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Kaliningrader Busfahrer testen deutsche Polizei

Fr, 08 Jun 2018 Wirtschaft & Finanzen


Kaliningrader Busfahrer testen deutsche Polizei

Erst vor wenigen Wochen kochten die Kaliningrader Gemüter hoch, als bekannt wurde, dass die deutsche Polizei bei Berlin einen Kaliningrader Reisebus mit Kindern wegen desolaten technischen Zustand an der Weiterfahrt gehindert hat. Nun testen die Kaliningrader Busfahrer die weitere Aufmerksamkeitsquote der deutschen Polizei.

Tagelang wurde in den Kaliningrader Medien die Verhaltensweise der deutschen Polizei diskutiert und es wurden Unmengen von Argumenten angeführt, dass es einfach nicht möglich ist, dass ein derartiger russischer Reisebus mit Kindern, sich in einem derartigen Zustand befinden kann. Die russische Gesetzgebung lässt es einfach nicht zu, dass derartige Busse mit Kindern sich überhaupt auf der Straße bewegen und schon gar nicht im Ausland.

Die von den verschiedensten Behörden eingeleiteten Untersuchungen erwiesen, dass sich derartige Busse sehr wohl, unter Umgehung sämtlicher Vorschriften, auf den Straßen dieser Welt bewegen. Und die russischen Behörden stellten noch viel mehr fest – Dinge, die die deutsche Polizei nicht feststellte und auch nicht feststellen muss, da es nicht zu deren Pflichten gehört.

Die ganzen Verfahren in dieser Angelegenheit sind noch nicht abgeschlossen, da melden deutsche Zeitungen einen zweiten Vorfall – wiederum in der Nähe von Berlin, wiederum mit einem Kaliningrader Bus, wiederum mit einem Bus in einem besorgniserregenden technischen Zustand.

Gegen 18 Uhr wurde durch die Berliner Polizei der Kaliningrader Touristenbus angehalten und einer Kontrolle unterzogen. Der Bus hatte ein Alter von 20 Jahren und fiel den deutschen Polizisten in der Nähe des Airports Tegel auf. Der Busfahrer informierte, dass er in der Nacht angekommen war.

Die Kontrolle ergab, dass der Rahmen des Busses und die Bremsscheiben defekt waren. Der Auspuff zeigte Schäden, die Reifen zeigten Risse und es tropfte aus dem Bremsschlauch.

Die Ergebnisse der Kontrolle veröffentlichte die Berliner Polizei auf ihrer Facebook-Seite.

Der Bus wurde auf einen gesicherten Stellplatz verbracht.

Die Passagiere, die mit diesem Bus weiterfahren sollten, zeigten sich ungehalten. Sie meinten, dass der Bus sich in einem normalen Zustand befindet.

Der Busfahrer wurde durch die Polizei verpflichtet, ein Pfandgeld in Höhe von 1.500 Euro zu hinterlegen.

Es gibt keinen Busfahrer in Kaliningrad, egal welchen Bus er fährt, der nicht vom ersten Vorfall und dessen Konsequenzen Kenntnis hat. Warum sich doch noch Busse in einem bedenklichen technischen Zustand Richtung Europäische Union bewegen, kann nur damit erklärt werden, dass Kaliningrader Busfahrer (Busunternehmer) die Aufmerksamkeitsquote der deutschen Polizei testen wollen. Ein weiterer Grund ist natürlich, dass man Geld sparen will für die Instandsetzung, denn eine Senkung der Selbstkosten erhöht natürlich die Gewinne.

Uwe Niemeier

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Deutsches, Tourismus, Transport

   Kommentare ( 3 )

boromeus Veröffentlicht: 8. Juni 2018 19:40:08

Wie sollte es auch anders sein.Schuld sind immer die Anderen.Wie kann sich nur eine deutsche Polizeistreife erdreisten, in Deutschland einen russischen Reisebus mit so geringen Mängeln ,wie Rahmenbruch,nicht funktionierende Bremsanlage,oder defekter Abgasanlage anzuhalten und zu kontrollieren.Wo doch der Zustand völlig normal ist!Da kann man sich vielleicht vorstellen ,wie gross die Sicherheit in Russia für Passagiere bewertet wird.Ein "Gutmensch"der glaubt, es ginge um die Sicherheit der Passagiere.Die sind lediglich dafür da, um diese Schrottkisten zu finanzieren , um deren Betreiber Kohle in die Taschen zu scheffeln.Warum also in Sicherheit investieren?Geht doch auch anders..Man schielt ja gerne nach Europa.Dann wird es Zeit sich an allgemeine Sicherheitsvorschriften zu halten.Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer.Auch für russische Fahrzeugführer.Dort mag man das Problem mit lamentieren lösen.Hier zählen Fakten.Traurig genug, dass man sich in dieser Thematik noch rechtfertigen muss.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 9. Juni 2018 02:19:46

"Die Passagiere, die mit diesem Bus weiterfahren sollten, zeigten sich ungehalten. Sie meinten, dass der Bus sich in einem normalen Zustand befindet."

Vollkommen verständlich, solange keine spitze Feder aus Stahl durch das Sitzpolster ragt und den Fahrgast in den A .... piekt, so lange ist das Andere nicht sein Problem. Und nun aber doch sein Problem, weil er nicht weiß, wie er wieder nach Hause kommt.
Ich weiß ja nicht, ob es Sinn machen würde, wenn die dokumentierten Unterlagen von dem ersten und dem zweiten Schrottbus in Kaliningrad in einer Zeitung mal veröffentlicht würden, so mit Erläuterungen von anerkannten russischen Fahrzeugexperten. Die diese beiden Beispiele mal als Ausgangspunkt nehmen für eine Gefahrenanalyse, damit die potentiellen Busreisenden wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie in so einen Bus einsteigen. Eigentlich wäre das auch ein Anlaß für mehr technische Kontrollen, denn so ein Bus fährt doch auch in Kaliningrad und nicht nur nach Deutschland.

Hauke Veröffentlicht: 9. Juni 2018 11:40:59

Vielleicht kann man ja im Kaliningrader Gebiet doch etwas von den Deutschen lernen.
Wie wäre es mit der Einführung eines TÜV nach deutschem Vorbild?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 9. Juni 2018 14:22:24

TÜV ist gut. Haben wir auch schon. Funktioniert bloss nicht richtig - wie man sieht. Deutsche Vorbilder sind gegenwärtig in Russland nicht sehr gefragt.

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