Schluss mit Nawalny?

Schluss mit Nawalny?
 
Nicht wenige meiner Youtube-Zuschauer fordern in ihren Kommentaren, doch endlich diesen Nawalny zu vergessen. Allen ist klar, welche Rolle diese Person spielt und dass er ausgespielt hat. Aber hat er wirklich ausgespielt oder nur die Haupt- und Nebenrolle mit seiner Frau Julia getauscht? Und schweigt der politische Gegner oder bereitet er den mentalen Krieg gegen Russland vor?
 
 
In der vergangenen Woche kommentierte ein Berater des russischen Verteidigungsministers die Weltlage. Und er erklärte, dass sich der Westen bereits im mentalen Kriegszustand mit Russland befinde. Der mentale Krieg ist der Kampf um die Köpfe der Menschen. Er läuft über viele Jahre, Jahrzehnte und hat nicht das Ziel Menschen physisch zu töten. Der Westen hat verstanden, dass er den russischen Menschen nur töten kann, wenn er, der Westen, selber bereit ist, dafür zu sterben. Da man dies nicht will, wird der mentale Krieg eröffnet. Und der Westen führt ihn recht erfolgreich, wie die tägliche Praxis zeigt. Man baut auf einem ganz einfachen Prinzip auf, welches bereits im Jahre 1945 geboren wurde: „Russland ist böse“ oder, wie der amerikanische Präsident Reagan einige Jahrzehnte später formulierte: „Die Sowjetunion ist das Reich des Bösen.“
 
Das haben viele in den westlichen Demokratien verinnerlicht, sozusagen mit der freiheitlich-demokratischen Muttermilch aufgesogen. Die Erkenntnis, dass die Russen böse sind, ist in den westlichen Köpfen so stark verankert, wie in den russischen Köpfen verankert ist, dass der Deutsche pünktlich, ehrlich, fleißig … und überhaupt, ein sehr guter Mensch ist. Und in den russischen Köpfen ist verankert, dass Amerika toll ist …
 
 
Über Nawalny nicht mehr zu berichten, hieße, dem westlichen Gegner, dem Feind Russlands, also den USA, der Bundesrepublik Deutschland und den anderen Ländern der NATO, das Feld zu überlassen. Natürlich muss nicht über jeden Pups berichtet werden, den Nawalny oder irgendjemand aus seinem Umfeld ablässt. Aber über einige prinzipielle Dinge sollte man schon weiter berichten.
 
So gehe ich davon aus, dass die Berichte der westlichen Medien über den Gesundheitszustand von Nawalny erst der Auftakt sind, um sich generell mit dem russischen Strafvollzug zu beschäftigen. Und, dazu gehört keine große Analysefähigkeit, kann man wohl ahnen, wie die Berichterstattung aussehen wird – katastrophal und menschenverachtend.
 
Grafik: Anzahl der Strafgefangenen in ausgewählten Ländern
 
Es wird den westlichen Medien nicht schwerfallen, ausreichend Menschen in Russland zu finden, die im Strafvollzug waren und die gegen Judaslohn bereit sind, alles vor den Kameras zu erzählen, was man braucht, um Russland zu diskreditieren, also den mentalen Krieg an diesem Frontabschnitt zu führen.
 
Grafik: System des Strafvollzugs in Russland
 
Wir brauchen uns nichts vormachen. Natürlich sind die russischen Gefängnisse keine Sanatorien, keine Fünf-Sterne-Hotels. Und an sich kann es keinen einzigen Strafgefangenen geben, der sich über ein russisches Gefängnis lobend äußert und eine Dankeseintragung in das Gästebuch der Anstalt vornimmt. Wenn dem so wäre, hätte die Strafvollzugsanstalt einen Fehler gemacht. Ziel ist doch, dass der Strafgefangene die Anstalt in möglichst schlechter Erinnerung behält und alles tut, um nicht wieder in den Strafvollzug zu kommen – also zukünftig so lebt, wie der ehrliche Teil der Gesellschaft.
 
Videobegleitung: Die Strafkolonie IK-2
 
In den letzten Tagen habe ich mich ein wenig mit der Strafvollzugsanstalt IK-2 in Wladimir beschäftigt. Das ist die Anstalt, in der Nawalny gegenwärtig einsitzt und wo er innerhalb von nur 14 Tagen bereits sechs Mal gegen die Anstaltsregeln verstoßen hat. 
 
Im russischsprachigen Internet findet man jede Menge Informationen von ehemaligen Insassen. Es gibt auch Rechtsanwälte, die ihre Schützlinge in dieser Anstalt besucht und im Internet ihre Eindrücke hinterlassen haben. Ich habe keine positiven Aussagen zu dieser Anstalt von diesem Personenkreis gefunden. Sie wird als sehr streng charakterisiert. Das Ziel der Anstalt ist es, den Menschen zu brechen, ihm zu zeigen, dass er ein Nichts ist – so mal kurz zusammengefasst die geäußerten Meinungen.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Liest man etwas gründlicher, hört man den Äußerungen der Strafgefangenen oder exStrafgefangenen genau zu, so stellt man fest, dass die Mehrzahl der ehemaligen Insassen sich einfach an den Anstaltsregeln stößt – mit anderen Worten, sie stoßen sich an der Disziplin, die die Anstalt für sich festgelegt hat.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Als ich die ganzen Dinge gelesen hatte, die kritisiert werden, also das Wecken, der Tagesablauf, die Meldungen die ein Strafgefangener zu machen hat, die Kontrollen des Wachpersonals, die Essenseinnahme … usw. usw., so hat mich vieles an meinen Dienst in der Armee erinnert. Da lief das Leben ähnlich ab und ich empfand dies natürlich nicht wie bei Mama zu Hause, aber als notwendigen Prozess, um mich zu einem vollwertigen Mitglied eines Militärkollektivs zu machen.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Der russische Strafvollzug ist – so hatte ich den Eindruck nach meinen Analysen im Internet – gläsern. Man findet sowohl Internetseiten des Föderalen Dienstes für den Strafvollzug insgesamt, wie aber auch zu jeder einzelnen Strafvollzugsanstalt eine oder sogar mehrere Internetseiten, wo über alle Details des Lebens während des Strafvollzugs berichtet wird. Logisch, dass sich diese Darlegungen von denen unterscheiden, die die Strafgefangenen wiedergeben.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Man findet z.B. auf der Internetseite sämtliche Telefonnummern von allen Verantwortlichen der Strafanstalt und darunter sind die Sprechzeiten der Verantwortlichen aufgeführt, zu denen man sich anmelden kann.
 
