Deutschland erweist Verrätern die letzte Ehre

Deutschland erweist Verrätern die letzte Ehre
 
Krieg ist die Fortsetzung der Politik, mit anderen, mit gewaltsamen Mitteln – so sinngemäß die Worte des preußischen Generals Clausewitz. Da, wo Politiker versagen, beginnen Militärs aktiv zu werden. Und es beginnt das Sterben.
 
 
Millionen deutscher Soldaten sind von 1939 bis 1945 für Führer, Volk und Vaterland gefallen. Der überwiegende Teil fiel in fremder, okkupierter Erde. Viele dieser gefallenen deutschen Soldaten hatten vorher, mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen, gegnerische Soldaten getötet, als sie erfolgreich gen Westen und gen Osten zogen.
 
Videoeinspielung: Ausschnitt aus dem „Russlandlied“ der deutschen Wehrmacht
 
Und viele dieser Soldaten, das wissen wir spätestens seit der Reemtsma-Wehrmachts-Ausstellung, waren Kriegsverbrecher, haben gemordet, vergewaltigt, gebrandschatzt – solange, bis die Gerechtigkeit ihrem Treiben ein Ende setzte.
 
Videoeinspielung: Grabsucher finden sterbliche Überreste eines deutschen Soldaten
 
Für viele Gefallene bestand keine Möglichkeit, sie zur letzten Ruhe zu betten. Sie wurden irgendwie, irgendwo schnell verscharrt oder die gütige Natur überwucherte ihre sterblichen Überreste. Tausende deutscher Familien leben heute noch in Ungewissheit über das Schicksal ihrer Väter, Brüder, Söhne, die ihr Leben gaben, damit der Führer noch bis zum 30. April 1945 das Sterben organisieren konnte.
 
Aber es arbeiten Organisationen an der Suche nach menschlichen Schicksalen. Eine der wohl wichtigsten Organisationen ist der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“.
 
In Vorbereitung des Totensonntags, der in diesem Jahr auf den 22. November fällt, habe ich im Internet nach aktuellen Informationen gesucht und bin auf erstaunliche Dinge gestoßen.
 
Da gibt es einen Beitrag auf dem russischsprachigen Portal „Volgograd SM News“
 
Grafik: Titelgrafik – klicken Sie auf die Grafik um zum Originalartikel zu gelangen.
 
In diesem Beitrag wird geschildert, wie ein russischer Bürger zufällig über ausländische Medien im Jahre 1999 erfuhr, dass Deutsche einen Angehörigen suchen, der in der Sowjetunion gefallen war. Und wie der Zufall es so will, wusste der Russe, wo dieser deutsche Soldat begraben lag. Er wusste es deshalb, weil seine Familie in den Kriegsjahren ein besonderes Verhältnis zu diesem deutschen Soldaten hatte, der sich, im Unterschied zu vielen anderen deutschen Soldaten, sehr menschlich und kulturvoll gezeigt hatte. Es erfolgte ein unendlicher Briefwechsel mit der deutschen Botschaft in Moskau, mit anderen deutschen Einrichtungen, mit dem Volksbund. In Russland gibt es hierfür den Begriff: „Futbolili“, also man schoss ihn wie einen Fußball hin und her, in der Hoffnung, dass der Ball nicht ins Netz trifft. Lange Rede kurzer Sinn: der deutsche Soldat liegt heute immer noch in sumpfiger Erde am Rand eines kleinen russischen Dorfes im Gebiet Smolensk. Warum kümmert sich der Volksbund nicht um diesen Soldaten?
 
Grafik: Hier liegt ein deutscher Soldat – gefallen für Führer, Volk und Vaterland
 
Dafür kümmert sich der Volksbund aber um andere Soldaten, um Verräter und erweist ihnen die letzte Ehre.
 
Nein, es geht nicht um Oberst Stauffenberg und es geht auch nicht um Soldaten, die in sowjetischer Gefangenschaft dem Soldatenbund oder dem Bund deutscher Offiziere beigetreten sind. Es geht um sowjetische Verräter, die in großer Anzahl in der sogenannten Wlassow-Armee versuchten, ihre Haut zu retten und dabei ihr Vaterland, ihre Familie, verrieten.
 
