Kaliningrad bereitet Rückübergabe an Königsberg vor

Kaliningrad bereitet Rückübergabe an Königsberg vor

 

Es ist noch nicht allzu lange her, da begegnete ich einer älteren Dame aus Deutschland. Sie sei nach Königsberg gekommen, um einen Grundbuchauszug zu erhalten, denn bevor sie stirbt, möchte sie im Interesse ihres Enkels die Eigentumsverhältnisse regeln. So erklärte sie mir in einem bekannten Kaliningrader Restaurant ihre Reise im fortgeschrittenen Alter in das zeitweilig von den Russen verwaltete Königsberg.

Und derartige Gespräche sind nicht selten, insbesondere, wenn man sich in sozialen Netzwerken bewegt, wo in bestimmten Gruppen der Revanchismus und die Lust, „Heim ins Reich“ zu reisen, aus jeder dort geschriebenen Zeile herausgeschrien wird.

Es gibt also eine ganze Reihe von Deutschen, die meinen, dass zu Fragen des deutschen Ostens und somit auch zu Eigentumsfragen, noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Und man kann diesen Deutschen gar nicht mal so richtig widersprechen, denn die jüngste Geschichte Großdeutschlands, äh … Entschuldigung, ich meine natürlich des großen Deutschlands, also des wiedervereinten Deutschlands, zeigt, dass, wenn es geopolitische Veränderungen gibt, auch die Eigentumsfragen wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Seit 1944 haben Deutsche Königsberg und das dazugehörige Gebiet verlassen, sind zwangsevakuiert worden, sind geflüchtet oder haben den Befehl Stalins zum Verlassen der Sowjetunion erfüllt. Viele davon hatten Eigentum, Immobilien. Diejenigen, die in den Westen Deutschlands gingen, erhielten auf Antrag eine Entschädigung für die Folgen der deutschen Politik, jedoch keine Entschädigung für wirkliche materielle Verluste. Die Deutschen im Osten gingen leer aus.

Aber es gab auch Enteignungen im Osten Deutschlands, also in der sowjetischen Besatzungszone. Und als sich die DDR als nicht lebensfähig erwies, wurden nicht wenige ehemalige ostzonale Bewohner wieder sehr lebendig und forderten ihr Eigentum zurück. Es sollen sich dramatische Dinge auf dem Gebiet der gestorbenen DDR abgespielt haben, bis das Europäische Gericht für Menschenrechte ein Urteil fällte, welches Rückübertragungen nicht mehr in den wildesten Formen zuließ.

Und so ist es nur logisch, das Oma Martha oder auch Opa Kurt nach Königsberg reisen, um im Zuge der Übergabe der zwangsverwalteten Gebiete, schon mal rechtzeitig sich um die Klärung der Eigentumsverhältnisse zu kümmern.

Und bei der Klärung dieser Eigentumsverhältnisse aus vergangenen braunen Zeiten, helfen die heutigen temporären Bewohner der deutschen Ostgebiete aktiv mit.

Nach 1946 erhielten alle Straßen und Plätze der Stadt, die sich nun Kaliningrad nannte, neue Namen, russische Namen, die man kaum aussprechen konnte, geschweige denn verstand. Da gibt es solche Straßen wie die Serschantskaja oder Bratskaja. Auch eine Kolchosstraße gibt es – was für eine demütigende Bezeichnung, im Vergleich zur deutschen „Großkomturstraße.“

Aber es gibt Kaliningrader, die helfen den Deutschen, sich in Königsberg, der vielleicht zukünftigen Hauptstadt der „Königsberger Volksrepublik“ wieder zurechtzufinden. Denn Sie haben die russischen Straßenschilder demontiert und an ihren mehr oder weniger schmucken Häusern die altdeutschen Bezeichnungen angebracht.

Das hilft dann z.B. Herrn Hopp, von Beruf Mechanikermeister, sein Haus in der Serschantskaja 15 schneller wiederzufinden, denn die Bewohner haben das deutsche Straßenschild „Sarkauer Straße 15“ angebracht. Wie werden wohl diese Kaliningrader Germanisatoren reagieren, wenn Herr Hopp oder dessen Erben an die Tür klopfen und fordern: „Raus aus meinem Haus?“

 


Foto: Sarkauer Straße 15, Besitzer Herr Hopp, Hauptmechaniker


Auch die Bewohner des Hauses in der ul. Bratskoi 5 machen es den eigentlichen Besitzern einfach, ihr Alteigentum wieder in Besitz zu nehmen, denn Stadtmedizinalrat, Doktor der Medizin Ernst Friedrich Seeger wird sich ganz genau erinnern, dass sein Haus im Rossittener Weg 5 gestanden hat und die Kaliningrader Bewohner des Hauses haben jetzt alle Grundlagen für einen schnellen Auszug aus diesem deutschen Besitz geschaffen, auch wenn der deutsche Medizinmann human ist: 48 Stunden und 20 Kilo Gepäck.

 

Foto: Rossittener Weg 5, Besitzer Stadtmedizinalrat Ernst Friedrich Seeger


Auch die Bewohner des Hauses in der ul. Schkalowa 33-A helfen dem altdeutschen Besitzer, sein Eigentum wieder schneller in Besitz zu nehmen. Hier gestaltet sich allerdings die Situation etwas komplizierter, denn diese Adresse gab es nicht in Königsberg.

