Kaliningrad kurz vor dem befürchteten Isolierungs-GAU?

Kaliningrad kurz vor dem befürchteten Isolierungs-GAU?
 
Die 39. Region der Russischen Föderation, international auch als Kaliningrader Gebiet bekannt, gerne aber auch von Konservativen und geschichtlich nicht aktuell Gebildeten, als Königsberg oder Ostpreußen bezeichnet, muss real den Isolations-GAU befürchten. Damit tritt das ein, worauf sich das Gebiet intensiv seit dem Jahre 2014 vorbereitet.
 
 
Befürchtet werden muss, dass die Vorbereitung auf den Isolations-GAU seitens Russlands noch nicht abgeschlossen ist und Kaliningrad somit treffen wird.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Die Kaliningrader sind es gewohnt, dass seitens des nördlichen und südlichen Nachbarn, der NATO-Mitgliedsländer Litauen und Polen, von Zeit zu Zeit an die Möglichkeit einer Blockade des Kaliningrader Gebietes erinnert wird.
 
Karte: Lage des Kaliningrader Gebiet
 
Vielversprechend war bis 2014 die Lebensmittelblockade, denn die Kaliningrader Landwirtschaft produzierte wenig und die Bevölkerung lebte von Importen, insbesondere aus Polen. In der Zwischenzeit besteht diese Gefahr nicht mehr, denn Kaliningrad hat aufgeholt und versorgt sich mit Lebensmitteln weitestgehend selber.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Tote Seelen“
 
Das, was nicht selber produziert wird, kommt aus dem russischen Mutterland. Hilfreich bei dieser außerordentlich guten Entwicklung waren die landwirtschaftlichen Sanktionen, die Russland im Jahre 2014 gegen westliche Staaten verhängt hatte.
 
Vielversprechend waren auch die Drohungen mit einer Energieblockade. Wir erinnern uns, dass die Produktion von Strom in Kaliningrad nicht ausreichte und lange Jahre der Strom für Neubauten nach strengsten Normen rationiert wurde.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker
 
Auch der existierende Stromverbund BRELL, also ein Energiezusammenschluss der baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen gemeinsam mit Belarus und Russland half nicht.
 
Karte: Energieverbund BRELL
 
Es half schon deshalb nicht, weil die baltischen Staaten erklärten, dass sie aus diesem Verbund aussteigen wollen und dann wäre Kaliningrad komplett isoliert. Der Vorschlag, dass sich Kaliningrad an das europäische Stromverbundnetz anschließen kann, wurde natürlich seitens Russlands niemals ernsthaft in Erwägung gezogen.
 
Videoeinspielung: Zitat russischer Präsident Wladimir Putin
 
Russland hat schnell reagiert und nach 2014 mit einem sehr großen Investitionsaufwand die Energieerzeuger-Infrastruktur auf modernsten Stand gebracht. Die letzten Teste in diesem Jahr zeigten, dass man im Bedarfsfall sofort auf Eigenversorgung umschalten kann. Kaliningrad kann soviel Strom erzeugen, dass man es sogar noch den Nachbarn zum Kauf anbieten kann.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Oktober“
 
Es könnte durchaus sein, dass in Litauen ein Bedarf entsteht, denn das neue westliche System scheint noch nicht zu funktionieren. Die Russen waren somit mal wieder schneller.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker
 
Bleibt somit noch eine Möglichkeit – die Transportblockade.
 
Während das russische Mutterland schon sehr viel getan hat und gegenwärtig dabei ist, den Schlusspunkt zu setzen, um keinerlei Warenflüsse mehr über die baltischen Staaten zu leiten, sieht es mit der Transportunabhängigkeit des Kaliningrader Gebietes nicht so gut aus. Wer aus dem Kaliningrader Gebiet ausreisen will, irgendwohin, egal ob nach Westen oder in das russische Mutterland nach Osten, muss, ob er will oder nicht, entweder durch Polen oder durch Litauen durch und durchquert danach Belarus.
 
Karte: Transitverbindung des Kaliningrader Gebietes mit russischem Mutterland
 
Natürlich gibt es alternativ die Flugverbindung. Hier hat sich einiges getan. Der Kaliningrader Airport hat sich zu einem modernen Regionalflughafen entwickelt, mit einer Start- und Landebahn, welche es gestattet, dass selbst der größte Lufttransporter der Welt hier landen könnte.
 
Grafik: Passagieraufkommen des Kaliningrader Airports
 
Gut zu wissen, denn im Falle einer Landblockade, bleibt die alternative Berliner Luftbrücke … oi, Entschuldigung, ich meine natürlich der Kaliningrader Luftkorridor, als Versorgungsmöglichkeit für Material und den Personentransport.
 
