Kaliningrader Banales oder der Kaliningrader Nawalny

Kaliningrader Banales oder der Kaliningrader Nawalny
 
Immer wieder werde ich gebeten, doch mehr über Kaliningrad zu berichten. An sich ist mein Kanal genau hierfür geschaffen worden – es sollte ein Fan-Kanal für Kaliningrad werden. Irgendein interessanter Mix aus Tourismus, Wirtschaft, Kultur und vor allem Positiv-Deutsches im jetzt russischen Kaliningrad wollte ich zeigen. So war der Plan, aber nicht alle Pläne gehen in Erfüllung.
 
 
Seit 2012 existiert mein Informationsportal, seit 2018 der YouTube-Kanal. Während ich zu Anfang den Schwerpunkt der Berichterstattung auf die Kaliningrader Wirtschaft legte, gelangte ich schnell in die „Fänge“ der sogenannten „Nostalgiker“, also derjenigen, die mir beibringen wollten, dass ich als Deutscher gefälligst „Königsberg“ und nicht „Kaliningrad“ zu sagen habe.
 
Mit der Zeit verlagerte sich somit mein Schwerpunkt und die Informationsagentur begann sich zu politisieren. Die Aufdeckung und die Berichterstattung über deutschen Revanchismus im russischen Kaliningrad, nahm immer mehr Raum ein.
 
Dann kam es zu den Ereignissen des Jahres 2014, Stichwort Ukraine und Krim. Die Berichterstattung verlagerte sich immer mehr weg von Kaliningrad, hin zu föderalen Themen. Es gab nochmal einen kurzen Schwenk, zurück zu regionalen Themen, als im Jahre 2016 der damalige Gouverneur durch den russischen Präsidenten zum Teufel … nein, tschuldigung, Putin schickte ihn nicht zum Teufel, sondern beförderte ihn nach St. Petersburg.
 
Grafik: Gouverneure des Kaliningrader Gebietes
 
Es kam der jüngste Gouverneur, den Russland jemals gesehen hatte, an die Ruder der Macht und es machte Spaß, diesen Mann medial zu begleiten. Heute ist er ein wenig älter und hat gezeigt, dass er, ungeachtet seiner Jugend, das nicht leichte Gebiet „Kaliningrad“ leiten kann. Schade nur, dass es Dinge gibt, die ihn in seiner Effektivität behindern.
 
Grafik: Gouverneur des Kaliningrader Gebietes Anton Alichanow
 
Und hier gleichen sich die regionalen Bilder mit den föderalen. Die föderale Machtebene wird in ihrer Effektivität u.a. von Nawalny eingeschränkt, die regionale Machtebene in Kaliningrad hat auch ihren Mini-Nawalny.
 
Grafik: Übersicht über föderale und regionale Medien
 
Wenn man in die Kaliningrader Medien schaut – ich tue dies jeden Tag intensiv – so stelle ich fest, dass es kaum noch Themen gibt, die für Deutsche, die nicht in Kaliningrad wohnen, von Interesse sind. Selbst für diejenigen, die in Kaliningrad wohnen – ich hatte mal grob durchgezählt und kam auf weniger als 30 Deutsche, wobei hier die neun Diplomaten schon mit eingeschlossen sind, so habe ich den Eindruck, dass sich diese Deutschen recht wenig für das gesellschaftliche Leben Kaliningrads interessieren. Da viele nicht Russisch können, können sie auch selber keine Informationen lesen. Also es besteht irgendwie, so mein Eindruck, kein wirkliches Interesse an der Stadt und dem Gebiet in dem diese Deutschen leben.
 
So stehe ich vor dem täglichen Dilemma, dass ich nicht weiß, über was ich Regionales schreiben soll.
 
Na gut, es gibt eine Zeitung, … nein, die Zeitung im Papierformat hat schon vor zwei Jahren ihr Leben ausgehaucht. Es gibt noch das Informationsportal „Neue Räder“, Nowyje Koljosy … mit ein wenig Phantasie wird man Parallelen zur BILD-Zeitung in Deutschland feststellen: Große fette Buchstaben und schreiende Überschriften.
 
Grafik: Screen des Informationsportals „Neue Räder“
 
Jeder einzelne Artikel informiert über Skandale – also ähnlich, wie der Nawalny mit seinen medialen Möglichkeiten über Skandale auf föderaler Ebene berichtet, so berichtet Rudnikow, der Betreiber dieser Plattform, über Skandale im Gebiet Kaliningrad.
 
Grafik: Screen des Informationsportals „Neue Räder“
 
Der Unterschied zwischen diesen beiden Herren besteht zur Zeit darin, dass Nawalny sich in Moskau aufhält und Rudnikow schon vor einigen Monaten in die USA ausgereist ist, nachdem er einen monatelangen Aufenthalt in Untersuchungshaft beendet hatte und durch ein Gericht teilweise freigesprochen worden war.
 
