Start für die Russifizierung Kaliningrads?

Start für die Russifizierung Kaliningrads?
 
Viele Jahre figurierte der Begriff „Germanisierung Kaliningrads“ in der Kaliningrader Gesellschaft. Dieser Begriff sollte einen schleichenden Prozess beschreiben, die Stadt und das Gebiet Kaliningrad dem russischen Mutterland zu entfremden. Es sollte eine besondere Identität der Bevölkerung geschaffen werden, die sich mehr zur historischen Vergangenheit, denn zur modernen Gegenwart hingezogen fühlt.
 
 
Man könnte diesen schleichenden Prozess auch als Hirnwäsche bezeichnen. Wesentliche Unterstützer für diesen Prozess finden sich in der Kaliningrader Intelligenz, den liberalen Kreisen und im Unternehmertum. Viele glauben, dass eine Veränderung des politischen Status Quo für sie persönliche Vorteile, ein besseres Leben bringt.
 
Für den schleichenden Prozess der Hirnwäsche ist der Begriff „Germanisierung“ allerdings nicht korrekt gewählt. Er ist nicht allumfassend für das, was im Kaliningrader Gebiet vor sich geht. Denn nicht alles wird Germanisiert. Es gibt auch Prozesse, die man als Amerikanisierung bezeichnen kann, aber auch andere westliche Länder stehen für eine beeinflusste Kulturentwicklung in Kaliningrad. Vielleicht wäre der Begriff „Europäisierung“ zutreffend – aber da bin ich mir nicht ganz sicher, denn dieser Begriff ist sehr umfassend und das, was in Kaliningrad vor sich geht, ist nicht so umfassend, dass es diese Charakterisierung verdient.
 
Mit anderen Worten: Das Wort „EndRussifizierung“ ist wohl der beste Begriff, der alle Vorgänge der Beeinflussung der Kaliningrader Gesellschaft am besten beschreibt.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Jahrelang wurde dieser Prozess ignoriert und heute steht die russischorientierte Gesellschaft im Kaliningrader Gebiet zwar nicht hilflos vor einem Scherbenhaufen, aber doch immerhin am Anfang einer großen Subbotnik-Aktion: Der Beseitigung ausländischen Mülls, der für die Entwicklung einer angenehmen Kultur in der russischen Stadt Kaliningrad nicht benötigt wird.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Persönlich bin ich der Meinung, dass die Kaliningrader für ein angenehmes Leben keine deutschsprachigen Wohngebiete brauchen, denn die Häuser die dort stehen, sind von Russen gebaut, mit russischem Baumaterial und entworfen durch russische Architekten.
 
Restaurants mit amerikanischer Bezeichnung, in der „Königsberger Klopse“ mit dem Geschmack von „Kaliningrader Buletten“ serviert werden, braucht auch niemand.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Wahltag“
 
Touristen, deutsche Touristen, französische, britische, chinesische Touristen, wollen russisches Leben kennenlernen und nicht eine billige Kulturkopie aus ihrer eigenen Heimat.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Und auch die Kaliningrader selber brauchen keine pseudo-West-Kultur in Kaliningrad, häufig ein billiger, falscher Abklatsch der wirklichen Kultur die in Deutschland, Italien, Spanien, China herrscht. Wer diese Kultur genießen will, fährt dorthin. Die Reisefreiheit macht dies möglich – auch wenn es gegenwärtig Einschränkungen gibt.
 
Nun macht die progressive russische Gesellschaft in Kaliningrad langsam mobil. Vermutlich hilft auch ein wenig die gegenwärtige, sehr angespannte Situation zwischen Deutschland und Russland.
Deutschland selber hat sein positives Image, seine Narrenfreiheit in Kaliningrad, im August des Jahres 2014 verloren. Der Auftritt eines deutschen Diplomaten, mit einer antirussischen Hassrede in Kaliningrad, war der Auftakt für eine andere Einstellung zu den „Ach so guten Deutschen“, seitens russischer Verantwortlicher.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Tote Seelen“
 
Jetzt beginnt die Kaliningrader Staatsanwaltschaft, vermutlich aufgerüttelt durch Vertreter der Kaliningrader progressiven russischen Gesellschaft, die russischen Gesetze zum Schutz der russischen Sprache umzusetzen.
 
