Noch ein Europäer will die russische Staatsbürgerschaft

Noch ein Europäer will die russische Staatsbürgerschaft
 
Im Rahmen einer Video-Brücke, die am Freitag der vergangenen Woche stattfand, bat ein Italiener den russischen Präsidenten in aller Öffentlichkeit, um die russische Staatsbürgerschaft. Präsident Putin hörte ihm aufmerksam zu. Ob der Italiener seinen Wunsch richtig verpackt hatte, bleibt der subjektiven Beurteilung der Zuschauer überlassen.
 
 
Vielleicht ein paar Worte zur Vorgeschichte.
 
Im Januar 2013 erhielt der französische Schauspieler Gerard Depardieu vom russischen Präsidenten Putin die russische Staatsbürgerschaft.
 
Videobegleitung: Russische Nachrichtensendung zur Verleihung der Staatsbürgerschaft
 
Neben der Vergabe der russischen Staatsbürgerschaft im Normal- und vereinfachten Verfahren, hat der russische Präsident, entsprechend dem Gesetz über die russische Staatsbürgerschaft die Möglichkeit, Ausländern, die besondere Verdienste um das Land haben, die Staatsbürgerschaft ehrenhalber zu verleihen. Dies ist in diesem Fall geschehen, erregte damals international viel Aufmerksamkeit, da Frankreich plante, die Besteuerung seiner Bürger radikal zu verändern und der französische, gut genährte Schauspieler und Weinkenner erhielt die Möglichkeit, durch eine zweite Staatsbürgerschaft das Gesetz zur Doppelbesteuerung für sich zu nutzen. Da Russland, was viele leider nicht wissen, ein reines Steuerparadies ist, zahlt der französische Schauspieler jetzt höchstens 13 Prozent Steuern auf seine Einnahmen, oder, wenn er eine entsprechende Firmenstruktur hat, vielleicht sogar nur sechs Prozent.
 
Es gab Stimmen in der damaligen Gesellschaft, die die Vergabe nicht begrüßten. Die Staatsbürgerschaft eines Landes ist eine heilige Sache und Ausländern sollte die Staatsbürgerschaft – egal um welches Land es sich handelt – durch Sonderrechte des Präsidenten nur dann vergeben werden, wenn diese Person sich wirklich Verdienste um das Land erworben hat. Persönlich habe ich damals nicht gesehen, welche Verdienste Gerard Depardieu um Russland hat und sehe sie auch heute nicht.
 
Ich selber brauchte fünf Jahre, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Auch bei mir gab es Hürden, die ich nicht nehmen konnte, trotz 30jährigem Aufenthalt im Land, trotzdem ich hier studiert hatte, trotzdem ich über die Hälfte meines Arbeitslebens Steuern in Russland bezahlte. Erst mit dem neuen Staatsbürgerschaftsgesetz, welches Mitte 2020 in Kraft trat, wurden die Wege geebnet, wurden die Hindernisse beseitigt, die bis dato dem Erhalt der Staatsbürgerschaft für mich im Wege standen. Ich habe im Verlaufe des Antragsverfahrens ein Treffen mit der Leiterin der Migrationsbehörde in Kaliningrad gehabt, ein Treffen mit dem Leiter der Innenverwaltung des Kaliningrader Gebietes, habe mich an den Kaliningrader Gouverneur gewandt, zwei Mal an den russischen Innenminister und drei Mal an den russischen Präsidenten geschrieben. Tröstend für mich ist die Vermutung, dass mein umfangreicher Schrift- und Videoverkehr mit all diesen Personen vielleicht Eingang in das neue Staatsbürgerschaftsgesetz gefunden hat, denn alles, was ich an hinderlichen Momenten genannt hatte, ist im neuen Gesetz nicht mehr vorhanden…
 
Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Es ging ja darum, dass ein Italiener dem russischen Präsidenten mitteilte, dass er keinen sehnlicheren Wunsch habe, als russischer Staatsbürger zu werden.
 
Schauen wir kurz in die Aufzeichnung der Videobrücke:
 
„Herr Präsident, ich bin kein Franzose und auch kein Schauspieler. Ich bin ein einfacher italienischer Lehrer und mein größter Traum ist es, Staatsbürger Russlands zu werden. Dies ist kleiner Hinweis.“
 
„Hinweise sind niemals klein.“
 
 
Der junge, lockere Italiener, natürlich mit italienischen Emotionen, erinnerte in seinen Worten den russischen Präsidenten an den Vorgang mit dem Schauspieler Gerard Depardieu.
 
Ich persönlich hätte eine andere Einleitung gewählt, denn es ist logisch, dass weder der italienische Lehrer noch ich irgendwelche besonderen Verdienste um den russischen Staat haben. Uns beiden bleibt nur, auf der Grundlage des ganz gewöhnlichen Gesetzes die Staatsbürgerschaft zu beantragen und nach dem ganz normalen Verfahren diese auch zu erhalten.
 
Trotzdem der Italiener in lockerer flockerer Weise seinen Wunsch vorgetragen hat, war ich zwar von seinem Auftritt begeistert, aber mit ein paar Runzeln auf der Stirn. Ich hätte das Beispiel des französischen Schauspielers nicht einfließen lassen …
 
Videoeinspielung: Italiener wendet sich an Putin
 
Und der Italiener beendete seine Information mit den Worten: „Dies nur als kleiner Hinweis“.
 
Die Antwort von Präsidenten Putin fiel dann auch entsprechend aus. Wir wissen ja, dass Putin schlagfertig ist und er häufig nicht sehr viele Worte braucht, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
 
Videoeinspielung: Antwort des russischen Präsidenten Putin
 
„Hinweise sind niemals klein …“, so Wladimir Wladimirowitsch.
 
Und der Italiener quittierte diesen „kleinen Hinweis“ Putins, mit einem Lächeln. Er hatte wohl auch verstanden.
 
Auf irgendeine Einflussnahme durch den russischen Präsidenten braucht weder der Italiener, noch irgendein anderer Ausländer zu hoffen, denn auch der russische Präsident erfüllt die Gesetze seines Landes, die er selber unterzeichnet hat. Und die Nutzung von Sonderrechten des Präsidenten für die Vergabe der russischen Staatsbürgerschaft sollte eine absolute Ausnahme sein, die durch die russische Gesellschaft auch einstimmig mit Begeisterung begrüßt wird.
 
Somit wird der Italiener den Weg gehen müssen, wie wir ihn alle gegangen sind: Visum (ein Jahr), Zeitweiliges Wohnrecht (mindestens ein Jahr), Aufenthaltsgenehmigung (mindestens fünf Jahre), Beantragung der Staatsbürgerschaft. Dies erfordert – im günstigsten Fall – einen Zeitaufwand von sieben Jahren.
 
Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

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