Meine Hütte, meine Festung – „Zone 39“ in Russland – Teil 1

Meine Hütte, meine Festung – „Zone 39“ in Russland – Teil 1

 

Ghettos für Deutsche, die mit Deutschland unzufrieden sind, gewinnen immer mehr an Popularität im Kaliningrader Gebiet. Man sagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Und so gibt es auch in Kaliningrad bereits eine zweite Firma, die Deutsche in einer Nationalsiedlung auf russischer Erde ansiedeln will. Und es gibt Gerüchte, dass die Anzahl von Deutschen, die Deutsche in exDeutschland ansiedeln wollen, weiter wächst.

 

 

Wenn die Entwicklung so anhält, so können die Mitglieder der Facebookgruppe „Ostpreußen“ und anderer Gruppen dieser Thematik, bald anfangen die Sektkorken knallen zu lassen, denn die Heimholung des Gebietes, welches nach Auffassung nicht weniger Mitglieder dieser Gruppen, durch die Russen nur temporär verwaltet wird, scheint unmittelbar bevorzustehen. Aber im ersten Schritt wird nicht heimgeholt, sondern es sollen Deutsche, unzufriedene Deutsche, nach exNord-Ostpreußen exportiert werden.

Wer sich mit dieser Thematik beschäftigt, wird früher oder später auf den Namen „Etno-Dorf“, oder auch „Edno-Dorf“ stoßen – die Schreibweisen sind unterschiedlich. Auch der Begriff „Nascha Datscha“ steht in diesem Zusammenhang, eine russische Firma, die, nach Aussage von Herrn Andreas Funke, dem Verantwortlichen für „Etno-Dorf“ mit ihm kooperiert, um das Siedlungsprojekt für unzufriedene Deutsche wahr werden zu lassen.

Und man stößt auf ein Video bei YouTube, wo Herr Andreas Funke ein Interview gibt. Eigentlich ist es aber mehr eine Reklamesendung für sein Siedlungsprojekt.

Im Gegensatz zu den Herrn Tischer und Bachmann vom Verein „Friedenswerk“, die ebenfalls ein Deutsches Dorf im Königsberger Gebiet errichten wollen und über die wir im Internet ausreichend viele Informationen finden, finden wir über Herrn Funke nur, dass er LKW-Fahrer war und sich von seiner russischen Frau hat scheiden lassen – zumindest informiert er selber darüber im Internet:


►Videoeinspielung 11:52-12:00 (Video01-01)

 


Screen01-01: YouTube-Kommentar Andreas Funke

 

Screen01-02: YouTube-Kommentar Andreas Funke

 

Während die Herren Tischer und Bachmann auf ihrer Internetseite informieren, dass Sie mit dem Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow und anderen hochgestellten Mitgliedern der Gebietsregierung ausgezeichneten Kontakt und viel Unterstützung haben – was von dem Leiter der Pressestelle der Gebietsregierung dementiert wird, hat Herr Funke Kontakte zum FSB, dem russischen Sicherheitsdienst, zu den Nachtwölfen und zu einem interessanten Duma-Abgeordneten in Moskau.

Ich werde richtig neidisch, wenn ich dies alles lese, denn ich habe, trotz fast 30jähriger Anwesenheit in Russland, auch nicht annähernd die Kontakte, die diese Herren alle innerhalb sehr kurzer Zeit geschaffen haben.

Neidisch werde ich aber auch, wenn ich auf die Zugriffszahlen schaue, die das oben bereits erwähnte Video bei YouTube hat. Solche Zugriffe hat mein kleiner Videokanal mit keinem einzigen Beitrag bisher erreicht. Innerhalb von einem Jahr rund 10.000 Mal geschaut und rund 160 Mal kommentiert. Eine gute Statistik. Sie zeigt aber auch, wie interessant das Thema „Übersiedeln nach exOstpreußen“ für Deutsche ist.

Interessant ist auch, dass man das Video in die YouTube-Rubrik „Soziales Engagement“ eingestellt hat und nicht unter „Business“ oder „Politik“. Man sollte somit davon ausgehen, dass die Aktivisten mit diesem Projekt kein Geld verdienen, sondern sich sozial engagieren wollen.

 

Screen01-03: Soziales Engagement und Zuschauerzahlen


Und wenn man sich der Mühe unterzieht, die dortigen Kommentare und Unterkommentare zu lesen, so wird man neben jeder Menge Revanchisten-Kommentare auch Kommentare lesen, die die Seriosität dieses Projektes betreffen. So kommentiert „Internet Monster“:

 

Screen01-04: YouTuber Internet-Monster charakterisiert Siedlungsprojekt
 

„Tolles Projekt? - Abzocke der "feinsten Sorte"! Das ist eine billige Datschasiedlung mit Grundstückspreisen, wie im Moskauer Bezirk!!!“


Und Herr Andreas Funke kommt, nach 2,5 Jahren Tätigkeit in Kaliningrad, zu der Erkenntnis, dass Kaliningrad nicht Russland ist. Und er weiß, dass es in Kaliningrad andere Gesetze gibt, als in Russland. Und er weiß auch, dass die RusslandDeutschen einen anderen Rechtsstatus in Russland haben. Das waren alles Informationen, die mir völlig neu sind – ich dachte immer, Russland ist ein gesamtstaatliches Gebilde mit einer gesamtstaatlichen Gesetzgebung und mit Bürgern, die wegen individueller Merkmale nicht bevorzugt oder benachteiligt werden.

 

Screen01-05: Etna-Dorf kommentiert zur russischen Staatlichkeit
 

Werfen wir noch schnell einen Blick in das Video-Interview.

Positiv eingestimmt wird der Siedlungswillige mit der optimistischen Aussage von Herrn Funke, dass der Russe Deutschland als kleine Schwester sieht, weil eben Deutschland Russland als großen Bruder bezeichnet. Das war mir neu. Wir ehemaligen exDDR-Bürger haben zwar immer von der brüderlich verbundenen Sowjetunion gesprochen, aber haben uns nie als kleine Schwester gesehen.

 

►Videoeinspielung 01:42-01:51 (Video01-02)

 

Und heute, fast 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, kenne ich niemanden, der Deutschland als kleine Schwester Russlands bezeichnet.

Herr Funke informiert dann, dass es noch keine Internetseite für dieses Projekt gibt.

 

►Videoeinspielung 30:45-30:55 (Video01-03)


Das war der Stand vor einem Jahr. Jetzt gibt es eine Internetseite – es ist die Kopie der Internetseite der russischen Firma „Nascha Datscha“ – also eine preiswerte Variante eines eigenen Internetauftritts.

 


Und auf dieser Internetseite gibt es „Reisetermine“ und dort erfahren wir, dass die Nachfrage nach Reisen zur Besichtigung des Siedlungsgebietes so groß ist, dass man nicht einen zweiten Pendelbus einsetzt, um die Massen nach Kaliningrad zu bringen, sondern man den Pendelbus abschafft und jeder nun selber den Bus bestellen kann.

 

Screen01-07: Screen von Internetseite „Etna-Dorf“
 

„Wir haben unsere Fahrten mit dem Pendelbus eingestellt. Wir schaffen es nicht mehr Zeitmäßig, weil die Nachfrage sehr groß geworden ist.“

Wie groß die Nachfrage ist, entnehmen wir dem Interview von Herrn Funke mit Herrn Conrad:

 

►Videoeinspielung 18:06-18:14 (Video01-04)

 

Immerhin vier Interessierte. Damit ist mir natürlich klar, warum der Bus nicht mehr pendelt.

Herr Funke beschäftigt sich mit diesem Projekt, so sagt er es im Video, bereits 2,5 Jahre, also seit Mitte 2016 (das Interview wurde im Dezember 2018 veröffentlicht)

 

►Videoeinspielung 03:08-03:15 (Video01-05)

 

Und in diesen 2,5 Jahren, heute sind es schon 3,5 Jahre, gab es, so habe ich verstanden, noch keinen realen Vertragsabschluss, nicht ein einziges Haus wurde gebaut. Das will ich noch nicht einmal negativ bewerten, denn jedes Unternehmen braucht seine Zeit. Aber es steht für mich die Frage, wer denn all das finanziert, was das Unternehmen schon jetzt kostet. Obwohl, es ist ja ein soziales Projekt. Aber auch Soziales ist nicht kostenlos.

Ich glaube, ich werde auf die Frage, woher das Geld kommt, keine Antwort finden. Aber in den kommenden Beiträgen werde ich das o.g. Video und die Tätigkeit des Projektes „Etna-Dorf“ versuchen zu analysieren, werde kommentieren und werde Interessierten, die ein neues Leben im Kaliningrader Gebiet organisieren wollen, helfen, den richtigen Entschluss zu fassen.

Reklame

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