Die loyale Angela Merkel. Schade das sie geht.

Die loyale Angela Merkel. Schade das sie geht.
 
Immer häufiger höre ich in der letzten Zeit in Russland Worte des Bedauerns, dass Angela Merkel nicht mehr für das Amt der Bundeskanzlerin kandidiert. Viele meiner Gesprächspartner hören dann von mir erstaunt, dass Frau Merkel schon vor vielen Monaten erklärt hat, nicht mehr kandidieren zu wollen. Das ist schade, sie ist immer loyal zu Russland gewesen – meinen viele meiner Gesprächspartner.
 
 
Nicht wenige, die mich kennen, behaupten, ich kenne nur zwei Farben: Schwarz und Weiß – bezogen auf meine politischen Analysen. Ich will da nicht zu heftig widersprechen. Meine Kompromissbereitschaft im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland hat in den letzten Jahren ziemlich stark nachgelassen. Meine Meinung zu Deutschland und seinen politischen Entscheidungsträgern hat auch wesentlich kritischere, oder, um im Farbspektrum zu bleiben, eine wesentlich schwärzere Tönung erhalten. Hatte ich 2014 noch eine hellschwarze Meinung zur deutschen Politik gegenüber Russland, so ist meine heutige Meinung dunkelschwarz.
 
Und so ist es mehr als logisch, dass ich mit Erstaunen die Meinung, nicht weniger meiner russischen Landsleute, zur Kenntnis nehme, dass Frau Merkel ein loyales Verhältnis zu Russland hatte.
 
Wie kann man von Loyalität sprechen, wenn Frau Merkel den russischen vorbestraften kriminellen Extremisten Nawalny zu ihrem persönlichen Gast erklärt und diesen auch noch an seinem Krankenbett besucht – heimlich natürlich und die Welt nur durch eine Indiskretion davon erfährt. Das hat mit Loyalität wohl nichts mehr zu tun. Russland wurde direkt brüskiert.
 
Wenn ich mein Gedächtnis ein wenig strapaziere, finde ich vielleicht noch weitere Beispiele, wo man wohl nicht unbedingt von ausgeprägter Loyalität der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber Russland sprechen kann.
 
Und wenn ich so den Überlegungen meiner russischen Landsleute zum „ach so schrecklichen Schicksal Deutschlands ohne Frau Merkel“ zuhöre, kommt mir die Frage in den Sinn, ob denn auch die Deutschen es bedauern, wenn Putin irgendwann mal erklärt, nicht mehr kandidieren zu wollen.
 
Wolodin, der Vorsitzende der russischen Staatsduma, hatte einmal die Frage, wer nach Putin kommt, in seiner üblichen schlagfertigen Art, wie folgt beantwortet:
 
Videoeinspielung: Wolodin zum Putinnachfolger
 
Was würde wohl Wolfgang Schäuble sagen, wenn man ihn fragt, wer denn nach Frau Merkel kommt?
 
Nach Frau Merkel kommt Herr Merkel … äh, tschuldigung Herr Laschet.
 
Der „Deutschlandfunk kommentierte am 25. Juni wie folgt:
 
„Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet gilt im Grundsatz als treuer Merkel-Mann“
 
 
 
Mein Versprecher war also eigentlich gar kein richtiger Versprecher, sondern der Wahrheit ziemlich nahe.
 
Es wird sich also nichts ändern, wenn im Ergebnis der Bundestagswahl die CDU/CSU mit dem größten Stimmenanteil der Wähler als Sieger hervorgeht?
 
Mit Hilfe meines üblichen Schwarz-Weiß-Denkschemas argumentiere ich somit, dass alles getan werden muss, damit die CDU/CSU nicht gewinnt. Aber andere russische Mitbürger denken da ganz anders. Sie wollen die russland-loyale CDU sogar in einer besonders prominenten Position sehen.
 
Ich hatte da vor kurzem ein Gespräch, mit jemandem, der sich in der deutschen Politik und Parteienlandschaft auskennt. Ich weiß, dass er ein wenig mit der AfD liebäugelt. Um so mehr erstaunte es mich vor einigen Tagen, als er mir sagte, dass alles getan werden muss, damit die CDU/CSU nach Möglichkeit die absolute Mehrheit erhält.
 
