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Wie weiter mit dem Kaliningrader Nahverkehr?

Mi, 16 Mai 2018 Wirtschaft & Finanzen


Wie weiter mit dem Kaliningrader Nahverkehr?

Man kann manchmal nur mit dem Kopf schütteln, wenn man die Informationen über den Kaliningrader Nahverkehr verfolgt. Was will die Stadt eigentlich und warum wird so widersprüchlich informiert und gehandelt?

In den letzten Jahren wurde Schritt für Schritt die Kaliningrader Straßenbahn abgeschafft. Streiten wir uns nicht, wie sinn- oder weniger sinnvoll eine Straßenbahn ist. Aber eine sinnvolle Informationspolitik zu diesem Thema wäre wohl hilfreich – sowohl für die Passagiere, wie auch für die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe selber.

Immer wieder wurde kommentiert, dass die Einstellung dieser oder jener Straßenbahnlinie nur zeitweilig ist. Man arbeite an Konzepten, man arbeite an der Technik … lange Rede, kurzer Sinn: heute verfügt die Stadt über eine einzige Straßenbahnlinie, mit einem nostalgischen Fuhrpark, alten Schienen, alten Oberleitungen. Seit Jahren werden keine Ersatzteile für Straßenbahnen mehr gekauft. Bei Bedarf muss eine Straßenbahn eben als Ersatzteillager umfunktioniert werden.

Nun wurde vor wenigen Tagen ein neuer Bürgermeister durch den Kaliningrader Stadtrat eingesetzt. Der Vorsitzende des Stadtrats Andrej Kropotkin (der natürlich wusste, wer neuer Bürgermeister wird und nur der Form halber so tat als ob …) kommentierte, dass er von einem Bürgermeister träumt, der die Straßenbahn in Kaliningrad wieder entwickelt. Und schon kam ein Bürgermeister, der am Tag des Amtsantritts erklärte, dass er die Straßenbahn entwickeln werde.

Erinnern wir uns daran, dass man vorher argumentiert hatte, dass die Straßenbahn verlustig arbeitet und das die Straßenbahn sehr teuer ist und das die Schienen sehr alt sind und das die Oberleitungen marode sind und und und.

Aber das alles ist wohl nicht mehr so wichtig – die Straßenbahn wird entwickelt. Hurra!

Und dann berichtet gestern ein leitender Mitarbeiter von „GorTrans“, dem stadteigenen Nahverkehrsbetrieb, dass die Stadt keine neuen Trolleybusse mehr kaufen wird. Die sind nämlich zu teuer und eigentlich uneffektiv.

Also, Trolleybusse sind doch so eine Art Straßenbahn, nur eben ohne Schienen. Und die sind nun zu teuer? Und Straßenbahnen sind nicht zu teuer?

Ich erinnere mich an die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes für die Stadt vor zwei Jahren. Es kostete Unsummen und sollte die Stadt vor dem Verkehrskollaps retten. Nun, gerettet wurde die Stadt nicht, denn die Staus nehmen von Tag zu Tag zu. In dem Verkehrskonzept waren neue Trolleybus-Linien vorgesehen, Verlängerung bestehender Linien waren geplant … und das ist alles nicht mehr wahr? Was machen die da in der Stadtverwaltung und den Verkehrsbetrieben? Heute „Hüh“, morgen „Hot“?

Und der leitende Mitarbeiter von „GorTrans“ kommentierte: „Trolleybusse gehören der Vergangenheit an. Wir werden die nicht mehr kaufen. Da wird eine Oberleitung benötigt, Umschaltstationen und der Service überhaupt … das kostet alles zu viel.“ Dann stellt sich ja die Frage, ob die Straßenbahnen billiger sind. Wohl kaum. Und somit ist logisch, das, wenn die Stadt die Trolleybusse aus Kostengründen abschaffen will, man auch die Straßenbahn abschaffen muss, denn die ist noch teurer.

Erst im Jahre 2013 wurden neue Trolleybusse gekauft. Angeblich soll Kaliningrad die einzige Stadt in Russland sein, die noch neue Trolleybusse kauft.

Als Alternative schlägt die Stadt nun vor, Elektrobusse zu kaufen. Na, dann warten wir mal ab, bis mal wieder jemand kommt, der alle jetzigen Überlegungen über den Haufen wird.

Vielleicht wäre es auch erstmal wichtiger, die privaten Teilnehmer am Nahverkehr zu zwingen, ihre schrottreifen Nostalgiebusse gegen Busse auszutauschen, die die Stadt Kaliningrad nicht zu den modernen Fußball-Weltmeisterschaften in einem Monat, der Lächerlichkeit preisgeben.

Es gibt so einen etwas unanständigen Witz: Worin besteht der Unterschied zwischen meiner Wintermütze und der Verkehrsplanung der Stadt Kaliningrad? Meine Wintermütze ist für den Kopf, die Verkehrsplanung Kaliningrads vor´n Ars..

Uwe Niemeier

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Stadtentwicklung, Stadtverkehr

   Kommentare ( 2 )

boromeus Veröffentlicht: 16. Mai 2018 17:17:25

Herr Niemeier ,was ist denn mit Ihnen los?So direkt heraus!Gefällt mir.Das ist ja das Ärgernis,dass beim Zuschauer aus der Ferne Unmut erzeugt.Natürlich kann man sich "mal" täuschen.Dass Morgen eine Entscheidung aus der Sicht nach gestern korrigiert werden muss,ist nicht das Thema.Aber dieses ständige Hüh und Hott, ist das ,was völliges Unverständnis erzeugt.Da wird mit Steuergeldern herumgeworfen für Expertisen,die anschliessend in den "Rundordner" wandern.Und am Ende?Nichts als heisse Luft!Wenn man ein schlüssiges Verkehrskonzept entwickeln würde,das dafür sorgt, dass der private Autoverkehr aus dem Zentrum herauskommt ,damit wieder mehr Wohlfühlfeeling,Ruhe und Reduktion der Emissonen entstehen würde,dazu leistungsfähige Transportmittel ,die im Minutentakt die Besucherströme lenken,anstatt lahmer Dreckschleudern,wäre viel geschafft.Und wer daran nicht mitarbeiten will:"Ab vom Hof"!
Auf Einzelschicksale sollte keine Rücksicht genommen werden ,zum Wohle der Menschen der Stadt.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 16. Mai 2018 18:01:49

... eigentlich war ich der Ansicht, dass ich immer direkt meine Meinung gesagt habe.

Gerald Hübner Veröffentlicht: 17. Mai 2018 07:54:14

Der ist gut, Herr Niemeier, " Der Unterschied zwischen Wintermütze und ..., die Wintermütze ist für den Kopf, ... ." Für viele Dinge einsetzbar, wie früher "Frage an Sender Jerewan: ... ."
Allerdings wird mir hier immer wieder erklärt, das der ÖPNV zuviele Zuschüsse gebraucht, also wirtschaftlich selbsttragend ist der hier auch nicht. Auch gibt es in Deutschland eine "große" Automobilindustrie, daher ist den Bedarf an Individualverkehrsmittel einzuschränken kein wirkliches Thema. Auch wasserstoffgetriebene Brennstoffzellenbusse liefen hier nur, solange das staatlich geförderte Projekt lief, nämlich 2 Jahre. Der Busunternehmer würde gern weitere solcher Busse kaufen, bekommt in Germany aber keine, werden einfach nicht gebaut. Na, ich merk mir die Wintermütze!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 17. Mai 2018 08:14:50

... diese Redewendung ist übrigens nicht neu. Sie wurde (logischerweise) in der sozialistischen DDR geboren.

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