Paragraph 1 – Der Russe ist immer schuld

Paragraph 1 – Der Russe ist immer schuld
 
Am Wochenende informieren die russischen Medien über Äußerungen von deutschen Politikern zu internationalen negativen Ereignissen, an denen Russland schuld ist. Deutschland sucht den Schulterschluss mit anderen Ländern, um im Kampf gegen den russischen Gegner ausreichend Rückendeckung zu haben. Man demonstriert die Anti-Russland-Koalition.
 
 
Wieder einmal hat sich die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Wort gemeldet und dem deutschen Volk verkündet, dass die Herausforderungen an Europa wachsen und Schuld daran sind die Russen.
 
Diese Erklärung gab die Frau Ministerin in einem Interview mit dem „Redaktions-Netzwerk Deutschland“ – schreiben die russischen Medien.
 
Ministerin Kramp-Karrenbauer meint, dass Deutschland seinen eigenen Interessen zu dienen, seine eigene Sicherheit zu organisieren habe. Man muss mehr Geld für die Verteidigung ausgeben, dann bestehe auch keine Notwendigkeit, dass die USA weitere Dienstleistungen zum Schutze Deutschlands erweisen. Deutschland stehe im Zentrum verschiedener Angriffe, welche alle in Verbindung mit Russland stehen.
 
 
Bleiben wir kurz bei dieser Äußerung und fragen, welche Handlungen Russland konkret gegen Deutschland unternommen hat. Es wird immer wieder von irgendwelchen Hackerangriffen, hybriden Handlungen und ähnlichen, für den einfachen Bürger nicht nachprüfbaren Handlungen gesprochen. Beweise werden nie auf den Tisch gelegt, da alles sehr geheim ist. Geheim ist aber niemals, dass Russland schuld an diesen Handlungen ist.
 
Aber unterstellen wir der Frau Bundesministerin einfach mal, dass ihre Sorge zu Recht besteht und Russland wirklich so böse ist, wie das die westlichen Demokratien immer wieder darlegen. Dann steht die Frage, warum Russland so böse ist? Was will Russland von Deutschland, dem Land, dem es 1990 die Wiedervereinigung ermöglicht hat und aus dem es den letzten Soldaten 1994 abgezogen hat?
 
Will Russland Deutschland wieder besetzen? Wozu?
 
Braucht Russland Deutschland als Arbeitsmarkt, als Absatzmarkt, als Quelle für Arbeitssklaven, die Sibirien und den Fernen Osten Russlands aufbauen sollen?
 
Worin besteht also die Notwendigkeit einer Bedrohung Deutschlands durch Russland?
 
Ich sehe, dass Deutschland sich zwar im Jahre 1990 wiedervereinigt, aber seine Souveränität nicht wiedererlangt hat. So lange wie ausländische Truppen ständig oder zeitweilig sich auf dem Territorium eines anderen Landes befinden, ist dieses Land nicht souverän, von der eigenen fehlenden Währung, die Deutschland im Jahre 2002, zusätzlich, freiwillig, im Rahmen der Europäischen Union aufgegeben hat, einmal ganz zu schweigen.
 
 
Russland fühlt sich betrogen, um die Versprechungen, die im Jahre 1990 gemacht worden sind. Amerika und die NATO stehen nicht nur weiterhin in Deutschland, sondern jetzt auch in Polen.
 
Die Hand, die Putin im deutschen Bundestag ausgestreckt hat, um doch noch eine gemeinsame Sicherheitspolitik zu betreiben, wurde durch die Abgeordneten weggeklatscht.
 
Videoeinspielung: Zitat Putin vor dem Bundestag - höfliches Klatschen von Bundestagsabgeordneten
 
Deutschland, so tönt es in den letzten Tagen immer häufiger, zeigt sich beunruhigt über Truppenbewegungen Russlands auf seinem eigenen Territorium, in der Nähe zur ukrainischen Grenze. Über die Truppenbewegungen der Ukraine in der Ukraine, die die Vereinbarungen zur Truppenentflechtung aus Mitte 2020 zunichte macht, zeigt man sich in Deutschland nicht beunruhigt.
 
Und Russland zeigt sich beunruhigt zu Truppenbewegungen der Amerikaner in Deutschland, Polen, Litauen, Estland, Lettland, Bulgarien, Rumänien usw. usw.
 
Russland hat keine Truppen an der Grenze zu Deutschland stationiert. Noch nicht mal einen symbolischen Ehrenposten am Grabmal eines sowjetischen Soldaten.
 
