Kein Grund zum Optimismus – Mitte Oktober fallen die Entscheidungen gegen Russland

Kein Grund zum Optimismus – Mitte Oktober fallen die Entscheidungen gegen Russland
 
Es ist eine merkwürdige unruhige Ruhe in den Fall Nawalny eingezogen. Irgendetwas hängt in der Luft, es ist aber nicht greifbar. Wenn nicht Nawalny selber dafür sorgt, dass er in die Schlagzeilen gerät, würde vielleicht der Fall unmerklich in Vergessenheit geraten. Zu offensichtlich sind die Fakten, das hier im Vergiftungsfall außerhalb Russlands nachgeholfen wurde.
 
 
Gestern gab Nawalny dem bekannten russischen Blogger DUDCH ein langes Interview. Innerhalb eines Tages haben rund acht Millionen User dieses 140minütige Interview angeschaut.
 
Screen Interview Dudch-Nawalny
 
Es ist gespickt mit vielen politischen Einzelthemen, nicht nur zum Vergiftungsfall selber.
 
Interessant dabei ist, dass sich in Russland, zumindest in dem Umfeld, in dem ich mich bewege, niemand so richtig für Nawalny und sein Schicksal interessiert. Die vom Westen erhofften Demonstrationen gibt es nicht. Noch nicht mal Einzelpersonen mit einem Blatt Papier in den Händen stehen irgendwo rum und fordern die Aufklärung des „Mordanschlages“.
 
Diesem Desinteresse an der Person Nawalny scheint zu widersprechen, dass sich das Interview rund acht Millionen Menschen angeschaut haben … und die Zahl wächst stündlich weiter. Woran liegt das?
 
Es ist kein Widerspruch und das Interesse der Zuschauer – so zumindest meine Meinung – besteht nicht an Nawalny, sondern an DUDCH, dem Blogger. Er arbeitet mit seinem Format gegen den Trend, kurze knackige Interviews zu machen.
 
Screen YouTube-Kanal Dudch
 
Seine Interviews sind immer lang, immer über eine Stunde und erreichen immer ein Millionenpublikum. Es liegt an der Person DUDCH, der einerseits auf den Bildschirmen sympathisch rüberkommt und in seiner locker-flockigen Art genau den Typ junger Mann widerspiegelt, den die moderne russische Gesellschaft sehen will.
 
Videoeinspielung: Blogger Juri Dudch
 
Seine Fragestellungen sind prinzipiell höflich, aber frech, provozierend und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Alle, die zu ihm kommen – und es kommen sehr viele zu ihm – wissen, dass es kein leichtes Interview wird. Aber die Leute kommen zu DUDCH, um wieder Aufmerksamkeit in der russischen Gesellschaft zu erregen, sich in Erinnerung zu bringen.
 
Videoeinspielung: Interview Dudch-Nawalny
 
Einer der Zuschauer des DUDCH-Interviews mit Nawalny war Leonid Rink – Sie erinnern sich, liebe Zuschauer – er ist einer der Entwickler von Nowitschok, der allerdings nicht seine Heimat verraten hat, sondern sich auch heute noch in Russland befindet und nicht in den USA.
 
Videoeinspielung: Nawalny im Interview
 
Rink kommentierte, dass das äußere Erscheinungsbild von Nawalny überhaupt nicht mit dem Erscheinungsbild übereinstimmt, welches ein Mensch haben müsste, der mit Nowitschok in Kontakt gekommen war. Nawalny macht eher den Eindruck eines Patienten, der eine Lebensmittelvergiftung hinter sich hat oder der aus einem Koma, verursacht durch Diabetes, aufgewacht ist.
 