Grafik: Kleine Auswahl von Namen sowjetischer Verräter in Nachbarschaft zu Namen deutscher Soldaten auf Gedenksteinen auf Soldatenfriedhöfen im Kaliningrader Gebiet
 
Und diesen Verrätern, willfährigen Handlangern der deutschen Faschisten, wird im Kaliningrader Gebiet, unter Verletzung von Verträgen, die zwischen Deutschland und Russland abgeschlossen worden sind, die letzte Ehre erwiesen, während andere deutsche Soldaten in modrigem Boden eines Dorfes bei Smolensk nicht zur Ruhe kommen.
 
So finden wir auf Memorialen Gedenksteinen eine Vielzahl von Namen, die eindeutig keine deutschen, sondern slawische Namen sind. Unter Missachtung von vertraglichen Vereinbarungen, hat somit der Volksbund hier Verrätern ein Denkmal gesetzt.
 
Videoscreen: Abkommen zwischen Deutschland und Russland zur Kriegsgräberfürsorge
 
1992 wurde zwischen Russland und Deutschland ein Vertrag über die Kriegsgräberbetreuung unterzeichnet. Die zur Verfügung stehenden Friedhöfe und Gedenkstätten wurden seitdem – so geht es aus mir vorliegenden Dokumenten hervor – wesentlich erweitert. Die Verantwortung für diese Territorien und all dem, was darauf geschieht, obliegt dem Volksbund – so wurde es vertraglich vereinbart.
 
Liest man sich dieses nicht allzu umfangreiche Abkommen durch, so stellt man fest, dass eine ganze Reihe von Fragen, die man eigentlich hätte in diesem Abkommen regeln müssen, nicht geregelt hat. Ginge es nach mir, müsste eine Formulierung aufgenommen werden, dass Kriegsverbrecher, Angehörige der SS, Angehörige von Sondereinsatzgruppen nicht in russischer Erde begraben werden dürfen. Sie sind zu exhumieren und nach Deutschland zu überführen – natürlich auf Kosten Deutschlands.
 
Sowjetische Verräter, die im Interesse Deutschlands gedient haben, werden von diesem Abkommen überhaupt nicht betroffen. Dieses Abkommen regelt nur das Schicksal deutscher Soldaten. Es wäre sicher gut, wenn man auch hier einen eindeutig formulierten Zusatz zum Abkommen finden würde, der diese Frage regelt. Und natürlich, so meine ich, sind die Namen der Verräter von den Gedenksteinen zu tilgen und wenn ihre Gebeine dort liegen, so sind sie zu exhumieren, der russischen Seite zu übergeben, damit diese entsprechend der russischen Gesetzgebung weiter verfahren kann.
 
Videobegleitung: Deutscher Generalkonsul bei Kranzniederlegung zum Totensonntag 2019
 
Mir persönlich ist unklar, warum man den wohl größten deutschen Soldatenfriedhof im Kaliningrader Gebiet ausgerechnet in Baltisk, dem ehemaligen deutschen Pillau geschaffen hat – eine äußerst sicherheitsempfindliche Zone, zu der Ausländer nur Zugang mit Sondergenehmigung erhalten.
 
In der jetzigen Zeit, mal abgesehen von den Einschränkungen der Corona-Virus-Lage, ein Umstand, der, meiner Meinung nach, unhaltbar ist: Wie kann man Ausländern den Zugang zu sicherheitsrelevanten Gebieten gestatten, damit diese mögliche Angehörige, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden, besuchen können? Aber vielleicht reisen diese Ausländer, deutsche Ausländer, auch mit anderen Zielen an?
 
Videobegleitung: Soldatenfriedhof in Kaliningrad, Newski-Straße
 
Auch für diesen Friedhof ist der Volksbund verantwortlich – eine deutsche Organisation, die sich offiziell humanitären Zielen verschrieben hat, diese aber wohl auf dem Gebiet der Russischen Föderation in sehr unterschiedlicher Qualität erfüllt. Aber vielleicht erfüllt diese deutsche Organisation, die in Russland den juristischen Status „Ausländischer Agent“ hat, auch noch andere Aufgaben? Wer kontrolliert diese Organisation bei ihrer Arbeit, die sie überall im Kaliningrader Gebiet, anscheinend entgegen den vertraglichen Vereinbarungen durchführt?
 