Spektakulär wurde der Fall der Inschrift „Neuhausen“ an einem Haus am Stadtrand von Gurewsk behandelt. In wenigen Tagen wird das Problem erledigt sein – informierte der zuständige Staatsanwalt in Gurewsk.
 
Foto: Deutsche Inschrift „Neuhausen“ am Ortseingang von Gurewsk
 
Der nächste Fall wird der des deutschen Soldatenkreuzes auf der Kant-Insel sein – „Kaliningrad-Domizil“ berichtete darüber.
 
Videoeinspielung: Soldatenkreuz auf Kant-Insel in Kaliningrad
 
Und anscheinend hat eine bekannte Kaliningrader Firma die Zeichen der Zeit gerade noch rechtzeitig erkannt. „Königsbäcker“ erfüllte bisher alle Voraussetzungen, dass der Staatsanwalt mit der ganzen Strenge des Gesetzes gegen diese Firma, die viele Konditoreien in der Stadt und dem ganzen Gebiet in Kaliningrad betreibt, hätte vorgehen können.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Die Firma verfügt über eine Immobilie, direkt im Gebäude der Kaliningrader Stadtverwaltung.
 
Videobegleitung: Stadtverwaltung Kaliningrad
 
Hier waren schon immer verschiedenste Restaurantformate untergebracht. Jetzt wurde hier ein „Königsbäcker“ eingerichtet. Die Reklame über dem Eingang hing aber nur ganz kurze Zeit und am Donnerstag wurde sie plötzlich demontiert und eine russischsprachige Konditoreibezeichnung angebracht.
 
Foto: Russischsprachige Umbenennung der Firma „Königsbäcker“
 
Sie bedeutet in der Übersetzung „Königsbäcker“. Man verzichtete in der jetzigen Variante auf die deutsche Übersetzung. Wozu auch? Deutsche Touristen kommen sehr wenige nach Kaliningrad – weniger als zwei Prozent vom gesamten Touristenaufkommen. Den Umsatz macht diese Konditoreikette mit den Kaliningradern und die sprechen Russisch.
 
Grafik: Entwicklung Tourismus in Kaliningrad
 
Das Niveau des deutschsprachigen „Königsbäckers“ hat in der letzten Zeit sehr stark nachgelassen. Das einzig Königliche an diesen Konditoreien waren die Preise. Freundlichkeit und Sauberkeit ließen sich überhaupt nicht mehr mit dem vergleichen, wie es damals war, als die ersten Konditoreien öffneten.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker
 
Somit bleibt zu hoffen, dass die erste russischsprachige Konditorei „Korolewskaja Pekarnja“ die Chance nutzt, um die Qualität der Backwaren und auch des Service auf wirkliches russisches Niveau anzuheben.
 
Videoeinspielung: Russischer Filmklassiker „Besonderheiten des nationalen Fischfangs“
 
Und mit Ungeduld wartet die progressive russische Gesellschaft auf die reklametechnische Umbenennung aller anderen Konditoreien – schon deshalb, weil niemand wünscht, dass der Staatsanwalt erst noch Aufforderungen an die Firma versenden muss.
 
Foto: Konditoreien „Königsbäcker“ in Kaliningrad
 
Und vielleicht verstehen auch die vielen anderen, die Deutschland, Deutschland über alles lieben, dass niemand etwas gegen diese Liebe hat, aber geliebt wird in Kaliningrad im Rahmen russischer Gesetze.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Tote Seelen“
 
Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

Reklame

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