Eine fast perfekte Entscheidung der russischen Regierung

Eine fast perfekte Entscheidung der russischen Regierung

 

Der russische Premierminister Michael Mischustin hat die Regionen des Landes aufgerufen, dem Beispiel der Stadt Moskau zur vollständigen Selbstisolierung zu folgen. Um dem Nachdruck zu verleihen, wurde ein entsprechender Erlass der Zentralregierung veröffentlicht.

 

 

Die neuen Festlegungen gestatten das Verlassen der Wohnung von Personen, egal welchen Alters, nur in absoluten Ausnahmefällen. Zu diesen Ausnahmefällen gehören medizinische Notfälle oder der Einkauf von Lebensmitteln. Weiterhin ist es möglich zur Arbeit zu fahren, wenn die Firma oder Einrichtung die Genehmigung zur Arbeit hat.

Die Kaliningrader Verantwortlichen haben umgehend beschlossen, das System der vollständigen Selbstisolierung ab 31. März in Kaliningrad umzusetzen. Darüber informierte der Kaliningrader Gouverneur nach einer operativen Beratung am Montag.

Der Gouverneur ergänzte, dass man, außer den genannten Fällen, auch noch seinen Hund Gassi führen darf. Einschränkungen in der Nutzung des Privatfahrzeuges wird es nicht geben.

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Das, so finde ich, ist ein bedauerlicher Kompromiss. Wenn eine vollständige Selbstisolierung, mit den o.g. Ausnahmen umgesetzt wird, so braucht man sein Privatfahrzeug nicht, denn um zum Arzt zu gelangen, gibt es Taxi oder den Nahverkehr oder den Hausbesuch. Und um Lebensmittel einzukaufen, kann man auch mal ein paar Meter zu Fuß laufen. Jede Erschwernis bei der Bewegung außerhalb der Wohnung hilft, die verordnete vollständige Selbstisolierung wirklich effektiv umzusetzen. Eine Einschränkung der Arbeit der Tankstellen wäre hier ein hilfreicher weiterer Schritt, der ganz bestimmt hilft, die Situation noch besser zu beherrschen.

Anscheinend haben die Kaliningrader schon begonnen, nach dem Aufruf des Gouverneurs vom Wochenende, die Situation ernster zu nehmen, denn die Kameras im System der Stadtsicherheit, die an zentralen Verkehrsschwerpunkten installiert sind, zeigen weitestgehend leere Straßen – aber eben nur weitestgehend. Vergessen wir dabei nicht, dass die vollständige Selbstisolierung erst heute Nacht um Null Uhr in Kraft tritt. Es wird also interessant sein, am Dienstag nochmals auf die Dienstleistungen dieser Kameras zuzugreifen.

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Selbst diejenigen, die Lebensmittel benötigen, müssen hierfür nicht unbedingt auf die Straße mit der Gefahr, sich dort oder im Supermarkt zu infizieren. Ein kurzes Monitoring des Internets durch Kaliningrad-Domizil zeigte, dass es ausreichende Liefersysteme gibt, ausreichend elektronische Supermärkte, die alles ins Haus bringen, was der Mensch braucht. Für genau diese Lieferdienste und für die Taxis sollte es noch eine Tankstelle geben.

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Weiterhin berät man in der Gebietsregierung die Notwendigkeit der Ausstellung von Sonderausweisen für das Betreten der Straße. Moskau berät hierzu nicht mehr, Moskau hat dies bereits, allerdings nach einwöchiger Beratung, beschlossen. Der Gouverneur meinte, dass er kein großer Freund solcher Ausweise ist.

Persönlich bin ich der Ansicht, dass man die strengsten Vorschriften und strengsten Maßnahmen einleiten sollte, um die Selbstisolierung durchzusetzen. Jede Einschränkung, jedes Verbot hilft Infizierungen zu vermeiden. Eigentlich befindet sich das Land im Krieg – nur mit dem Unterschied, dass dieser Krieg recht bequeme Opfer von einer vernünftigen Bevölkerung fordert – was ist das schon für ein Opfer, zu Hause zu sitzen, dafür Gehalt zu bekommen, Fernsehen zu schauen oder mit dem Internet zu kommunizieren und zu jeder Zeit schlafen zu können. Andere Menschen haben vor vielen Jahren ganz andere Opfer bringen müssen.  

Und so ist es natürlich auch angenehm zu sehen, wie es verantwortungsbewusste Kaliningrader, ganz junge Kaliningrader gibt, die ihre Mitbürger auffordern, zu Hause zu bleiben. Das übergroße Plakat an einem Kaliningrader Wohnhaus wurde von einem 14jährigen Jungen angebracht.

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. April 2020 03:51 pm

    "Notwendigkeit der Ausstellung von Sonderausweisen für das Betreten der Straße."
    Стой ! Контроль. Пропуск есть? Есть!
    "Wenn eine vollständige Selbstisolierung, mit den o.g. Ausnahmen umgesetzt wird, so braucht man sein Privatfahrzeug nicht, ..."
    So erwas kann nur jemand schreiben, der dort wohnt, wo er alles um die Ecke hat und nur für sich selbst allein zu sorgen hat und ansonsten wohl einen vollen Vorratskeller für schlechte Zeiten sein eigen nennt.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. April 2020 05:27

      ... die Alternative wäre sich zu infizieren und möglicherweise zu sterben. Jeder kann also wählen, was für ihn das Beste ist.

      Ich komme seit 65 Jahren ohne Fahrzeug aus - es klappt ausgezeichnet.

      Einen gut gefüllten Keller habe ich nicht, Aber ich habe eine Reihe von elektronischen Adressen für einen Supermarkt-Lieferservice.

      Es funktioniert alles in Kaliningrad so, dass man nicht aus dem Haus braucht.

      Und in Moskau gibt es bereits diese Ausweise. Sie werden bald in ganz Russland kommen, spätestens dann, wenn die Ausgangssperre verhängt wird ... und diese wird verhängt - sie wird deshalb verhängt, weil die Menschen unvernünftig sind.

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