Vom Kommen und Gehen deutscher Landwirte im Kaliningrader Gebiet

Vom Kommen und Gehen deutscher Landwirte im Kaliningrader Gebiet

 

Im Jahre 2014 hat Russland auf die Sanktionen westlicher Staaten mit Gegensanktionen geantwortet und mit diesen Sanktionen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Nach den ersten euphorischen Jahren, ist es jetzt in der Kaliningrader Landwirtschaft wieder ruhiger geworden – zumindest scheint dies so.

 

 

Kaliningrad hat seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nichts getan, um seine Landwirtschaft zu entwickeln oder doch zumindest auf dem sowjetischen Niveau zu halten. Der Import aus Polen und anderen Ländern, die ihre Landwirtschaft durch Subventionen bei der Gestaltung niedriger Preise fördern, war viel einfacher. Und so konnte man Kaliningrader Äpfel meist nur bei den Babuschkas kaufen, die am Straßenrand saßen und die damit ihre Sozialkontakte pflegen.

Seit 2014, wo Kaliningrad immer wieder mit Blockadedrohungen seiner Nachbarn konfrontiert wurde, hat sich die Situation ein wenig geändert. Die Aufgabe, die landwirtschaftliche Eigenversorgung der Region zu gewährleisten, ist aber trotzdem bis heute nicht erfüllt, obwohl das Ziel schon 2018 erreicht werden sollte – wenn ich mich recht erinnere.

 

Grafik: Eigenversorgung im Kaliningrader Gebiet
 
Und ich erinnere mich, dass auch Deutsche sich für die Kaliningrader Landwirtschaft interessierten. Damals, im Jahre 2012, als meine Informationsagentur startete, erhielt ich viele Anrufe, emails und Besuche von Deutschen, die sich als Landwirte vorstellten und die sich zu den Möglichkeiten im Kaliningrader Gebiet kundig machten.
 
Wo sind nun diese Deutschen geblieben?
 
Es gibt einige wenige – man kann sie an einer Hand abzählen – die in Kaliningrad tätig sind, erfolgreich tätig sind. Spontan fallen mir drei ein, die sich etabliert haben und erfolgreich arbeiten.

 

Videoeinspielung

Aber wo sind alle anderen, die vor Jahren sich zur Kaliningrader Landwirtschaft kundig machten?

Um das herauszufinden, gibt es in Kaliningrad mehrere Möglichkeiten: Offizielle, halboffizielle und Beziehungen. Ich habe nur die Möglichkeit offizielle Recherchen anzustellen und dabei hilft mir u.a. ein Portal, welches sich „Für ein ehrliches Business“ nennt.

 

Grafik: Screen Startbildschirm „Ehrliches Business“
 
Wer hier Namen oder eine Firmenbezeichnung eingibt, oder eine Steuernummer, oder die Adresse einer Firma, erhält umfassende Auskunft. Wer sich auf diesem Portal registriert, erhält noch weitere Informationsmöglichkeiten. Das Ganze kostet nichts. Es gibt allerdings auch die Premium-Variante, wo man für wenig Geld defacto alles erfährt. Allerdings ist Voraussetzung, dass man die russische Sprache beherrscht.
 
Und da ich ein wenig Russisch spreche, habe ich mich auf diesem Portal mal umgesehen.
 
Hier findet man Deutsche, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung treten und bescheiden ihre Arbeit verrichten und Geld verdienen.
 
Man findet Deutsche, die sich öffentlich präsentieren und über erfolgreiches Arbeiten all denen berichten, die es hören und nicht hören wollen und deren Bilanz seit Jahren rote Zahlen aufweist. Dies bedeutet, dass sie entweder doch nicht erfolgreich arbeiten oder Einfluss auf die Bilanz nehmen – in Deutschland spricht man wohl von Steueroptimierung.
 
Nach zehn Minuten Suche hatte ich acht Namen von den Deutschen gefunden, anscheinend Landwirte, die vor Jahren nach Kaliningrad gekommen waren. Und analysiert man die Angaben staunt man, wie wenig ausdauernd Deutsche sind, denn eine Vielzahl von Firmen existierte nur sehr kurze Zeit, meist nur 18 Monate bis zwei Jahre. Nur eine Firma existierte von 2012- 2018, allerdings, ohne jegliche wirtschaftliche Aktivitäten, wie die Datenbank Auskunft gibt:
 
Videoscreen: Auszug aus Wirtschaftsaktivitäten einer Firma mit deutschen Gesellschaftern
 
Für mich stellt sich nun die Frage, was denn passiert ist, dass diese Deutschen so schnell wieder aufgegeben haben?
 
Die Deutschen haben nicht ab 2014 aufgegeben, wo von deutschen Politikern informiert wurde, wie böse Russland ist. Nein, Sie gaben zu einer Zeit bis 2014 auf. Hätten Sie dies nicht getan, so wären Sie vermutlich in den Genuss von vielen Subventionsgeldern des russischen Staates gekommen, die dieser ab Mitte 2014 für die Förderung der Landwirtschaft zur Verfügung stellte.
 
Landwirtschaft ist nicht von heute auf morgen zu organisieren, insbesondere unter Kaliningrader Bedingungen. Aber bei den von mir gefundenen Deutschen wurde nicht eine einzige Ernte eingefahren. Man ist über die Registrierung der Firma nicht hinausgekommen, es gab keinerlei praktische Tätigkeit. Also außer Spesen nichts gewesen?
 
Warum? Was ist passiert? Ich könnte natürlich Mutmaßungen anstellen, denn alle von mir gefundenen Deutschen haben etwas Gemeinsames … lassen wir das mal so im Raum stehen. Vielleicht meldet sich ja einer dieser Landwirte und erzählt mir, was wir in Kaliningrad verkehrt gemacht haben, dass wir diesen Deutschen keine neue landwirtschaftliche Perspektive geben konnten.
 
Aber es gibt Ausnahmen. Ein Deutscher aus dieser Gruppe hat nicht aufgegeben. Ganz im Gegenteil. Er scheint optimistisch in die Zukunft zu schauen. Zuerst war er im Jahre 2012 als Geschäftsführer bei einer Firma, die wohl mit Landwirtschaft nichts zu tun hat. Dann war er Gesellschafter bei einer der von mir schon genannten Firmen, gemeinsam mit zwei anderen Deutschen. Diese Firma wurde 2014 liquidiert.
 
Womit sich der Deutsche seit 2014 beschäftigt hat, ist mir nicht bekannt. Aber Ende 2019 hat dieser Deutsche gleich drei Firmen an ein und demselben Tag gegründet.
 
Ich bin ja Kaliningrader Patriot, aber dass ich gleich drei Firmen auf einmal gründe – soweit geht mein patriotischer Mut dann doch nicht.
 
Schaut man sich diese Firmen an, so fällt auf, dass zwei Firmen sich in einem Gebäude befinden, in zwei benachbarten Zimmern. Und alle drei Firmen haben völlig identische Wirtschaftscodes, einen identischen wirtschaftlichen Hauptcode und 54 weitere Codes für Wirtschaftstätigkeiten.
 
Und ich stelle mir die Frage, ob dieser optimistische Deutsche nach dem Motto gehandelt hat: „Alle guten Dinge sind Drei“ oder warum gründet man drei völlig identische Firmen mit drei unterschiedlichen Direktoren?
 
Auf alle Fälle beeindrucken mich derartige Aktivitäten von Deutschen. Mein Interesse ist geweckt und ich werde hoffentlich bald von den Erfolgen dieser Firmen berichten können.
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