Die Kaliningrader Organisation der Kosaken informiert die Öffentlichkeit, dass sich diese deutsche Organisation in Kaliningrad, auch mit der Suche nach gefallenen Soldaten beschäftigt – was ausdrücklich in den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Deutschland und Russland nicht vorgesehen ist.
 
Wie man dem Beitrag des Portals „Volgograd SM News“ weiter entnehmen kann, zeigt die deutsche Organisation recht wenig Fingerspitzengefühl bei der Organisation und Durchführung ihrer humanitären Arbeit.
 
Ausgerechnet im 75. Jahr des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, plante diese Organisation in Kaliningrad mit 300 Gästen aus Deutschland die Umbettung von sterblichen Überresten deutscher Soldaten. Dem Anlass, nach deutschem Verständnis angepasst, sollten deutsche Militärs beiwohnen und in Kaliningrad sollten die Noten deutscher Militärmusik zu hören sein. Nur die Corona-Krise hat diese Pläne durchkreuzt – aber, wie die Kaliningrader Vereinigung der Kosaken kommentiert, sind die Pläne aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.
 
Videobegleitung: Deutsche Diplomaten und Militärattachès in Kaliningrad
 
Mir persönlich ist aufgefallen, dass sich seit dem Jahre 2014, dem Jahr des Beitritts der Krim zum Bestand der Russischen Föderation, deutsche Militärs zu offiziellen Anlässen nach Kaliningrad begeben und in den Jahren 2014 bis 2016 an Feierlichkeiten im Deutsch-Russischen-Haus teilgenommen haben – einer Einrichtung, die entsprechend einem deutsch-russischen Abkommen, keinerlei politische Tätigkeit ausüben darf. Deutschland wusste dies und hat bewusst diese Vereinbarung missachtet. Russland hat im Jahre 2017 das Haus geschlossen und in neue Verantwortung übergeben. Seit dem feiern deutsche Militärs, gemeinsam mit dem deutschen Generalkonsulat, den Tag der deutschen Einheit im Saal Königsberg des Hotels Radisson. Diplomaten, die sonst immer von Fingerspitzengefühl sprechen, provozieren hier seit Jahren die russische Gesellschaft.
 
Für die Entwicklung eines zukünftig besseren Verhältnisses zwischen Deutschland und Russland wäre es gut, wenn es keine Möglichkeiten mehr geben würde, dass Deutschland vertragliche Vereinbarungen in Kaliningrad verletzten kann.
 
Kaliningrad befindet sich in einer nicht ganz einfachen Situation. Einerseits ist es ein hochsensibles geopolitisches und militärisches Gebiet und man müsste eigentlich, unter Beachtung der aktuellen Situation, das Gebiet wieder schließen. Dem widerspricht aber die Planung, das Gebiet touristisch zu entwickeln – touristisch nicht nur für Reiselustige aus dem russischen Mutterland, die ein wenig historische Atmosphäre westlicher Kultur schnuppern wollen, sondern auch für westliche Touristen, die russisches Flair in Klein-Russland erleben wollen.
 
Eine Schließung des Gebietes wäre somit kontraproduktiv. Aber man sollte schon schauen, welchen staatlichen, halbstaatlichen und gesellschaftlichen ausländischen Organisationen und Personen man den Zutritt zum Kaliningrader Gebiet gewährt.
 
Und man sollte sich bei der Suche nach „Freunden“ und „Partnern“ nicht am Facebook-Sozialnetzwerk ein Beispiel nehmen. Lieber weniger Freunde und Partner(städte), dafür aber Echte. Die Städtepartnerschaften deutscher Städte mit dem Kaliningrader Gebiet sollten dringend auf Effektivität und Zweckmäßigkeit geprüft werden, um den in der Vergangenheit praktizierten Polittourismus einzustellen und somit beiderseits Steuergelder für wichtigere Maßnahmen zu verwenden.
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Kommentare ( 6 )

  • Gerald Hübner

    Veröffentlicht: 10. November 2020 12:17 pm

    Dachte bisher, dass die Kriegsgräberfürsorge (inkl. dem Volksbund) über die Rentenversicherungsbeiträge der AN finaziert wird. Werde eben auch alt, Ü65!!
    Viele Grüße aus Potsdam, die Sonne scheint zwar im Moment sehe ich die aber nicht!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. November 2020 12:22

      ... manchmal ist es so, dass die Sonne scheint und es trotzdem vor Ort eiskalt ist.

