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Neuer Generaldirektor, neue Hoffnung, neue Korporation

Fr, 23 Dez 2016 Wirtschaft & Finanzen


Neuer Generaldirektor, neue Hoffnung, neue Korporation

Das Kaliningrader Regionalportal „newkaliningrad“ veröffentlichte ein Interview mit dem neuen Generaldirektor der regierungseigenen „Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebiets“. Wir veröffentlichen die wichtigsten Passagen für unsere deutschen Leser und mögliche potenzielle Investoren.

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Gegenwärtig gibt es im Kaliningrader Gebiet eine Vielzahl von personellen und organisatorischen Veränderungen. Es sei daran erinnert, dass der neue Gouverneur Anton Andrejewitsch Alichanow Ende September durch den russischen Präsidenten Putin ernannt wurde und seit diesem Zeitpunkt der Umbau der politischen und wirtschaftlichen Strukturen stattfindet. Eine der wichtigsten Änderungen ist die Besetzung der Funktion des Generaldirektors der „Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebiets“ mit Wladimir Sarudni, einem bekannten Wirtschaftsspezialisten und Ex-Minister für Landwirtschaft in der Regierung des ehemaligen Gouverneurs Nikolai Zukanow. Er ist damit der fünfte Generaldirektor für die im Jahre 2012 gegründete Korporation. Drei Tage nach seinem offiziellen Amtsantritt gab er ein Interview, welches wir auszugsweise widergeben. Interviewpartner ist Alexej Milowanow, Chefredakteur von „newkaliningrad“.

 

Alexej Milowanow: Wenn ich auf das Gebäude schaue, in dem Sie arbeiten – mit kaputten Fenstern, zerkratzten Fußböden … ist Ihnen da nicht schrecklich und wie kann man in solch einer Lage ernsthaft über Investitionen sprechen?

Wladimir Sarudni: Der Stadtteil ist nicht schlecht (Sarudni lacht), wir erhalten neue Mitarbeiter und alles andere wird sich zeigen. Wir könnten das Gebäude verkaufen und sollten uns Räumlichkeiten in einer anderen Gegend suchen, vielleicht sogar in einem Office-Zentrum, welches besser für eine geschäftliche Tätigkeit geeignet ist. Die Aura hier wird auf alle Fälle keinen Investitions-Boom auslösen. Aber ansonsten empfinde ich nichts Schlimmes. Ich habe schon vielen Objekten auf die Beine geholfen und sogar in Baubuden in einem Wald Geschäfte organisiert. Man kann auch in Gummistiefeln zur Arbeit kommen. Für mich ist es also kein Schock, aber wohl eher für Leute die mich besuchen kommen.

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Alexej Milowanow: Sprechen wir über die Arbeit. Seit der Gründung der Korporation war es so, dass ein neuer Generaldirektor kam, erklärte, dass alles schlecht war, aber man eigentlich die Arbeit des Vorgängers nicht kritisieren will. Dann kamen die Versprechungen alles besser zu machen. Die Korporation erhielt dann schnell wieder hundert Millionen Rubel aus dem Gebietshaushalt und dann passierte wieder nichts, außer, das ein neuer Generaldirektor kam. Werden Sie dieses Programm fortsetzen oder haben Sie andere Vorstellungen?

Wladimir Sarudni: Ich werde das tun, was ich immer getan habe, wenn ich als Krisenmanager gerufen wurde. Ich habe das Kollektiv belassen oder, wenn es notwendig war, gegen bessere Leute ausgetauscht. Die von mir ein Jahr lang geleitete Agentur für Fischereiwirtschaft ist zur führenden Agentur in Russland geworden. Das Kaliningrader Landwirtschaftsministerium wurde unter meiner Leitung zu einem Musterbeispiel für Effektivität bei der Realisierung der Staatsprogramme. Der Erfolg kommt darin zum Ausdruck, dass ich gute Mitarbeiter ausgewählt habe, die besten, die talentiertesten … also einfach Leute, die arbeiten wollten. Heute führe ich ein Audit durch, eine Revision aller finanziellen Angelegenheiten die jemals in dieser Organisation stattgefunden haben und der Aktiva, über die die Korporation verfügt. Und ich stelle Leute ein, die uns Expertenratschläge oder Ratschläge für die eine oder andere Entwicklungsrichtung geben können. Ich werde meine Vorgänger nicht kritisieren. Ich habe einfach keinen ethischen Wunsch mich damit zu beschäftigen. Was ich sehe ist, dass es viel Post von Investoren gibt, die über lange Zeit nicht beantwortet worden ist. Alle diese Leute werden jetzt eine Antwort erhalten. Es gibt Investoren, ist gibt Ideen. Wir müssen gemeinsam mit den Investoren ein Image, ein Klima schaffen, welches dem herrschenden negativen äußerem Anschein entgegenwirkt.

