Wie das Corona-Virus verbreitete sich die Nachricht: Deutscher investiert in Kaliningrad

Wie das Corona-Virus verbreitete sich die Nachricht: Deutscher investiert in Kaliningrad

 

Wie das neue tödliche Virus aus China, verbreitete sich am Dienstag die sensationelle Nachricht. Ein Deutscher will Kaliningrader Müll und Dreck mit Königsberger Ressourcen beseitigen. Diese Nachricht war so wichtig, dass der Kaliningrader Bürgermeister höchstpersönlich dem Kaliningrader Gouverneur dazu Meldung erstattete.

 

 

Am Dienstag fand die wöchentliche operative Besprechung des Gouverneurs in der Dmitri Donskowo 1 statt. Auch der Kaliningrader Bürgermeister war anwesend und berichtete dem Gouverneur, dass ein deutscher Investor sich mit der Brache des ehemaligen Industriegeländes „Zepruss“ beschäftigen will. Dort gibt es viel Kaliningrader Müll und Dreck und bisher ist es nicht gelungen, eine Firma zu finden, die sich mit der Rekultivierung des Gebietes beschäftigen will. Jetzt ist ein Deutscher aufgetaucht, der sich diesem Problem annehmen möchte.

Der Bürgermeister äußerte:

„Unserer Ansicht nach war das ein ziemliches interessantes und konstruktives Treffen zur Lösung des Projektes mit der GmbH „Königsberg Ressource“, die von einem deutschen Bürger gegründet wurde. Diese Organisation plant, über eine Versteigerung das gesamte Abfallmaterial zu erwerben und es aufzubereiten – entweder hier vor Ort oder in Deutschland. (…) Sollte das Material eine entsprechende Qualität aufweisen (…) will „Königsberg Ressource“ im Verlaufe von drei bis fünf Jahren das Projekt realisieren …“

So weit, so gut. Es tauchen ja viele Deutsche in Kaliningrad auf und einigen gelingt es sogar, sich bis zum Gouverneur Anton Alichanow vorzuarbeiten und ihm zu erzählen, wie wichtig die deutsch-russische Freundschaft ist und man bereit ist, hierfür einen Beitrag zu leisten. Zum Beispiel ein deutsches Dorf zu bauen. Und wenn Deutsche nach Kaliningrad kommen, dann sind die Verantwortlichen in Kaliningrad immer schnell zu begeistern. Leider gibt es wohl nur noch wenige, die sich an Ereignisse in den 90er Jahren erinnern und die eigentlich Anlass sein sollten, dass nicht nur russische Investoren auf Herz und Nieren geprüft werden, sondern auch ausländische Investoren … bevor man anfängt, solche Meldungen lawinenhaft in die Medien zu lancieren.

Und so wundert es nicht, dass es am Dienstag kein Informationsportal in Kaliningrad gab, welches diese, vom Pressedienst der Gebietsregierung verbreitete Nachricht, nicht aufgriff. Egal ob „Kaliningrad.ru“, „newkaliningrad“, „Klops“, „ruwest“, freekaliningrad, „Kaskad“ und wie sie noch alle heißen – alle berichteten.

Alle, außer einem Portal: „rugrad.eu“. Das verwundert ein wenig, denn gerade dieses deutschfreundliche Portal, spezialisiert auf Analysen und Wirtschaftsinformationen, berichtet nicht darüber. Das macht nachdenklich.

Und während ich nachdenke, schaue ich noch ein wenig in die öffentlich zugänglichen Quellen. Dort wird informiert, dass der Deutsche Georg Nebauer heißt. Und dieser Deutsche hat am 26. November 2019 die Firma „Königsberg Ressource“ in Kaliningrad gegründet. Und mit Königsberger Ressourcen will man jetzt Kaliningrader Dreck und Müll wegräumen.

Dann schauen wir noch ein wenig weiter in die öffentlich zugänglichen Quellen und finden dort einen weiteren Georg Nebauer. Der Name ist natürlich in russischer Transskription geschrieben, anscheinend noch nach alten Regelungen. Dieser Georg Nebauer war bereits im Rahmen der GmbH „Elises Rus“ aktiv. Hier handelt es sich um eine Firma, die am 2. November 2012 gegründet wurde. Am 14. Juli 2014 begann Georg Nebauer dort als Generaldirektor zu arbeiten. Gesellschafter dieser Firma war er nicht. Am 14. April 2019 wurde diese Firma liquidiert. Die zugänglichen Quellen informieren, dass die juristische Adresse der Firma verkehrt ist und sie informieren, dass es in den Jahren 2017/2018 keinerlei Umsätze gab. Mit anderen Worten: Die Firma hat wohl nicht gearbeitet.

Nicht ausschließen kann man aber auch, dass es sich bei diesen beiden „Georg Nebauer“ um verschiedene Personen handelt. So selten ist der Name in Deutschland auch nicht, denn sucht man ein wenig im Internet, so findet man unter diesem Namen sowohl erfolgreiche Verkäufer von Schlafzimmereinrichtungen, Mediziner, wie auch einen Landwirt aus Bayern, der Schlagzeilen in Deutschland machte und wegen Betrugs vorbestraft ist.

Persönlich wäre ich natürlich an einem Kontakt mit Herrn Georg Nebauer, hier bei uns in Kaliningrad interessiert. Ich würde im Rahmen eines Interviews, wo er darlegen kann, wie er auf den Geschäftsgedanken kam, der Stadt Kaliningrad zu helfen, auch die Frage stellen, warum seine Firma den Namen „Königsberger Ressourcen“ trägt. Eigentlich endeten doch die Königsberger Ressourcen am 9. April 1945 mit der Kapitulation von General Lasch.

Und ich würde ihn polemisch fragen, wie er denn darüber denken würde, wenn eine Firma „Stalingrad-Consulting“ der Landesregierung Thüringen Dienstleistungen zur Aktivierung der Kaliningrad-Thüringischen Freundschaft anbieten würde.

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