Nawalny – Russischer Märtyrer im Exil

Nawalny – Russischer Märtyrer im Exil
 
Ungestraft dürfen deutsche Medien, aber auch deutsche Politiker Vermutungen und Verdächtigungen in einer Tonlage äußern, die für Nichtleser russischer Medien nur einen Schluss in der Nawalny-Affäre zulässt: Russland ist schuldig … wie immer.  
 
 
Natürlich darf jeder in Deutschland ungestraft seine Meinung äußern, denn in der deutschen Demokratie herrscht Meinungsfreiheit.
 
Nun lebe ich in Russland und habe auch eine Meinung, die ich von Zeit zu Zeit äußere. Ich hoffe, dass das Recht auf Meinungsfreiheit auch für mich gilt – auch wenn meine Meinung nicht mit der deutscher Staatsmedien oder exponierter deutscher Politiker übereinstimmt.
 
Und vermutlich werde ich wohl mit meinen Meinungsäußerungen alle Voraussetzungen schaffen, um zum, in Kürze bevorstehenden Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 2020, keine Einladung des Deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad zu erhalten. Dort mag man keine deutschlandkritischen Deutschen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Preschwalski“
 
Am Mittwochmorgen hatte das Morgenmagazin von ARD und ZDF einen Museumsleiter eingeladen, der ein wenig die Vorgänge um Nawalny kommentieren sollte. Der sympathische Museumsleiter hinterließ einen etwas ungeübten Eindruck im Umgang mit Medien. Deshalb half ihm auch Mitri Sirin, der Interviewer, von Zeit zu Zeit ein wenig.
 
Videoeinspielung: Mitschnitt der ARD/ZDF-Nachrichtensendung „Morgenmagazin“
 
Und es wurde viel phantasiert und vermutet. Konkretes und Belastbares, also Fakten, kamen nicht zur Sprache. Da dachte ich mir, dass ich das auch mal versuche …
 
Erinnern wir uns an zwei Fakten.
 
Ein russisches Gericht hat im Oktober 2019, die von Nawalny geleitete „Stiftung für den Kampf gegen Korruption“ für schuldig befunden, falsche Informationen über die Firma „Moskauer Schüler“ verbreitet zu haben. Diese Firma beschäftigt sich mit der Organisation der Schulspeisung. Nawalnys Stiftung hatte verbreitet, dass diese Firma qualitätsgeminderte Lebensmittel für die Speisenversorgung der Kindergärten und Schulen verwendet. Das Gericht erkannte auf eine Schadenszahlung von 87,6 Mio. Rubel an die Firma „Moskauer Schüler“.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker
 
Das Urteil wurde rechtskräftig und Nawalny erklärte nach einigen Monaten intensiven Suchens nach einem Ausweg aus dieser ausweglosen Situation, dass seine Stiftung geschlossen wird. Sie ist nicht in der Lage diese Summe aufzubringen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Damit bricht die gesamte Organisationsstruktur des Oppositionärs Nawalny in Russland zusammen. Nawalny versprach, eine neue Organisation zu schaffen. Das ist bisher nicht geschehen.
 
Nun wurde bekannt, dass die Firma „Moskauer Schüler“ die Rechte an der Eintreibung der Schulden an den Unternehmer Jewgeni Prigoschin verkauft hat. Dieser hat am heutigen Mittwoch verkündet, dass er umgehend beginnt, das ihm zustehende Geld von der Nawalny-Stiftung einzutreiben…,
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Dorfgericht“
 
… d.h. er wird über seine – nicht geringen – Möglichkeiten, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, beschlagnahmen lassen und somit wird die Struktur von Nawalny in Russland binnen Monatsfrist – so meine Vermutung – aufhören zu existieren.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Lustige Leute“
 
Und Prigoschin ließ keinerlei Zweifel, dass er es ernst meint.
 
Seriöse russische Medien informieren, dass Prigoschin seine Forderungen direkt an Nawalny dann stellen wird, wenn dieser aus dem Koma erwacht.
 