  • Jürgen Diekmann

    Veröffentlicht: 10. November 2020 13:19 pm

    Mein Vater war im 2. Welkrieg, anschließend in russischer Kriegsgefangenschaft. Er war in jungen Jahren ziemlich unpolitisch, wollte nicht Soldat sein, wollte einfach nur überleben - was ihm gelang. Ob die russischen Sodaten, die von deutscher Seite (zwangs-) rekrutiert wurden, sämtlich "Verräter" waren, möchte ich bezweifeln - ich jedenfalls würde diese Bezeichnung nicht wählen. Das waren alles junge Kerle, unbedarft und leicht zu beeinflussen. Ich weiss nicht, wie ich an deren Stelle gehandelt hätte!?
    Ich bin Ihrer Meinung, das Deutsche in Uniform eigentlich nichts in Kaliningrad zu suchen haben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das von offizieller Seite unterstützt/gefördert wird!? Die Gepflogenheiten eines Sodatenbegräbnisses sind hier vielleicht nicht angebracht!?
    Der Volksbund genießt, so meine (überholte?) Kenntnis, einen unpolitischen, Völker-Verständigenden- und Verbindenden Ruf, und sind, soweit ich weiss, größtenteils Spenden-finanziert und in Teilen ehrenamtlich!?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. November 2020 13:30

      ... alle Soldaten, egal wie alt sie sind, schwören einen Treueeid. Mit 18 Jahren ist man erwachsenen genug, um zu wissen, was man tut. Wer dann zum Feind überläuft, der ist ein Verräter - in allen Ländern dieser Welt - und wird i.d.R. mit standrechtlichem Erschießen bestraft - auch eine Regelung in allen Armeen dieser Welt. Es gibt hier keinerlei Entschuldigungsgründe.

      Ansonsten müssen die Diplomaten wissen, was sie tun und sie müssen dann auch mit den Konsequenzen leben, die ihr Tun womöglich hervorruft. Schau´n wir mal, wie Russland darüber denkt, denn noch stehen die Gegensanktionen gegen Deutschland aus ...

  • Jürgen Diekmann

    Veröffentlicht: 10. November 2020 17:09 pm

    ...na ja, ob man mit 18 Jahren erwachsen genug ist, um zu wissen was man tut, würde ich - bzgl. eines Militärdienstes - in Frage stellen. Der Treueeid einer Armee unterliegt auch einem gewissen "Gruppenzwang". Ob jeder, der daran teilnimmt (in einer Wehrpflichtigenarmee), es auch so meint, wie von der "Obrigkeit" gewünscht, möchte ich ebenfalls bezweifeln. In der Bundesrepublick war der Eid ("Gelöbnis") freiwillig. Aber auch hier war der Gruppenzwang so ausgeprägt, dass kaum einer sich dieser Veranstaltung entzog. Ich habe während meines Wehrdienstes dieses Gelöbnis verweigert. Die Konsequenzen waren für einen wehrpflichtigen Soldaten überschaubar und nicht unerträglich - dennoch kam es selten vor, es galt mind. als "verschroben" oder "nicht ganz richtig im Kopf". Nur weil es "Verräterregelungen" in allen Armeen dieser Welt gibt, heißt das nicht, dass sie immer richtig sind/sein müssen. Es ist und bleibt schließlich eine generelle Maßnahme/Drohung zur Unterbindung von Ungehorsam.

  • Peter Blechschmidt

    Veröffentlicht: 11. November 2020 21:03 pm

    Vielen Dank für diesen Beitrag in sachlichem Ton und offensichtlich gut recherchiertem Hintergrund. Wenn ich die Worte von S. Freud aus dem letzten Spielfilm "Der Traffikant" richtig behalten habe, dann ist es an der Zeit, eher Fragen zu stellen als nach Antworten zu suchen.
    Die Dominanz der Volksgräberfürsorge in Ostdeutschland bedeutet keineswegs eine Fortsetzung früherer Gedenk - und Erinnerungskultur. Ich denke z.B. an die Erinnerung an den "Verräter" Fritz Schmenkel, der dennoch bei vielen Menschen in der ehemaligen DDR einen bleibenden Platz hat- "Mutiger Feigling" bei der Befreiung besetzten Territoriums im Raum Smolensk.
    Danke für diese Sichtweise, die zum weiteren Nachdenken angeregt hat. Ich würde gern mehr über die Enklave über das sensible Gebiet Kaliningrad Калинингра́д erfahren. Bleiben Sie gesund.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 11. November 2020 21:29

      ... ich werde mir Mühe geben. Aber gegenwärtig in der fast kompletten Selbstisolierung wird es nicht ganz leicht ...