Grafik: Screen der Rudnikow-Facebook-Seite
 
Rudnikow war ehemals auch Abgeordneter der Kaliningrader Gebietsduma, hatte also das Vertrauen so vieler Kaliningrader errungen, dass er in die heiligen Hallen der Volksvertretung in der Kirow-Straße einziehen konnte. Es gab da nur so einen kleinen Haken …
 
Grafik: Screen der Rudnikow-Facebook-Seite
 
Herr Rudnikow hatte vergessen, seine amerikanische Greencard offenzulegen. Und er hatte vergessen, seine amerikanische Greencard zurückzugeben. Dazu ist er nämlich laut russischer Gesetzgebung verpflichtet. Wer sich um das Vertrauen der Bürger bewirbt, um als dessen Vertreter in die Volksvertretung einziehen zu können, darf keine zweite Staatsbürgerschaft, keine Aufenthaltsgenehmigung oder irgendeinen anderen ständigen Aufenthaltstitel für einen Drittstaat haben. Ist dem so, so hat er diesen zurückzugeben und die Wahlkommission darüber zu informieren. Erst wenn diese Formalität erledigt ist, kann man sich als Kandidat registrieren lassen, vorausgesetzt, man erfüllt alle anderen Forderungen die sonst noch so bestehen.
 
Dies hat Rudnikow nicht getan und somit seine Wähler betrogen. Es dauerte lange, für meinen Geschmack zu lange, bis die Gebietsduma diesen Herrn aus ihren Reihen hinausbeförderte. Rudnikow hatte dann sogar noch sein Recht in Anspruch genommen, gegen diese Entscheidung Widerspruch einzulegen. Erst, als die USA hochoffiziell bestätigten, dass Rudnikow Inhaber einer Greencard ist, begann er zu schweigen.
 
Grafik: Screen des Informationsportals „Neue Räder“
 
Aber sein Informationsportal schweigt nicht und verbreitet schreiende Nachrichten. Und am lautesten schreit Rudnikow – aus den fernen USA. Und das Merkwürdige ist – es soll ja keine Pressefreiheit in Russland geben … sagt man im Westen – das niemand etwas gegen derartige Schlagzeilen, gegen eine derartige Art der Berichterstattung unternimmt. Man hat den Eindruck, als ob in Kaliningrad, … nun vorerst und gegenwärtig in den USA, ein kleiner regionaler Nawalny herangezüchtet wird.
 
Lassen Sie uns gemeinsam mal kurz auf die Artikel schauen, die als TOP-Artikel ganz oben auf dem Portal zum heutigen Tag angekündigt werden:
 
Einspielung: Screenvideo des Informationsportals „Neue Räder“
 
Fußball spielen mit Korruption. Braut eines ER-Abgeordneten privatisiert das Stadion.
Das Wort „privatisiert“ wurde ein wenig abgeändert, so dass man liest „privatisiert, angeeignet“ … eine Art Wortspiel.
 
Eiserner Vorhang für das Kaliningrader Bernsteingebiet.
Das Kaliningrader Gebiet wandelt sich zu einem einzigen Konzentrationslager.
 
Kurort-Racket in Pionersk
Abgeordneter Krawtschenko verliert Haus und Hof
 
17 Augenblicke des Frühlings in Königsberg
Aufklärer Richard Sorge wird 125 Jahre alt
 
Das Monster Alichanow
Gouverneur verschlingt ein weiteres Kind
 
Schwarzer Smoking, Korona und Zug
Covid-Reise von Kaliningrad nach Piter und zurück
 
Gleb Scheglow gegen Alichanow
Wo soll der Dieb-Gouverneur sitzen
 
Racket in Uniform
Verkehrspolizei stellt gefälschte Verkehrsschilder auf
 
„Rote Zone“ ist kein Gefängnis sondern eine Schule
Wird der Lehrer durch Covid getötet oder fressen ihn die Eltern?
 
Alichanow und Covid können mich nicht töten!
Wie man trotz des Gouverneurs überlebt.
 
Soweit zu den Überschriften. Liest man die Artikel – keine Sorge, ich werde sie Ihnen nicht vorlesen, so erleben die Liebhaber der Gelben Presse einen medialen Orgasmus nach dem anderen.
 
Vor rund vier Jahren, als man sich mit Klein-Nawalny anfing zu beschäftigen, schlossen sich anscheinend patriotisch gesinnte Unternehmer in Kaliningrad zusammen und entzogen den „Neuen Rädern“ die Verkaufsgrundlage. Man fand keine Supermärkte, Kioske und sonstige Verkaufseinrichtungen, die bereit waren, die gedruckte Zeitung zu verkaufen. Auch nach der Haftentlassung von Rudnikow kam die Zeitung nicht wieder auf die Füße, da sich keine Kaliningrader Druckerei fand, die die Zeitung druckte. Man druckte eine oder zwei Auflagen irgendwo in Russland und verteilte diese kostenlos.
 
Man sieht am Beispiel von Klein-Nawalny, dass, wenn es die progressive russische Gesellschaft will, man sich gegen gesellschaftliche Elemente wehren kann, deren einziges Ziel es ist, dass Land an den Abgrund zu führen und die Gesellschaft zu spalten.
 
Für Kaliningrad bleibt nur zu hoffen, dass die zuständigen Organe endlich die Initiative ergreifen und das Internetportal „Neue Räder“ wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung staatlicher Entscheidungsträger, blockieren.
 
Videoeinspielung: Zitat russischer Präsident Wladimir Putin
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