„Wenn allerdings Herr Nawalny seine Seele Gott überantworten sollte, so werde ich ihn auf dieser Erde nicht weiter verfolgen. Ich werde dann mit ihm später und mit dem größten Vergnügen abrechnen“, - so die Äußerungen von Prigoschin.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Nawalny ist also macht- und mittellos in Russland und jeder Versuch durch ihn, eine neue Struktur in Russland aufzubauen, werden die russischen Gerichtsvollzieher, auf Forderung des Schuldeninhabers Prigoschin, durch rechtzeitige Beschlagnahme von Geld und materiellen Mitteln, verhindern.
 
Für die demokratieinteressierten westlichen Staaten ist Nawalny damit in Russland ohne Interesse. Er kann auch nicht mehr verwendet werden für den Kampf gegen Putin.
 
Somit kommen wir zum zweiten Fakt.
 
Die neue Verfassung Russlands gibt Putin die Möglichkeit, sich wieder als Kandidat im Jahre 2024 aufstellen zu lassen. Vermutlich weiß noch nicht mal Putin, ob er das überhaupt will, denn viel zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Aber, um den russischen Politiker Wolodin, Vorsitzender der Staatsduma, zu zitieren: „Nach Putin kommt Putin“.
 
Videoeinspielung: Wolodin im Interview
 
Mit anderen Worten, der Nachfolger von Putin wird einfach die Politik von Putin fortsetzen. Und ein einflussloser, mittelloser, vorbestrafter, bankrotter Nawalny kann durch den Westen nicht mehr eingesetzt werden. Der Westen hat verstanden, dass in Russland langsam aber sicher der direkte Einfluss über NGO`s und sonstige Einflussagenten schwindet und Russland seine gesellschaftliche Ordnung so in Ordnung bringt, dass eine normale Entwicklung, unabhängig von westlicher Einflussnahme, möglich ist.
 
Somit bleibt nur noch die Möglichkeit, aus Nawalny einen Märtyrer zu machen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Ihn einfach fallen zu lassen und ihm bis zum Lebensende eine Rente zukommen zu lassen, damit er sich in Russland Brot und Butter kaufen kann, ist möglich, aber gefährlich. Nawalny könnte vielleicht doch irgendwann einmal anfangen zu plaudern, was er denn im Jahre 2010 in den sechs Monaten seines USA-Aufenthaltes dort konkret gemacht hat. Besser, wenn er in den Westen kommt, wo man alles unter Kontrolle hat.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „17 Augenblicke des Frühlings“
 
Und damit sind wir bei Vermutungen und Phantasien.
 
Nawalny muss mit möglichst großem Aufsehen in den Westen gebracht werden. Das ist geschehen. Russland steht wieder als Schuldiger im Pranger, die westlichen Medien arbeiten hier perfekt Hand in Hand mit den zuständigen Politikern. Nach einigen Wochen wird Nawalny genesen – also ähnlich wie Skripal und seine Tochter. Wenn wir einfach phantasieren, dass der CIA oder der BND den Tee in das Gift getan haben, dann wird ja auch das Gegenmittel vorhanden sein, um Nawalny rechtzeitig wieder aus dem Nirwana zurückzuholen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Preschwalski“
 
Dann kann er in Deutschland, als Gast der Bundeskanzlerin Angela Merkel und auf Kosten der deutschen Steuerzahler, eine neue Stiftung gründen. Es wird ausreichend Quellen geben, die hier finanziell, materiell und organisatorisch helfen.
 
Und Märtyrer Nawalny kann dann aus dem Ausland heraus den russischen Tyrannen Putin bekämpfen. Mindestens einen Gesprächs- und Leidenspartner hat Nawalny auf alle Fälle: Chodorkowski. Dem ist es allerdings trotz seiner Milliarden, die er noch im Ausland irgendwie verstecken konnte, nicht gelungen, auf die aktuelle Tagespolitik in Russland Einfluss zu nehmen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Aber als kleiner Floh im Pelz des russischen Bären, taugen beide allemal.
 
Sie haben natürlich verstanden, liebe Leser und Zuschauer, dass ich eine blühende Phantasie habe. Sie hat mit dem wirklichen Leben und tatsächlichen Geschehnissen überhaupt nichts gemein. Zufällige Namensgleichheiten sind rein zufällig, aber durchaus beabsichtigt.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Kino-Klassiker „Der Revisor“
 

 

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