Rink spielt auf die Krankenakte von Nawalny an, die eigentlich schon kein Geheimnis mehr ist und aus der hervorgeht, dass Herr Nawalny eine ganze Reihe gesundheitlicher Probleme hat, bedingt durch seinen … hm, sagen wir „Lebensstil.“ Und Rink stellt die Frage, warum überhaupt die Welt den Patienten Nawalny kommentiert. Er befürchtet, dass jeder Schnupfen von Nawalny zukünftig durch die Weltgemeinschaft einer Wertung unterzogen wird. Er forderte die Mediziner auf, Nawalny einfach ins Gesicht zu schauen und jedem Facharzt wird sofort klar, woran Nawalny krankt – ganz bestimmt nicht an einer Nowitschok-Vergiftung.
 
Videoeinspielung: Nawalny im Interview
 
Am Dienstagabend wurde bekannt, dass die Organisation zum Verbot von Chemiewaffen in den Blutproben Nawalnys das Gift Nowitschok entdeckt hat. Allerdings entdeckten britische Analysten der Organisation das Gift. Dies ist nun schon die vierte Bestätigung, dass sich Nowitschok im Blut von Nawalny befindet bzw. befand:
 
Die Omsker Ärzte haben kein Gift festgestellt
Die Ärzte in der Charitè haben kein Gift festgestellt
Die Ärzte im Bundeswehrlabor haben Gift festgestellt
Danach erfolgten Analysen im Ausland:
Ein französisches Labor hat Gift festgestellt.
Ein schwedisches Labor hat Gift festgestellt.
Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen hat Gift festgestellt.
 
Unklar ist, woher die drei ausländischen Labore die Bioproben hatten. Haben sie direkt dem Patienten Nawalny Blut in der Charitè abgenommen oder sind sie mit Proben aus dem Bundeswehrlabor versorgt worden – wo Russland davon ausgeht, dass diese Proben in Deutschland manipuliert worden sind.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „17 Augenblicke des Frühlings“
 
Das russische Außenministerium spricht von einem Verschwörungsszenarium gegen Russland. Die Arbeit der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen ist einfach nur eine gut geplante „phantastische Geschichte.“ Auftraggeber ist „Berlin“, welches unter Druck der USA handelt. In der Erklärung des russischen Außenministeriums wird klar davon gesprochen, dass das technische Büro der Organisation „gekauft“ wurde, damit ein zufriedenstellendes Analyseergebnis veröffentlicht wird.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Der Idiot“
 
Russland wird in Kürze Fakten veröffentlichen, die zeigen, was alles in den letzten Tagen hinter den Kulissen dieser Organisation vor sich gegangen ist.
 
Weiterhin bedauert man im russischen Außenministerium, dass weder Deutschland, noch Frankreich und Schweden auf die Anfragen der russischen Generalstaatsanwaltschaft reagiert haben. Dort schweigt man einfach und tut so, als hätte man keinerlei Post aus Russland bekommen.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Das Dorfgericht“
 
Der Vertreter Russlands bei dieser Organisation erklärte am Dienstagabend, dass Russland sich vor dieser Organisation nicht rechtfertigen werde, denn es bestehe hierzu keinerlei Anlass. Auch gegenüber anderen Ländern wird es keinerlei Rechtfertigungen geben. Der russische Diplomat forderte Deutschland auf, endlich auf die Anfragen der russischen Generalstaatsanwaltschaft zu reagieren und die Beweise zu liefern, dass Nawalny vergiftet worden ist.
 
Der Diplomat erinnerte daran, dass Deutschland die Angelegenheit der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen übergeben habe. Somit sei man vertraglich zur Zusammenarbeit und zum Informationsaustausch verpflichtet. Deutschland erfüllt diese Verpflichtung nicht.
 
Videoeinspielung: Zitat russischer Präsident Putin
 
Sollte man keine angeforderten Informationen erhalten, so gehe Russland davon aus, das es sich bei der Nawalny-Angelegenheit um eine Propagandaaktion zur Verbreitung von Lügen handele oder einfacher ausgedrückt um eine primitive Provokation. Ziel ist die Verhängung neuer Sanktionen gegen Russland.
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