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Kaliningrader Tourismus und die Visionen des Gouverneurs

Mi, 15 Apr 2015 Wirtschaft & Finanzen


Kaliningrader Tourismus und die Visionen des Gouverneurs

Der Mai ist gekommen, die Touristen bleiben aus. Dieser Satz  ist (leicht abgewandelt) einem optimistischen Frühlingslied von Emanuel Geibel aus dem Jahre 1841 entlehnt. Es soll Laune verbreiten, bei herrlichem Wetter zu reisen, spazieren zu gehen, Natur und Landschaft zu genießen, sich mit Unbekanntem vertraut zu machen und schon Bekanntes vielleicht noch einmal zu genießen.

Tourismus soll für Kaliningrad eine der strategischen Entwicklungsrichtungen sein. Nur, Tourismus kann man nicht erzwingen. Touristen kommen freiwillig – oder bleiben auch freiwillig weg, weil es nichts zu sehen und nichts zum erleben gibt.  

Anfang April äußerte der Direktor des Hotels „Baltika“, einem der ältesten Hotels in Kaliningrad, das man über das Thema „deutsche Touristen in Kaliningrad“ das Kreuz schlagen kann. Sein Hotel war im vergangenen Jahr zu 25 Prozent ausgelastet und in diesem Jahr haben in den ersten drei Monaten schon 50 Prozent der angemeldeten deutschen Reservierungen, diese auch wieder annulliert.

Ende März wurde aus der Kaliningrader Gebietsregierung bekannt, dass die Tourismusministerin gekündigt hat – aus persönlichen Gründen, wie immer so nett formuliert wird. Vielleicht ist ihre Kündigung die Spätfolge eines Korruptionsvorwurfes. Vielleicht hat sie aber auch erkannt, dass in Kaliningrad irgendetwas nicht so richtig läuft.

Und dann tauchten interessante Zahlen in den Medien auf, die naturgemäß nur schwer zu überprüfen sind. So sollen im Jahre 2014 über 800.000 Touristen in Kaliningrad gewesen sein. 2013 waren es noch 550.000 und noch ein Jahr davor 500.000. Und es wird eine Touristenzahl von 900.000 für das aktuelle Jahr vorausgesagt – trotz Krise und Geldknappheit. Ich bin da als Neu-Königsberger doch schon recht erstaunt. Also haben wir einerseits einen Touristenboom und andererseits keinerlei Hotelauslastung? Schlafen die Touristen alle unter der Brücke?

Aber glauben wir doch einfach mal diesen Zahlen und gehen davon aus, dass wir jedes Jahr einen Touristenzuwachs (in Prozent) haben, die solche Städte wie Berlin, München und Hamburg vor Neid erblassen lassen. Was zieht all diese Touristen nach Kaliningrad? Was bieten wir jedes Jahr Neues?

Gut, den Meldungen in den Medien ist auch zu entnehmen, dass es sich bei der Mehrzahl der Touristen um russische Touristen aus dem Mutterland handelt. Aber auch die wollen jedes Jahr irgendetwas Neues sehen und wollen verwöhnt werden. Ich streite auch gar nicht ab, dass in Kaliningrad jedes Jahr sehr viel gebaut wird – aber die unendlich großen Wohnblöcke für hunderte und tausende Bewohner, farblich nett gestaltet, sieht der Russe auch bei sich, dazu braucht er nicht nach Neu-Königsberg zu kommen.

Angeblich soll ja im Jahre 2018 die Fußball-Weltmeisterschaft bei uns stattfinden. Da könnte man als neue Attraktion die Baustelle des Stadions präsentieren. Aber diese Baustelle existiert nicht. Oder man könnte die Baustelle „Herz der Stadt“ präsentieren – die existiert aber auch nicht. Noch nicht mal ein Fassadengerüst ist aufgestellt, geschweige denn mehr. Die ehemalige Bernsteinmanufaktur in der Hafenstraße sollte instand gesetzt werden – noch sehe ich nichts. Die Bauarbeiten am Meeresmuseum sind ins Stocken geraten. Dann sollten irgendwelche Tourismus-Spazierzonen eingerichtet werden – Litauischer Wall und anliegende Straßen. Ich sehe nichts. Die Fertigstellung des Airports verzögert sich nicht nur um Monate, sondern um Jahre und der Airport soll das Einfallstor für Millionen von Touristen sein – also Touristen fallen da gegenwärtig nicht ein – eher nicht verputzte Mauern.

Durch die russische Zentralregierung wurde nun auch die Planung für die Fußball-Weltmeisterschaft korrigiert. Das Stadion wird kleiner und anstelle von neun Hotels, werden nur noch fünf Hotels gebaut. Begründung ist – nachvollziehbar – das Kaliningrad keinen so großen Bedarf an Hotels für die Zeit nach der Weltmeisterschaft hat.

Und es gibt irgendwie noch weitere optimistische Momente im Erkenntnisprozess für die „Mission Kaliningrads“ – wie es unser Gouverneur Nikolai Zukanov Anfang April formulierte. Nachdem die im Jahre 1996 geschaffene Sonderwirtschaftszone in Kaliningrad nun nicht gerade ein Erfolgsmodell geworden ist, ist der Gouverneur, der sich am 13. September mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zur Wahl stellen wird, davon überzeugt, dass Kaliningrad kein Standort für Großinvestoren ist, sondern man hier das Klein- und mittelständische Unternehmertum entwickeln muss. Ich finde, dass dies eine tolle Erkenntnis ist, allerdings auch nicht ganz neu.  Und gerne zitiere ich auch Worte des deutschen Generalkonsuls Dr. Krause aus dem Jahre 2013, der die Atmosphäre Kaliningrads vergleicht mit Emotionen aus dem Schleswig-Holstein der 50er Jahre. Und er hat Recht. Wo in Europa haben wir noch so eine Atmosphäre? Braucht ein Tourist unbedingt hochmoderne Hotels? Urlaub auf dem Bauernhof – in altdeutscher Atmosphäre und russischer Küche – mir scheint, dass dies eine Möglichkeit ist, Touristen wieder für Kaliningrad zu interessieren. Und wenn es uns gelingt, die alte deutsche Festungs-Infrastruktur für unsere Besucher herzurichten und wir die Fassaden auf dem Leninski- und Moskauer Prospekt hübscher gestalten – da stimmt bestimmt Aufwand und Nutzen und wir tun etwas zur Entwicklung der klein- und mittelständischen Unternehmen – was übrigens auch für Ausländer interessant sein könnte, die hier Geld verdienen wollen.

 

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