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Alexej Milowanow: Ihre erste Reise hat Sie in den Iran geführt. Eigentlich nicht so richtig verständlich für Kaliningrad.

Wladimir Sarudni: Ich denke, dass die Korporation Agent werden könnte, welcher für Kaliningrader Unternehmen neue Märkte erschließt. Im Iran habe ich mit Vertretern großer staatlicher Organisationen gesprochen. Dort verfügt man über Häfen und nach der langen Zeit der Sanktionen braucht man für alle Häfen neue Kräne. Man hat mich gebeten, die nötigen Kontakte zu „Baltkran“ herzustellen. Eine andere Firma will eine Quote für die monatliche Lieferung von 60.000 Tonnen Getreide aus Russland. Auch hier können wir helfen. Und es gibt Märkte, über die wir zurzeit noch gar nicht nachdenken, weil uns die tägliche Arbeit dafür blind macht. Wir brauchen neue frische Ideen und wir brauchen die englische Sprache. Eine der wichtigsten Kriterien für eine Mitarbeit bei uns sind hervorragende Kenntnisse der englischen Sprache.

Alexej Milowanow: Sie haben die Regierung gleich nach der Wiederwahl von Zukanow zum Gouverneur verlassen. Warum? Und wieso kommen Sie jetzt in die Regierung zurück, ungeachtet dessen, dass Sie sehr erfolgreich in der Agentur für Fischereiwirtschaft gearbeitet haben?

Wladimir Sarudni: Ich weiß nicht, warum ich die Regierung nach den Wahlen verlassen musste. Als ich den damaligen Gouverneur die Frage stellte, antwortete er mir: „Wegen deinem Stolz.“ Ich bin kein stolzer Mensch, habe aber einen eigenen Willen. Außerdem kann man nicht immer schwierige Momente umschiffen und immer mit allem einverstanden sein. Man muss immer seine eigene Linie verfolgen, egal zu welchem Preis. Für mich war die Landwirtschaft mehr als nur einfach Arbeit. Ich bin Nikolai Zukanow sehr dankbar dafür, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, mich mit meinem Lieblingsthema zu beschäftigen und ich eine selbständige Landwirtschaftspolitik in Kaliningrad umsetzen konnte. Für mich kam es unerwartet, dass er mich an dem Tage seiner Amtsvereidigung entlassen hat. Das war wirklich hart, ein Schock für mich und ich habe das emotional schwer aufgefasst und ich bin bis heute sauer. Aber das Leben geht weiter. Deshalb gehe ich wieder in die Geschäftswelt, weil ich den Leuten helfen will, die ihr Business organisieren wollen.

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Alexej Milowanow: Warum wollen Sie helfen?

Wladimir Sarudni: Nun, mir gefällt der neue Gouverneur Alichanow. Wir haben uns miteinander bekannt gemacht, noch bevor er Premierminister der Gebietsregierung wurde, gleich nachdem er in Kaliningrad angekommen war. Er hat deshalb bei mir großen Eindruck hinterlassen, weil er sauberen Herzens ist, ein ausgezeichnetes Gedächtnis hat und ich gebe zu, dass ich ihn sogar ein wenig beneidet habe, weil er sich so schnell eingearbeitet hatte. Ich hatte viele Dinge noch nicht verstanden, aber er unterhält sich ein paar Mal, merkt sich die Namen, die Probleme die besprochen wurden. Er führt eine selbständige Politik, findet sich in einer gewaltigen Anzahl von Zahlen und Angaben zurecht und vergisst nichts. Bei ihm hat man nicht das Gefühl „Ich bin der Chef und du bist der Dummkopf“. Für ihn trifft zu „ich bin der Vorgesetzte und ihr seit meine Kollegen.“ Viele beurteilen beim ersten Zusammentreffen nicht richtig seinen Willen und seinen harten Charakter. Er ist nordisch. Und genau das braucht die Region heute. Wissen Sie, wenn man ernsthaft krank wird, da hilft keine Salbe, da muss man chirurgisch eingreifen, mit Willen und eiserner Hand.

