Die unschuldige Stadt Königsberg

Die unschuldige Stadt Königsberg

 

Im August 1944 wurde die Stadt Königsberg im Ergebnis zweier Bombenangriffe zu einem großen Teil zerstört. Zerstört wurde durch die Briten und Amerikaner das Stadtzentrum. Nicht zerstört worden militärische Einrichtungen. Die Bevölkerung sollte terrorisiert werden mit dem Ziel, das Hitlerregime zu stürzen.

Mehr als 600 britische und amerikanische Flugzeuge warfen über Königsberg Ende August 1944 500 Tonnen Bomben ab. Es gab rund 4.000 Todesopfer. Die Stadt hatte damals 384.000 Einwohner.

Videoeinspielung

Da während der beiden Angriffe keinerlei militärische Ziele vernichtet worden sind, kann man sicherlich nach dem Sinn dieser Angriffe fragen. Der Sinn ist einfach, denn er wurde von den Briten offiziell genannt: Man wollte die Bevölkerung terrorisieren, demoralisieren und zum Widerstand gegen Hitler und somit zur Beendigung des Krieges treiben. Die Briten haben mit Königsberg in zwei Nächten das gemacht, was Nazideutschland in vielen Nächten mit London gemacht hat – allerdings nicht mit Flugzeugen, sondern mit V1- und V2-Raketen.

Nun ist es natürlich das Recht der Deutschen, dieser Opfer zu gedenken. Es sind deutsche Opfer, es war eine deutsche Stadt. Und es gibt heute Nachkommen dieser Bürger Königsbergs, die sich ihrer Verwandten erinnern, ihrer gedenken möchten.

Bei der Organisation von Gedenkveranstaltungen, insbesondere dieser Art, sollte man besondere Sorgfalt an den Tag legen, denn die Befindlichkeiten aller sind groß und es reicht manchmal ein einziges Wort, ein einziger Satz, um die gesellschaftlichen Wellen hochschlagen zu lassen.

So geschehen in Kaliningrad.

Videoeinspielung

Hier wurde über mehrere Tage, angekündigt über großformatige Plakate, der „unschuldigen Stadt Königsberg“ gedacht. Der Slogan lautete: „Die Stadt ist nicht schuldig. Den Opfern der Bombardierungen vom 26-30. August 1944“.

Dem Werbeplakat ist auch zu entnehmen, dass die Gedenkveranstaltung nicht durch deutsche Bürger, deutsche Organisationen oder Einrichtungen organisiert wurde. Nein, Organisatoren waren hochgestellte russische staatliche Einrichtungen: das Ministerium für Kultur der Russischen Föderation und die Kaliningrader Gebietsregierung.

Und diese beiden hochgestellten russischen Einrichtungen meinten, dass die Stadt Königsberg unschuldig war.

Setzen wir diese Gedanken fort.

Eine Stadt besteht aus Menschen. Also sind die Menschen, die Bürger Königsbergs unschuldig.

Es wurde nicht nur Königsberg, sondern auch Hamburg, Dresden, Magdeburg und viele andere deutsche Städte durch die Briten und Amerikaner in Schutt und Asche gelegt. Somit ist es nur gerecht zu behaupten, dass auch alle diese Städte mit ihren Bürgern unschuldig sind.

Wenn aber alle zerstörten deutschen Städte mit ihren Bürgern unschuldig sind – wer ist denn dann schuld?

Die deutschen Soldaten?

Nein, auch die sind nicht schuld. Denn der damals 17jährige russische Schulbub Kolja aus Urengoi bedauerte bei seinem Auftritt vor dem deutschen Bundestag vor wenigen Jahren die unschuldigen deutschen Soldaten, die in der Sowjetunion ihr Leben ließen und löste damit in Russland eine selten so scharf erlebte emotionale Protestwelle aus.

Videoeinspielung

Ja, wer ist denn dann Schuld? Natürlich Hitler, vielleicht auch noch Goebbels und Göring. Aber nicht Deutschland, nicht das deutsche Volk und schon gar nicht Königsberg. Natürlich hat in Deutschland niemand gewusst, was für Mörder diese Hitlers und Görings und Goebbels waren. Niemand, wirklich niemand hat das gewusst, was in den Konzentrationslagern und in den überfallenen Ländern vor sich ging. Nur alle Deutschen wissen heute bis ins letzte Detail die Greueltaten, die die Russen an der deutschen Zivilbevölkerung begangen haben. Was die Deutschen den Sowjets angetan haben – nein, davon hat man nichts gewusst.

Aber kehren wir zur unschuldigen Stadt Königsberg zurück. Russische staatliche Stellen meinen zumindest, dass diese Stadt unschuldig ist. Eine interessante Entwicklung der gedanklichen Überlegungen in einem Land, welches 27 Millionen Menschen durch das unschuldige Deutschland verloren hat.

Im Jahre 1943 stellte Goebbels den Deutschen die Frage: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Videoeinspielung

Und die unschuldigen Königsberger, Hamburger, Dresdner, Magdeburger brüllten:

Videoeinspielung

Und die unschuldigen Königsberger, Hamburger, Dresdner, Magdeburger bekamen den totalen Krieg, so total, wie ihn Goebbels vorgeschlagen hat.

Warum also ist Königsberg unschuldig?

Diese Frage richte ich nicht an Deutsche, sondern an die russischen Verantwortlichen, die sich den Slogan für die Gedenkfeier in der russischen Stadt Kaliningrad haben einfallen lassen.

Reklame

Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 31. August 2019 19:44 pm

    "Eine Stadt besteht aus Menschen. Also sind die Menschen, die Bürger Königsbergs unschuldig."

    Die sind genauso "unschuldig", wie die aus anderen deutschen Städten, die die NSDAP gewählt haben, mit Freude an den Überfällen auf die europäischen Nachbarländer teilnahmen und für die der Krieg nichts Grausames mehr hatte, wenn sie nicht selbst durch Partisanenaktionen betroffen waren. Dann waren - natürlich - die Vergeltungsaktionen mit der Ermordung von unbeteiligten Zivilisten durch deutsche Wehrmacht, SS und Polizeieinheiten gerechtfertigt, oder?
    Und dann wurde der Blitzkrieg "Barbarossa" nicht das, was er sein sollte. Gab es denn in Königsberg und Umgebung keine Militäreinheiten, die dann am 22. Juni über die UdSSR herfielen? Waren da keine deutschen Soldaten dabei, die in Königsberg zu Hause waren?
    Wurde Königsberg nicht zur deutschen Festung gegen den Bolschewismus erklärt? Waren da nicht noch deutsche Zivilisten in dieser Festung faktisch Geiseln?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. August 2019 19:47

      ... es gab sogar Konzentrationslager und jede Menge sowjetischer Zwangsarbeiter die in Königsberger Firmen für die unschuldigen Königsberger arbeiten durften.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung