Kaliningrader lieben Deutschland. Die Deutschen lieben Königsberg.

Kaliningrader lieben Deutschland. Die Deutschen lieben Königsberg.
 
„Kaliningrader zeigen symbolische Kapitulation vor Groß Deutschland“ – so lautet der Originaltitel des Informationsportals „NewsBalt“, den ich heute analysieren möchte. Der Autor reiht seit Jahren einzelne Teile eines Puzzles zusammen, welches, wenn es fertiggestellt ist, unter der Bezeichnung „Endrussifiziertes Kaliningrad“ verkauft werden könnte.
 
 
 
 
Grafik: Titelaufmachung des Beitrages bei „NewsBalt“
 
Zu Beginn seines Beitrages erinnert der Chefredakteur des Informationsportals „NewsBalt“, ein russischer Journalist, den ich seit einigen Jahren nicht mehr auf Veranstaltungen sehe, die das deutsche Generalkonsulat zu Ehren Deutschlands durchführt, an Änderungen in der russischen Verfassung und an das Strafgesetzbuch der Russischen Föderation, welches zum Jahresende 2020 an die neue Verfassung angepasst wurde.
 
Grafik: Auszug aus der Verfassung der Russischen Föderation
 
Bestrebungen, Änderungen des Status-Quo der territorialen Integrität Russlands vorzunehmen, werden nun mit Strafen bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug geahndet.
 
Schade, möchte ich polemisch ergänzen, dass wieder eine Chance vertan wurde, ein für alle Mal diejenigen aus der Gesellschaft zu isolieren, die das Land, nach den Ereignissen des Jahres 1991, ein zweites Mal in den Abgrund führen wollen, in dem sie es durch territoriale Amputationen ausbluten lassen möchten.
 
Grafik: Kaliningrader Bürger erinnert vor der Staatsanwaltschaft daran, dass „Hier mehr als 700 Jahre Deutschland war“
 
Aber es gibt nicht nur russische Bürger, die am Status Quo rütteln. Auch Ausländer, hierbei insbesondere Deutsche, fügt es seelischen und körperlichen Schmerz zu, zu sehen, wie exNordOstpreußen immer noch unter den „primitiven Russen“, die das Gebiet zeitweilig okkupiert haben, zu leiden hat und von diesen, wie man nicht selten in sozialen Netzwerken lesen kann, heruntergewirtschaftet wird.
 
Am Samstag kommentierte ein „Patrik Eisenmann“ unter einem anderen Beitrag:
 
„Die Russen vergessen eins, dass wir Deutsche diese nie akzeptieren werden. So ist es besser das die Leute aus Königsberg nach Russland gehen und Königsberg Deutschland überlassen bevor es unnötig Tote gibt wie in der Ukraine.“
 
So, so … bevor es Tote gibt …
 
Grafik: Screen des Kommentars von Patrik Eisenmann bei YouTube
 
Vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken, von den Amerikanern eine Lizenz für die Nutzung der Überwachungs- und Analysesysteme sozialer Netzwerke zu kaufen. Die Amerikaner filtern schon seit Jahren die Ausländer, die eine negative Einstellung zu den USA haben und lassen diese nicht ins Land. Da es sich bei den USA um die größte und beste Demokratie der Welt handelt, sollte sich Russland ein Beispiel nehmen und den USA nacheifern: Lasst die Russenhasser, lasst diejenigen, die an Russophobie erkrankt sind, nicht ins Land. Sie kommen doch nur zu uns, um im Rahmen eines Alibibesuches neue Schauermärchen, neue adaptierte russische Un-Wirklichkeit den deutschen, nichtrussischsprechenden Bürgern zu vermitteln, frei nach dem Motto: „Ich war gerade dort und habe mit eigenen Augen gesehen …“
 
Und, da wir gerade beim Regulieren sind. Viele separatistische Bestrebungen, antirussische Aktivitäten werden von selber vertrocknen, wenn diese nicht mehr gedüngt werden. Der Dünger, der bisher verwendet wird, heißt ausländisches Geld, ausländische Spenden, ausländische Fördergelder.
 