Sie können sich vermutlich meine Sprachlosigkeit vorstellen, denn ich konnte mir seinen Sinneswandel nicht erklären.
 
Ich selber wäre auch der Letzte, der die CDU wählen würde – mal ganz davon abgesehen, dass mir das Wahlrecht in Deutschland im Jahre 2013 entzogen wurde – ungeachtet dessen, dass ich nach wie vor Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland und volljährig bin. Aber das soll heute nicht das Thema sein.
 
Ich persönlich bin der Ansicht, dass das Wahlergebnis in Deutschland bereits heute feststeht – glaubt man der Tendenz, die bei der Sonntagsfrage schon über viele Monate zu erkennen ist. Siegen werden CDU/CSU und die Grünen. Bleibt nur die Frage offen, ob die Grünen vielleicht sogar einen Stimmenanteil erringen, dass sie die Kanzlerin stellen. Ich kommentierte in meiner üblichen schwarz-weißen Denkweise, dass diese Konstellation die größte anzunehmende Katastrophe im Verhältnis zu Russland sein wird, denn ich kenne keine größeren russophoben Politiker, wie die, die in der grünen Partei versammelt sind.
 
 
Mein Gesprächspartner meinte, dass er derselben Meinung ist und gerade deshalb muss alles getan werden, damit die CDU/CSU die absolute Mehrheit erhält und auf die Grünen als Koalitionspartner verzichten kann.
 
 
Die absolute Mehrheit für eine Partei in Deutschland ist natürlich unreal, wie die Geschichte der Bundestagswahlen seit 1949 zeigt. Es gab nur einmal einen absoluten Wahlsieg – im Jahre 1952 erreichte die CDU 50,2 Prozent.
 
 
Aber vielleicht hat die FDP ja Glück und erringt die jetzt in der Sonntagsfrage angezeigten rund zehn Prozent, dann gäbe es nur noch eine Differenz von rund zehn Prozent, damit beide Parteien eine Koalition bilden könnten. Also sollten diejenigen, die sich nicht für die CDU entscheiden können, unbedingt die FDP wählen.
 
Dann wurde mir noch eine Frage gestellt … ehrlich, ich weiß gar nicht, warum mir so viele Fragen gestellt werden … dazu noch an den unterschiedlichsten Orten. Ich bin ja staatlich anerkannter unqualifizierter Wähler in der Bundesrepublik Deutschland. Ich lebe seit über 25 Jahren im Ausland und bin somit in die gesetzlich definierte Unfähigkeit abgerutscht, gesellschaftliche Prozesse in der amerikanischen Besatzungszone, liebevoll auch manchmal „sogenannte Bundesrepublik Deutschland“ genannt, einschätzen zu können und kann somit auch nicht qualifiziert wählen. Wenn ich trotzdem wählen will, so muss ich einen Antrag stellen, damit ein deutscher Beamter einschätzen kann, ob ich qualifiziert genug bin, um an die Wahlurne in der amerikanischen Besatzungszone gehen zu dürfen.
 
 
Ich bin damit den Menschen gleichgestellt, die am 19. Mai 2019, nach jahrelangem Kampf, das Recht zur Teilnahme an Wahlen, in Begleitung von Betreuungspersonen, gewonnen haben. Der Bundestag hatte an diesem Tag die Streichung des Absatzes aus dem Bundeswahlgesetz beschlossen, welcher bis dahin regelte, dass Menschen mit Betreuungspflicht nicht an Wahlen teilnehmen dürfen.
 
 
Ich werde mich natürlich nicht um eine Betreuungsperson kümmern, die mich zu den Wahlen in Deutschland begleitet. Ich werde mein Wahlrecht in der Russischen Föderation wahrnehmen.
 
Puh, ich schweife ja schon wieder vom eigentlichen Thema ab.
 
Es ging ja um die loyale Frau Merkel, deren Schicksal den russischen Bürgern wohl nicht gleichgültig ist. Ehrlich gesagt, hätte ich so viel Anteilnahme gar nicht erwartet, nach all dem, was in den letzten Jahren vorgefallen ist.
 
Also kommen wir noch zu der Frage zurück, die mir an den unterschiedlichsten Orten gestellt wurde. Ob ich denn wüsste, wo oder als was Frau Merkel nach ihrem Rücktritt als Kanzlerin arbeiten wird.
 
