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Löhne und Gehälter in Kaliningrad

Sa, 24 Nov 2018 Wirtschaft & Finanzen


Löhne und Gehälter in Kaliningrad
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Das Thema Löhne und Gehälter ist sicherlich immer interessant, egal welches Land analysiert wird. In Russland sind die Löhne und Gehälter in dem Maße von besonderem Interesse, als hier sehr große regionale Unterschiede herrschen. Moskau ist natürlich die Stadt mit den höchsten Löhnen in Russland, die oftmals wohl auch Löhne und Gehälter in westeuropäischen Staaten toppen. Getoppt werden die Gehälter vielleicht nur noch von Gehältern, die Spezialisten in Sonderzonen gezahlt werden, wo die klimatischen Bedingungen besonders kompliziert sind, oder wo Erdöl, Gold und Edelsteine gefördert werden.

Kaliningrad ist zwar eine Sonderwirtschaftszone, eine Offshore-Zone, eine Bernsteinzone, aber keine Zone besonders hoher Gehälter.

In Russland kennt man, genau wie in Deutschland, den Begriff „Existenzminimum“. Das Existenzminimum wird ständig analysiert und angepasst. Es gibt eine zentrale föderale Vorgabe für das Existenzminimum. Dieses darf durch die Regionen nicht unterschritten werden bei der Festlegung des regionalen Existenzminimums, wohl aber höher angesetzt werden.

So beträgt das föderale Existenzminimum gegenwärtig 10.444 Rubel. Kaliningrad hat für sich ein Existenzminimum von 11.125 Rubel festgelegt. Hierbei handelt es sich um einen rein statistischen Wert, der sich aus einem gewissen Waren- und Dienstleistungskorb bildet.

Der nächste Begriff, den der russische Arbeitsmarkt kennt, ist der Mindestlohn. Auch dieser wird jährlich angepasst und ist in jeder russischen Region unterschiedlich. Für Kaliningrad beträgt der Mindestlohn gegenwärtig 11.000 Rubel. Kein Kaliningrader darf weniger als diesen Mindestlohn verdienen. Viele Unternehmer zahlen ihren Mitarbeitern Gehalt im Umschlag, um damit die Zahlung der Sozialbeiträge zu vermeiden, denn in Russland zahlt der Arbeitgeber sämtliche Sozialbeiträge für seine Mitarbeiter. Somit ist der Arbeitgeber verpflichtet, für seine Mitarbeiter Sozialbeiträge abzuführen, die mindestens auf der Grundlage des Mindestlohnes berechnet sind. Gegenwärtig werden in Kaliningrad verstärkt Anstrengungen durch die Gebietsregierung unternommen, um das System der Gehälter im Umschlag zu zerschlagen. Die Steuereinnahmesituation in diesem Jahr zeigt, dass die Alichanow-Regierung wohl auf dem richtigen Weg ist.

Somit kommen wir auf konkrete Zahlen zur Entwicklung der Löhne und Gehälter im Kaliningrader Gebiet. Und hier ist eklatant sichtbar die negative Entwicklung des Gebietes während der Zukanow-Herrschaft in den Jahren Ende 2010 bis Mitte 2016. Bis 2010 wurde das Kaliningrader Gebiet durch Georgi Boos als Gouverneur geführt. Eine vielleicht nicht ganz einfache Persönlichkeit, aber eine Persönlichkeit mit wirtschaftlichem Verstand und vielen Beziehungen innerhalb der Föderation. Er hatte es verstanden, viele Investoren nach Kaliningrad zu holen. Von diesen Investoren ist kaum einer geblieben, als er im September 2010 Kaliningrad, auf Grund von Protesten der Bevölkerung, verlassen musste.

Mitte 2016 wurde Gouverneur Zukanow durch den russischen Präsidenten nach St. Petersburg versetzt und der junge Anton Alichanow mit der Verantwortung für die Region betraut. Die Entwicklung der Löhne und Gehälter ab Mitte 2016 sprechen eine eindeutige Sprache – wobei es wesentlich schwieriger ist, etwas aufzubauen, als etwas verkommen zu lassen.

Die in der hier gezeigten Statistik aufgeführten Zahlen, stammen nicht aus der staatlichen Statistikbehörde, sondern werden regelmäßig durch ein Consultingportal durch Befragung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie freiwillige Informationsübermittlungen direkt auf dem Portal, ermittelt. Dadurch kommt es, je nach Intensität der Informationsübermittlung, zu den monatlichen Schwankungen. Die russische Statistikbehörde zeigt höhere Durchschnittsgehälter, als die hier aufgeführten.