Videobegleitung: Park Max-Aschmann im Norden der Stadt Kaliningrad
 
Ist Russland so arm, dass man z.B. auf Fördergelder aus der Europäischen Union wartet, um den vernachlässigten Königsberger Park „Max-Aschmann“ endlich wieder ein kulturvolles Aussehen zu geben?  Es wird sich doch wohl ein russischer Sponsor finden, einer der erfolgreichen russischen Unternehmer, der Geld zur Verfügung stellt, um den Kaliningrader „Park am Waldsee“ auf TOP-Niveau zu bringen. Und am Haupteingang hängen wir eine Tafel auf: „Danke dem Förderer Iwan Iwanowitsch Iwanow von den Bürgern der Stadt Kaliningrad“.
 
In der Realität sieht es aber mit dem russischen Kaliningrad schon so aus, dass es nicht mehr existiert.
 
Videobegleitung: Zeitungs- und Literaturkioske in Kaliningrad
 
Derjenige, der im Herbst des vergangenen Jahres 2020 in einschlägigen Kiosken und Buchhandlungen eine topographische Karte Russlands kaufen wollte und sich für eine Karte des St. Petersburger Verlages „Kwadro“ entschied, stellte fest, dass Russland schon auf Kaliningrad und die Kurilen verzichtet hatte, denn man fand sie nicht auf der Karte. Die Staatsanwaltschaft beschäftigte sich damit und man stellte fest, dass es lediglich graphische Probleme gab. Das Graphikprogramm der Druckerei war nicht in der Lage, solche Kleinigkeiten wie Kaliningrad und die Kurilen zu drucken. Pech für Kaliningrad, dass Russland so groß ist, dass man das kleine Kaliningrad nicht mehr sieht.
 
Vielleicht sollte die St. Petersburger Druckerei sich an Japan wenden und dort neue Druckmaschinen einkaufen. Zu empfehlen ist die Druckmaschine, die das japanische Glanzjournal „Nipponica“ nutzt. Dort erscheinen die Kurilen, sie sind um ein Drittel kleiner als das Kaliningrader Gebiet, als japanisches Territorium. Tja, die Japaner geben sich eben auch mit Kleinigkeiten ab.
 
Aber schauen wir wieder auf unsere russischen vaterländischen Patrioten. „NewsBalt“ informiert den interessierten Leser über die Abgeordnete des Kaliningrader Stadtrats Alexandra Jakowlewa, Trägerin des Titels „Verdiente Bürgerin Kaliningrads“.
 
Grafik: Abgeordnete und Verdiente Bürgerin Kaliningrads Alexandra Jakowlewa
 
Warum sie diesen Titel angenommen hat, ist unklar, denn in ihren öffentlichen Auftritten informiert diese Vertreterin des Volkes, dass sie in ihrer Freizeit durch die Straßen Königsbergs spaziert und dass sie, Jahrgang 1957, in Königsberg geboren wurde. Schizophrenie nennen die Mediziner wohl Derartiges – oder?
 
Wer aufmerksam durch das Internet spaziert wird feststellen, dass es Tote gibt, die wieder zum Leben erwachen. Tot glaubte man schon die „Baltische Republikanische Partei“, die in Russland vor einigen Jahren verboten wurde.
 
Grafik: Screen der FB-Seite der Partei
 
Grafik: Vadim Petrow, einer der Ideologen der wiederbelebten Toten
 
Grafik: Umfrage der BRP zum zukünftigen Status der Region Kaliningrad
 
Seit Jahren redete keiner mehr von dieser Partei mit ihren separatistischen Bestrebungen. Auslandsrussen, die in den vergangenen Jahren, meist überstürzt, das Land verlassen hatten, haben die Totgeglaubte wiederbelebt. Sie atmet zurzeit sehr schwach, aber es gibt sicherlich gute Medizin im Westen, um die Dame wieder auf feste Füße zu stellen.
 