 

Foto: Neubau in der Zeppelin Straße 29, der heutigen Schkalowa 33-A.
 

Ein Blick in alte Karten zeigt, dass hier mal eine Ziegelei, mit der Adresse Zeppeliner Straße 29 stand. Die hat man abgerissen und darauf ein neues Haus gebaut. Da wird wohl der jetzige deutschbegeisterte Besitzer des Hauses nicht nur dieses räumen müssen, sondern auch noch eine Entschädigung für den Abriss der Ziegelei, also der Vernichtung der Erwerbsexistenz der Besitzer der Ziegelei, zahlen müssen.

 

 

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird wohl über Mangel an Klagen nicht klagen können, wenn die „Königsberger Volksrepublik“ erst wieder entstanden ist und Oma Martha und Opa Kurt das Gericht mit Rückübertragungsklagen überschwemmen.

Dann gibt es noch ein Neubauviertel in Kaliningrad, unweit der Kant-Universität in der Newski-Straße. Hier handelt es sich um eine Siedlung mit Einfamilienhäusern, alle neu gebaut. Die Straßen erhielten alle europäische Namen: Berliner Straße, Römische Straße, Prager Straße, Wiener Straße usw. usf. Hier wohnten der exGouverneur Zukanow, der ExBürgermeister Jaroschuk und viele andere bekannte Persönlichkeiten der Stadt, die sie nach Auffassung nicht weniger Deutscher, nur temporär verwalteten.

 

Foto: Europaviertel auf dem Gelände der ehemaligen Trabrennbahn in Königsberg


Und deren Häuser stehen alle auf einem Grundstück, auf dem sich zu Königsberger Zeiten die Pferderennbahn befand. Besitzer der Pferderennbahn war der „Verein für Pferderennen und Pferdeausstellungen in Preußen“, gegründet im Jahre 1835. Dieser Verein existiert heute noch und die Mitglieder dieses Vereins reisten in den Jahren 2003 und 2007 nach Ostpreußen … ja, ja, Sie hören richtig, sie reisten nach Ostpreußen – so schreibt man es in Wikipedia.

 

Foto: Deutsche Hoffnung auf ein Ostpreußen im Bestand der Europäischen Union

 

Und da ist zu lesen, dass man hofft, dass, wenn irgendwann mal Ostpreußen Bestandteil der Europäischen Union ist, Pferdeleute an alte Traditionen wieder anknüpfen. Also mit anderen Worten: Die Pferderennbahn wird wieder aufgebaut, aber vorher werden die Villen der deutsch- und europafreundlichen Eliten der Stadt Kaliningrad abgerissen.

 

Foto: Königsberger Kartenauszug mit der Trabrennbahn. Heute elitäres Wohngebiet.

 

Belassen wir es bei diesen wenigen Beispielen. Diejenigen, die den Beitrag in unserer Video-Mediathek bei YouTube anschauen, werden sehen, dass es unzählige weitere deutschfreundliche Kaliningrader gibt, die ihre Häuser bereits germanisiert haben und somit eine leichtere Übergabe Kaliningrads an Königsberg vorbereiten.

Ein Blick in das Königsberger Adressbuch aus dem Jahre 1941, frei zugänglich im Internet, hilft den Kaliningradern schon heute zu erfahren, welche Altbesitzer an ihre Tür klopfen könnten, um ihren Besitz wieder in Besitz zu nehmen. Voraussetzung ist natürlich, dass die Kaliningrader Germanisatoren die deutsche Sprache verstehen und Sütterlin-Schrift lesen können.

 

Foto: Einwohnerbuch 1941 Königsberg
 
Aus dem Königsberger Adressbuch ist z.B. ersichtlich, dass ein Herr Hitler, ein Herr Göring, Goebbels, Koch, Funk und eine gewisse Frau Miegel EhrenbürgerInnen der Stadt waren. Aber niemand von diesen ehrenwerten Bürgern besaß Immobilieneigentum in Königsberg. Somit ist klar, dass kein Kaliningrader mit diesen Ehrenbürgern ins Gespräch kommen wird, um sein fremdgenutztes Eigentum an diese zu übergeben.

Für all diejenigen, die sich den Germanisatoren des russischen Kaliningrads nicht anschließen wollen und an deren Türen irgendwann mal Oma Martha oder Opa Kurt klopfen, empfehle ich die typisch russische Antwort zu geben:

 

„Wer sind Sie überhaupt? Ich habe Sie nicht gerufen. Scheren Sie sich zum Teufel?“

Also fassen wir mal optimistisch zusammen:

Wir gehen davon aus, dass der amerikanische Kommandierende General der Luftstreitkräfte in Europa nicht, so wie er es angekündigt hat, Kaliningrad vernichten wird und somit im Falle der Fälle, die Stadt mit Hilfe der russischen Germanisatoren, unversehrt in die Obhut der Altbesitzer zurückkehrt. Für diejenigen, die heute schon ihre Häuser germanisieren, wird es vielleicht einen kleinen Zeitaufschub von 48 Stunden geben, bis sie das Haus räumen und mit 20 Kilo Gepäck nach Sibirien auszureisen haben. Für alle anderen müssen vielleicht 12 Stunden ausreichen. Warum soll es den Russen besser gehen als den armen Deutschen im Jahre 1946.

Entschuldigung für meinen Sarkasmus.

Tschüss und Poka aus Kaliningrad.

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