Aber auch bei diesen hier angeführten Gehältern ist zu berücksichtigen, dass ein Teil im Umschlag bezahlt wird, so dass die Realeinkommen, die Reallöhne, wohl höher liegen, als die hier im Diagramm gezeigten.

In der letzten Grafik zeigen wir die TOP-10-Bereiche mit den höchsten durchschnittlichen Arbeitseinkommen. Während es in dieser Gruppe ständige Positionswechsel gibt und auch einige Gruppen aus dieser Liste entfernt und durch andere erstsetzt werden, hat sich die Einkommensgruppe „Makler“ seit Jahren stabil an vorderster Stelle mit den, mit Abstand größten Gehältern, gehalten. IT-Spezialisten, die eigentlich die strategische Zukunft Kaliningrads darstellen, sind mit einem durchschnittlichen Einkommen von 26.275 Rubel sogar noch unterhalb des Kaliningrader Durchschnittsgehaltes.

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Arbeitsmarkt

   Kommentare ( 2 )

Frank Werner Veröffentlicht: 24. November 2018 11:43:40

Das Gehalt für IT-Spezialisten ist tatsächlich sehr niedrig, selbst wenn in einem "Umschlag" noch etwas dazu kommt. Aber eine Frage wg. den "Umschlägen": da die Praxis weit verbreitet ist und unter dem Strich es sich um erhebliche Beträge handeln muß - ist die russ. Buchführung so schlecht, das es sich so einfach schwarz durch die Buchhaltung schleusen läßt? Oder haben die Unternehmen selbst so große schwarze Kassen für schwarze Geldeingänge, dass die "Umschläge" damit locker gefüllt werden können? Und noch etwas zum Lohnanstieg: ist dieser tatsächlich real? Sieht mir eher nach Wachstum durch Inflation aus ... Bei den Preisanstiegen u.a. Lebensmittel, sollte real doch eher ein Minus da sein, oder?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 24. November 2018 12:32:27

... russische Firmen haben ein sehr komplexes System des Geldverdienens entwickelt. Da werden auch mal Aufträge ohne offiziellen Vertrag abgewickelt und die Bezahlung erfolgt auch im Umschlag. Aus diesen Umschlägen bildet sich die Schwarze Kasse und die doppelte Buchhaltung - um es mal sehr vereinfacht darzustellen. In Fragen Firmenmoral steht Russland erst ganz am Anfang einer perspektivreichen Entwicklung.

Natürlich spielt bei der Entwicklung der Löhne und Gehälter auch die Inflation in Russland eine Rolle. Diesen Faktor habe ich hier nicht berücksichtigt, denn es ging nur um die Information "Wieviel Geld hat ein Kaliningrader im Durchschnitt in der Tasche." Alles Weitere würde in einer tiefschürfenden Analyse ausarten, was vielen Lesern (Zuschauern) nicht so interessant ist. Wichtig ist aber, dass die Löhne angepasst werden - den realen Lebenserfordernissen. Das war in den 90er Jahren nicht so. Und, die Inflation spielt in Russland schon keine so große Rolle mehr. 2017 war ein Ziel von vier Prozent geplant, erreicht wurde 2,52 Prozent. In diesem Jahr wurde ebenfalls mit vier Prozent geplant und die Prognose zeigt auf 2,89 Prozent (Stand 01. November 2018).

Hauke Veröffentlicht: 24. November 2018 20:57:08

Na, das liegt wohl nicht an den Lohntüten.
Kann mich noch gut erinnern, auch mein Lohn wurde mal in Tüten ausgezahlt.
Eine Möglichkeit die Sozialabgaben nicht zu zahlen gab es nicht.
Vielleicht liegt es an aufgeblähte, uneffektive Verwaltung und Kontrolle.
Wenn ich auf die Karte vom Kaliningrader Gebiet werfe und sehe in wie viele Kreise es gibt,
dann sagt das doch alles bei 1Mio. Einwohner.
Wird dieser riesige Apparat vielleicht aufrecht erhalten um gute Kumpels mit Pöstchen zu versorgen?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 24. November 2018 21:18:48

... ich glaube, Sie haben den Beitrag nicht verstanden. Vielleicht nochmal anschauen? Was hat die Struktur des Kaliningrader Gebietes, die Anzahl der Kreise mit den durchschnittlichen Gehältern und den Gehältern im Umschlag zu tun?

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