Alexej Milowanow: Ihr Vorgänger hat darauf bestanden, dass man mit ihm einen Fünf-Jahresvertrag unterschreibt und stellte die Bedingungen, dass sich die Regierung nicht in seine Führung einmischt. Wie ist das bei Ihnen?

Wladimir Sarudni: Ich habe keine Forderungen gestellt. Alle diese Verträge sind doch bedingt. Wenn du die Aufgaben nicht erfüllst, wirst du morgen entlassen. Da braucht man sich keine Illusionen zu machen – egal ob du einen Fünf- oder 15-Jahresvertrag hast. Ich bin hier ein Anti-Krisen-Manager. Ich habe eine Mannschaft zu schaffen und diese in den Bestand der Ministerien zu integrieren und damit die Linie des Gouverneurs umzusetzen.

Alexej Milowanow: Gute Mitarbeiter kosten viel Geld. Haben Sie das Geld?

Wladimir Sarudni: Unsere mittleren Gehälter in der Korporation sind höher als die mittleren Gehälter in der Wirtschaft. Dass die Gehälter nicht immer den gezeigten Leistungen entsprachen will ich nicht kommentieren. Wir werden die Struktur optimieren. Und wir werden die Vereinigung mit der „Korporation für den Tourismus“ umsetzen. Gegenwärtig gibt es keine Struktur, wir arbeiten daran.

Alexej Milowanow: Werden Sie den Direktorenrat ändern? Die letzte Änderung wurde noch im Juli durch den damaligen Gouverneur Zukanow vorgenommen?

Wladimir Sarudni: Dieser Direktorenrat wird durch die Gebietsregierung festgelegt. Wenn der Gouverneur meint, ihn ändern zu müssen, so wird er es tun.

Alexej Milowanow: Wie sieht die finanzielle Situation in der Korporation aus? Es gab früher viel Kritik in der effektiven Nutzung der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel.

Wladimir Sarudni: Die Situation mit dem Haushalt ist nicht einfach. Jede Kopeke ist eigentlich dort auf Kredit. Und alle diese Gelder müssen zurückerstattet und Zinsen bezahlt werden. Wir haben auch Fördergelder. Die sind für ganz konkrete Aufgaben bestimmt und dürfen nicht anderweitig verwendet werden. Ich spreche hier über die Investitionsgelder für die Technoparks. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten an Geld zu gelangen, außer aus dem Gebietshaushalt. Wir können föderale Förderprogramme aus dem Ministerium für Industrie und Handel oder dem Wirtschaftsministerium erhalten.

Alexej Milowanow: Wieviel kostet die Korporation überhaupt? Wieviel Geld geben Sie aus?

Wladimir Sarudni: Gute Frage, ich hoffe in einer Woche darauf antworten zu können. Wir führen gegenwärtig ein Audit durch. Es gibt bereits einen neuen Buchhalter und eine neue Mannschaft. Sie analysieren jetzt alle Verbindlichkeiten und Aktiva. Ich habe eine Stellvertreterin die Finanzspezialist ist.

Alexej Milowanow: Was ist eigentlich aus der Idee eines Business-Inkubators geworden, mit der Idee der Schaffung eines IT-Parks, IT-Hotels,  eines IT-Kindergartens?

Wladimir Sarudni: Ich bin gegen diese Vorgehensweise und meine, dass ein kleines erfolgreiches Projekt automatisch auch andere anziehen wird. Künstliche Bedingungen schaffen, irgendein Wohnheim für IT-Spezialisten zu bauen, damit diese irgendein neues Programm „World of Tanks“ sich ausdenken, ist schwierig. Aber wir können gute Startbedingungen schaffen. Wenn es uns zum Beispiel gelingen sollte, eine Fluggesellschaft zu überzeugen, zu uns als Regionalfluggesellschaft zu kommen, dann können wir ein Flugticket schaffen, womit der Interessierte am Wochenende nach Berlin, Riga oder Prag fliegen könnte. Das ist ein Angebot, welches keine andere russische Stadt vorschlagen kann – einfach weil die Geographie unserer Region eine andere ist. Und wenn wir eine angenehme Umgebung schaffen, die Bevölkerung beweglich ist, so wird dies auch das Interesse von talentierten Leuten hervorrufen. Mit anderen Worten – wir müssen einfach nur talentierte Leute finden und die werden sich dann schon ein Businessmodell einfallen lassen, werden für sich eine Marktnische finden.

