sehr bald für uns interessieren, denn wir müssten diese Preisnachlässe dann auch anderen Fluggesellschaften wie Aeroflot gewähren.

Rugrad: Welche neuen Flugrichtungen können wir noch erwarten?

AK: Wie schon erwähnt gibt es Gedanken in tschechischer Richtung, AirBaltic stellt Überlegungen an und auch RusLain denkt über die Richtungen Prag, Amsterdam und Berlin nach. Vielleicht gelingt es uns, einen Mini-Hub in Kaliningrad zu organisieren.

Das Interview führte Maria Pustowaja

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