Letzter Tag des russischen Ultimatums an Deutschland

Letzter Tag des russischen Ultimatums an Deutschland
 
Am 23. September, 10 Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit, übergab Russland der internationalen Organisation zum Verbot von Chemiewaffen ein Schreiben, gerichtet an Deutschland. Russland forderte darin die Übergabe sämtlichen Nawalny-Beweismaterials durch Deutschland an Russland. Das Ultimatum endet am 3. Oktober 2020 – dem Tag der Deutschen Einheit.
 
 
Das westliche Europa, sprich die Europäische Union, war sich einig, als es darum ging, sich gestern gegen Russland zu erklären. In den russischen Medien wurde wenig über die Versammlung der westlichen Demokraten in Brüssel berichtet und das, was ich gelesen habe, hörte sich für mich überraschend zurückhaltend, fast würde ich sagen „human“ an.
 
Man berichtet, dass die EU den Einsatz von Chemiewaffen verurteilt und Russland aufgerufen wird, klare Untersuchungen im sogenannten Nawalny-Fall einzuleiten.
 
Das war es auch schon – wenn man mal den Nachsatz auf der Pressekonferenz unberücksichtigt lässt, dass sich die EU auf ihrem nächsten Treffen, Mitte Oktober, wieder mit der Frage beschäftigen wird.
 
Ist man vorsichtig geworden? Wartet man den Ablauf des Ultimatums und den möglichen Schlag gegen Deutschland ab?
 
Und wenn dieser Schlag hart ausfällt, unerwartet hart? Dann kann man sich immer noch schnell wegducken, damit Deutschland den Schlag alleine erhält. Wir wissen ja, dass die Solidarität in der Europäischen Union doch mehr theoretisch ist und nur unter Druck zustande kommt, denn freiwillig.
 
Deutschland selber schweigt weiterhin und hat, bis wenig Stunden vor Ablauf des russischen Ultimatums, auf keinerlei Anfragen Russlands reagiert oder doch zumindest einen Zwischenbescheid gegeben.
 
Bleibt mir nur noch, ein wenig aus den innerrussischen Vorgängen im Fall Nawalny zu informieren.
 
Sie erinnern sich sicherlich, dass russische Offizielle, u.a. der Vorsitzende der russischen Staatsduma Wolodin und der Pressesprecher des russischen Präsidenten Putin, Dmitri Peskow, gestern offiziell erklärt hatten, dass Nawalny von der CIA in seinen Handlungen angeleitet wird. Nicht er ist derjenige, der die Initiative in den Händen hält. Es sind Mitarbeiter, bekannte Mitarbeiter des CIA, die ihm Aufgaben stellen und ihn methodisch anleiten.
 
Das ärgerte Herrn Nawalny anscheinend und er verkündete, dass er den Pressesprecher des russischen Präsidenten verklagen werde. Etwas unklar, warum er gerade Peskow verklagen will, denn als erster trat eigentlich der Vorsitzende der Staatsduma Wolodin mit dieser Information an die Öffentlichkeit.
 
Nawalny kommentierte, dass er die Veröffentlichung von Beweisen fordere, dass er Mitarbeiter der CIA ist oder von der CIA angeleitet wird.
 
Als wir heute morgen in der Sauna im Fitnessclub „Albatros“ in Kaliningrad die „politische Großwetterlage“ auch zu dieser Forderung diskutierten, bebte die ganze Sauna vor Lachen. Natürlich wird Russland Beweise vorlegen … allerdings im Rahmen des Gerichtsverfahrens, welches vielleicht irgendwann einmal stattfinden wird.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker – „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Bei der Gelegenheit, ich gehe davon aus, dass man diese Gerüchte in Deutschland nicht kennt, wird schon lange darüber gemunkelt, dass Nawalny eigentlich ein Agent des FSB ist, also des russischen Sicherheitsdienstes. Dort ärgerte man sich schon lange, dass es eigentlich keine wirkliche richtige Opposition in Russland gibt, was natürlich einem modernen Staat nicht gut zu Gesicht steht. Jeder Staat braucht eine Opposition. Und so hat man Nawalny angeworben und ihn beauftragt, eine russische Opposition aufzubauen. Aber, wie gesagt … alles Gerüchte.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker – „Weiße Rosen“
 
Kein Gerücht ist allerdings, dass sich Herr Nawalny im Jahre 2010 ein halbes Jahr in den USA aufgehalten hat. Was er dort getan hat, ist nicht bekannt … also zumindest nicht dem Durchschnittsbürger. Dem FSB oder dem russischen Auslandsgeheimdienst liegen vielleicht Informationen vor. Aber vielleicht hat ja auch der FSB Nawalny in die USA zur Qualifizierung geschickt … wer weiß das schon.
 
Peskow selber, äußerte sich nicht mehr zu den Informationen über die angedrohte Klage. Journalisten befragten ihn am heutigen Freitag und er meinte, dass er nichts mehr zum gestern Gesagten hinzuzufügen habe.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker – „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Schade, finde ich. Er hätte zumindest ergänzen können, dass auch Präsident Putin den russischen Bürger „N“ verklagen werde, wenn dieser keine Beweise vorlege, dass Putin die Vergiftung des „N“ angeordnet habe – so wie er dies im SPIEGEL-Interview ausführte.
 
Wenige Stunden vor Ablauf des russischen Ultimatums an Deutschland, rief der russische Vertreter bei der UNO nochmals Deutschland zur Zusammenarbeit auf. Er zweifelte den Sinn von schnell aufgesetzten deutschen Briefen an die UNO zur Nawalny-Angelegenheit an.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker – „Priwalowskije Millionen“
 
In den letzten Tagen bin ich häufig gefragt worden, was ich glaube, welche Maßnahmen Russland gegen Deutschland einleiten wird. Die Fragesteller vermuteten wohl, dass ich über irgendwelche besonderen Kontakte verfüge. Dem ist aber nicht so. Ich bin ein einsamer Blogger in Kaliningrad, der versucht, bekannte Fakten zu kombinieren und zu analysieren. Deshalb weiß ich nicht, was uns ab 3. Oktober 2020 erwartet.
 
Vielleicht passiert gar nichts. Denn bisher hat Deutschland, außer starken, beleidigenden, kriegerisch klingenden Worten und Anschuldigungen – also alles rein verbale Vorgänge, nichts wirklich Schädigendes getan. Man hat versucht, das russische Image zu schädigen. Aber das ist ja nun wirklich nichts Neues. Somit fehlt also eigentlich ein Grund, richtig scharf gegen Deutschland vorzugehen. Vielleicht passiert vorerst irgendetwas „Softiges“ …
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker – „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Gerade darin besteht ja auch das Spannende in der russischen Politik (Außenpolitik). Niemand weiß etwas. Viele (so auch ich), versuchen es zu erahnen. Letztendlich kommt aber eine "Antwort", die niemand erwartet hat.
 
Wir müssen also abwarten ... ist halt ein wenig wie Weihnachten: Warten auf die Bescherung.
 
Videoeinspielung: Zitat Fjodor Iwanowitsch Tjutschew
 
Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

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