Deutschland hat Soldaten an der russischen Grenze und stellt seine Infrastruktur zur Verfügung, damit fremde Mächte, die Deutschland an seiner Souveränität hindern, mit ihren militärischen Aktionen Russland in seiner Sicherheit beeinträchtigen. Das Russland Maßnahmen auf seinem eigenen Territorium einleitet, um sich zu schützen, ist doch wohl nachvollziehbar – oder?
 
Nein, für viele Deutsche ist dies nicht nachvollziehbar und man klatscht Beifall zu den Forderungen, dass Russland sich auf seinem eigenen Territorium nicht so bewegen darf, wie es dies für richtig hält.
 
Amerikanische Truppen dürfen sich, weit ab von Amerika so bewegen, wie sie wollen, aber russische Truppen dürfen sich auf russischem Gebiet nicht bewegen wie sie wollen – was für eine Absurdität und Deutschland ist sich nicht zu schade, an dieser Absurdität teilzunehmen und seine Besorgnis zum Ausdruck zu bringen.
 
Die USA haben es blendend verstanden, seit 1945 über ein ausgeklügeltes System der Einflussnahme, der Beeinflussung, der Ausbildung, mit materiellen Hilfen Deutschland in ihre Abhängigkeit zu bringen. Die Abhängigkeit Deutschlands, die Un-Souveränität Deutschlands, ist so perfekt, dass es wohl kaum eine wirklich reale Chance gibt, daran etwas zu ändern.
 
Wenn wir aber schon bis zu dieser Erkenntnis gekommen sind, dann müssen wir auch weitere Überlegungen anstellen.
 
Das Verhältnis Deutschland-Russland wird sich also nicht verbessern – eben deshalb, weil es die Amerikaner nicht wollen. Wird es sich verschlechtern? Wird es auf niedrigem Niveau stagnieren? Schon jetzt wird ja davon gesprochen, dass es eigentlich gar kein Verhältnis mehr gibt. Selbst wenn es mit der Europäischen Union keine Kontakte mehr gibt, wird der in Europa bestehende politische Mechanismus dafür sorgen, dass auch die bilateralen Kontakte, auf die Russland, zum gegenwärtigen Zeitpunkt, noch hofft, nicht mehr funktionieren werden.
 
Und weiter? Wo endet das Ganze? Man redet einfach nicht mehr miteinander, man ignoriert sich? Das ist möglich. Oder gibt es ein anderes Ziel?
 
Zuerst hat man das sozialistische Lager, danach die Sowjetunion zerschlagen und es ist gelungen, fast alle ehemaligen sozialistischen Länder und ehemaligen Sowjetrepubliken in westliche Bündnisse zu bringen. Der nächste logische Schritt ist somit, Russland mit seinen 85 Regionen zu zerschlagen und in die Kleinstaaterei zu bringen. Das bedeutet aber Krieg, denn in Russland wird man diese Anstrengungen nicht einfach so hinnehmen.
 
Und Krieg bedeutet, dass tausende, zehntausende, hunderttausende deutscher Familien in ihrem Postkasten nicht nur Werbung vorfinden, sondern Einberufungsbefehle an die Ostfront. Der Familienvater verlässt die Wohnung nicht, um frische Brötchen vom Bäcker zu holen und mit Frau und Kindern das Morgenmagazin von ARD/ZDF zu schauen und dort, während er in das knusprige Marmeladenbrötchen beißt, zu hören, wie schuldig der Russe wieder mal ist, sondern er verlässt die Wohnung, um an der Ostfront Deutschland vor dem bösen Russen zu schützen. 
 
Frau Annegret Kramp-Karrenbauer wurde durch den Interviewpartner vorgehalten, dass mehr Verteidigungsausgaben in der deutschen Bevölkerung nicht populär sind. Aber das ist ihr egal, denn der Russe ist böse und man muss etwas gegen die russische Bedrohung tun.
 
Wir erinnern uns, dass Frau Annegret Kramp-Karrenbauer schon vor einigen Monaten, als sie vor dem Bundestag ihren Haushalt verteidigte, argumentierte, dass Russland böse ist und man, in guter alter deutscher Tradition, mit Russland, aus der Position der Stärke heraus, reden müsse.
 
Hoffen wir, sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer, dass Sie dies niemals wirklich tun müssen und ihre Darlegungen rein rhetorischer Art sind. Deutschland hat schon einmal sehr viel Geld für sein Militär ausgegeben. Wie dies endete, wissen alle.
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung