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Propka - oder zu deutsch: Stau

Sa, 01 Dez 2012 Wirtschaft & Finanzen


Propka - oder zu deutsch: Stau

Spätestens seit 2006 macht Kaliningrad der Stadt Moskau ernsthafte Konkurrenz. Die Frage, wer die längsten Staus hat, kann nun schon nicht mehr so einfach zugunsten Moskaus beantwortet werden. Einerseits ist es erfreulich, dass in Kaliningrad viel gebaut wird und die Wohnungsnot sich somit verringert und die Inhaber der Baufirmen zu Oligarchen mutieren. Aber alles was die Infrastruktur anbelangt, die eigentlich organisch mitwachsen müsste – da hat Kaliningrad seinen Königsberger Charme bewahrt. Schmale gemütliche Straßen mit teilweise historischen Pflastersteinen, Bäume die malerisch die Straßen und nicht immer schönen Häuserfassaden überdecken …

In regelmäßigen Abständen wird das Transportschema der Stadt überarbeitet. Noch vor zwei Jahren behauptete man, dass die seit 20 Jahren unvollendete Brücke über den Moskauer Prospekt viele Verkehrsprobleme lösen wird. Nun ist die Brücke endlich in Nutzung überführt und links und rechts der Brücke gibt es sogar eine Anschlussstraße – und trotzdem werden die Staus nicht kürzer.

Nun wird aber mit starkem Willen an der Lösung des Problems gearbeitet. Eine weißrussische Firma hat die Aufgabe erhalten für ein paar lächerliche Millionen ein perfektes Transportschema für die Stadt zu erarbeiten.

Scheibchenweise werden Ergebnisse veröffentlicht und von den hunderttausenden Kaliningrader Spezialisten in der Luft zerrissen. Es stellt sich – kurz gesprochen – heraus, dass die weißrussische Firma doch nicht den Vorstellungen der Stadtverantwortlichen entspricht – das stellte man nach über einem Jahr Arbeit fest. Aber auch die Spezialisten aus Weißrussland stellten etwas fest. Es gibt in Kaliningrad nicht, wie in anderen Städten üblich, einen Verantwortlichen für die Transport-Infrastruktur. Der Generaldirektor der Consultingfirma bemerkte, dass es Unmengen von Verwaltungsangestellten gibt, die alle eine Meinung haben, aber keiner will etwas tun oder Verantwortung übernehmen. Und nun hat sich auch noch die KANT-Universität mit kritischen Anmerkungen eingemischt. Ich will auf keinen Fall die Weißrussen in Schutz nehmen, aber das Klima  für eine vernünftige Arbeit scheint wohl nicht sehr gesund zu sein.

Und flugs tritt nun auch der Kaliningrader Gouverneur auf die Theaterbühne. Als man die Weißrussen mit der Erarbeitung des Transportschemas für die Stadt beauftragte, war noch nicht bekannt, das Kaliningrad Ausrichterstadt für die Fussball-WM2018 wird. Und dieses Ereignis verändert nun alles und deshalb muss das ganze Transportschema nochmal völlig neu erarbeitet werden. Und da man den Weißrussen nicht mehr so richtig traut, soll nun eine französische Firma die Arbeit der Weißrussen kritisch unter die Lupe nehmen und einen eigenen Entwurf vorlegen. 5,5 Mio. Rubel für die Weißrussen sind also erst mal in den Sand gesetzt – wenn sie denn bezahlt werden …

Nun haben die Franzosen vor wenigen Tagen ihren ersten Entwurf vorgelegt. Warum wundert es mich nicht, dass die Franzosen empfehlen das Straßenbahnsystem wieder einzuführen? Und schon taucht eine weitere ausländische Firma auf, die den ganzen administrativen Teil (Ticketverkauf usw.) umbauen will. Und dann kommen noch weitere Firmen, die alle irgendwas machen wollen – auch deutsche Firmen – mir schwirrt schon der Kopf und ich verstehe gar nichts mehr. Und wenn ich die Informationen weiterlese wird mir dann doch einiges klarer. Man hatte schon längst den Entschluss gefasst die Straßenbahn in Kaliningrad zu reanimieren. Und selbstverständlich haben sich die ausländischen Beraterfirmen diesen Vorstellungen sofort adaptiert. Denn der Aufbau der Straßenbahn in Kaliningrad ist eine riesige Arbeit mit riesig viel finanziellem Aufwand. Allerdings hatte ich in allen Beiträgen keinerlei Hinweis gefunden, wo denn die Millionen und Milliarden herkommen, um diesen Traum zu erfüllen. Aber spätestens 2018 werden wir es wissen.

Uwe Niemeier

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Kaliningrad, Stadtereignisse

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