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    Veröffentlicht: 16. November 2020 00:01 pm

    Leider wurden zu allen Zeiten gefallene Soldaten für aktuelle politische Ziele missbraucht, Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass da gerade in Kaliningrad, aber auch ganz grundsätzlich, besondere Sensibiliät und Wachsamkeit gefragt sind.
    Wo ich jedoch nicht folgen kann, ist eine verallgemeinernde, wertende Herabstufung gefallener Soldaten als "Verräter". Kennen wir wirklich das möglicherweise sogar patriotische Motiv eines einzelnen Soldaten für seinen Seitenwechsel? Unterschätzen wir zudem nicht die Wirkung der seinerzeitigen Propaganda?
    Mehr verlieren als sein Leben kann ein Mensch nicht, stand er nun auf der richtigen oder falschen Seite. In der orthodoxen Kirche wird nicht ohne Grund das letzte Urteil über einen Toten Gott überlassen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. November 2020 00:34

      ... die Ansichten sind unterschiedlich. Ein Soldat, egal in welcher Armee er dient, hat einen Treueeid geschworen. Generell ist ein Soldat seinem Land verpflichtet. Kommt er diesen Verpflichtungen nicht nach und bricht auch noch seinen Eid, so sind die Gesetze - so glaube ich zumindest - im wesentlichen in allen Ländern gleich: Verräter und Verräter werden entehrt und erschossen. Wlassow-Soldaten waren häufig, sehr häufig, nicht nur Verräter, sondern auch Kriegsverbrecher und Russland wünscht keine Gräber auf seinem Territorium für Verräter. Dazu widerspricht die Beerdigung von Nicht-Deutschen den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Deutschland und Russland.

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    Veröffentlicht: 16. November 2020 06:39 pm

    Es lohnt sich nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts in besonderer Weise, beim Thema Hochverrat etwas tiefer nachzudenken.
    Es kann nämlich geradezu geboten sein, gegen jeden Treueid zu handeln. Wäre es nicht so, würden Sie der französischen, belgischen und luxemburgischen "Résistance" innerhalb der deutschen "Wehrmacht" ebenso den moralischen Boden entzwie dem deutschen "20. Juli 1944".
    Im Hinblick auf die Frage der Legitimität der roten und der weißen Armee nach 1917 hat dieses Thema auch innerhalb Russlands eine ganz herausragende Bedeutung.
    Obwohl jede Armee, insbesondere eine Wehrpflichtarmee, zur Aufrechterhaltung der Disziplin auf den Hochverratsparagraphen angewiesen ist, sind Sie vor diesem Hintergrund doch sicher auch der Meinung, dass der Vorwurf des Hochverrats nicht der letztverbindliche Maßstab dafür sein kann, wie man mit toten Soldaten umgeht. Eine dahingehende ausdrückliche Ergänzung der bestehenden zwischenstaatlichen Vereinbarungen wäre sogar ein Desiderat.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. November 2020 07:06

      ... nun, Russland hat seine eigene Meinung, wie eben alle anderen Länder auch ihre eigene Meinung haben. Ich bin z.B. überzeugt, dass, wenn die USA Snowden in die Hände bekommen würden, er entweder auf dem Elektrischen Stuhl landet oder lebenslänglich hinter Gittern ... seine Motive für den Verrat kann man aber auch als human bezeichnen ... aber ...

      Ansonsten musste ich erstmal bei Google nachschauen, was ein Desiderat ist - ein völlig neues Wort in meinem 66. Lebensjahr. Tja, man lernt nie aus. Und zustimmen tue ich Ihnen auch noch. Die Vereinbarung muss überarbeitet und ergänzt werden.

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