Es sind alle Zeiten geregelt, wo der Strafgefangene sein Essen einnimmt, seine Post erhält, Reinigungsarbeiten durchzuführen hat, Weiterbildung betreibt oder aber zur Arbeit zu gehen hat.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Geregelt sind natürlich die Besuchszeiten. Hier wird unterschieden zwischen Kurz- und Langzeitbesuchen.
 
Videobegleitung: Die Besucherräumlichkeiten im IK-2
 
Für Kurzzeitbesuche gibt es neun Kabinen, ausgestattet mit Telefonen.
 
Für Langzeitbesuche stehen insgesamt 34 Zimmer zur Verfügung, teilweise speziell eingerichtet für Familien mit Kindern. Alle Zimmer verfügen über ein Bad mit Toilette sowie einen Fernsehapparat. Für die Zeit, wo die Eltern unter sich sein wollen, verfügt die Haftanstalt über ein Kinderspielzimmer. Weiterhin gibt es eine Gemeinschaftsküche mit sämtlicher Technik, in der die Familienangehörigen das Essen zubereiten können, was sie selber mitgebracht haben.
 
Für mobilitätseingeschränkte Personen gibt es ein gesondert ausgestattetes Besucherzimmer.
 
Insgesamt hat die IK-2 eine Aufnahmekapazität von rund 800 Personen.
 
Im Alter von 18 – 30 Jahre sind die Insassen verpflichtet zu arbeiten. Die Insassen haben die Möglichkeit einen mittleren oder Hochschulabschluss für eine Berufsrichtung während der Haft zu erwerben. Allerdings haben sie für diese Ausbildung zu bezahlen.
 
Videoeinspielung: Interview mit Bürgern zu Nawalny
 
Videobegleitung: Haftanstalt IK-2
 
In der Haftanstalt gibt es eine repräsentative orthodoxe Kirche und eine Gebetsstätte für Islamisten.
 
Den Insassen stehen Clubräume, Bibliotheken, Sportsäle zur Verfügung.
 
Die Haftanstalt verfügt über eine eigene Brotbäckerei und eine eigene Wasserquelle, in der das Trink- und Essenswasser für die Anstalt selber gewonnen wird. Im Jahre 2006 wurde eine neue Gasheizungsanlage in Nutzung genommen.
 
Videobegleitung: Haftanstalt IK-2
 
Der aufmerksame und interessierte Internetnutzer findet auf der zentralen Internetseite der russischen Strafvollzugsbehörde sämtliche Informationen zu allen anderen Strafvollzugsanstalten in Russland. Voraussetzung ist natürlich die Kenntnis der russischen Sprache, um sich alternativ zu freiheitlich-demokratischen nichtrussischsprachigen Medien der westlichen Demokratien informieren zu können:
 
Videoeinspielung: Interviewauszug Mitarbeiterin der Strafkolonie
 
Wie am Montagabend bekannt wurde, hat der Strafgefangene Nawalny eine zweite Klage gegen Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten eingereicht. Dieser hatte öffentlich Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt, dass Mitarbeiter des amerikanischen Dienstes CIA mit Nawalny arbeiten und diesen anleiten. Nawalny bestreitet dies und die Klage gegen Peskow lautet auf Verleumdung.
 
Videobegleitung: Nawalny während des Gerichtsprozesses
 
Welcher Paragraph gegen Nawalny im Zusammenhang mit seinem Zeichentrickfilm zum Putin-Palast angewandt werden wird, wurde bisher noch nicht bekannt.

 

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 5. April 2021 02:27 pm

    Schluß mit Nawalny? Aber nicht doch. Anfangs als er eingezogen ist in den Strafvollzug, da riskierte er ja noch eine flotte Lippe und sah das wohl alles etwas locker und als kurzfristig und vorübergehend. Offensichtlich hatte er darauf vertraut, daß die "internationale" Nato-Gemeinschaft seinem Knastaufenthalt kurzfristig ein Ende bereitet und so diesen Putin seine Grenzen aufzeigt und ihn vorführt. Nach dem Motto, du bist gar nicht so stark, wie du immer tust. Aber daraus wurde nichts. Aljoscha hat einen sehr kurzen Haarschnitt, trägt die graue Häftlingskleidung und jammert. Nun hatte er Damenbesuch von Maria Budina, die ja so an die zwei Jahre US-Knast überstanden hat. Weil dieses offensichtliche Weichei Ljoscha Gruselmärchen in die Welt gesetzt hatte, wollte es RT genau wissen und hat mit Kamera-Team und Budina ihn, den angeblich gefolterten Oppositionellen besucht. Das war dem Simmulanten wohl gar nicht recht. Jedenfalls ist auch diese Blase geplatzt.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 5. April 2021 05:32

      ... ja, unser Held hat sich wenig staatsmännisch während des Besuches von Frau Budina verhalten.

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