Schade, dass der Direkte Draht mit Präsident Putin erst am 30. Juni stattfand. So fehlte mir in der Vergangenheit immer eine schlagfertige Antwort auf die Frage, wo Angela Merkel nach Abgang in die Rente, arbeiten wird. Putin wurde während des Direkten Drahts nämlich auch gefragt, was er arbeiten wird, wenn er in Rente gegangen ist. Hören wir mal kurz rein, was er gesagt hat.
 
Videoeinspielung: Putin zu seiner Tätigkeit im Rentenalter
 
Nun sind Ofenheizungen in Deutschland doch schon recht selten geworden und die Möglichkeit, dass Angela Merkel Putin den Platz auf dem Petschka wegnimmt, somit relativ gering. Aber interessant wäre es schon zu wissen, was Frau Merkel denn ab Oktober machen wird. Sie meinte ja mal in einem Interview, dass sie sich erstmal ein wenig erholen wird … aber das glaubt ja sowieso keiner. Die Weichen sind schon längst gestellt, wir, die qualifizierten und unqualifizierten Wahlberechtigten, sehen nur nicht, welche Weichen gestellt worden sind.
 
Einen kleinen Tipp, was Frau Merkel zukünftig machen könnte, erhielt ich am vergangenen Sonntag, als der Präsident der Bundesrepublik Deutschland dem ZDF das Sommerinterview gab.
 
Videoeinspielung: Begrüßung des Bundespräsidenten
 
Es war nur ein nebenbei hingeworfener Satz, der mich aufhorchen ließ:
 
Videoeinspielung: Weibliche Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten
 
Und ich dachte mir, wie passend doch das Ganze zeitlich zusammenpasst. Von Oktober bis Februar ist genau die Zeit, die Frau Merkel in Urlaub gehen kann – es hat sich sicherlich jede Menge ungenutzter  Urlaubstage in den letzten Jahren angesammelt, um dann mit frischer Kraft das Amt der Bundespräsidentin anzutreten. Rein optisch ist es sogar noch eine Beförderung.
 
Dann bin ich aber doch etwas nachdenklich geworden, als der Bundespräsident davon sprach, dass es in dem so ordentlichen, demokratischen, menschenrechtlichen Deutschland Schlamm gibt, sogar regelrechte Schlammschlachten sagte er voraus:
 
Videoeinspielung: Schlammschlachten in Deutschland
 
Und ich stelle mir die Frage, ob sich Frau Merkel so etwas denn noch antun muss. Soll sie doch lieber Herrn Steinmeier eine zweite Amtszeit gönnen.
 
Trotzdem ist es natürlich schade, dass Frau Merkel die Regierungsverantwortung für die amerikanische Besatzungszone jemand anderem überlässt,  denn mit Frau Merkel wussten wir, was wir in Russland hatten. Genauso, wie die Deutschen in Deutschland wissen, was sie an Herrn Putin haben.
 
Mit Herrn Merkel … verdammt nochmal … äh, mit Herrn Laschet wissen wir das noch nicht so richtig. Hoffentlich sind die Deutschen auch zufrieden, dass Putin noch Präsident ist und wünschen sich, dass er 2024 nochmal antritt, denn was man hat, hat man in Deutschland, was man nach Putin bekommt, weiß man nicht.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Jan Heller

    Veröffentlicht: 9. Juli 2021 22:36 pm

    Es gibt so einen Spruch, der besagt:Pfarrers Kinder und Müllers Vieh gedeihen nie. Es kann auch bedeuten, dass manche Stämme nicht in die Richtung wachsen, in die sie gebunden wurden.
    Was ich damit ausdrücken möchte, das überlasse ich der Interpretationsgabe eines jeden Einzelnen, der das liest.
    Natürlich, um es nicht zu kryptisch zu machen, besteht ein gewisser Zusammenhang zum Beitrag.
    Bewundernswert finde ich allerdings auch die Einschätzung aus dem Ausland zur deutschen Staatsführung.
    Je mehr der Bär getreten wird um so größer wird die sentimentale Schwäche zum Stiefel, der ihn tritt.
    Oder wollte ich Knobelbecher dazu schreiben. Auch das überlasse ich der Interpretation.

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