Alexej Milowanow: Was ist aus den Technoparks geworden? Da scheint es wohl eine gewisse Bewegung zu geben, insbesondere bei dem Park in Tschernjachowsk, wo die Energetiker alles in die Hand genommen haben, ein kleines Wunder vollbringen und der Stromanschluss wohl rechtzeitig fertig wird.

Wladimir Sarudni: Ich habe selber schon einige Fabriken aufgebaut. Überall gab es dort Zufallsmomente. Überall war es schwierig, teuer und langwierig. Um eine Fabrik zu bauen muss man 12 Heldentaten eines Herkules vollbringen. Die Idee der Technoparks besteht darin, dem Investor ein fertiges und voll erschlossenes Grundstück anzubieten. Aber dann sollten wir kein Geld durch den Verkauf des Grundstückes verdienen. Geld soll die Verwaltungsgesellschaft verdienen, die sich mit diesen Parks beschäftigt. Das scheint mir eine ideale Idee zu sein, denn hier können neue Geschäftszonen geschaffen werden. Rein konzeptionell sind die Technoparks eine gute Idee. Absoluten Vorrang hat jetzt der Park in Tschernjachowsk. Dort haben wir alle unsere Kräfte konzentriert. Wir haben bereits für diesen Bereich mit einem französischen Investor einen Vertrag abgeschlossen – die Firma „Arc International“. Der Fahrplan ist klar und bisher halten wir diesen auch ein. Dies wird wohl das erste reale Ergebnis unserer Arbeit sein.

Was den Industriepark Chrabrowo betrifft … wenn wir alle Dokumente erhalten, werden wir auch sofort Geld aus dem Gebietshaushalt bekommen, um dort die Stromverteilerstation zu bauen. Das Grundstück hat bereits Gasanschluss und eine Kanalisation. Man kann dort schon einem Investor etwas vorzeigen – was wir auch tun. Den Namen des Investors werde ich jetzt noch nicht nennen, ich will da nichts provozieren. Aber ich kann sagen, dass es hier nicht um den Pharma-Sektor geht.


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Alexej Milowanow: Es gab da eine gute Idee. Man solle zu uns nach Kaliningrad die Asiaten einladen, die auch unter den Sanktionen der Europäischen Union leiden. Die Chinesen als Beispiel kaufen bei uns Rohmaterial und verarbeiten dies auf unserem Gebiet auch gleich weiter. Dann können diese Waren auf den europäischen Markt gelangen, denn sie fallen schon nicht mehr unter die Sanktionsbestimmungen und durch diesen listigen Weg kann man die ganze Sanktionspolitik aushebeln. Wie real ist so eine Idee?

Wladimir Sarudni: Also ich bin von der Idee überzeugt, sie ist durchaus realisierbar, sogar sehr gut realisierbar. Wir haben im Iran ein derartiges Modell besprochen. Die iranische Wirtschaft leidet auch unter den Sanktionen – schon viele Jahre. Und nicht alle iranischen Waren gelangen auf den europäischen Markt. Aber durch Russland, über Kaliningrad, könnte man was machen.

Alexej Milowanow: Was passiert mit der „Korporation für die Entwicklung des Tourismus“? Sie sollte mit Ihrer Korporation zusammengelegt werden.

Wladimir Sarudni: Ich habe bereits einen Vertrag über die Vereinigung der beiden Korporative unterzeichnet. Er tritt in zwei Monaten in Kraft, da wir verpflichtet sind, bis zur Vereinigung noch einige Veröffentlichungen vorzunehmen. Danach wird es eine juristische Organisation mit einer Führung geben.

Alexej Milowanow: Wie geht es weiter mit dem zweiten Bauabschnitt des Fischdorfes, mit dem Plan ein Marriott-Hotel bis 2018 dort zu errichten? Man hört, dass dies mit Geldern der „Korporation für Tourismus“ geschehen sollte.