Im Jahre 2021 haben wir Wahlen in Russland, Duma-Wahlen. Hoffen wir, dass es dieser verbotenen Partei nicht gelingt, doch in das Kaliningrader Parlament einzuziehen, so, wie es in der Vergangenheit „Kaliningrader Patrioten“ mit einer doppelten Staatsbürgerschaft gelungen ist, die russischen Gesetze zu umgehen und Wähler zu betrügen. Heute leben diese „Patrioten“ in den USA und geifern von dort aus gegen Russland.
 
Grafik: Screen der FB-Seite des exAbgeordneten der Kaliningrader Gebietsduma Igor Rudnikow
 
Aber es gibt nicht nur Ansprüche auf „Königsberg“ und die „japanischen Kurilen“. Sie, meine lieben Zuschauer und Leser, werden sich sicherlich noch an meine Grafik mit den „5-K-Regionen“ erinnern, die alle Begehrlichkeiten bei anderen Ländern auslösen.
 
Grafik: Russische Regionen, auf die Drittstaaten Ansprüche erheben
 
Vor kurzem ist noch eine Region hinzugekommen, wie „NewsBalt“ berichtet. Sie befindet sich im Gebiet Leningrad, dessen Hauptstadt St. Petersburg ist. Zu sehen ist diese „Begehr-Region“ auch auf einem Kalender für das Jahr 2021 aus einer St. Petersburger Druckerei und nennt sich dort „Östliches Ingermanland“.
 
Grafik: Ingermanland
 
„NewsBalt“ meint, dass sich ein Russe die Zunge bricht, bei einer solchen Bezeichnung. Möglich, Deutschen geht diese Bezeichnung aber leicht über die Zunge. Und separatistische Aktivisten wollen auch hier eine Republik schaffen – natürlich unabhängig. Und Bewohner von „Ingermanland“ sollen bereits eine Umfrage gestartet haben, wo sie wissen wollten, für wen man im Fall der Fälle kämpfen werde: für Moskau oder für die NATO.
 
Und im benachbarten Estland hat man bereits eine Zeremonie der Flaggenhissung dieser unabhängigen Republik vorgenommen. Der Ideologe der neuen separatistischen Bewegung ist ein Russe, der 2014 nach Estland geflüchtet ist und von dort aus verkündet, dass dies keine Flagge ist, sondern das Signal zum Kampf.
 
Grafik: Ideologe des Ingermanland-Separatismus Pawel Meserin
 
Sibirien – Sie glauben, dies ist eine ur-russische Region? Sie irren! Im Dezember erschien in der Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ ein Artikel, der über eine „sibirische separatistische Superregion“ informierte. Was glauben Sie, wer diesen Artikel geschrieben hat? Nein, kein Schweizer … eine Russin, die die Superregion in deutschem Sprachdiktus als „Landmasse Sibirien“ bezeichnet, mit anderen Worten wie in einer Metzgerei: Darf es ein Gramm Russland mehr sein?
 
Grafik: Verwaltungsregionen der Russischen Föderation
 
Ausgangspunkt für diesen Artikel sind wohl die wochenlangen Demonstrationen in Chabarowsk gewesen, wo der Gouverneur verhaftet wurde. Er wird des Doppelmords beschuldigt und irgendjemand organisiert in der Stadt und dem Gebiet Demonstrationen für seine Freilassung. Man beschuldigt Moskau einer Inszenierung und falscher Anschuldigungen. Und wie kann eine Superregion Sibirien im Bestand einer Föderation leben, wo Moskau das Sagen hat, wenn man derart ungerecht behandelt wird. Der Schrei nach Selbständigkeit folgt somit auf dem Fuß.
 
Sicherlich verwundert es nur wenige, dass es in Sibirien einen Radiosender „Sibirien. Realität“ gibt. Es handelt sich um ein Projekt des Senders „Radio Freiheit“ – einem US-Sender, finanziert durch den amerikanischen Kongress. Und derartige Sender gibt es in einer ganzen Reihe von russischen Regionen. Sie erhalten jetzt Schritt für Schritt den Status „Ausländischer Medienagent“. Das bringt die Sender leider nicht zum Schweigen – die in Russland herrschende Meinungs- und Medienfreiheit verbietet dies. Es bringt für die Sender nur ein wenig mehr Bürokratie – nicht mehr und nicht weniger.
 
