Königsberg bleibt Deutsch

Königsberg bleibt Deutsch

Dies ist eine Aussage von vielen Deutschen, meist anonym oder im Rahmen eines Pseudo-Profils an unterschiedlichsten Stellen im Internet, aber auch an Stamm- und Biertischen geäußert. Rein historisch-sachlich ist dies auch richtig, denn Königsberg war nur wenige Jahre Russisch – nämlich im 7jährigen Krieg.

 

 

Für mich persönlich ist allerdings wichtiger, dass Kaliningrad Russisch bleibt und das Problem dabei ist, dass es nicht wenige Deutsche gibt, die eben dies nicht wollen.

Vor einigen Monaten hatte ich ein zufälliges Treffen mit einer deutschen Regionalpolitikerin. Der Name spielt – zumindest jetzt noch nicht – keine Rolle. Ich traf sie auf deutschem Territorium in der russischen Stadt Kaliningrad. Sie erzählte mir, dass sie mein Portal sehr aufmerksam liest und mit vielen meiner Äußerungen nicht einverstanden ist. Sie sieht das alles ganz anders. Insbesondere, so bat sie mich, soll ich doch endlich aufhören, von einer Germanisierung des Gebietes zu sprechen. Es gibt keine Germanisierung, das ist alles Quatsch.

Wir haben Meinungsfreiheit und so hat meine Gesprächspartnerin ihre Meinung und ich die meine. Trotzdem habe ich natürlich über dieses Gespräch nachgedacht und bin zu neuen Erkenntnissen gekommen.

Bei einem weiteren zufälligen Treffen in Kaliningrad plauschten wir wieder miteinander und ich versprach ihr, nicht mehr von der Germanisierung des Kaliningrader Gebietes zu sprechen, denn dieser Begriff umfasst nicht das, was wirklich im Gebiet vor sich geht. Im Gebiet gibt es eine End-Russifizierung und die Germanisierung ist nur ein Bestandteil, wenn auch großer Bestandteil, dieses Prozesses … übrigens eines Prozesses, für den sich der Kaliningrader Staatsanwalt jetzt verstärkt interessiert.

Meine Gesprächspartnerin teilte mir mit, dass es niemanden in Deutschland gibt, der am Status Quo etwas ändern will und niemand will das Gebiet germanisieren. Auf meine Frage, ob sie die Ostpreußen-Gruppen im Sozialnetzwerk „Facebook“ kenne, antwortete sie verneinend. Schade, denn dort würde sie zu Tausenden Leute finden, die Ostpreußen heim ins Reich, oder korrekter formuliert: Heim in die Republik holen wollen. Ich ersparte mir die Frage, ob sie ähnliche Gruppen im russischen Sozialnetzwerk VKontakte kenne. Dort gibt es viel mehr Ostpreußen-Gruppen als bei Facebook …

Aber es gibt noch einen anderen Gesprächspartner, diesmal ein virtueller, der mit und an mir Erziehungsarbeit leistet oder doch zumindest versucht. Und dieser teilte mir z.B. mit:

... "Kaliningrad" ist nach meiner Meinung keine russische, sondern eine deutsche Stadt unter russischer Verwaltung mit meist russischer Bevölkerung.

oder

… neue Verfassung hin oder her, irgendwann werden die derzeit fremdverwalteten Gebiete nach Deutschland zurückkehren …

Und mein virtueller Erzieher bedauert:

„Schade, dass ausgerechnet für Sie, als Deutscher, Königsberg nicht mehr existiert.“

Und er hat die Hoffnung:

„… dass Königsberg … irgendwann einmal wieder in den Schoß der deutsche Heimat zurückkehrt.“

Und mein virtueller Gesprächspartner, der sich seit einigen Wochen auf meinem Portal tummelt, weiß ganz genau, dass:

„… Deutschland über umfangreichste Kenntnisse verfügt und immense wirtschaftliche Fähigkeiten hat, um neben dem erfolgten Anschluss der DDR, auch die Wiedervereinigung mit (Nord)Ostpreußen zu stemmen. Viele gemachte Erfahrungen sind 1:1 übertrag- und anwendbar.“

Interessant ist, dass mein virtueller Gesprächspartner die Wiedervereinigung mit (Nord)Ostpreußen plant, aber nicht mit Ostpreußen. Die Polen dürfen also den überwiegenden Teil von ExOstpreußen behalten. Nur die Russen, die Russen dürfen das nicht.

Russland hat seit wenigen Tagen eine neue Regierung. Die Struktur der Regierung selber hat sich wenig geändert. Und so ist auch das „Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens“ weiterhin Bestandteil der Föderalregierung. Für mich ist beruhigend, dass die gegenwärtige Regierung der Bundesrepublik Deutschland kein Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens hat. Bleibt abzuwarten, ob die neue Bundesregierung, die ja spätestens 2021 gebildet wird, auf ein derartiges Ministerium verzichten kann.

Um die Thematik des „temporär“ verlorenen Ostens nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, gibt es ja die Sozialnetzwerke und neuerdings die aktiv gebildeten Ostpreußen-Stammtische überall in Deutschland. Da kann man dann verschiedenste Szenarien der Heimholung des nördlichen Ostpreußens in die Republik besprechen – auf der Grundlage der reichhaltigen Erfahrungen, die mein virtueller Gesprächspartner schon erwähnte.

Wobei dies natürlich alles nichts mit einer Germanisierung des Kaliningrader Gebietes zu tun hat. Und selbst wenn … das sind ja alles Privatmeinungen und stellen nicht die offizielle Position der Bundesrepublik dar.

Obwohl es auch deutsche Politiker gibt, wenn auch nur Regionalpolitiker, die von einer Freundschaft mit „Königsberg“ berichten. Maik Kowalleck, konservativ denkender CDU-Politiker im Thüringer Landtag, ist in seiner Freundschaft flexibel und spricht von einer Freundschaftsgesellschaft „Königsberg/Kaliningrad“ und von zahlreichen Projekten und Erfahrungen dieser Freundschaftsgesellschaft.

Ich habe Herrn Maik Kowalleck am 20. Februar die Frage gestellt, wo man sich denn zu dieser Freundschaftsgesellschaft kundig machen kann, denn mich interessiert brennend, was es für zahlreiche Projekte gibt und welche Erfahrungen ausgetauscht worden sind … aber bisher hat er noch keine Zeit gefunden, mir zu antworten – noch nicht mal bei Facebook.  

Somit wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als mich anderweitig zur Arbeit deutscher Regionalpolitiker und der Freundschaftsgesellschaft Kaliningrad-Thüringen, Königsberg-Thüringen, kundig zu machen.

Tschüss und Poka aus Kaliningrad.

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