Wladimir Sarudni: Wir haben die Situation mit dem Vizegouverneur Harry Goldman besprochen. In der kommenden Woche wird es eine erweiterte Sitzung geben und dort wird das Schicksal dieses Projektes besprochen werden. Ich werde alles daran setzen, damit dieses Projekt realisiert wird.

Alexej Milowanow: Dann kommen wir zu einer noch schrecklicheren Sache, dem Projekt “Herz der Stadt”. Damit hat sich auch die „Korporation für die Entwicklung des Tourismus“ beschäftigt. Was haben Sie für konzeptionelle Vorstellungen? Was soll mit dem Stadtzentrum, dem Haus der Räte geschehen?

Wladimir Sarudni: Mir haben einige Initiativen des Vizegouverneurs Harry Goldman gefallen. Zum einen, dass im Gebäude der ehemaligen Königsberger Börse eine Bildergalerie eingerichtet wird. Die Galerie ist ein Zentrum der Kultur, ein Ort, der die Liebhaber intellektueller Beschäftigung anzieht. Und mir gefällt sehr gut die Idee, das Haus der Räte in Nutzung zu überführen. Ich glaube, weniger der Architekturstil regt die Menschen auf, als vielmehr das dieses Gebäude im Stadtzentrum nicht genutzt wird.

Was die Ideologie der Zentrumsbebauung der Stadt anbelangt. Hier muss die Öffentlichkeit mit einbezogen werden – anders geht es nicht. Man muss sich alle Meinungen anhören und dann Experten hinzuziehen. Aber man muss schon eine Vorstellung haben, rein vom ästhetischen, was denn aus Kaliningrad werden soll. Ich bin davon überzeugt, dass sich Kaliningrad zu einer Millionenstadt entwickelt. Vielleicht vergehen noch 30 oder 50 Jahre. Aber wenn wir der Ansicht sind, dass dies nur eine Frage der Zeit ist, so müssen wir in der Stadtplanung entsprechend vorgehen, in der Planung der Verkehrsströme, der Leute, ihren sozialen und wirtschaftlichen Vorstellungen, wir müssen über den Bau von Parkplätzen nachdenken und natürlich auch über öffentliche Toiletten. Ohne all das werden wir keinen architektonischen Stil finden und wir werden immer in einem Transportchaos leben. Schon jetzt haben wir von Zeit zu Zeit dieses Chaos, eben weil wir die Stadt nicht richtig entwickeln.

Königsberg wurde von den Engländern zerbombt. Man hat die Stadt dort aufgebaut, wo die zerstörten Häuser standen. Es gab keinen Plan des Wiederaufbaus. Genauso wie in Moskau – es fehlte ein Plan. Selbst die Umgehungsstraße rund um die Stadt existiert eigentlich nicht. Wir müssen zuerst prognosieren, was mit der Stadt wird und in der Gruppe, die sich mit dem „Herz der Stadt“ beschäftigt, müssen unbedingt Wirtschaftsspezialisten und Soziologen sein, die genau wissen, was benötigt wird. Insgesamt ist es eine verdammt schwierige Aufgabe, vielleicht die schwierigste Aufgabe in der Entwicklung der Region insgesamt.

Alexej Milowanow: Wer soll das letzte Wort haben zur Bebauung des Stadtzentrums – die Beamten, Investoren, Architekten oder die Bewohner der Stadt, sollte ein Referendum durchgeführt werden?

Wladimir Sarudni: Ich weiß nicht wer das letzte Wort haben sollte. Wenn man die Frage durch die Öffentlichkeit beantworten lassen will, wird sich diese teilen. Ein Teil ist für das Haus der Räte und ein anderer Teil dagegen. Wir brauchen eine Stadt, in der sich alle wohlfühlen. Man sollte also nichts übereilen und gründlich nachdenken. Bauen sollten das neue Stadtzentrum private Investoren unter Beachtung von Vorgaben der Stadtverantwortlichen.

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Alexej Milowanow: Nun meine letzte Frage, die die Massenmedien betreffen. Einer Ihrer Vorgänger meinte, dass wir verpflichtet sind, mehr Positives zu berichten, um keine potenziellen Investoren abzuschrecken. Natürlich ist klar, dass ein Journalist der Hauptfeind für alle und alles ist. Welches wäre Ihr Vorschlag für eine optimale Strategie einer Zusammenarbeit mit uns?