Grafik: Ausländische Medienagenten in der Russischen Föderation
 
Grafik: Entwicklung der Anzahl Ausländischer Medienagenten in der Russischen Föderation
 
Sie sehen, liebe Zuschauer, liebe Leser, es gibt viele, die Russland per Amputation ausbluten lassen wollen. Ich verstehe schon, dass es Ihnen vermutlich schwerfällt, alles das zu verstehen und nachzuvollziehen, was sich gegenwärtig in Russland abspielt.
 
Um es besser verstehen zu können, was vor sich geht, brauchen wir uns eigentlich nur ein deutschadaptiertes Szenarium auszudenken, wie z.B.:
 
Nostalgische Ossis, liebevoll auch DDR-Bürger genannt, fordern die Wiederherstellung der DDR, liebevoll auch als sowjetische Besatzungszone bezeichnet, mit Autonomiestatus im Bestand der Russischen Föderation,
 
Die Franzosen erheben Anspruch auf das Saarland, welches ihnen in den 50er Jahren, durch ein „interpretiertes“ Referendum, „entrungen“ wurde,
 
Der Freistaat Bayern erinnert sich an seine glorreiche Ludwig-Zeit, als es noch ein freier Staat war und nicht alles mit den Sau-Preußen in Berlin abstimmen musste,
 
Die Freie Hanse- und Handelsstadt Hamburg erinnert sich an die ruhmreichen Zeiten der Hanse, wo man kein sinnloses Geld in einen Länderausgleichstopf einzahlen musste, um unterentwickelte Länder zwangsweise zu unterstützen, nur weil eine föderale Regierung nicht in der Lage ist, Strukturreformen so durchzuführen, dass ein Länderausgleich nicht nötig ist und erklärt sich für Frei und Hanse.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „12 Stühle“
 
Lange Rede kurzer Sinn, wenn ich mich noch ein wenig anstrenge, gelingt es mir die Ergebnisse des deutsch-französischen Krieges 1871 vollständig zu revidieren. Aber will ich das? Nein, mir gefällt Deutschland so, wie es heute ist. Veränderungen, territoriale Veränderungen, sind nicht nötig.
 
Haben Sie mich jetzt auch richtig verstanden?
 
Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

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Kommentare ( 1 )

  • Gego Tschetoch

    Veröffentlicht: 12. Januar 2021 14:22 pm

    Ach, könnte man doch nur diese amerikanischen Unruhestifter abschütteln, deren globale Allmachtsansprüche mittlerweile für viele Menschen auf diesem Planeten immer deutlicher sichtbar werden. Dabei ist am allerwichtigsten, dass sich das Bewusstsein der europäischen Völker sich endlich auf das ganzheitliche geopolitische Europa ausweitet, das seine natürliche Grenze am Ural-Gebirge manifestiert, sich bis zum Kaspischen Meer erstreckt, sich über den Kaukasus durch das Schwarze Meer schlängelt, um dann erst hinterm Bosporus Richtung Westen an die von der EU definierte Grenze anzuschließen. Russland hat auf diesem gesamteuropäischen Gebiet annähernd die gleiche Fläche zu bieten, wie die komplette EU zusammen. Daraus ergibt sich eine längst überfällige Definition des Begriffes "Europa"! Die Amerikaner können dann - wie es der Begriff schon andeutet - sich auf ihren amerikanischen Kontinent zurück ziehen, und der Eurasische Kontinent und Europa regeln ihre territorialen Querelen unter sich!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 12. Januar 2021 14:37

      ... als ich Ihren Kommentar gelesen habe, bin ich auch sofort in Träumerei abgedriftet und vor meinem Auge schwebte das von Ihnen beschriebene Modell ... und dann klingelte das Telefon und rief mich in die Wirklichkeit zurück ... aber es waren angenehme Sekunden ...

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