Es gibt aber auch den Seeweg. Mir persönlich scheint diese Variante als sehr perspektivisch.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Besonderheiten des nationalen Fischfangs“
 
Warum man in Russland nicht mit überproportionalem Druck an dieser Variante arbeitet, ist mir nicht ganz verständlich. Die Gefahr der Transportblockade haben alle seit Jahren real vor Augen, aber die Lösung, an der jetzt gearbeitet wird, scheint mir nicht ideal zu sein.
 
Zwei moderne Fähren werden gebaut – eine in der Türkei und eine in St. Petersburg. Bis 2022 sollen beide den Fährbetrieb aufnehmen. Gleichzeitig werden die bisherigen, alten Fähren, aus dem Verkehr gezogen. Defacto ändert sich somit an der Transportkapazität relativ wenig. Schwach ist mir in Erinnerung, dass ursprünglich einmal vier, ja sogar sechs Fähren geplant waren. Tja, das wäre die TOP-Lösung.
 
Aber vielleicht hat man auch die Hoffnung, wenn es zur Transportblockade kommt, dass die Ostseeflotte über genügend schwimmendes Material verfügt, um nicht nur die Sicherheit des Kaliningrader Gebietes zu gewährleisten, sondern auch die Versorgung.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Und, erwähnen wir noch ganz kurz die Möglichkeit des Eisenbahntransports, der im Transit über litauisches Gebiet, weiter über belarussisches Gebiet nach Moskau und St. Petersburg erfolgt.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Der Idiot“
 
Die Personenzüge verkehren regelmäßig, Güterzüge natürlich ebenfalls. Russland kann hier, zum Ausbau dieser Transportmöglichkeit gar nichts machen, denn jede Transportstrecke ist nur so schnell, wie seine schwächste Stelle. Litauen wird kaum einem Ausbau zustimmen und selbst wenn, besteht immer die Gefahr der Eisenbahnblockade.
 
Soweit zu meiner sehr langen Vorrede. Warum geht es denn eigentlich und wieso spreche ich von einem bevorstehenden Transport-GAU?
 
Es geht um Belarus und die etwas widersprüchlichen Erklärungen des belarussischen Präsidenten Lukaschenko zur Lage im Land. Er erklärte am Donnerstag, dass er die Grenzen zu Polen und Litauen schließen werde, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Armeeeinheiten wurden in die Nähe der Grenze verlegt.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Oktober“
 
Klar, dass derartige Erklärungen sofort die Aufmerksamkeit der Kaliningrader Gesellschaft hervorrufen, denn alle kennen natürlich die Bedeutung von Belarus für den Reise- und Transportverkehr.
 
Das liberal-regionale Informationsportal „newkaliningrad“ informierte, unter Bezug auf den Pressesprecher des Gouverneurs, dass sich die Kaliningrader Gebietsregierung mit der Beurteilung der Lage zurückhält
 
 
„Den Gütertransport betrifft dies überhaupt nicht. Uns liegen keine Informationen über irgendwelche Beeinträchtigungen im Personen- und Güterverkehr vor. Ich kann aber nur über die Jetzt-Situation sprechen“, - so Lyskow, der Pressesprecher der Gebietsregierung.
 
Lyskow empfahl, sich nicht mit geopolitischen Modellierungen zu beschäftigen. Das macht keinen Sinn.
 
Im Verlaufe der nächsten Stunden wurde bekannt, dass Belarus die Grenzen nicht komplett schließt. Zumindest wurde dies so von den Grenzorganen informiert.
 
Wer glaubt, dass man sich jetzt entspannt zurücklehnen kann, der irrt, denn Litauen hat sich zu Wort gemeldet und gedroht, wenn Belarus sein souveränes Recht wahrnimmt und die Grenzen schließt, wird man reagieren und Gegenmaßnahmen ergreifen.
 
Gedroht hat nicht irgendein Journalist oder vielleicht der Außenminister Litauens, bekannt durch seine markigen Stellungnahmen. Gedroht hat der Premierminister Litauens.
Er kommentierte, dass, wenn Belarus den Waren- und Personentransport stoppt und die Grenzen schließt, wird Litauen genau das Gleiche tun. Er zeigte sich überzeugt, dass dies der belarussischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen wird.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf“
 
Und der, von mir schon erwähnte, litauische Außenminister ergänzte, dass Lukaschenko nur mit den Muskeln spiele und alle gegenwärtigen Handlungen völlig sinnlos sind. Man solle einfach die Entwicklung der Ereignisse abwarten.
 
Und genau das würde ich als Kaliningrader eben nicht empfehlen.
 
Karte: Transitverbindung des Kaliningrader Gebietes
 
Sollen wir warten, bis die friedliebenden und demokratieverwöhnten NATO-Staaten, gemeinsam, mit den bereits aus den USA importierten Truppen, eine Situation schaffen, die uns in die Isolierung und somit an den Rand eines Krieges bringt?
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