Wladimir Sarudni: Vor langer Zeit habe ich mal einen Kurs für journalistische Ethik besucht. Dort habe ich erfahren, dass es viele Gruppen gibt, die auf Journalisten Einfluss ausüben. Und oftmals sind die Medien nur das Sprachrohr dieser Gruppen. Aber ich bin der Meinung, dass Journalisten über einen derartigen Umfang an Informationen über die Korporation verfügen sollten, dass sie auch qualitativ hochwertig berichten können. Was haben wir zu verbergen? Wir sind alle Bewohner dieser Region und nehmen alle am wirtschaftlichen Entwicklungsprozess teil. Deshalb müssen wir auch eine offene Informationspolitik betreiben. Wir müssen über alles informieren, was die Geschäftswelt wissen muss, auch über Probleme die existieren. Offenheit ist die einzige Medizin die gegen mögliche Angriffe von Seiten der Journalisten hilft. Warum sollten Sie uns angreifen, wenn Sie auch so zu uns kommen können und alle Informationen erhalten, ja sogar an den Entscheidungsprozessen teilnehmen können? Ich werde mich nicht vor Ihnen verstecken und Sie werden normal über unsere Arbeit berichten. Diese Praxis habe ich als Landwirtschaftsminister verfolgt und werde sie auch jetzt fortsetzen. Und sehen Sie, ich bin erst drei Tage in Funktion und gebe Ihnen schon ein Interview.

 

 

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Interview, Investitionen, Sonderwirtschaftszone

   Kommentare ( 3 )

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 23. Dezember 2016 16:02:05

Moin!

Ich schließe mich den o.g. Wünschen gerne an, und wünsche allen Lesern und Mitarbeitern dieses interessanten Blogs ein gutes Jahr 2017. Ich glaube Weihnachten macht ihr später, ihr alten Orthodoxen ;-)

Gruß aus Ostfriesland!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 23. Dezember 2016 16:20:43

... ich bin höchsten Alt-Kommunist ... also Weihnachten wird nicht gefeiert. Aber besten Dank für die Wünsche zum Fest. Wünsche ebenfalls allen unseren Lesern ein beschauliches und vor allem friedliches Weihnachten - das scheint mir für Deutschland jetzt wohl der wichtigste Wunsch zu sein.

.g Radeberger Veröffentlicht: 24. Dezember 2016 03:36:39

Also Uwe, wenn schon, denn schon. Ein bischen Weihnachten feiern ist doch ganz schön, auch für einen ein bischen A..-K... , wenn man davon ausgeht, daß Weihnachten im Grunde genommen erst durch die Christen von anderen Götterverehrungen übernommen und zurecht gestutzt wurde, so daß es in die biblische Geschichte paßt.
Man muß ja dabei nicht gleich gläubig die Augen niederschlagen und büßend in sich gehen. Das wäre mir auch irgendwie fremd.

Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen und Ihren Mitarbeiter/innen ein paar ruhige Feiertage zu wünschen, und wenn partout nicht Weihnachten, dann eben die zum Neuen Jahr sind. Soweit ich informiert bin, passiert ja in den ersten 10 Tagen des Neuen Jahres in Rußland und ganz bestimmt auch auf dem Kaliningrader Außenposten nicht allzuviel bis gar nichts.

Ich will es ehrlich sagen, mir würde echt was fehlen, wäre KD nicht mehr im Net präsent.

Ich hoffe ja, daß das mit dem 7-Tage-Visafrei für Kaliningrad im nächsten Jahr klappt. Diesbezüglich geistern mir schon ein paar Fragen durch den Kopf. Aber dazu später.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 24. Dezember 2016 11:02:59

... vor den acht informationsarmen Tagen habe ich auch ein wenig "Angst", aber eben nur ein wenig ... Schau´n wir mal, ob es was zu berichten gibt.

Der erste offizielle Arbeitstag in Russland ist der 9. Januar 2017.

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 24. Dezember 2016 17:35:52

Herr Niemeier, auch ich wünsche Ihnen angenehme und erholsame Prasdniki, denn wenn 2017 erst richtig in die Gänge kommt wird es sicher wieder spannend.

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